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Harnröhrenverengung, Harnröhrenstriktur und Harnröhrenenge – Ursachen, Symptome und Behandlung

03.06.2026
Dr. med. univ. Franklin Kuehhas
Medizinischer Fachlektor

Die Harnröhrenverengung ist eine häufige Erkrankung der Harnröhre, bei der eine Verengung den normalen Urinfluss behindert. Eine Harnröhrenstriktur entsteht meist durch narbige Veränderungen des Gewebe und kann das Wasserlassen deutlich erschweren. Betroffene bemerken häufig einen abgeschwächten Harnstrahl, wiederkehrend auftretende Beschwerden oder Restharnbildung in der Blase.

Die Harnröhrenenge kann durch Entzündung, Infektion, kleine Verletzungen oder angeboren bedingte Ursachen entstehen. In der Urologie stehen verschiedene Verfahren zur Diagnostik und Behandlung einer Harnröhrenverengung zur Verfügung. Je nach Ausmaß der Verengung kommen endoskopischen Maßnahmen oder eine Harnröhrenrekonstruktion infrage.

Eine frühzeitige Therapie verbessert die Lebensqualität und kann Komplikationen wie Harnverhalt verhindern. Moderne urologische Verfahren ermöglichen häufig eine schonend durchgeführte Behandlung.

ICD-Codes für diese Krankheit: N35

Kurzübersicht:

Eine Harnröhrenverengung ist eine Verengung der Harnröhre, die den Urinabfluss behindert. Typische Beschwerde sind Probleme beim Wasserlassen, ein schwacher Harnstrahl und wiederkehrend auftretende Entzündungen. Die Diagnostik erfolgt durch urologische Untersuchungen wie Harnröhrenspiegelung oder Bildgebung. Die Behandlung richtet sich nach Ursache, Länge und Lage der Harnröhrenstriktur.

Artikelübersicht

Symptome einer Harnröhrenverengung

Das wichtigste Symptom einer Harnröhrenverengung ist ein veränderter Harnstrahl. Der Strahl kann beispielsweise schwächer als gewöhnlich sein, er kann aber auch seine Richtung oder seine Form ändern. Darüber hinaus müssen Betroffene beim Wasserlassen oftmals bewusst pressen, was unter normalen Umständen nicht nötig ist.

Oftmals kommt es auch zu einer Verzögerung beim Wasserlassen, da der Urin die Engstelle erst überwinden muss. Danach kann zudem ein Rest Urin in der Harnblase verbleiben, was auch Restharnbildung heißt. Diese erhöht gemeinsam mit dem reduzierten Harnstrahl das Risiko für Infekte der Harnwege.

Darüber hinaus kann eine Harnröhrenverengung zu folgenden Symptomen führen:

  • Unterbrechungen beim Urinieren
  • Unkontrolliertem Harnverlust
  • Häufigem Urinieren bei kleinen Harnmengen
  • Blut im Urin
  • Harnsteinen (durch einen potenziellen Restharn in der Blase)

In schweren Fällen kann die Verengung so gravierend sein, dass die Harnröhre komplett blockiert ist und ein Harnverhalt eintritt. Dieser führt zu starken Schmerzen und der Urin staut sich bis zur Niere zurück. Dieser Rückstau kann ein lebensbedrohliches Nierenversagen auslösen, weshalb eine sofortige Behandlung notwendig ist.

Zusammenfassend sind also folgende Symptome am häufigsten:

  • Abgeschwächter Harnstrahl
  • Gespaltener oder gedrehter Harnstrahl
  • Verlängerte Miktionszeit
  • Erhöhter Harndrang und erhöhte Frequenz
  • Schmerzen beim Wasserlassen
  • Unvollständige Blasenentleerung (Risiko einer Restharnbildung)

Ursachen für die Erkrankung

Es gibt verschiedene Ursachen für eine Harnröhrenverengung:

  • Hauptursache in ca. 40 bis 50 % der Fälle ist die Bildung von Narbengewebe durch Verletzungen der Harnröhre (Blasenspiegelung oder Katheteranlage)
  • In ca. 20 % der Fälle durch eine Urethritis (Entzündung der Harnröhre), meist bakterieller, selten auch viraler Ursache
  • Unfälle (zum Beispiel Beckenbrüche oder stumpfe Verletzungen im Schritt)
  • Hypospadie (angeborene Fehlbildung der Harnröhre)
  • Meatusstenose (Verengung der Harnröhrenöffnung)
  • Angeborene Harnröhrenklappen (Verengung der Harnröhre durch segelartige Membran)
  • Lichen sclerosus (entzündliche Hauterkrankung mit bindegewebigen Verhärtungen von Eichel und Vorhaut des Penis)
  • Mechanische Ursachen (zum Beispiel Krebsgeschwüre oder Polypen)

In knapp 30 Prozent der Fälle lässt sich keine Ursache für die Verengung der Harnröhre finden. Mediziner sprechen dann von einer idiopathischen Harnröhrenverengung.

Diagnosestellung beim Arzt

Wenn der Verdacht auf eine Harnröhrenverengung besteht, ist ein Urologe, ein Facharzt für Erkrankungen der Harnwege, der richtige Ansprechpartner.

Er erhebt zuerst die Krankengeschichte des Patienten und führt anschließend einige Untersuchungen durch. Bei der körperlichen Untersuchung versucht der Arzt, äußerliche Ursachen für die Verengung zu identifizieren. Auch eine Urinuntersuchung ist empfehlenswert, um einen Harnverhalt auszuschließen.

Der Arzt prüft den Harnfluss mit einem Uroflowmeter. Dabei muss der Patient mit voller Harnblase in eine Toilette urinieren, die den Urinfluss misst. Liegt eine Verengung der Harnröhre vor, dauert das Urinieren länger und der Harnstrahl ist schwächer als normal. Es zeigen sich bei dieser Untersuchung typische Veränderungen des Urinflusses. Anschließend kontrolliert der Arzt mittels Ultraschall, ob sich Urin in der Harnblase befindet. Darüber hinaus beurteilt er den Zustand von Harnblase und Niere. Bestätigen die Untersuchungen den Verdacht einer Harnröhrenverengung, so erfolgt die Bestimmung der Art, Länge und Lage. 

Dafür führt der Arzt folgende Verfahren durch:

  • Retrograde Urethrografie
  • Anterograde Urethrografie

Bei der retrograden Urethrographie spritzt er ein Kontrastmittel in die Harnwege. Bei der anterograden Urethrografie bringt er das Kontrastmittel durch einen Harnröhrenkatheter oder durch die Bauchdecke in die Harnblase ein. Mithilfe des angefertigten Röntgenbildes kontrolliert der Arzt die Verengung.

Alternativ erfolgt eine Harnröhrenspiegelung, bei der der Arzt die Harnröhre mit einer Kamera untersucht. Diese ist an einem Endoskop befestigt.

Es kann jedoch vorkommen, dass das Stethoskop die Engstelle nicht passieren kann. Dann kann der Arzt keine Aussage über die Länge der Verengung machen.

UrologeBei einer Harnröhrenverengung ist der Urologe die richtige Ansprechperson @ Pixel-Shot /AdobeStock

Behandlung der Harnröhrenverengung

Die Therapie einer Harnröhrenverengung kann unterschiedlich erfolgen, je nach Länge und Lage der Verengung. Die Therapie kann konservativ oder operativ erfolgen. 

Welche Therapieoption geeignet ist, ist abhängig von Lage und Größe der Verengung. Auch, ob bereits Behandlungen stattgefunden haben.

  • Bougierung

Die Bougierung oder Aufdehnung ist die älteste Behandlungsmethode bei einer Harnröhrenverengung. Dabei führen Ärzte einen speziellen Katheter in die Harnröhre ein, um sie aufzudehnen. 

Allerdings hält der Effekt dieser Behandlung nicht lange an. Deshalb muss die Dehnung immer wieder erfolgen. Die danach wieder auftretenden Harnröhrenstrikturen (Rezidive) sind oftmals länger als die Verengung zuvor.

Die Methode ist für Personen geeignet, die keine Operation wünschen oder bei denen das Narkoserisiko zu hoch ist. Bei konventionellen Dilatationsverfahren kommt es in 80 % der Fälle zu neuerlichen Strikturen, die mit der Zeit länger werden.

  • Stent

Bei diesem Verfahren setzten Ärzte mithilfe eines Endoskops einen Stent an der Verengung ein. Dabei handelt es sich um ein kleines Rohr, das die Harnröhre offen hält

Es gibt Stents, die in der Harnröhre bleiben, und solche, die nach mehreren Monaten auszutauschen sind. Das kann zu weiterer Narbenbildung führen und deshalb die Situation verschlimmern. Daher kommt sie nur in Ausnahmesituationen zum Einsatz.

Stent bei HarnröhrenverengungMithilfe eines Endoskops lässt sich ein Stent an die Stelle der Harnröhrenverengung einbringen @ Özgür Güvenç /AdobeStock

  • Medikamenten-beschichtete Ballondilatation (Optilume-Methode®)

Bei diesem Verfahren führen Mediziner einen Medikamenten-beschichteten Ballonkatheter in die Harnröhre ein. An der betroffenen Stelle blasen sie den Ballon sanft auf, um das Medikament (Paclitaxel) an das umliegende Gewebe abzugeben

Dieses Verfahren dehnt die Striktur schonend auf. Paclitaxel hemmt als chemotherapeutisches Medikament die Bildung von neuen Zellen. Dadurch kommt es zu einem geringeren Wiederauftreten der Strikturen

Laut aktueller Studien ist dieses Dilatationsverfahren den konventionellen Dilatationsverfahren überlegen. Sie stellt ein minimalinvasives Verfahren zur Behandlung dar.

  • Schlitzung

Bei dieser Methode schneiden Ärzte die Striktur endoskopisch mit einem Messer oder einem Laser ein, um die Verengung aufzuweiten. Wie bei konventionellen Dilatationsverfahren besteht auch hier das Risiko, dass es zu einer Rezidivbildung kommt. 

Eine Schlitzung sollte nicht öfter erfolgen, da es bei der Verengung zu einer Verletzung von gesundem Gewebe kommt. So vergrößert sich die Striktur.

  • Chrirurgische Harnröhrenplastiken

Bei einer kurzen Harnröhrenverengung schneidet der Chirurg die Engstelle aus der Harnröhre heraus. Danach vernäht er die beiden Enden direkt miteinander. Mediziner bezeichnen diesen Eingriff als End-zu-End-Anastomose.

Handelt es sich um eine langstreckige Verengung, kommt eine Operation mit anschließendem Harnröhrenersatz infrage, die Graft-Urethroplastik. Dafür verwenden Ärzte häufig Vorhaut oder Mundschleimhaut, um das herausgeschnittene Teilstück zu rekonstruieren. Diese Behandlung benötigt ausreichend Erfahrung in diesem Bereich, um Komplikationen wie neuerliche Strikturen und Fistelbildungen zu vermeiden.

FAQ

Was ist eine Harnröhrenverengung?

Eine Harnröhrenverengung ist eine narbige Verengung der Harnröhre, die den Abfluss von Urin behindert. Die Erkrankung wird auch als Harnröhrenstriktur oder Harnröhrenenge bezeichnet. Ursache können Entzündung, Infektion, kleine Verletzungen oder frühere Eingriffe sein.

Welche Symptome verursacht eine Harnröhrenstriktur?

Typische Beschwerde sind Schwierigkeiten beim Wasserlassen, ein abgeschwächter Harnstrahl, Restharnbildung in der Harnblase sowie wiederkehrenden Entzündungen. In schweren Fällen kann ein Harnverhalt auftreten. Die Symptome entwickeln sich häufig schleichend und verschlechtern sich mit zunehmender Verengung.

Wie wird eine Harnröhrenverengung diagnostiziert?

Zur Diagnostik gehören die körperliche Untersuchung, Urethroskopie beziehungsweise Harnröhrenspiegelung, Ultraschall und eine Röntgenuntersuchung mit Kontrastmittel. Ein Urologe oder Facharzt für Urologie beurteilt dabei Lage, Länge und Ausprägung der Striktur. Auch die Urethra und die Harnblase werden untersucht.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Die Behandlung der Harnröhrenverengung hängt von der Ausdehnung der Engstelle ab. Möglich sind Bougierung, Aufdehnung der Harnröhrenenge, Harnröhrenschlitzung mittels Urethrotomie oder eine Harnröhrenplastik. Bei langstreckigen oder wiederkehrenden Harnröhrenstrikturen wird häufig eine Harnröhrenrekonstruktion mit Mundschleimhaut oder eine End-zu-End-Anastomose empfohlen.

Kann eine Harnröhrenverengung erneut auftreten?

Ja, insbesondere nach einer Schlitzung oder Bougierung kann es zu einer wiederkehrenden Harnröhrenverengung kommen. Narbengewebe kann erneut entstehen und die Harnröhre wieder verengt werden. Langzeitergebnisse zeigen, dass rekonstruktive Verfahren bei vielen Patienten die dauerhaftesten Ergebnisse erzielen.

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