Ein künstlicher Darmausgang (Enterostoma) ist eine Verbindung zwischen einem noch funktionierenden Teil des Darms und der Hautoberfläche der Bauchdecke. Er kann vorübergehend oder dauerhaft sein. Hier finden Sie weiterführende Informationen sowie ausgewählte Stoma-Spezialisten und Zentren.
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Kurzübersicht:
Ein künstlicher Darmausgang – medizinisch als Stoma bezeichnet – wird angelegt, wenn Teile des Darms operativ entfernt oder geschützt werden müssen, etwa bei Darmkrebs, Morbus Crohn oder anderen schweren Erkrankungen des Darms. Dabei wird ein noch funktionierender Darmabschnitt durch eine Öffnung in der Bauchdecke nach außen geleitet, wo Ausscheidung über einen Auffangbeutel stattfindet. Der Eingriff kann sowohl dauerhaft als auch vorübergehend sein – je nach Grunderkrankung und individuellem Behandlungsziel. Viele Menschen mit einem Stoma führen ein weitgehend normales Leben und können mit der richtigen Versorgung nahezu alle Alltagsaktivitäten weiterhin ausüben.
Artikelübersicht
Künstlicher Darmausgang - Weitere Informationen
Etwa 160.000 Menschen in Deutschland leben mit einem künstlichen Darmausgang. Betroffene können ein weitgehend normales Leben führen.
Der künstliche Darmausgang bleibt zudem in den meisten Alltagssituationen von Außenstehenden unbemerkt. Dennoch bereitet er vielen Betroffenen zunächst große Sorgen und Schamgefühle.
Doch ein Leben mit einem künstlichen Darmausgang können Betroffene gut meistern.
Was ist ein künstlicher Darmausgang?
Die Verbindung eines Hohlorgans mit der Körperoberfläche heißt in der Medizin Stoma. Der künstliche Darmausgang ist hier spezifisch als Enterostoma bekannt.
Bei einem künstlichen Darmausgang leiten Ärzte die Verdauungsprodukte durch die Bauchdecke in einen Stomabeutel.
Die Haut um die Austrittsstelle an der Bauchoberfläche ist dabei durch eine Platte geschützt. In der Mitte der Platte befindet sich eine Öffnung, durch die sich der Teil des Darms wölbt.
Der Auffangbeutel ist durch einen Klickmechanismus an der Platte angebracht.

Darstellung eines künstlichen Darmausgangs (links) und des befestigten Auffangbeutels (rechts) © Artemida-psy | AdobeStock
Welche Formen des künstlichen Darmausgangs gibt es?
Je nachdem, um welchen Abschnitt des Darms es sich handelt, gibt es verschiedene Arten von Stomas.
Die zwei häufigsten Arten des Darmausgangs sind:
- das Ileostoma (Dünndarmausgang) und
- das Kolostoma (Dickdarmausgang)
Beim Ileostoma leiten Ärzte den Dünndarm nach außen. Beim Kolostoma besteht eine Verbindung zwischen Dickdarm und Bauchdecke. Der Dickdarmausgang ist mit 70 Prozent die häufigste Variante.
Wann ist ein künstlicher Darmausgang notwendig?
Krebserkrankungen sind am häufigsten für einen permanenten künstlichen Darmausgang verantwortlich.
Bei Dickdarmkrebs müssen Ärzte häufig einen Teil des Darms oder des Afterschließmuskels operativ entfernen. Insbesondere hier ist ein künstlicher Darmausgang obligatorisch.
Aber auch andere Umstände können einen vorübergehenden oder permanenten künstlichen Darmausgang notwendig machen.
Dazu gehören:
- Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (zum Beispiel Morbus Crohn oder Colitis Ulcerosa)
- Fehlbildungen des Darms
- Beeinträchtigte Funktion des Schließmuskel
- Entzündliche Ausstülpungen der Darmschleimhaut (Divertikulitis)
- Darmdurchbruch
- Verletzungen des Darms
- Polypen im Dickdarm
- Tumor
Wie wird ein künstlicher Darmausgang angelegt?
Vor der Operation klärt der Arzt den Patienten ausführlich über den Verlauf und mögliche Risiken des Eingriffs auf. Die spätere Position des Darmausgangs zeichnet er auf die Haut. Die Operation findet unter Vollnarkose statt.
Bei der Anlage eines künstlichen Darmausgangs gibt es zwei verschiedene Varianten:
- den endständigen Darmausgang und
- den doppelläufigen Darmausgang
Für einen endständigen Darmausgang (Endständiges Stoma) entscheidet sich der Arzt in der Regel dann, wenn es ein dauerhafter künstlicher Darmausgang sein soll.
Bei der Operation entfernen Ärzte den kranken Abschnitt des Darms. Anschließend führen sie den gesunden Teil zur künstlichen Öffnung der Bauchdecke. Die obere Darmschlinge befestigen sie mit Nähten an der Bauchdecke.
Ärzte legen einen doppelläufigen Darmausgang häufig für eine vorübergehende Therapie. Grund kann sein, bestimmte Abschnitte des Darms nach einer Operation zu schützen.
Beim doppelläufigen Stoma führt der Chirurg die Darmschlinge durch die Bauchdecke an die Körperoberfläche. Anschließend schneidet er die Schlinge auf. Dadurch entstehen zwei Öffnungen, die Ärzte nebeneinander mit Nähten an der Bauchdecke befestigen.
Der Stuhlgang kann sich nur durch die obere Darmschlinge entleeren. Den doppelläufigen Darmausgang können Ärzte nach einigen Wochen oder Monaten wieder rückverlagern. Dazu werden die beiden Öffnungen der Darmschlinge wieder miteinander vernäht.
Welche Komplikationen können auftreten?
Bei regelmäßiger Stomaversorgung ist das Risiko für Komplikationen sehr gering.
Eine typischerweise auftretende Komplikation ist die sogenannte parastomale Hernie. Es handelt sich um eine Bruchstelle um den Darmausgang herum, durch die sich die Bauchdecke nach außen wölbt. Bei einer stark ausgeprägten Bruchstelle ist eine Operation erforderlich, um die Bruchstelle wieder zu schließen.
Weitere mögliche Komplikationen eines künstlichen Darmausgangs sind:
- Allergische Reaktionen der umliegenden Haut (Abszesse, Ekzeme)
- Entzündungen der Haut
- Blutungen
- Störungen der Wundheilung
- Darmvorfall (Heraustreten des Darmabschnittes aus der Bauchdecke)
- Darmrückzug (Einziehen des Darmabschnittes unter die Haut)

Ein künstlicher Darmausgang ist sicher und lässt sich sehr unauffällig tragen © Martina | AdobeStock
Ist ein unbeschwertes Leben mit einem künstlichen Darmausgang möglich?
Viele Betroffene schämen sich anfangs für ihren künstlichen Darmausgang und befürchten große Einschränkungen im Alltag.
Im Laufe der Zeit stellen Patienten meist fest, dass sich trotz des künstlichen Darmausgangs wenig in ihrem Leben verändert. Alle Aktivitäten, etwa sportlicher oder sexueller Art, können sie weiterhin ausführen.
Sehr hilfreich kann der Austausch mit anderen Betroffenen in einer Selbsthilfegruppe sein. Sogenannte Stomatherapeuten stehen Betroffenen vor und nach der Operation zur Seite. Sie geben Hinweise zum Umgang mit dem Stoma und beantworten die Fragen des Patienten.
Bei der Ernährung müssen Patienten mit einem Enterostoma keine bestimmte Diät einhalten. Betroffene sollten testen, welche Nahrungsmittel sie am besten vertragen.
Bei Blähungen, Verstopfung oder Durchfall sollten Betroffene testen, welche Nahrung sie am besten vertragen. Das gründliche Kauen der Nahrung sowie eher kleinere und regelmäßige Mahlzeiten verringern Verdauungsprobleme.
Gerüche gelangen durch den Stomabeutel nicht nach außen, da die Beutel einen Kohlefilter enthalten, der Gerüche neutralisiert. Bei Blähungen können lediglich gurrende Geräusche hörbar sein.
In medizinischen Fachgeschäften gibt es zahlreiche Hilfsmittel und sogar spezielle Kleidung für Menschen mit einem künstlichen Darmausgang.
So sind beispielsweise spezielle Schwimmgürtel erhältlich, die den Darmausgang verdecken, sodass Betroffene ohne Schamgefühl baden gehen können.
Ziel der Versorgung ist stets eine Verbesserung der Lebensqualität.
FAQ
1. Kann ein künstlicher Darmausgang wieder rückgängig gemacht werden?
Ja – bei einem vorübergehenden, doppelläufigen Stoma können Ärzte den Darmausgang rückgängig machen, sobald der betroffene Darmabschnitt verheilt ist.
2. Was passiert bei einem Stomabruch?
Eine sogenannte parastomale Hernie ist die häufigste Komplikation. Bei der Gefahr eines Stomabruchs wölbt sich die Bauchdecke rund um das Stoma nach außen – in schweren Fällen ist eine Operation nötig.
3. Gibt es Hilfsmittel für den Alltag?
Ja – gibt es Hilfsmittel wie spezielle Gürtel zum Schwimmern, Stomakappen oder diskrete Kleidung, die das Stoma im Alltag verbergen und den Tragekomfort verbessern.
4. Kann ich mit einem Stoma Sport treiben?
Ja, viele Stomaträger sind sportlich aktiv. Lediglich bei bestimmten Kontaktsportarten sollte Rücksprache mit dem behandelnden Arzt gehalten werden.























