Die Hypospadie ist eine angeborene Fehlbildung der Harnröhre und zählt zu den häufigsten Fehlbildungen des Penis bei männlichen Neugeborenen. Bei einer Hypospadie befindet sich die Harnröhrenöffnung nicht an der üblichen Position an der Eichel, sondern weiter an der Unterseite des Penis.
Der Begriff Hypospadie beschreibt unterschiedliche Formen und Schweregrade, die von einer distalen bis zu einer proximalen Hypospadie reichen können. Neben der verlagerten Harnröhrenmündung treten häufig Veränderungen der Vorhaut oder eine Penisverkrümmung auf. Die Diagnosestellung erfolgt meist bereits bei Neugeborenen Jungen unmittelbar nach der Geburt.
Je nach Schweregrad der Hypospadie kann eine operative Korrektur empfohlen werden. Ziel der Behandlung ist es, sowohl funktionell als auch kosmetisch ein optimales Ergebnis zu erreichen. Moderne Verfahren der Kinderchirurgie und Urologie ermöglichen heute sehr gute Behandlungsergebnisse.
Welche Hypospadie-Formen gibt es?
Eine Hypospadie lässt sich in drei verschiedene Arten einteilen:
- Vordere Hypospadie: Die Harnröhre endet an der Eichelunterseite des Penis (ca. 70 % der von Hypospadie Betroffenen)
- Mittlere Hypospadie: Die Harnröhre endet an der Mitte des Penisschaft
- Hintere Hypospadie: Die Öffnung der Harnröhre liegt im Dammbereich oder am Hodensack
Symptome einer Hypospadie
Typischerweise tritt zusammen mit einer Hypospadie auch eine Vorhautspaltung auf. Dabei umschließt die Vorhaut nicht die gesamte Eichel.
Der Penis ist aufgrund der verkürzten Harnröhre oftmals nach unten gekrümmt. Diese Krümmung wird in manchen Fällen zusätzlich durch einen bindegewebsartigen Strang verstärkt.
Welche Ursachen hat eine Hypospadie?
Grund für eine Hypospadie ist eine Entwicklungsstörung der Harnröhre während der embryonalen Zeit.
Die Ursachen und Risikofaktoren für die Fehlbildung sind bis heute weitgehend unbekannt. In manchen Familien tritt die Hypospadie gehäuft auf. Daher ist davon auszugehen, dass genetische Faktoren für die Entstehung verantwortlich sein können.

Bei Hypospadie ist die Harnröhre des Mannes verkürzt. Normalerweise endet sie an der Eichelspitze © SciePro | AdobeStock
Die operative Behandlung einer Hypospadie
Der Königsweg bei der Behandlung ist eine operative Korrektur. Sie sollte von einem erfahrenen Urologen oder Kinderchirurgen durchgeführt werden. Im besten Fall erfolgt ein solcher operativer Eingriff bereits im frühen Kindesalter (12 bis 18 Monate). Die Korrektur ist aber auch im Erwachsenenalter noch möglich.
Das Ziel der operativen Korrektur ist die Verlegung des Harnröhrenausgangs an die Eichelspitze. Dazu ist eine Verlängerung der verkürzten Harnröhre erforderlich. Letztlich gilt es bei der Operation auch, die Verkrümmung des Penis zu beseitigen.
Der Eingriff ist vergleichsweise kompliziert und sollte daher von einem erfahrenen Urologen vorgenommen werden. Er erfolgt meistens unter Vollnarkose. Die Operation dauert - abhängig von den individuellen anatomischen Gegebenheiten - zwischen einer und vier Stunden. In besonders komplizierten Fällen kann die Operationszeit auch länger sein.
Sollte die Hypospadie nur gering ausgeprägt sein, ist eine operative Korrektur in einigen Fällen auch ambulant möglich.
Vor der Operation klärt der behandelnde Arzt den Patienten über mögliche Risiken wie
- Nachblutungen,
- Schwellungen und
- Wundinfektionen
auf. Wie bei allen operativen Eingriffen unter Vollnarkose ist zusätzlich das übliche Narkose-Risiko vorhanden.
Welche Operationsverfahren stehen bei einer Hypospadie zur Verfügung?
Abhängig von der Ausprägung der Hypospadie können verschiedene Operationsmethoden zum Einsatz kommen. Nach einer Untersuchung durch einen Urologen wird dieser die geplante Operationsmethode mit dem Patienten besprechen.
Aufgrund der verschiedenen Operationstechniken ist es wichtig, eine Evaluation der Hypospadie mit einem Spezialisten durchzuführen, da jede Hypospadie individuell behandelt werden muss. Ebenso ist für den behandelnden Spezialisten wichtig zu wissen, ob eine Penisverkrümmung vorliegt. Die angeborene Penisverkrümmung kann sehr häufig mit der Hypospadie auftreten. In solchen Fällen sollte die Hypospadie-Operation in Kombination mit einer Korrektur der Penisverkrümmung durchgeführt werden.
Die Korrektureingriffe werden umso aufwändiger und komplizierter, je
- ausgeprägter die Verkrümmung des Penis ist und
- umso weiter hinten sich die Öffnung der Harnröhre befindet.
Beispielsweise erfolgt in manchen Fällen eine partielle Neubildung der Harnröhre. Als körpereigene Materialien werden hierfür Teile der Mundschleimhaut oder die Vorhaut verwendet.
In besonders ausgeprägten Fällen einer Hypospadie reicht ein einzelner Eingriff nicht aus. Dann sind mehrere Operationen notwendig, um ein befriedigendes Ergebnis zu erzielen.
Der Ablauf nach der Behandlung
Der Harnkatheter, der beim operativen Eingriff gelegt wurde, muss - je nach Ausprägung der Hypospadie - zwischen zwei und zwölf Tagen liegen bleiben. Dies soll helfen, die neu geformte Harnröhre korrekt einheilen zu lassen und mögliche Fistelbildungen zu verhindern.
Nach einer erfolgreich durchgeführten Hypospadiekorrektur sollte der Patient regelmäßig zur Kontrolle zu seinem Operateur gehen, da es auch Jahre nach der Operation zu möglichen Problemen kommen kann (z.B. Fistel und Strikturbildungen in der Harnröhre).
Hypospadie-Spezialisten – Aus- und Weiterbildung
Es ist wichtig zu wissen, dass die Hypospadie nur von Spezialisten behandelt werden sollte. Dies kann ein Urologe, Chirurg oder ein Kinderchirurg sein. Nicht jeder Facharzt für Kinderchirurgie oder Urologie ist jedoch auch befähigt solch komplexe Operationen durchzuführen. Es ist hierfür eine entsprechende Spezialisierung notwendig.
FAQ
Was ist eine Hypospadie?
Die Hypospadie ist eine angeborene Fehlbildung der Harnröhre, bei der die Harnröhrenmündung beziehungsweise die Mündung der Harnröhre nicht an der Spitze der Eichel liegt. Stattdessen befindet sich der Meatus an der Unterseite des Penis. Die Fehlbildung des Penis kann unterschiedlich ausgeprägt sein und wird in distalen und proximalen Formen eingeteilt.
Welche Symptome der Hypospadie treten auf?
Zu den Symptome der Hypospadie gehören eine verlegte Harnröhrenöffnung, eine Vorhautschürze, eine Verkrümmung des Penis sowie Auffälligkeiten bei der Miktion. Je nach Schweregrad der Hypospadie kann die Fehlbildung funktionell oder kosmetisch relevant sein. Besonders bei einer proximalen Hypospadie sind die Veränderungen häufig stärker ausgeprägt.
Wann sollte eine Operation durchgeführt werden?
Die operative Korrektur erfolgt meist im Kindesalter, häufig zwischen dem sechsten und achtzehnten Lebensmonat. Ziel der Operation ist die Korrektur der Hypospadie, die Begradigung einer Chorda sowie die Verlagerung der Harnröhrenmündung an die Spitze der Glans. Die Wahl des Operationsverfahren hängt vom Schweregrad und der Anatomie des Penisschaftes ab.
Welche Komplikationen können nach einer Hypospadie-Operation auftreten?
Wie bei jedem operativen Eingriff können Komplikationen auftreten. Dazu zählen Fistelbildungen, Narbenbildung, eine erneute Verengung der Harnröhre oder kosmetisch unbefriedigende Ergebnisse. Die Komplikationsrate ist bei erfahrenen Operateuren jedoch gering. Postoperativ wird häufig ein Katheter eingesetzt, um die Heilung des Gewebes zu unterstützen.
Kann eine Hypospadie auch Erwachsene betreffen?
Ja, obwohl die Diagnose meist bei Neugeborenen gestellt wird, können auch erwachsene Patienten mit nicht behandelter Hypospadie oder nach früheren Eingriffen eine Vorstellung beim Facharzt für Urologie benötigen. Dies betrifft insbesondere wiederkehrende Beschwerden, eine Verkrümmung, Probleme bei der Erektion oder Korrekturen nach früheren Hypospadien. In solchen Fällen können Rekonstruktion, freie Transplantate oder eine Harnröhrenplastik erforderlich sein.
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Über den Fachautor
Dr. med. univ. Franklin Kuehhas
Wien
Dr. med. univ. Franklin Kuehhas – medizinischer Fachautor: fundierte Fachbeiträge, Expertenwissen und medizinische Einblicke im Leading Medicine Guide.
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