Von Erektionsstörungen spricht man, wenn mindestens 70 Prozent aller Versuche auf Geschlechtsverkehr scheitern. Rund 20 Prozent der Männer sind davon betroffen. Die Dunkelziffer ist vermutlich weitaus höher.
Diese Art der Potenzprobleme ist keine eigenständige Erkrankung, sondern das Symptom einer anderen Störung. Sie können beispielsweise auf sich anbahnende Herzprobleme hinweisen. Leiden Sie an Erektionsstörungen, sollten Sie sich daher unbedingt untersuchen lassen, um frühzeitig eine Behandlung angehen zu können.
Störungen der Sexualität können sich zudem negativ auf die Lebensqualität und die Paarbeziehung auswirken. Aus diesen Gründen ist ein Arztbesuch unbedingt anzuraten.
Viele Betroffene möchten aus Scham keine ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Doch Erektionsstörungen sind keine Einzelfälle: Eine Studie ergab, dass 52 % aller Männer von 40–70 Jahren zumindest zeitweise von erektiler Dysfunktion betroffen sind.
Vertrauen Sie sich einem Arzt an – Sie sind nicht allein mit diesem Problem. Heutzutage gibt es zudem mehrere Möglichkeiten, um die Auslöser zu überwinden und Ihr Selbstbewusstsein zurückzugewinnen.

Das Auftreten einer Potenzstörung hängt maßgeblich vom Lebensalter ab. Mit 30 Jahren leiden nur etwa 2,3 Prozent der Männer an Erektionsschwierigkeiten. Im siebten Jahrzehnt sind bereits deutlich mehr als 50 Prozent betroffen. Mit 40 liegt die Zahl noch bei etwa 10 Prozent, ab 50 nehmen die Zahlen stärker zu.
Falsche Scham ist hier also nicht angebracht.
Die Ursachen können sowohl psychisch als auch organisch bedingt sein. Häufig spielen verschiedene Faktoren eine Rolle.
Eine erektile Dysfunktion hat oft mehrere Ursachen. Sie sind auf verschiedene Faktoren zurückzuführen, die sich gegenseitig bedingen.
Psychische Ursachen
Bei jüngeren Männern, zum Beispiel mit 25, sind meistens psychische Probleme und Stress die Ursache für eine Erektionsstörung. Hier spielt in vielen Fällen die Angst vor sexuellem Versagen eine Rolle. Diese Angst geht häufig einher mit
- Konflikten in der Beziehung
- Trennungen
- beruflichem Misserfolg

Erektionsstörungen können zu Unzufriedenheit mit dem Sexualleben führen und die Paarbeziehung damit schwer belasten © drubig-photo / Fotolia
Organische Ursachen und Hinweis auf bevorstehende schwere Herzkrankheiten
Mit zunehmendem Alter spielen organische Ursachen bei einer Erektionsstörung eine immer größere Rolle. Typische Risikofaktoren sind beispielsweise
- Rauchen
- Zuckerkrankheit (Diabetes)
- Bluthochdruck
- Verletzungen an den Schwellkörpern
- Operation im kleinen Becken
- langjährige Einnahme verschiedener Suchtmittel wie Alkohol oder Tabletten, wodurch es zu Schäden an den Schwellkörpern oder Blutgefäßen kommen kann
- Verkalkung der Blutgefäße (Arteriosklerose)
- Lecks in den Venen, die das Blut ableiten
- Vorkommen der Störung in der Familie
Gefäßprobleme sind ein relativ häufiges Phänomen. Dennoch wird diese Ursache – selbst durch erfahrene Ärzte – nur selten abgeklärt. Doch auch für diesen Auslöser von Erektionsstörungen gibt es erfolgreiche Behandlungsoptionen.
Erektile Dysfunktion tritt besonders häufig bei Diabetes-Patienten auf. Sie zeigt sich bei rund 75 Prozent der Diabetiker über 60 Jahre und nimmt weiter zu, wenn die Diabetes-Erkrankung fortschreitet.
Auch Patienten mit Herzkrankheiten sind zu rund 50 Prozent von Erektionsstörungen betroffen. Über 70 Prozent der Patienten, die einen Herzinfarkt erlitten haben, zeigen ebenfalls dieses Symptom.
Die meisten Herzkrankheiten werden durch Arteriosklerose ausgelöst. Dabei verringert sich der Durchmesser der Blutgefäße durch Ablagerungen an den Gefäßwänden. Durchblutungsstörungen sind die Folge.
Ein Herzinfarkt tritt auf, wenn die Koronararterien des Herzens so verengt sind, dass der Herzmuskel nicht mehr mit Blut versorgt wird. Die Koronararterien haben einen Durchmesser von 3-4 mm.

Arteriosklerose: Durch Ablagerungen in den Gefäßen verringert sich der Blutdurchfluss.
Zuvor können die feineren Arterien im Schwellkörper des Penis (1-2 mm Durchmesser) bereits beeinträchtigt sein.
Aus diesem Grund kann die erektile Dysfunktion ein früher Hinweis auf sich anbahnende ernste Herzerkrankungen sein. Beinahe alle Patienten leiden rund drei Jahre, bevor es zu durchblutungsbedingten Herzproblemen kommt, an diesem Symptom.
Daher sollte jeder Betroffene die Ursache der Erektionsstörungen abklären lassen und gegebenenfalls eine Behandlung starten. Dazu sollte unter Umständen ein Experte, etwa ein
hinzugezogen werden. Auf diese Weise können ernsthafte Erkrankungen bereits im Frühstadium erkannt und schwere Folgen vermieden werden.
Weitere Informationen zum interdisziplinären Ansatz finden Sie im englischsprachigen Fachartikel "Interdisciplinary options for diagnosis and treatment of organic erectile dysfunction".
Aber auch Medikamente können zu Erektionsstörungen führen, beispielsweise Betablocker oder Antiandrogene. Diese haben zur Folge, dass männliche Sexualhormone in ihrer Wirkung gehemmt werden.
Grundsätzlich sollten Sie einen Urologen aufsuchen. Dieser kann bei Bedarf Neurologen und Psychotherapeuten hinzuziehen. Häufig ist eine interdisziplinäre Zusammenarbeit erforderlich.
Im sogenannten Anamnesegespräch klärt der Urologe ab, wie die sexuellen Probleme aussehen und seit wann sie bestehen.
Im günstigsten Fall zeigt sich schon jetzt, ob psychische Faktoren die erektile Dysfunktion verursachen. Der Arzt prüft auch die Medikamente, die der Betroffene gegebenenfalls einnimmt. Manche Wirkstoffe können Erektionsstörungen begünstigen.
Weitere Möglichkeiten zur Untersuchung bestehen im Ultraschall sowie einer Blutprobe. Eine Ultraschalluntersuchung kann Hinweise auf Verletzungen geben. Die Blutprobe kann hormonelle Störungen aufzeigen.
Stellt der Urologe organische Schäden fest, wählt er weitere Methoden, um die Ursache der erektilen Dysfunktion herauszufinden.
Dazu gehört etwa die sogenannte NPTR-Messung, die etwaige vorhandene nächtliche Erektionen aufzeichnet. Diese treten bei einem organisch gesunden Mann zwischen drei- und sechsmal pro Nacht auf und dauern bis zu zehn Minuten an. Treten sie auch bei einem Patienten auf, der unter Erektionsstörungen leidet, ist das ein deutlicher Hinweis auf psychische Ursachen.
Um eine Störung der Gefäße auszuschließen, empfiehlt der Arzt häufig eine Schwellkörperinjektionstherapie. Dabei wird durch Medikamente eine Erektion hervorgerufen. Sofern diese über einen Zeitraum von mehr als 15 Minuten anhält, ist eine Beschädigung der Gefäße sehr unwahrscheinlich.
Mit einer Duplexsonographie (auch Dopplersonographie genannt) lassen sich Gefäßprobleme ausschließen. Mit dieser Methode werden verschiedenste Daten über den Blutfluss im Körper des Mannes gewonnen.
Eine medizinische Leitlinie empfiehlt seit September 2012 Therapiemöglichkeiten für eine erektile Dysfunktion. Diese Leitlinien sind allerdings nicht bindend und müssen an den jeweiligen Einzelfall angepasst werden. Zudem gibt es für die Behandlung einer Erektionsstörung mehrere Ansätze.
Bei psychischen Ursachen stellen eine Psychotherapie oder eine beratende Sexualtherapie die besten Behandlungsformen dar. Gegebenenfalls sollte auch der Partner mit einbezogen werden. Sofern tatsächlich eine Erkrankung vorliegt, werden die Kosten von den Krankenkassen übernommen.
Medikamentöse Behandlungsformen
Die Erektionsstörung lässt sich darüber hinaus vielfach mit der Gabe von potenzsteigernden Medikamenten lindern. Leichte Nebenwirkungen sind möglich. Unbedingt sollten die betroffenen Patienten auf eine Selbstmedikation verzichten. Nur unter ärztlicher Anleitung ist eine optimale Einstellung des Patienten auf die Medikamente möglich.
Als wirkungsvoll haben sich außerdem Gewebshormone, die sogenannten Prostaglandine, erwiesen. Sie können entweder injiziert oder in die Harnröhre eingeführt werden. Die Einführung erfolgt mithilfe eines Stäbchens, das mit dem Wirkstoff getränkt ist und diesen so an die Schleimhäute in der Harnröhre abgibt.
Mechanische Herangehensweise
Einsatz einer Vakuumpumpe
Vakuumpumpen können dem Patienten dabei helfen, eine Erektion zu bekommen. Über den Penis gestülpt erzeugen sie einen Unterdruck, der den Schwellkörper des Penis mit Blut füllt und somit eine Erektion hervorruft.
Die Fachliteratur spricht von einer 70-prozentigen Zufriedenheitsrate, wobei hier nicht allein der Mann, sondern das Paar gefragt war.
Revaskularisation mittels Ballonkatheter
Unter Umständen kann eine Katheterbehandlung die zugesetzten Arterien mechanisch wieder öffnen. Ob die Voraussetzungen für diese Therapie vorliegen, ergeben die im Vorfeld durchgeführten Untersuchungen.
Im Rahmen der Ballonkatheter-Dilatation bringt der Angiologe einen winzigen Schlauch in die kleinen Beckenarterien ein. Diese versorgen den Penis mit Blut. An Ort und Stelle pumpt er einen kleinen Ballon auf und öffnet so die Engstellen.
Dieses Verfahren ist bei der Therapie der Koronaren Herzkrankheit schon länger im Einsatz. Durch die Miniaturisierung des Katheters ist die Methode auch für noch dünnere Blutgefäße geeignet. Die Behandlung kann unter örtlicher Betäubung bei einem Großteil der Patienten ambulant erfolgen.
Danach würden sich stark verkalkte Gefäße jedoch erneut verengen. Daher setzt der Angiologe an gefährdeten Abschnitten medikamentenbeschichtete Stents ein. Das sind gitterartige Gefäßstützen, die das Gefäß offen halten.
Für rund 60 Prozent der Patienten ist die Behandlung erfolgreich und die Erektionsstörungen reduzieren sich. So kann die für eine Erektion wichtige Durchblutung oftmals auf sehr schonende Weise minimal-invasiv wieder hergestellt werden. Weitere Informationen zu diesem Verfahren finden Sie im Fachartikel "Erektile Dysfunktion und kardiovaskuläre Medizin".
Allerdings treten nach 6 Monaten bei einem Drittel der Patienten erneut Gefäßverengungen auf.

Ballonkatheter-Dilatation und Stent-Einsatz, hier an den Herzkranzgefäßen
Wann ist eine Operation sinnvoll?
Eine Erektionsstörung lässt sich unter Umständen auch operativ behandeln. Das ist dann nötig, wenn Gefäßverletzungen vorliegen oder die Betroffenen einen Leistenbruch hatten.
Insgesamt zeigen sich bei der operativen Methode etwa 80 % der Patienten mit der Behandlung zufrieden.
Weitere Therapiemaßnahmen
Stoßwellentherapie
Die Stoßwellentherapie ist eine weitere Behandlungsmöglichkeit von Erektionsstörungen. Die Datenlage ist allerdings noch zu dünn für ein eindeutiges Bild.
Mit dieser Therapie soll die Durchblutung lokal an den Schwellkörpern gefördert werden. Etwa zwei Drittel der Patienten, die sich dieser Behandlung unterzogen haben, berichten von positiven Auswirkungen.
Operative Behandlung mit Penis-Prothese
Ein Schwellkörper-Implantat im Penis (auch Penis-Prothese genannt) kann auf Wunsch eine Erektion erzeugen und lässt sich im Rahmen einer Operation einsetzen. Dabei wird jedoch das körpereigene Schwellkörpergewebe unwiderruflich zerstört. Diese Möglichkeit wird daher nur eingesetzt, wenn sonst keine Therapie hilft.
Nach wie vor ist der Leidensdruck für die Betroffenen, die unter einer Erektionsstörung leiden, enorm groß. Im deutschsprachigen Raum wird er nach wie vor nicht richtig wahrgenommen. Das ist für die Psyche Betroffener zusätzlich schlecht und kann die Probleme noch verstärken. Hinzu kommt, dass weder private noch gesetzliche Krankenkassen dazu verpflichtet sind, die Kosten für Behandlungen und Potenzmittel zu übernehmen.
Häufig werden Erektionsstörungen zudem mit Zeugungsunfähigkeit, also Impotenz, gleichgesetzt. Das ist jedoch nicht korrekt. Patienten, die unter einer erektilen Dysfunktion leiden, können Ejakulationen haben und auch auf natürlichem Weg Kinder zeugen.
Aktuell laufen intensive Bestrebungen, um das Thema zu enttabuisieren.
Da der Lebenswandel entscheidenden Einfluss auf Libido und Sexualleben haben kann, lässt sich sowohl psychischen als auch organischen Erektionsstörungen in vielen Fällen gut vorbeugen. Ausgewogene Ernährung, Übergewicht vermeiden, regelmäßige Bewegung und Sport sowie Regenerations- und Entspannungstechniken fördern die Allgemeingesundheit und verhindern etwa, an Bluthochdruck und Diabetes Typ 2 – zwei der Risikofaktoren – zu erkranken.
Auch der Verzicht auf das Rauchen und übermäßigen Alkoholkonsum hilft bei der Prävention von Erektionsproblemen. Alle genannten Aspekte können im Übrigen auch dazu beitragen, die Behandlung einer bereits vorhandenen Störung zu verbessern.