Leistenbruch (Leistenhernie): Informationen und Leistenbruch-Spezialisten

13.10.2025
Prof. Dr. med. Ferdinand Köckerling
Medizinischer Fachautor

Der Leistenbruch ist die am häufigsten vorkommende Form einer Hernie. Beim Leistenbruch muss immer operiert werden, da es sonst zu schweren Komplikationen wie zur Einklemmung des Darms oder anderer Bauchorgane kommen kann. 

Hier finden Sie weiterführende Informationen sowie qualifizierte Spezialisten zur Behandlung der Leistenhernie.

ICD-Codes für diese Krankheit: K40

Kurzübersicht:

Ein Leistenbruch (medizinisch: Hernia inguinalis) entsteht durch eine Schwachstelle in der Bauchdecke im Bereich des Leistenkanals, sodass sich Eingeweide nach außen vorwölben können. Betroffene bemerken meist eine tast- oder sichtbare Vorwölbung sowie Druck- oder Schmerzgefühle in der Leiste, die sich bei Belastung verstärken. Männer sind deutlich häufiger betroffen als Frauen, insgesamt macht die Leistenhernie rund 75–80 % aller Bauchwandbrüche aus. Da sich ein Leistenbruch nicht von selbst zurückbildet und Komplikationen wie eine Einklemmung des Darms drohen, ist fast immer eine Operation notwendig – häufig minimalinvasiv oder mit Netzverstärkung.

Artikelübersicht

Ein Leistenbruch ist ein Eingeweidebruch im Bereich des Leistenkanals. Er wird auch Leistenhernie oder Inguinalhernie genannt.

Im Leistenbereich entsteht dabei eine Lücke in der Bauchdecke. Durch diese sogenannte Bruchpforte oder Bruchlücke können Anteile der Eingeweide nach außen treten.

Das Bauchfell wölbt sich durch die Bruchpforte und bildet den Bruchsack. Die darin eingeschlossenen Eingeweideteile stellen den sogenannten Bruchinhalt dar, dies beispielsweise Teile des Darms sein

Leistenhernie
Auftreten und Darstellung einer Leistenhernie © designua | AdobeStock

Jedes Jahr erleiden rund 0,5 % der Bevölkerung einen Eingeweidebruch im Bereich des Leistenkanals. Damit zählt der Leistenbruch (auch Leistenhernie oder Inguinalhernie) zu den häufigsten chirurgischen Erkrankungen überhaupt.

Er ist zugleich die häufigste Form von Hernien: Etwa 75–80 % aller Eingeweidebrüche sind Leistenbrüche. Besonders Männer sind betroffen – rund 80 % aller Leistenhernien treten bei ihnen auf.

Bei einem eingeklemmten Bruch ist meistens der Darm betroffen. Wird er nicht rechtzeitig operiert, kann das Gewebe absterben oder einen Darmverschluss verursachen. In seltenen Fällen werden auch die Blutgefäße im Samenstrang abgedrückt, sodass die Durchblutung des Hodens gestört wird. Das kann langfristig zu einer Schädigung oder Schrumpfung des Hodens führen.

Häufige Formen des Leistenbruchs

Grundsätzlich unterscheiden Mediziner zwischen einem angeborenen und einem erworbenen Leistenbruch. Erworben bedeutet, dass die Krankheit erst im Verlauf des Lebens auftritt.

Zu differenzieren sind auch der direkte und der indirekte Leistenbruch.

Die Einteilung erfolgt dabei:

  • Je nach Lokalisierung der Bruchpforte und
  • In welche Richtung der Bruchsack die Bruchpforte im Leistenbereich durchtritt

Ein direkter Leistenbruch (mediale Leistenhernie) ist in der Regel erworben und tritt vor allem bei älteren Männern auf.

Der Bruchsack dringt an der Hinterwand des Leistenkanals direkt senkrecht durch die Bruchpforte aus dem Bauchraum nach außen aus.

Ein indirekter Leistenbruch (laterale bzw. seitliche Leistenhernie) ist meist angeboren. Hier tritt der Bruchsack durch den Leistenkanal entlang des Samenstrangs (beim Mann) in den Kanal vor. Bei der Frau geschieht dies entlang des Mutterbandes. Etwa zwei Drittel aller Leistenhernien sind indirekte Leistenbrüche.

Ursachen und Risikofaktoren der Erkrankung

Ein Leistenbruch entsteht aufgrund eine schwachen Stelle in der Bauchdecke im Bereich des Leistenkanals. Die Ursachen unterscheiden sich, je nachdem, ob es sich um einen angeborenen oder einen erworbenen Leistenbruch handelt.

Bei einem angeborenen Leistenbruch liegt die Anfälligkeit bei einem unvollständigen inneren Verschluss der Bauchwand während der frühen Kindheit.

Für die zugrundeliegende Gewebeschwachheit bei einem erworbenen Leistenbruch können folgende Faktoren verantwortlich sein:

Zu den auslösenden Ereignissen und Risikofaktoren, die einen erworbenen Leistenbruch verursache, gehören:

Ein chronisch erhöhter Druck im Bauchraum, etwa:

  • beim Heben schwerer Lasten
  • beim Husten oder
  • beim Erbrechen
  • durch Schwangerschaften und Übergewicht

Heben schwerer Lasten
Durch das Hochheben schwerer Lasten erhöht sich der Druck im Bauch © BalanceFormCreative | AdobeStock

Symptome des Leistenbruchs

Ein Leistenbruch äußert sich typischerweise durch eine sicht- und tastbare Vorwölbung im Leistenbereich. Sie lässt sich normalerweise gut nach innen zurückdrücken. Vor allem abends oder nach körperlichen Belastungen tritt sie deutlich hervor.

Daneben treten bei einem Leistenbruch oftmals Symptome wie ein Druckgefühl und leicht ziehende Schmerzen in der Leistengegend auf. 

Sie verstärken sich bei einer Druckerhöhung im Bauchraum, etwa beim:

  • Husten
  • Niesen
  • Pressen (z.B. beim Stuhlgang) und
  • Körperlicher Anstrengung

Zu schweren Komplikationen kann es bei einem Leistenbruch kommen, wenn Eingeweide in der Bruchpforte eingeklemmt sind

In diesem Fall treten starke Schmerzen mit Übelkeit und Erbrechen auf. Im schlimmsten Fall droht ein Darmverschluss, der zu einem Darmdurchbruch und zu einer Entzündung des Bauchfells führen kann.

Diagnose des Leistenbruchs

Zunächst führt der Arzt ein Anamnesegespräch mit dem Patienten. Dabei stellt er gezielte Fragen zu seinen Symptomen und Beschwerden. Danach folgt eine körperliche Untersuchung, bei der der Arzt die Leistenregion des Patienten begutachtet und sorgfältig abtastet.

Zusätzlich können zur Diagnose eines Leistenbruchs weitere Untersuchungen erfolgen, wie etwa:

  • Ultraschalluntersuchung (Sonographie)
  • Magnetresonanztomographie (MRT

Mit diesen bildgebenden Verfahren kann der Arzt den Leistenbruch besser beurteilen und andere Krankheiten ausschließen.

Behandlung des Leistenbruchs: operativ vs. konservative Behandlung

Die Behandlung eines Leistenbruchs erfolgt in der Regel operativ im Rahmen der Hernienchirurgie. Eine selbstständige Rückbildung ohne Behandlung ist nicht möglich, daher ist fast immer eine Operation nötig. 

Der Eingriff ist notwendig, da der Leistenbruch sich mit der Zeit vergrößert. Es besteht das Risiko einer Einklemmung von Eingeweide-Teilen.

Nur bei Risikopatienten mit sehr hohem Alter oder gravierenden Begleiterkrankungen versuchen Ärzte konservativ zu beobachten. Sogenannte Bruchbänder werden nach heutigem Stand der Medizin zur Behandlung des Leistenbruches nicht mehr verwendet. 

Bei der Operation einer Leistenhernie werden die Eingeweide zunächst in den Bauchraum zurückgeschoben. Anschließend wird die Bruchpforte verschlossen. Klassisch erfolgt dies mit der Shouldice Methode, bei der die Bauchdecke mit körpereigenem Gewebe verstärkt wird. Häufiger wird heute jedoch ein Kunststoffnetz eingesetzt, wie bei der OP nach Lichtenstein oder durch eine minimalinvasive Operation im Rahmen der TEP Methode (totale extraperitoneale Netzplastik). Hier kann der Chirurg mit kleinen Schnitten auskommen. Liegt der Bruch tief oder zieht bis in den Hodensack, kann der Eingriff etwas aufwendiger sein. Eine Leistenbruch-Operation kann ambulant oder im Krankenhaus durchgeführt werden. Je nach Verfahren und Patient ist dabei eine örtliche Betäubung, Teilnarkose oder Vollnarkose möglich.

Leistenbruch-OP mit Netz
Leistenbruch operiert mit Netz nach dem Lichtenstein-Verfahren © Prof. Dr. med. Thomas W. Kraus

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