Kurzübersicht:
Artikelübersicht
- Divertikulose und Divertikulitis: Wenn sich Divertikel im Dickdarm bilden
- Symptom und klinische Anzeichen einer Divertikulitis
- Möglicher Risikofaktor für die Divertikelkrankheit und Divertikulitis
- Diagnose einer Divertikulitis durch den Facharzt
- Allgemeines zur Divertikulitis-Behandlung
- Therapie bei akuter unkomplizierter Divertikulitis (Stadium/Typ 1)
- Therapie bei akuter komplizierter Divertikulitis (Stadium/Typ 2)
- Therapie bei chronischer Divertikulitis (Stadium/Typ 3)
- Therapie bei Darmblutungen (Stadium/Typ 4)
- Operation bei Divertikulitis: Wann ein Eingriff nötig ist
- Verlauf und Prognose bei Divertikulitis
- FAQ: Häufige Fragen zur Divertikelkrankheit
Divertikulose und Divertikulitis: Wenn sich Divertikel im Dickdarm bilden
Bei vielen Menschen bilden sich im Laufe des Lebens Divertikel im Dickdarm. Diese Ausstülpungen der Darmwand entstehen bevorzugt an Schwachstellen der Muskulatur, wenn der Druck im Darm dauerhaft erhöht ist. Erst wenn diese Divertikel entzünden, wird die Situation klinisch relevant. Bei einer Divertikulitis entzünden sich Ausstülpungen durch festgesetzten Kot, was zu einer Reizung der Darmschleimhaut führt. Etwa 10 bis 25 Prozent der Patienten mit Divertikeln entwickeln im Laufe der Zeit eine akute Divertikulitis.
Dagegen liegt bei einem echten Divertikel eine Ausstülpung der ganzen Darmwand vor. Wie das Krankheitsbild in der Darmspiegelung aussieht, zeigt das Video:
Symptom und klinische Anzeichen einer Divertikulitis
Typische Symptome einer Divertikulitis sind plötzlich auftretende Schmerzen im linken Unterbauch, weshalb die Erkrankung oft als Links-Appendizitis bezeichnet wird. Diese Schmerzen im linken Unterbauch gehen häufig mit Fieber, Übelkeit und Erbrechen einher. Auch Veränderungen beim Stuhlgang wie Verstopfung oder Durchfall sind ein häufiges Symptom. Bei einem akuten Schub berichten Betroffene zudem oft über ein allgemeines Krankheitsgefühl und eine tastbare Walze im Unterbauch.
- starken Bauchschmerzen, insbesondere auf der linken Seite,
- Verdauungsstörungen (Verstopfung, Durchfall, Blähungen),
- druckschmerzhafte Verhärtungen und
- Fieber.
Folgende gefährliche Komplikationen können auftreten:
- Darmperforation: Einriss der Darmwand und Austritt von Luft und Kot in den Bauchraum. Dadurch kann die Entzündung auf benachbarte Strukturen übergreifen.
- Darmverschluss durch die entzündungsbedingte Verdickung der Darmwand.
Die Symptome treten häufig schubweise auf.
Das Vorhandensein von Divertikeln im Darm und deren krankhafte Veränderung können in verschiedene Stadien eingeteilt werden:
- Stadium/Typ 0 (asymptomatische Divertikulose): Es sind Divertikel vorhanden, die keine Beschwerden verursachen
- Stadium/Typ 1 (akute unkomplizierte Divertikelkrankheit/Divertikulitis): Entzündung der Divertikel ohne Komplikationen, das heißt, die Darmwand ist nicht perforiert (eingerissen)
- Stadium/Typ 2 (akute komplizierte Divertikelkrankheit/Divertikulitis): Entzündung von Divertikeln mit Komplikationen. Entweder ist die Darmwand frei perforiert oder gedeckt perforiert (das heißt, es hat sich ein Abszess ausgebildet)
- Stadium/Typ 3 (chronische Divertikelkrankheit/Divertikulitis): Eie Erkrankung ist chronisch und es kommt zu anhaltenden oder immer wieder auftretenden Beschwerden. Es können sich auch Komplikationen wie Fisteln (Verbindungsgänge) oder Stenosen (Verengungen) entwickeln
- Stadium/Typ 4: Blutung der Divertikel
Darstellung von Divertikeln im Dickdarm © Henrie | AdobeStock
Möglicher Risikofaktor für die Divertikelkrankheit und Divertikulitis
Als wesentlicher Risikofaktor gilt der moderne Lebensstil. Eine ballaststoffarme Ernährung führt zu härterem Stuhl, was den Druck auf die Darmwand erhöht. Auch der übermäßige Konsum von rotem Fleisch sowie Übergewicht und mangelnde Bewegung begünstigen die Divertikelkrankheit. In der Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten wird zudem das Rauchen als Faktor genannt, der das Risiko für eine komplizierte Divertikulitis erhöht.
Beeinflussbare Risikofaktoren für die Entstehung einer Divertikulitis sind laut der fachgesellschaftlichen Leitlinie zur Divertikelkrankheit
- der Verzehr von rotem Fleisch,
- Rauchen,
- Übergewicht und
- bestimmte Grunderkrankungen, wie arterieller Bluthochdruck.
Diagnose einer Divertikulitis durch den Facharzt
Bei Verdacht auf eine Divertikulitis erfolgt zunächst eine körperliche Untersuchung, bei der der Arzt auf Druckschmerzhaftigkeit und Abwehrspannung prüft. Die wichtigste Säule für die Diagnose einer Divertikulitis ist jedoch die Ultraschalluntersuchung oder eine Computertomographie des Bauches. Hierbei können die entzündete Divertikel und der betroffene Darmabschnitt genau dargestellt werden. Eine Darmspiegelung sollte im akuten Stadium vermieden werden, da das Risiko für eine Perforation zu hoch ist.
Neben
- der Anamnese (Patientenbefragung zu Symptomen, durchgemachten Krankheiten und eingenommenen Medikamenten),
- der Blutuntersuchung auf erhöhte Entzündungswerte (C-reaktives Protein = CRP, Leukozyten) und
- der körperlichen Untersuchung (zum Beispiel dem Abtasten des Bauchraums und der digital-rektalen Untersuchung)
sind bildgebende Untersuchungen für eine Divertikulitis-Diagnose von Bedeutung. So können mittels Ultraschalluntersuchung und Computertomograhie (CT) die Divertikel dargestellt werden.
Eine Darmspiegelung sollte nur im entzündungsfreien Intervall durchgeführt werden. Bei der Divertikulitis bestünde ansonsten ein erhöhtes Risiko für eine Darmverletzung (Perforation). Die Darmspiegelung wird vor allem eingesetzt, um
- Divertikelblutungen abzuklären und diese wenn möglich gleich zu stillen und
- bösartige Erkrankungen auszuschließen.
Allgemeines zur Divertikulitis-Behandlung
Spezialisten für die Behandlung von Divertikulits sind Fachärzte für Innere Medizin und Gastroenterologie (Magen-Darm-Erkrankungen) und viszeralchirurgische Experten für Darmoperationen.
Hausärzte können die meisten leichten Formen ambulant behandeln. Schwere Fälle müssen dagegen stationär an speziellen Kliniken für Divertikulitis, meist Kliniken für Gastroenterologie oder Viszeralchirurgie, therapiert werden.
Je nach Schwere beziehungsweise Stadium der Erkrankung bestehen verschiedene Behandlungsmöglichkeiten. Konservative Maßnahmen wie Ernährungsumstellung, Antibiotikatherapie und Mesalazingabe kommen bei leichteren Verläufen zum Einsatz.
Ein operativer Eingriff ist erforderlich bei Krankheitsstadien,
- die nicht auf konservative Maßnahmen ansprechen oder
- bei denen es zu Komplikationen wie einem Abszess oder einer Darmperforation gekommen ist oder
- ein erhöhtes Risiko für Rezidive oder Komplikationen besteht.
Therapie bei akuter unkomplizierter Divertikulitis (Stadium/Typ 1)
Leichte Beschwerden, wie Unregelmäßigkeiten im Stuhlgang, können oft durch Regulierung des Stuhlgangs erfolgreich therapiert werden.
Eine Antibiotikatherapie ist bei einer akuten, aber unkomplizierten Divertikulitis zunächst nicht notwendig. Voraussetzung ist aber, dass kein erhöhtes Komplikationsrisiko besteht. Eine engmaschige Kontrolle des Patienten ist aber erforderlich.
Das Komplikationsrisiko (Perforation oder Abszess) ist bei Patienten mit verschiedenen Vorerkrankungen erhöht, darunter
- arterieller Hypertonie (Bluthochdruck),
- chronischen Nierenerkrankungen,
- unter Immunsuppression oder
- bei allergischer Veranlagung.
In diesem Fall wird der Arzt eine Antibiotikatherapie verordnen. Während der Antibiotikumeinnahme sollte der Darm „geschont“ werden. Daher wird während der Behandlung eine ballaststoffarme Kost empfohlen. Nach Abheilung der Entzündung soll sie wieder in eine ballaststoffreiche Kost umgestellt werden.
Therapie bei akuter komplizierter Divertikulitis (Stadium/Typ 2)
Patienten mit einer akuten komplizierten Divertikelkrankheit/Divertikulitis sollten stationär im Krankenhaus behandelt werden.
Kommt es unter Antibiotikagabe nicht zur Besserung, sollte operiert werden. Abszesse können in der Regel mittels Punktion oder Drainage entleert werden.
Schwere Verläufe müssen umgehend durch einen erfahrenen Bauchchirurgen operiert werden (Notfall-Operation). Ein schwerer Verlauf lieft bei Darmperforation oder Peritonitis (Bauchfellentzündung) vor.
Auch Patienten in diesem Stadium, die erfolgreich mit Antibiotika behandelt wurden, wird zur Operation in der entzündungsfreien Phase geraten.
Therapie bei chronischer Divertikulitis (Stadium/Typ 3)
Unter Umständen kann es empfehlenswert sein, die divertikeltragenden Darmabschnitte im entzündungsfreien Intervall operativ zu entfernen. Insbesondere bei immer wieder auftretender (rezidivierender) Divertikulitis, aber auch bei häufigen leichten Entzündungen ist die Entfernung ratsam.
Stenosen werden dann operiert, wenn die Verengung zu einer Behinderung der Stuhlpassage führt. Fisteln sollten ebenfalls operativ behandelt werden.
Neue Studien zeigen, dass sich die Lebensqualität bei Patienten mit wiederkehrenden Entzündungen nach einer Operation deutlich mehr verbessert als der regelmäßigen Einnahme von Antibiotikum.
Therapie bei Darmblutungen (Stadium/Typ 4)
Die meisten Darmblutungen kommen von selbst zum Stillstand. Ist dies nicht der Fall, müssen sie gestillt werden. Dies kann entweder
- im Rahmen einer Darmspiegelung,
- angiographisch (das heißt über ein Blutgefäß) oder
- operativ
erfolgen.

Während einer Darmspiegelung können Eingriffe durchgeführt werden © sakurra | AdobeStock
vernarben, was zu einem Darmverschluss führen kann.
Operation bei Divertikulitis: Wann ein Eingriff nötig ist
Eine Operation bei Divertikulitis wird notwendig, wenn Komplikationen wie ein Darmdurchbruch oder ein großer Abszess auftreten. Auch bei wiederholten Schüben, welche die Lebensqualität massiv einschränken, kann eine operative Therapie sinnvoll sein. In der Allgemein- und Viszeralchirurgie wird heute meist minimal-invasiv operiert. Dabei wird der entzündete darmabschnitt entfernt und die gesunden Enden wieder miteinander vernäht.
Verlauf und Prognose bei Divertikulitis
Eine Divertikulitis kann sehr unterschiedlich verlaufen. Die Entzündung der Divertikel tritt häufig schubweise auf. Das heißt, nach Abklingen der Beschwerden kommt es zu einer erneuten Entzündung. Davon sind je nach Schweregrad zwischen zwei und 35 Prozent der Patienten mit einer einmal durchgemachten Divertikel-Entzündung betroffen.
Die meisten Patienten mit Divertikeln bleiben symptomlos bleiben. Bei manchen kann es aber schon im Rahmen des ersten Krankheitsschubs zu einer Darmperforation kommen. Andere Patienten entwickeln dagegen auch bei wiederkehrenden Schüben keine Komplikationen.
Das Risiko für eine Darmperforation ist während des ersten Schubes am größten, mit jedem weiteren Schub reduziert sich dann das Risiko. Allerdings erhöht sich auch mit jedem Schub das Risiko für ein weiteres Rezidiv.
Nach einer Sigmaresektion können sich in anderen Darmabschnitten erneut Divertikel beziehungsweise eine Divertikulitis entwickeln.
- Regelmäßige körperliche Aktivität,
- ausreichende Flüssigkeitszufuhr,
- der Erhalt von Normalgewicht und
- ballaststoffreiche, vegetarische Ernährung
werden zur Vorbeugung der Divertikulitis empfohlen.
FAQ: Häufige Fragen zur Divertikelkrankheit
Was darf man bei einer akuten Divertikulitis essen?
Im akuten Schub wird oft eine ballaststoffarme Ernährung oder Schonkost empfohlen, um den Darm zu entlasten. Sobald die Entzündung der Divertikel abklingt, erfolgt der Übergang zu einer ballaststoffreichen Kost zur langfristigen Vorbeugung.
Ist eine Divertikulitis immer ein Notfall?
Nicht jede Form der Divertikulitis ist ein Notfall. Eine unkomplizierte Divertikulitis kann oft gut zu Hause behandelt werden. Bei starken Schmerzen, hohem Fieber oder einem harten Bauch sollte jedoch sofort ein Arzt aufgesucht werden, da ein darmdurchbruch drohen könnte.
Kann man Divertikulitis ohne Operation heilen?
Ja, die meisten Fälle lassen sich durch eine konservative Therapie mit Medikamenten und angepasster Ernährung heilen. Eine Operation ist nur bei Komplikationen oder sehr häufigen Rückfällen indiziert.
Wie unterscheidet sich die Divertikulitis vom Reizdarm?
Während die Divertikulitis eine nachweisbare Entzündung mit Fieber und erhöhten Blutwerten ist, handelt es sich beim Reizdarmsyndrom um eine funktionelle Störung ohne organischen Befund.
Warum haben vor allem ältere Menschen Divertikel?
Mit zunehmendem Alter lässt die Elastizität der Darmwand nach. In Kombination mit langjährigen Ernährungsgewohnheiten führt dies dazu, dass Divertikel im Dickdarm bei über 60-Jährigen sehr häufig vorkommen.
Ist Blut im Stuhl ein Symptom der Divertikulitis?
Ja, eine Divertikelblutung kann auftreten, oft sogar ohne Schmerzen. Da Blut im Stuhl aber auch auf Darmkrebs hindeuten kann, muss dies immer ärztlich abgeklärt werden.
Hilft Sport gegen Divertikel?
Sport verbessert die Darmmotilität und beugt Verstopfung vor. Dadurch sinkt der Druck auf die Darmwand, was die Entstehung von Divertikeln erschwert und das Risiko für Entzündungen senkt.
Wie lange dauert die Behandlung im Krankenhaus?
Bei einer stationären Aufnahme wegen einer komplizierten Divertikulitis muss man mit etwa 5 bis 10 Tagen rechnen, abhängig davon, wie schnell die Entzündung auf die Antibiotika anspricht.
Quellen
- Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs-und Stoffwechselkrankheiten (DGVS), Deutsche Gesellschaft für Allgemein-und Viszeralchirurgie (DGAV) (2013) Divertikelkrankheit / Divertikulitis. S2k-Leitlinie. AWMF Register-Nr. 021/20. https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/021-020l_S3_Divertikelkrankheit_Divertikulus_2014-05-abgelaufen.pdf
- Fischbach W. (2015) Divertikelkrankheit des Kolons. In: Lehnert H. et al. (eds) SpringerReference Innere Medizin. Springer Reference Medizin. Springer, Berlin, Heidelberg
- Germer C-T, Lock JF (2017) Erste deutsche Leitlinie zur Divertikelkrankheit. Bayerisches Ärzteblatt vom 15.12.2017. https://www.bayerisches-aerzteblatt.de/inhalte/details/news/detail/News/erste-deutsche-leitlinie-zur-divertikelkrankheit.html
- Bolkenstein H. E. et al. (2019) Long-term Outcome of Surgery Versus Conservative Management for Recurrent and Ongoing Complaints After an Episode of Diverticulitis 5-year Follow-up Results of a Multicenter Randomized Controlled Trial (DIRECT-Trial). In: Annals of Surgery, Vol. 269, No. 4, April 2019. Wolters Kluwer Health, Inc.
- Kriening B., Anthuber M. (2019): Chirurgische vs. konservative Therapie bei Patienten mit rezidivierender Divertikulitis (DIRECT-TRIAL). In: Der Chirurg, 10 2019. Springer Medizin Verlag GmbH.


















