Divertikel sind kleine Ausstülpungen der Darmwand, die bei vielen Menschen im Laufe des Lebens entstehen. Während das reine Vorhandensein von Divertikeln oft unbemerkt bleibt, kann die sogenannte Divertikelkrankheit zu ernsthaften gesundheitlichen Problemen führen. Wenn sich diese Ausstülpungen im darm entzünden, leiden Betroffene unter schmerzhaften Schüben, die eine medizinische Behandlung erfordern. In diesem Artikel erfahren Sie, wie Divertikulose und Divertikulitis zusammenhängen, welche Beschwerde typisch ist und wie eine moderne Therapie die Darmgesundheit wiederherstellt.
Kurzübersicht:
Artikelübersicht
- Divertikulose und Divertikulitis: Den Unterschied verstehen
- Wie entstehen Divertikel im Dickdarm?
- Symptom und Beschwerde: Anzeichen einer Entzündung
- Risikofaktor für die Divertikelkrankheit
- Diagnose und Therapie der Divertikel im Darm
- Wann ist eine Operation notwendig?
- Prävention durch Ballaststoffe und Lebensstil
- FAQ: Häufige Fragen zu Divertikeln
Divertikulose und Divertikulitis: Den Unterschied verstehen
Das Vorhandensein von Divertikeln ist in westlichen Ländern sehr verbreitet. Wenn mehrere Divertikel im Dickdarm vorliegen, ohne dass eine Entzündung vorliegt, spricht man von einer divertikulose. Diese Form bleibt bei den meisten Menschen symptomfrei. Erst wenn sich Speisereste in den Ausstülpungen festsetzen und Bakterien eine Infektion auslösen, entzünden sich die divertikel und es kommt zur Divertikulitis. In diesem Fall ist das Risiko für eine komplizierte Divertikulitis erhöht, was eine schnelle ärztliche Intervention erfordert.
Divertikel sind Ausstülpungen der Wand eines Hohlorgans nach außen. Sie können im gesamten Verdauungstrakt vorkommen. Meistens entstehen Divertikel aber im linksseitigen Dickdarm. Auch der Harntrakt (Harnleiter, Harnröhre, Harnblase) und in sehr selten Fällen das Herz können betroffen sein.
Je nachdem, ob alle oder nur einige Wandschichten an der Ausstülpung beteiligt sind, unterscheidet man
- echte Divertikel (alle Wandschichten werden nach außen gestülpt) von
- falschen Divertikeln, auch Pseudodivertikel genannt (meistens sind nur die den Darm auskleidende Schleimhaut und die darunter liegende Submukosa beteiligt).
In den meisten Fällen von Divertikeln handelt es sich um Pseudodivertikel. Dieser Artikel bezieht sich daher vor allem auf Pseudodivertikel.
Die Bezeichnung Divertikulose ist durch das Vorhandensein von in der Regel mehreren Divertikeln definiert. Verursachen die Divertikel Beschwerden, spricht man von einer Divertikelkrankheit. Sind ein oder mehrere Divertikel entzündet, liegt eine Divertikulitis vor.
Das Vorhandensein von Divertikeln im Darm und deren Ausprägung können in verschiedene Klassen eingeteilt werden. Sie sind für den therapeutischen Ansatz von Bedeutung.
Sind die Divertikel nicht entzündet, handelt es sich um Typ 0, die asymptomatische Divertikulose. Entzündete Divertikel, die Divertikulitis, lassen sich in die Typen 1 bis 4 einteilen.

Durch die Divertikel in der Darmwand können Entzündungen entstehen und der Darm kann sogar aufreißen © Henrie | AdobeStock
Wie entstehen Divertikel im Dickdarm?
Die Frage "Wie entstehen divertikel?" lässt sich meist durch eine Kombination aus Alter und Lebensstil beantworten. Mit den Jahren verliert die darmmuskulatur an Elastizität. Wenn gleichzeitig ein hoher Druck im Darm herrscht – etwa durch pressen bei Verstopfung – stülpt sich die Schleimhaut durch kleine Lücken in der Muskelschicht nach außen. Diese Ausstülpungen im darm bilden sich bevorzugt im Sigma (auch Colon sigmoideum genannt), dem S-förmigen Abschnitt des dickdarms kurz vor dem Mastdarm. Dieser Bereich ist besonders anfällig für divertikel, da hier der höchste Druck lastet.
Bei den übrigen 30 Prozent können sich je nach Krankheitsstadium verschiedene Symptome entwickeln:
- Blähungen, aufgetriebener Leib, Gefühl einer unvollständigen Darmentleerung, wobei sich diese Beschwerden meist nach dem Stuhlgang bessern können,
- veränderte Stuhlbeschaffenheit (überwiegend Verstopfung),
- veränderte Stuhlfrequenz,
- zum Teil heftige Darmblutungen (Divertikelblutungen stellen die häufigste Ursache für Blutungen aus dem Magen-Darm-Trakt dar),
- Schmerzen im linken Unterbauch bis hin zu heftigsten Bauchschmerzen sowie
- eine tastbare walzenförmige feste Struktur bis hin zu einem „brettharten Bauch“
Insbesondere bei Zeichen einer akuten Divertikelkrankheit muss schnell ein Arzt konsultiert werden. Zu den Anzeichen gehören linksseitiger Unterbauchschmerz und eine Verhärtung des Bauchs.
Ursache dieser Schmerzen ist eine Ausdehnung der Entzündung auf die Außenseite des Darms und auf das Bauchfell. Dadurch entsteht eine Bauchfellentzündung (Peritonitis).
Im weiteren Verlauf der Divertikelkrankheit kann es zu
- Eiteransammlungen (Abszessen) bis hin
- zur Perforation (Einreißen) des Darms
kommen. Dadurch können Stuhl und Luft aus dem Darm in die Bauchhöhle gelangen. Diese „kotige Peritonitis“ kann trotz operativer Versorgung und Antibiotikatherapie auch in der heutigen Zeit immer noch zum Tode führen.
Treten - auch leichte - Entzündungen immer wieder auf, spricht man von einer chronischen Divertikelkrankheit. Dadurch kann es im Verlauf zu Schrumpfungen des Darms und zur Entwicklung einer Verengung (Stenose) im Darm kommen.
Symptom und Beschwerde: Anzeichen einer Entzündung
Solange die divertikel keine Entzündung aufweisen, verursachen sie oft keine Beschwerden. Wenn jedoch eine akute Divertikulitis vorliegt, ist das Leitsymptom ein plötzlicher, stechender Schmerz im linken Unterbauch. Diese Schmerzen im linken Unterbauch werden oft von Fieber, Blähung und einer Veränderung beim Stuhlgang begleitet. Auch Übelkeit oder ein allgemeiner Druck im Unterbauch sind typische Anzeichen. Bei der chronischen Divertikelkrankheit können zudem immer wiederkehrende dumpfe Bauchschmerzen auftreten, die den Alltag belasten.
Risikofaktor für die Divertikelkrankheit
Verschiedene Faktoren können das Risiko für eine Divertikelkrankheit erhöht erscheinen lassen. Eine ballaststoffarme Ernährung gilt als Hauptursache, da sie den Stuhl hart macht und den Druck im Darm steigert. Auch der übermäßige Verzehr von rotem Fleisch, Übergewicht und mangelnde Bewegung begünstigen die Bildung weiterer divertikel. Zudem kann die Einnahme bestimmter Medikamente, wie nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR), das Risiko für eine Entzündung der divertikel oder eine Blutung steigern.
Diagnose und Therapie der Divertikel im Darm
Bei Verdacht auf Divertikulitis ist eine zeitnahe Diagnose wichtig. Neben der Blutuntersuchung auf Entzündungswerte ist ein CT oder Ultraschall das Mittel der Wahl, um entzündete divertikel sichtbar zu machen. Eine Darmspiegelung sollte im akuten Stadium nicht durchgeführt werden, ist aber zur Nachsorge der Divertikelkrankheit und zum Ausschluss von Darmkrebs nach dem Abklingen der Entzündung essenziell. Die Therapie besteht oft aus Schonkost und bei Bedarf einem Antibiotikum.
Basis jeder ärztlichen Diagnostik ist die Patientenbefragung (Anamnese). Hierbei befragt der Arzt den Patienten über
- die Art und Schwere der Beschwerden,
- vergangene Krankheiten,
- eingenommene Medikamente und
- familiäre Erkrankungen.
In der anschließenden körperlichen Untersuchung wird der Bauch abgetastet und abgehört. Der Arzt misst die Körpertemperatur und führt eine digital-rektale Untersuchung (Untersuchung des Enddarms mit dem Finger) durch. Meistens erfolgt auch eine Blutuntersuchung. Im Labor werden dabei die Leukozyten- und CRP-Werte geprüft. CRP bedeutet C-reaktives Protein, ein Wert, der bei Entzündungen in der Regel ansteigt.
In der bildgebenden Diagnostik stehen der Ultraschall und die Computertomographie im Vordergrund. Bei einer Divertikelkrankheit besteht die Gefahr, dass durch das Endoskop der Darm perforiert (einreißt). Daher sollte eine Darmspiegelung in der Akutphase nicht durchgeführt werden.
Lediglich bei Darmblutungen aus Divertikeln erfolgt eine Darmspiegelung, um die Blutungsquelle zu suchen und um die Blutung möglichst zu stillen. Ist keine Blutungsquelle auszumachen, sind weitere bildgebende Untersuchungen (CT-Angiographie, Angiographie oder Szintigraphie) notwendig.
Bei länger als drei bis sechs Monate anhaltenden leichten und unspezifischen Beschwerden sollte eine Darmspiegelung durchgeführt werden. Damit kann der Arzt andere Krankheiten des Darms als Ursache sicher ausschließen.
Wann ist eine Operation notwendig?
Nicht jeder Patient mit Divertikulitis muss operiert werden. Eine operation notwendig wird jedoch bei Komplikationen wie einem Abszess, einer Fistelbildung oder nach einem Darmdurchbruch. Auch bei Menschen mit Divertikulose, die unter einer chronischen Form leiden und deren Lebensqualität massiv eingeschränkt ist, kann ein chirurgischer Eingriff sinnvoll sein. In der Allgemein- und Viszeralchirurgie wird heute meist laparoskopisch der betroffene darmabschnitt entfernt.
Menschen mit Divertikeln sollten
- regelmäßige körperliche Aktivitäten ausüben,
- Normalgewicht erhalten/erreichen und
- ballaststoffreiche, vegetarische Kost zu sich nehmen.
Diese Maßnahmen können einer Divertikulitis vorbeugen.
Leichte Beschwerden, wie Unregelmäßigkeiten im Stuhlgang, können oft durch Regulierung des Stuhlgangs erfolgreich therapiert werden. Hierzu wird in der Regel eine ballaststoffreiche Kost empfohlen.
Besteht dann weiterhin die Neigung zur Verstopfung, sind zusätzliche Gaben von
- Quellmitteln (Weizenkleie, geschrotete Leinsamen) sowie
- Milchprodukten (zum Beispiel naturbelassener Joghurt)
empfehlenswert. Stellt sich unter diesen Maßnahmen keine Besserung der Symptomatik ein, können durch den Arzt (keine Eigenmedikation!) stuhlregulierende Medikamente verschrieben werden.
Die Therapie reicht je nach Schweregrad der Erkrankung von
- der Regulierung des Stuhlgangs mittels ballaststoffreicher Kost, über
- eine Antibiotikatherapie und
- operativen Entfernung von divertikeltragenden Dickdarmabschnitten bis hin
- zur Stillung von Divertikelblutungen und
- der Notfall-Operation bei Darmperforation.
Prävention durch Ballaststoffe und Lebensstil
Um die Entstehung von Divertikeln zu verhindern oder Schübe zu vermeiden, ist eine ballaststoffreiche Ernährung der wichtigste Faktor. Ballaststoffe binden Wasser, lockern den Stuhl auf und senken so den Druck im darm. Vollkornprodukte, Gemüse und Hülsenfrüchte sollten fester Bestandteil einer ballaststoffreichen Ernährung sein. Ausreichend Trinken und regelmäßige Bewegung unterstützen die Darmpassage zusätzlich und sorgen dafür, dass Menschen mit Divertikeln dauerhaft beschwerdefrei bleiben.
FAQ: Häufige Fragen zu Divertikeln
Müssen Divertikel im Darm immer behandelt werden?
Nein, solange die divertikel keine beschwerden verursachen und lediglich eine divertikulose vorliegt, müssen sie nicht behandelt werden. In diesem Stadium reicht eine vorsorgliche Umstellung auf eine ballaststoffreiche Ernährung aus.
Was ist der Unterschied zwischen Divertikulose und Divertikulitis?
Von einer divertikulose spricht man bei dem reinen Vorhandensein von Divertikeln. Spricht man von einer divertikulitis, liegt eine behandlungsbedürftige Entzündung dieser Ausstülpungen vor.
Welche Rolle spielt Fleisch bei der Entstehung?
Ein hoher Konsum von rotem Fleisch wird oft mit einem erhöhten Risiko für Entzündungen in Verbindung gebracht. Eine ballaststoffreiche Kost mit wenig Fleisch hilft, das Risiko für eine Divertikelkrankheit zu senken.
Kann man Divertikel durch eine Darmspiegelung entfernen?
Divertikel sind Ausstülpungen der gesamten Darmwand und können nicht wie Polypen bei einer Spiegelung abgetragen werden. Wenn sie Probleme bereiten, ist meist die operative Entfernung des gesamten betroffenen Teils des Dickdarms nötig.
Warum sind vor allem ältere Menschen betroffen?
Divertikel bilden sich über Jahrzehnte durch Druck und eine nachlassende Stabilität der Darmwand. Daher sind ältere Menschen deutlich anfälliger für divertikel als junge Erwachsene.
Hilft viel Trinken bei Divertikulitis?
In der akuten Phase kann flüssige Kost helfen, den Darm zu entlasten. Zur Vorbeugung ist Wasser essenziell, damit die aufgenommenen Ballaststoffe im Darm quellen können und der Stuhl weich bleibt.
Was passiert, wenn ein Divertikel platzt?
Ein geplatztes Divertikel (Perforation) ist ein medizinischer Notfall. Darminhalt und Bakterien gelangen in die Bauchhöhle, was sofort operativ versorgt werden muss, um eine Sepsis zu verhindern.
Wo finde ich Spezialisten für Divertikel-Chirurgie?
Spezialisierte Kliniken für Viszeralchirurgie sind auf die operative Behandlung des Dickdarms spezialisiert und bieten oft minimal-invasive Verfahren an.
Quellen
- Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs-und Stoffwechselkrankheiten (DGVS), Deutsche Gesellschaft für Allgemein-und Viszeralchirurgie (DGAV) (2013) Divertikelkrankheit / Divertikulitis. S2k-Leitlinie. AWMF Register-Nr. 021/20. https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/021-020l_S3_Divertikelkrankheit_Divertikulus_2014-05-abgelaufen.pdf
- Fischbach W. (2015) Divertikelkrankheit des Kolons. In: Lehnert H. et al. (eds) SpringerReference Innere Medizin. Springer Reference Medizin. Springer, Berlin, Heidelberg
- Germer C-T, Lock JF (2017) Erste deutsche Leitlinie zur Divertikelkrankheit. Bayerisches Ärzteblatt vom 15.12.2017. https://www.bayerisches-aerzteblatt.de/inhalte/details/news/detail/News/erste-deutsche-leitlinie-zur-divertikelkrankheit.html


















