Die Prostata – oder Vorsteherdrüse – liegt unterhalb der Blase und umgibt den Anfang der Harnröhre.
Bei einer Prostatahyperplasie vermehrt sich das Prostatagewebe, wodurch sich das Organ vergrößert und auf die Harnröhre drückt. Die gutartige Prostatavergrößerung unterscheidet sich klar von bösartigen Veränderungen wie dem Prostatakarzinom.
Fachärzte sprechen von einer benignen Prostatahyperplasie (BPH), wenn die Vergrößerung der Vorsteherdrüse nicht auf Krebszellen zurückgeht.
Das erweiterte Gewebe wächst langsamer, bleibt aber auf die Prostata beschränkt und greift nicht in benachbarte Strukturen ein – daher der Begriff gutartig.
Die BPH entwickelt sich in der Regel über mehrere Jahre und kann verschiedene Stadien durchlaufen. Bleibt sie unbehandelt, drohen Komplikationen wie eine Überdehnung der Blase oder ein akuter Harnverhalt. Eine gezielte Therapie des BPS (Benign Prostatic Syndrome) führt in den meisten Fällen zu einer deutlichen Verbesserung der Symptome und zu einer dauerhaften Linderung der Beschwerden.
Was ist eine Prostatahyperplasie
Symptome und Beschwerden beim Wasserlassen
Die Symptome der Prostatahyperplasie entwickeln sich meist schleichend und hängen vom Ausmaß der Vergrößerung der Vorsteherdrüse ab. Typisch sind die sogenannten Symptome des unteren Harntrakts (Lower Urinary Tract Symptoms – LUTS). Diese werden in zwei Gruppen eingeteilt:
- Obstruktive Symptome: erschwerter Urinabfluss durch die Einengung der Harnröhre, schwacher Harnstrahl, Startverzögerung, Nachträufeln, Restharngefühl oder Harnverhalt.
- Irritative Symptome: häufiger Harndrang, nächtliches Wasserlassen und Brennen beim Wasserlassen durch Überaktivität der Blase.
Im Verlauf kann die Blasenentleerung zunehmend unvollständig sein. Dadurch verbleibt Restharn in der Harnblase, was Infektionen oder eine Reizung der Nieren begünstigt. Einige Patienten entwickeln zusätzlich eine Drangsymptomatik mit plötzlichem Harndrang und Harninkontinenz.
Mit der Zunahme des Prostatavolumens wächst auch das Risiko von Komplikationen wie Blasensteinen oder Harnwegsinfekten.
Wenn die Beschwerden beim Wasserlassen zunehmen oder der Harnstrahl deutlich schwächer wird, sollte eine urologische Untersuchung erfolgen, um eine bösartige Erkrankung auszuschließen.
Bild
Eine vergrößerte Prostata drückt u.a. auf die Harnröhre und erschwert so das Wasserlassen © bilderzwerg | AdobeStock
Diagnose und Abklärung der Erkrankung

Eine vergrößerte Prostata drückt u.a. auf die Harnröhre und erschwert so das Wasserlassen © bilderzwerg | AdobeStock
Die Diagnose der Prostatahyperplasie erfolgt durch eine Kombination aus ärztlicher Untersuchung, bildgebender Diagnostik und Laborwerten. Ziel ist es, die Vergrößerung der Prostata, ihre Auswirkungen auf Blase und Harnröhre sowie den Ausschluss bösartiger Veränderungen zu beurteilen.
Klinische Untersuchung
Zu Beginn führt der Urologe eine digital-rektale Untersuchung (DRU) durch. Dabei tastet er die Prostata über den Enddarm ab, um Größe, Konsistenz und Oberfläche zu beurteilen. Eine vergrößerte Prostata fühlt sich meist glatt und elastisch an – ein typisches Zeichen für eine gutartige Vergrößerung der Vorsteherdrüse.
Zusätzlich werden Reflexe und Schließmuskelfunktion überprüft, um neurologische Ursachen von Beschwerden beim Wasserlassen auszuschließen.
Eine Urinprobe hilft, Harnwegsinfektionen oder Blutbeimengungen im Urin zu erkennen.
Labor und Funktionsdiagnostik
Der PSA-Wert (Prostataspezifisches Antigen) ist ein wichtiger Laborparameter, um eine bösartige Erkrankung der Prostata (Prostatakarzinom) auszuschließen. Ein leicht erhöhter Wert kann jedoch auch durch eine benigne Prostatahyperplasie oder eine Entzündung verursacht werden.
Zur Beurteilung der Harnflussstärke dient die Uroflowmetrie.
Hierbei uriniert der Patient in ein spezielles Messgerät, das den Harnstrahl (ml/s) registriert. Werte unter 10 ml/s deuten auf eine Einengung der Harnröhre durch das vergrößerte Prostatagewebe hin.
Mit dem International Prostate Symptom Score (IPSS) wird die Stärke der Symptome des unteren Harntrakts (LUTS) bewertet. Diese standardisierte Skala ermöglicht eine objektive Einschätzung der Lebensqualität.
Bildgebung
Die transrektale Sonografie (TRUS) liefert präzise Bilder von Prostatavolumen und Blasenwand.
Hierbei wird eine kleine Ultraschallsonde über den Enddarm eingeführt, um Restharn, Blasensteine oder Divertikel sichtbar zu machen.
Ein zusätzlicher Ultraschall des Unterbauchs gibt Aufschluss über die Blasenentleerung und eventuelle Restharnbildung.
Falls die Ergebnisse unklar sind, kann eine Zystoskopie (Blasenspiegelung) erfolgen, um die Harnröhre und den Blasenhals direkt zu beurteilen.
So lässt sich sicherstellen, dass die Prostatahyperplasie meist gutartig bleibt und keine Tumorstrukturen vorliegen.
Urogenitalsystem
Ursachen und Entwicklung der BPH
Die benigne Prostatahyperplasie (BPH) entsteht durch ein komplexes Zusammenspiel hormoneller, genetischer und stoffwechselbedingter Einflüsse. Sie zählt zu den häufigsten Erkrankungen der Prostata bei Männern ab dem 50. Lebensjahr und betrifft Schätzungen zufolge bis zu 50 % der Männer zwischen 51 und 60 Jahren.
Hormonelle Einflüsse
Eine zentrale Rolle spielt das männliche Geschlechtshormon Testosteron. Es wird in der Prostata zu Dihydrotestosteron (DHT) umgewandelt, das das Wachstum der Prostata stimuliert.
Mit zunehmendem Alter verschiebt sich das Verhältnis zwischen Testosteron und Östrogen, wodurch die Drüsenzellen der Vorsteherdrüse empfindlicher auf DHT reagieren. Das führt zu einer Zunahme des Prostatagewebes und zur allmählichen Vergrößerung der Prostata.
Alterungsprozesse und Zellveränderungen
Im Verlauf des Lebens wächst die Prostata weiter, während die Muskelzellen weniger kontraktionsfähig werden. Das Gewebe verliert an Elastizität, und die Harnröhre wird zunehmend eingeengt.
Dieser Prozess verläuft nicht-invasiv, die Zellen bleiben also gutartig – daher spricht man von einer gutartigen Vergrößerung der Prostata oder benignen Prostatahyperplasie.
Die BPH ist meist eine normale Folge des Alterungsprozesses, kann jedoch ausgeprägte Beschwerden beim Wasserlassen verursachen.
Risikofaktoren
Neben hormonellen Veränderungen begünstigen weitere Faktoren die Entwicklung einer benignen Prostatahyperplasie:
- genetische Veranlagung (familiäre Häufung)
- Übergewicht und Bewegungsmangel
- fettreiche Ernährung mit hohem Anteil tierischer Produkte
- Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus
- erhöhter Blutdruck und chronischer Stress
Eine ungesunde Lebensweise kann die Vergrößerung der Vorsteherdrüse beschleunigen.
Regelmäßige Bewegung und eine ausgewogene Ernährung wirken dem entgegen und können die Symptome der Prostatahyperplasie abschwächen.
Stadien und Verlauf der Erkrankung
Die benigne Prostatahyperplasie verläuft typischerweise in drei Stadien, die den zunehmenden Grad der Harnwegsobstruktion und die daraus resultierenden Symptome des unteren Harntrakts (LUTS) beschreiben.
Nicht jeder Patient durchläuft alle Phasen, aber eine frühzeitige Therapie des BPS (Benignes Prostatasyndrom) kann den Verlauf günstig beeinflussen.
Erstes Stadium – Reizstadium
In dieser Phase ist die Blasenentleerung noch vollständig, der Harnstrahl jedoch abgeschwächt.
Typisch sind häufiger Harndrang, insbesondere nachts (Nykturie), und verlängerte Miktion. Die Blasenmuskulatur muss stärker arbeiten, um den Widerstand der Harnröhre zu überwinden.
Zweites Stadium – Restharnstadium
Die Blase kann sich nicht mehr vollständig entleeren; es bleibt Restharn zurück.
Patienten verspüren Drangsymptome und Harnverhalt, häufig begleitet von Infektionen oder Blasensteinen.
Die Uroflowmetrie zeigt eine deutliche Reduktion des Urinflusses.
Zu diesem Zeitpunkt ist meist eine medikamentöse Therapie erforderlich.
Drittes Stadium – Dekompensationsstadium
Die Blasenwand verliert ihre Kontraktionskraft, die Blasenentleerung ist stark eingeschränkt oder unmöglich.
Die Folge sind chronischer Harnverhalt, Harnstau bis in die Nieren und in schweren Fällen eine Niereninsuffizienz.
Dieses Stadium erfordert in der Regel eine operative Behandlung, um Komplikationen zu vermeiden.
Verlauf und Prognose
Ohne Behandlung kann sich die BPH über Jahre hinweg verschlechtern.
Mit einer rechtzeitigen medikamentösen oder operativen Therapie lassen sich die Symptome der unteren Harnwege jedoch deutlich verbessern.
Bei den meisten Männern stabilisiert sich der Verlauf, und die gutartige Vergrößerung bleibt kontrollierbar.
Operative und minimalinvasive Verfahren
Wenn die Blasenentleerung stark eingeschränkt ist oder medikamentöse Therapien nicht ausreichen, wird eine operative Behandlung empfohlen.
Die TUR-P gilt als Goldstandard der chirurgischen Therapie.
Dabei wird das überschüssige Prostatagewebe über die Harnröhre mit einer elektrischen Schlinge entfernt.
Dieses Verfahren verbessert die Harnflussgeschwindigkeit deutlich und lindert die Beschwerden beim Wasserlassen innerhalb weniger Tage.
Transurethrale Inzision der Prostata (TUIP)
Bei kleineren Prostatavolumina genügt oft eine Inzision der Prostata am Blasenhals.
Dadurch wird der Abfluss des Urins verbessert, ohne dass Gewebe entfernt werden muss.
Laserchirurgische Verfahren
Die HoLEP-Methode (Holmium-Laser-Enukleation) und andere Laserverfahren ermöglichen eine präzise, blutungsarme Entfernung des Gewebes.
Diese Technik eignet sich besonders bei stark vergrößerten Drüsen und reduziert die Gefahr von Komplikationen wie Nachblutungen oder Inkontinenz.
Offene Operation
In seltenen Fällen, etwa bei einer sehr großen Prostata, erfolgt eine retropubische Prostatektomie.
Der Urologe entfernt die vergrößerte Drüse über einen kleinen Bauchschnitt.
Diese chirurgische Therapie wird heute nur noch bei speziellen anatomischen Voraussetzungen angewendet.
Therapieoptionen und Behandlungsmöglichkeiten
Die Behandlung der benignen Prostatahyperplasie (BPH) richtet sich nach der Schwere der Beschwerden, dem Stadium der Erkrankung und den individuellen Bedürfnissen des Patienten.
Ziel ist die Verbesserung der Symptome und die Vermeidung von Komplikationen wie Harnverhalt oder Nierenschädigung.
Konservative und medikamentöse Therapie
Bei milden Symptomen genügt zunächst ein kontrolliertes Beobachten („watchful waiting“) mit regelmäßigen urologischen Kontrollen.
Wenn Beschwerden auftreten, wird eine medikamentöse Therapie eingeleitet.
1. Pflanzliche (phytotherapeutische) Behandlung:
Präparate mit Brennnesselwurzel, Kürbiskernen oder Sägepalme hemmen die Bildung von Wachstumsfaktoren im Prostatagewebe. Diese pflanzlichen Medikamente eignen sich für frühe Stadien und sind meist gut verträglich.
2. Alpha-Blocker:
Wirkstoffe wie Tamsulosin, Doxazosin oder Alfuzosin entspannen die Muskulatur von Blase und Harnröhre, verbessern den Harnstrahl und reduzieren häufiges Wasserlassen.
Nebenwirkungen können leichter Schwindel oder Blutdruckabfall sein.
3. 5-Alpha-Reduktasehemmer:
Substanzen wie Finasterid oder Dutasterid hemmen die Umwandlung von Testosteron in Dihydrotestosteron (DHT). Dadurch kommt es zu einer Verkleinerung der Prostata und einer Verbesserung der Blasenentleerung.
Die Wirkung tritt nach mehreren Monaten ein, dafür sinkt das Risiko für Harnverhalt und Operationen deutlich.
4. PDE-Hemmer (z. B. Tadalafil):
Diese Medikamente können zusätzlich die Durchblutung verbessern und unterstützen die Kontinenz und Potenz.
Wichtiger Hinweis:
Die medikamentöse Behandlung einer benignen Prostatahyperplasie sollte immer in Absprache mit einer Ärztin oder einem Arzt für Urologie erfolgen. Nur Fachärzt:innen können die Eignung, Dosierung und mögliche Wechselwirkungen individuell beurteilen.
Minimalinvasive Verfahren
Wenn Medikamente nicht ausreichen, kommen minimalinvasive Behandlungen zum Einsatz.
Diese Methoden sind weniger invasiv als klassische Operationen und werden häufig ambulant durchgeführt.
- Transurethrale Mikrowellentherapie (TUMT): Erwärmung des Gewebes durch Mikrowellen; das überflüssige Gewebe schrumpft.
- Transurethrale Nadelablation (TUNA): gezielte Hitzeeinwirkung über feine Nadeln.
- Prostataembolisation (PAE): Verringerung der Blutzufuhr, wodurch sich das Organ in den Wochen nach dem Eingriff verkleinert.
- Holmium-Laser-Enukleation der Prostata (HoLEP): Gewebe wird mit Laserenergie abgetragen – gilt als moderne und schonende Operationstechnik mit sehr guten Langzeitergebnissen.
Jede Operation der Prostata birgt Risiken, diese sind bei modernen Verfahren jedoch selten.
Zu den wichtigsten möglichen Komplikationen zählen:
- vorübergehende Harninkontinenz (meist nur wenige Wochen)
- selten bleibende Inkontinenz und Impotenz
- Blutungen oder Infektionen im Operationsbereich
- Reizungen der Harnröhre oder Blasenhalsverengung
Langfristig zeigen sich die Langzeitergebnisse der minimalinvasiven Methoden jedoch sehr positiv:
Die meisten Patienten berichten über eine deutliche Verbesserung der Symptome des unteren Harntrakts und eine stabile Harnkontinenz.
Ein gesunder Lebensstil kann die Entwicklung einer benignen Prostatahyperplasie verlangsamen und Beschwerden lindern.
- Regelmäßige Bewegung: fördert die Durchblutung und senkt hormonelle Risikofaktoren.
- Ausgewogene Ernährung: wenig tierische Fette, reichlich Gemüse und Ballaststoffe.
- Gewichtsreduktion: vermindert Östrogen-Überschuss und verbessert den Stoffwechsel.
- Ausreichende Flüssigkeitszufuhr: beugt Restharnbildung und Harnwegsinfekten vor.
- Verzicht auf Nikotin und Alkohol: reduziert Reizsymptome der Blase.
Regelmäßige urologische Untersuchungen helfen, Veränderungen der Prostata frühzeitig zu erkennen und die passende Therapie einzuleiten.
Die Prognose der gutartigen Prostatahyperplasie ist sehr günstig.
Mit einer gezielten Behandlung lassen sich die Symptome der Prostatahyperplasie meist vollständig kontrollieren.
Viele Patienten berichten über eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität bereits wenige Wochen nach Beginn der Therapie.
Auch nach operativen Eingriffen bleibt die Funktion der Blase und Harnröhre in der Regel erhalten.
Bleibt eine benigne Prostatahyperplasie unbehandelt, kann es zu Restharn, Blasensteinen oder Harnverhalt kommen – daher ist eine rechtzeitige Behandlung notwendig.
Ab wann sollte man zum Urologen gehen?
Wenn Beschwerden wie häufiger Harndrang, schwacher Harnstrahl oder nächtliches Wasserlassen auftreten, sollte eine urologische Untersuchung erfolgen.
Wie wird die Diagnose gesichert?
Durch digital-rektale Untersuchung, Ultraschall (TRUS), Uroflowmetrie und PSA-Wert.
Kann die Prostata wieder kleiner werden?
Ja, durch 5-Alpha-Reduktasehemmer oder Laserverfahren ist eine Verkleinerung der Prostata möglich.
Wann ist eine Operation nötig?
Wenn Medikamente keine ausreichende Wirkung zeigen oder Komplikationen wie Harnverhalt auftreten.
Wie gut sind die Heilungschancen?
Die gutartige Prostatavergrößerung ist sehr gut behandelbar. Moderne Verfahren wie HoLEP oder TUR-P bieten ausgezeichnete Langzeitergebnisse bei geringer Komplikationsrate.
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