Eine Prostatabiopsie kann die Prostatakrebs-Diagnose sichern. Sie stellt eine der am häufigsten durchgeführten Prozeduren in der Urologie dar.
Allgemein akzeptierter Standard in der Durchführung ist dabei der Zugang über den Enddarm. Dabei wird die Biopsie durch Ultraschallkontrolle mittels Endorektalsonde überprüft und geführt.
Zudem ist es heute für medizinische Maßnahmen Standard, Schmerzen eines Eingriffs zu vermeiden. Die amerikanische und die europäische urologische Fachgesellschaft fordern die sichere Schmerzausschaltung durch z.B. eine Leitungsanästhesie.
Die bilaterale lokale Leitungsanästhesie stellt ein einfaches Verfahren für die wirksame Schmerzreduktion bis kompletten Schmerzausschaltung dar.

Darstellung und Lage der Prostata © Henrie | AdobeStock
Das Prostatakarzinom ist trotz aller Fortschritte nur dann heilbar, wenn der Tumor in einem frühen Tumorstadium diagnostiziert wird. Der Tumor ist dann auf die Prostata begrenzt und hat sich noch nicht in andere Organe ausgebreitet. Das Prostatascreening ermöglicht, immer häufiger frühe Stadien des Prostatakarzinoms zu diagnostizieren. Diese frühen Stadien sind in der Regel während einer digital-rektalen Diagnosestellung nicht zu erkennen.
Mit der Stadienmigration des Prostatakarzinoms zu kleineren, frühen Stadien ist für die adäquate Diagnosestellung eine suffiziente Prostatabiopsie-Technik mit hoher Aussagekraft von elementarer Bedeutung. In diesem Zusammenhang ist ein akkurates prätherapeutisches Staging des Primärtumors essentiell. Nur dann können die Ärzte die für den Patienten sinnvollste Therapieoptionen bestimmen und auf dessen Tumor individuell ausrichten.
Früher galt die Sextantenbiopsie unter transrektaler Ultraschallkontrolle (TRUS) als akzeptierter Goldstandard zur histologischen Diagnosesicherung des Prostatakarzinoms. Heute empfehlen die Leitlinien die Entnahme von 10-12 Stanzzylindern bei der Erstbiopsie der Prostata. Mindestens 70 Prozent der Karzinome gehen aus der peripheren Zone der Prostata hervor. Daher sollte der Untersucher während der Erstbiopsie nur in der peripheren Zone der Prostata mindestens 10 Zylinder entnehmen.

Echtzeitultraschallbild einer transrektalen Biopsie aus der peripheren Zone der Prostata
Eine Prostatabipsie sollte stattfinden, wenn
- der Untersucher einen harten Knoten in der Prostata ertast (auffälliger rektaler Tastbefund),
- ein durch Kontrollen bestätigter erhöhter PSA-Wert vorliegt, der altersabhängig höher als 3 bis 4 ng/ml ist,
- im transrektalen Ultraschall der Postata ein auffälliger Befund erscheint (Karzinome sind in der Regel dunkler als das umgebende Prostatagewebe)
Vor und nach der Prostatabiopsie muss der Patient 5 Tage lang eine hochdosierte Antibiotika-Prophylaxe durchführen. Dabei kommen Gyrasehemmern (Chinolonantibiotika) zum Einsatz.
Wie vor allen invasiven Maßnahmen muss die Blutgerinnung kontrolliert und normwertig sein. Das bedeutet, dass der Patient blutgerinnungshemmende Medikamente absetzen muss.
Das Standardbiopsieprotokoll für die transrektale ultraschallgesteuerte mindestens 10fach Prostatabiopsie besteht aus den folgenden Schritten:
- Der Patient wird in Linksseitenlage positioniert.
- Die Analschleimhaut wird durch Auftragen eines Schleimhautanästhetikums betäubt.
- Für den transrektalen Ultraschall wird eine Endorektal-Sonde mit aufgesetzter Führungshilfe eingesetzt.
- Das Prostatavolumen wird über die transrektale Ultraschallsonographie anhand der Elipsoidformel ermittelt. Im Rahmen der Ultraschalldiagnostik werden morphologisch auffällige Areale dokumentiert.
- Zur wirksamen Vermeidung von Schmerzen wird eine bilaterale lokale Leitungsanästhesie der Prostata durchgeführt. Dazu wird unter Ultraschallkontrolle mit einer Feinnadel 5 bis 10 ml eines einprozentigen Lokalanästhetikums an der Prostatabasis injiziert. Das Mittel wird nach wenigen Minuten wirken.
- Die 10fach Biopsie der Prostata wird unter TRUS-Führung durch Entnahme von jeweils fünf Zylindern aus der peripheren Zone jedes Seitenlappens durchgeführt. Zur Prostatabiopsie wird eine 18 Gauge 24 cm Biopsienadel in einer handelsüblichen Biopsiepistole entnommen.

Schema der transrektalen Prostatabiopsie mit Entnahme von 10 Stanzzylindern aus der peripheren Zone und 2 Stanzzylindern aus der Transitionalzone der Prostata
In der Regel wird die Biopsie als ambulante Maßnahme durchgeführt.
Trotz der Antibiotikaprophylaxe kommt es in ca. 2 Prozent der Prostatabiopsien unter Entnahme von 10 bis 12 Stanzzylindern zur Ausbildung schwerer Prostatitiden (Prostataentzündungen). Sie erfordern eine Hospitalisierung der Patienten zur hochdosierten intravenösen Antibiotikatherapie.
Eine gefürchtete, aber heute sehr seltene Komplikation der transrektalen Prostatabiopsie ist die rektale Blutung aus den Hämorrhoidalvenen. Diese ist gefährlich, weil sie für den Patienten und den Urologen zunächst verdeckt in der Mastdarmampulle abläuft.
Auffällig wird die Blutung erst durch das Absetzen größerer Blutmengen im Stuhl und möglicherweise auch durch Kreislaufsymptome. Mit einer Häufigkeit von unter 1 Prozent ist dies jedoch eine sehr seltene Komplikation. Sie lässt sich in der Regel durch konservative Maßnahmen beherrschen.
Wann ist eine Prostatabiopsie notwendig?
Eine Prostatabiopsie wird durchgeführt, wenn ein erhöhter PSA-Wert, ein auffällig Tastbefund oder verdächtige Herde in der Prostata auf einen Verdacht auf Prostatakrebs hinweisen. Der Urologe entscheidet anhand der Leitlinie sowie der Diagnostik mit MRT, Ultraschall oder TRUS, ob eine Biopsie der Prostata sinnvoll ist.
Wie läuft eine Prostatabiopsie ab?
Wer sich fragt „läuft eine Prostatabiopsie ab“, sollte wissen, dass der Eingriff meist ambulant erfolgt. Nach örtliche Betäubung oder in Einzelfällen unter Narkose wird eine Biopsienadel über den Damm oder transrektalen Zugang eingeführt. Bei einer transperineale Biopsie oder transrektale Prostatastanzbiopsie werden Gewebeproben aus der Prostata beziehungsweise Gewebeentnahme aus der Prostata aus verschiedenen Bereichen der Prostata entnommen.
Welche Risiken hat eine Prostatabiopsie?
Die Prostatabiopsie ist ein sicheres Verfahren, dennoch bestehen Risiken einer Prostatabiopsie. Zu den Risiken und Nebenwirkungen zählen Blutung, Infektion, Beschwerden beim Wasserlassen oder selten eine Entzündung der Prostata. Zur Vorbeugung wird häufig ein Antibiotikum verabreicht und der Eingriff unter sterilen Bedingungen durchgeführt.
Wann liegt das Ergebnis der Prostatabiopsie vor?
Die entnommenen Proben und das Gewebe aus der Prostata werden vom Pathologe unter dem Mikroskop untersucht. Das Ergebnis der Prostatabiopsie liegt meist nach wenigen Tagen vor und zeigt, ob das Gewebe gutartig oder bösartig verändert ist. Die Ergebnisse der Biopsie geben außerdem Auskunft über eine mögliche Ausbreitung des Prostatakarzinoms.
Kann eine erneute Prostatabiopsie notwendig sein?
Ja, eine erneute Biopsie kann erforderlich werden, wenn trotz auffällig Befund keine eindeutige Diagnose gestellt werden konnte oder neue Veränderungen auftreten. Besonders nach einer MRT-gesteuerten Prostatabiopsie oder einer erneuten Biopsie kann die Entnahme von Gewebe weitere wichtige Informationen liefern und die Konsequenzen der Prostatabiopsie für die Therapieplanung verbessern.