Das Osteosarkom ist der häufigste primäre bösartige Knochentumor und tritt besonders häufig bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf. Die Erkrankung entwickelt sich meist in den langen Röhrenknochen und betrifft häufig das Kniegelenk oder den Bereich des Schienbeins.
Erste Symptome sind Schmerzen, Schwellungen und eine eingeschränkte Beweglichkeit der betroffenen Extremität. Eine frühzeitige Diagnostik ist entscheidend, um den Tumor möglichst früh zu erkennen und die Prognose zu verbessern. Die Behandlung des Osteosarkoms besteht in der Regel aus einer Kombination aus Chemotherapie und Operation. Je nach Ausbreitung können Metastasen, insbesondere in der Lunge, bereits bei der Erstdiagnose vorhanden sein. Dank moderner interdisziplinärer Therapiekonzepte haben sich die Behandlungsergebnisse in den vergangenen Jahren deutlich verbessert.
Häufigkeit des Osteosarkoms
Im deutschen Sprachraum erkranken zwei bis drei Menschen pro Million Einwohner und Jahr an einem Osteosarkom. Die Krankheit tritt manchmal schon früh auf. Mädchen sind zum Zeitpunkt der Erkrankung durchschnittlich 14, Jungen 18 Jahre alt. Danach nimmt die Häufigkeit wieder ab. Die Wahrscheinlichkeit steigt jedoch zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr wieder an.
Was sind Symptome des Osteosarkoms?
Das Osteosarkom verursacht häufig keine oder wenig Beschwerden. Auch die tumoröse Anschwellung ist oft schmerzlos.
Wenn Schmerzen in einem Knochen unabhängig von einer Belastung auftreten, sind sie ein Hinweis auf Knochenkrebs. Bei etwa der Hälfte aller Patienten treten Schmerzen im Knie auf, die meist aber als Verletzung interpretiert werden. Bei Schmerzen ist es wichtig, möglichst bald einen Arzt aufzusuchen. Einige Patienten haben in einer späteren Phase auch Atemprobleme. Um festzustellen, ob diese Beschwerden wirklich durch Krebs hervorgerufen werden, sind umfangreiche Untersuchungen notwendig.

Das Osteosarkom ist die häufigste Form von Knochenkrebs. Unerklärliche Knochenschmerzen, etwa im Knie, sind ein Hinweis darauf © Crystal light | AdobeStock
Wie läuft die Diagnosestellung des Osteosarkoms ab?
Die genaue Diagnose dient der Feststellung der Lage, der Ausbreitung und des Stadiums des Tumors. Sie ist entscheidend für die Wahl der richtigen Behandlung. Untersuchungen sollten von einem darauf spezialisierten Arzt durchgeführt werden. Bei einem erstem Gespräch erkundigt sich der Arzt nach der Art der Beschwerden und ihrem Verlauf. Er tastet den Knochen ab und lässt den Patienten Übungen durchführen, um Bewegungseinschränkungen zu erkennen.
Danach folgen bildgebende Verfahren:
Eine Röntgenuntersuchung dient dazu, einen Tumor zu entdecken. Kleine Tumoren können durch diese Untersuchung oft nicht festgestellt werden. Um einen Vergleich zu ermöglichen, wird auch ein Röntgenbild von dem gleichen Knochen auf der anderen Körperseite angefertigt. Die genaueste Untersuchung ist eine Magnetresonanztomographie (MRT). Durch sie lässt sich die Lage des Tumors und seine Ausbreitung in den Knochen und in die Weichteile bestimmen. Früher wurde stattdessen oft eine Computertomographie (CT) durchgeführt. Die CT ist jedoch nicht so genau und deshalb nicht mehr Stand der Technik.
Neben diesen bildgebenden Verfahren wird eine Gewebeentnahme (Biopsie) vorgenommen. Die entnommenen Proben werden im Labor durch einen Pathologen untersucht. Er stellt fest, ob der Tumor gutartig oder bösartig ist.
Eine Röntgenuntersuchung und eine CT des Brustkorbs dienen dem Ausschluss von Lungenmetastasen. Die Leber kann mit Hilfe einer Ultraschalluntersuchung oder einer CT des Bauchs auf Metastasen untersucht werden. Durch eine Szintigraphie können die Mediziner feststellen, ob der Tumor Metastasen in anderen Knochen gebildet hat.
Eine Angiographie ist heute nur noch selten zur Feststellung der Tumorausbreitung notwendig. In der Regel wird auf diese Untersuchung verzichtet. Ist eine Chemotherapie geplant, ist eine dynamische MRT mit Kontrastmittel oder eine Szintigrafie mit Kontrastmittel zu empfehlen. Dadurch lassen sich idealerweise Größenabgrenzungen zwischen noch nicht kalzifiziertem Narbengewebe und vitalem Tumorgewebe vor und nach einer Chemotherapie vergleichen.
Viele Patienten sind unsicher und nervös, bis sie das Ergebnis dieser Untersuchungen erfahren. Oft helfen Gespräche mit Angehörigen oder Freunden in dieser schwierigen Zeit. Für manche Patienten kann es auch sinnvoll sein, professionelle psychotherapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Behandlung des Osteosarkoms
Die Standardvorgehensweise bei einem Osteosarkom ist die neoadjuvante Chemotherapie, gefolgt von einer Operation. Neoadjuvant bedeutet, dass die Chemotherapie den Zweck hat, den Tumor zu verkleinern und so eine Operation zu erleichtern.
Außerdem kann die Chemotherapie möglicherweise bereits vorhandene Tumorabsiedelungen im übrigen Körper behandeln. Das erlaubt unter Umständen eine weniger radikale Vorgangsweise, d.h. eine extremitätenerhaltende Operation. Das Osteosarkom ist kaum strahlensensibel, dennoch werden bei ungünstiger Tumorlokalisation (z.B. Wirbelsäule) auch Bestrahlungen durchgeführt.
Nebenwirkungen der Osteosarkom-Therapie
Nebenwirkungen der Chemotherapie beim Osteosarkom sind zahlreich und hängen von den eingesetzten Zytostatika ab.
Wie sieht die Nachbehandlung nach einer Osteosarkom-Therapie aus?
Innerhalb der ersten drei bis fünf Jahre nach der Diagnose erfolgen in Abständen von drei bis sechs Monaten Nachsorgeuntersuchungen. Ob es für den Patienten vorteilhaft ist, nach der Behandlung eine Rehabilitationsklinik aufzusuchen, hängt von seiner Situation ab. Auch ambulante Rehabilitationsmaßnahmen sind möglich. Ziel von Rehabilitationsmaßnahmen ist es, dem Patienten wieder die Teilnahme am Berufs-, Familien- und Sozialleben zu ermöglichen.
Je nach Patient und Schwere der Erkrankung bzw. der Krankheitsfolgen liegt der Schwerpunkt auf
- einer Wiedereingliederung in das Berufsleben oder
- einer Förderung sozialer Kontakte.
Durch Rehabilitationsmaßnahmen kann der Patient lernen,
- sein Leben an die neue Situation anzupassen,
- mögliche Beschwerden zu lindern und
- mit Problemen richtig umzugehen.
Eine gute Rehabilitation kann
- erfolgreich Schmerzen bekämpfen,
- die Lebensmöglichkeiten durch spezielles Training verbessern und
- neue Lebenserfahrungen ermöglichen.
Auf den Patienten abgestimmte Übungen lassen diesen wieder an Körperkraft gewinnen. Sie tragen aber auch dazu bei, das Selbstbewusstsein zu steigern. Dadurch kann Mobilität und Selbstständigkeit erreicht werden, wodurch weniger Pflege nötig wird.
Bevorzugt wird die aktive Bewegungstherapie, aber auch passive Behandlungen sind möglich.
Wie wahrscheinlich ist ein Krankheitsrückfall bei einem Osteosarkom?
Bei korrekt durchgeführter multimodaler Therapie ist bei
- extremitätenerhaltendem Vorgehen in 89 Prozent und
- Amputationen in 97 Prozent
eine lokale Rezidivfreiheit zu erzielen.
Die 5-Jahresüberlebensrate beträgt in Abhängigkeit von der Anzahl der ursprünglich betroffen gewesenen Lokalisationen bei peripherer Lage 66 bis 79 Prozent, bei Lokalisation am Körperstamm 35 bis 52 Prozent.
FAQ
Was ist ein Osteosarkom?
Ein Osteosarkom ist der häufigste primäre bösartige Knochentumor und entsteht aus knochenbildendem Gewebe. Osteosarkome treten besonders häufig bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf und entwickeln sich bevorzugt in den langen Röhrenknochen wie Tibia, Femur oder Humerus. Das konventionell auftretende High-Grade Osteosarkom zählt zu den aggressivsten Formen. Das Osteosarkom ist der häufigste maligne Knochentumor und erfordert eine schnelle Behandlung in einem spezialisierten Zentrum.
Welche Symptome verursacht ein Osteosarkom?
Die ersten Symptome sind häufig Schmerzen, Schwellung und eine zunehmende Einschränkung des betroffenen Gelenks. Klinisch fallen Osteosarkomen oft durch eine tastbare Raumforderung oder eine pathologische Fraktur auf. Das Auftreten der ersten Symptome bis zur Diagnose kann mehrere Wochen oder Monate dauern. Die Lokalisation des Tumors befindet sich meist im Bereich der Metaphysen der langen Röhrenknochen. Bei fortgeschrittener Metastasierung können Metastasen in der Lunge auftreten.
Wie wird ein Osteosarkom diagnostiziert?
Die Diagnostik umfasst zunächst eine Bildgebung mittels Röntgen, MRT oder CT. Anschließend erfolgt die Diagnosestellung durch eine Gewebeprobe. Die Erstdiagnose wird interdisziplinär bewertet, um die Ausdehnung des Tumors sowie mögliche Mikrometastasen festzustellen. Patienten mit Osteosarkom werden in spezialisierten Zentren behandelt, in denen die Lokalisation, das Stadium und die Rekonstruktion nach der Resektion gemeinsam geplant werden. Internationale Studien wie EURAMOS-1 und die COSS-Protokolle haben die Behandlung maßgeblich verbessert.
Wie wird ein Osteosarkom behandelt?
Die Behandlung besteht meist aus einer neoadjuvanten Chemotherapie, gefolgt von einer chirurgischen Resektion des Tumors und einer postoperativen Chemotherapie. Die Operation stellt die Lokaltherapie der Wahl dar und erfolgt möglichst unter Erhalt der Extremität. Falls erforderlich, wird anschließend eine Rekonstruktion mit Implantaten oder Knochentransplantaten durchgeführt. Eine Strahlentherapie beziehungsweise Radiotherapie spielt beim Osteosarkom nur in besonderen Situationen eine Rolle. Patienten mit einem Osteosarkom profitieren von einer interdisziplinären Behandlung in erfahrenen Zentren.
Wie ist die Prognose bei einem Osteosarkom?
Die Prognose hängt vom Stadium, der Größe, der Lokalisation des Tumors und dem Vorliegen von Metastasen ab. Lokalisiert auftretende High-Grade Osteosarkome haben heute deutlich bessere Heilungschancen als noch vor wenigen Jahrzehnten. Faktoren wie eine vollständige operative Entfernung mit gesundem Gewebe sowie das Ansprechen auf die Chemotherapie beeinflussen den weiteren Verlauf. Sekundäre Osteosarkome, beispielsweise im Zusammenhang mit Morbus Paget, weisen teilweise eine ungünstigere Prognose auf. Eine engmaschige Nachsorge nach der Behandlung ist entscheidend, um Rückfälle frühzeitig zu erkennen.
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Über den Fachautor
Sabine Schneider
Sabine Schneider – medizinische Fachautorin: Entdecken Sie fundierte Fachbeiträge und medizinische Expertise im Leading Medicine Guide.
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