Hintergrund: Prostatakrebs und Behandlungsoptionen
Prostatakrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Männern. Er entwickelt sich meist langsam und verursacht lange Zeit keine Beschwerden. Abhängig vom Tumorstadium und der Aggressivität der Krebszellen stehen verschiedene Therapien zur Verfügung. Neben der Operation (radikale Prostatektomie) zählen dazu die Bestrahlung, eine Hormontherapie, medikamentöse Ansätze sowie das aktive Überwachen (Active Surveillance / Watchful Waiting) bei niedrigem Risiko. Die Wahl des Verfahrens hängt von vielen Faktoren ab, darunter der PSA-Wert, das Alter und die allgemeine Gesundheit des Patienten.
Eine Prostatakrebs-OP kommt insbesondere für Männer infrage, bei denen der Tumor noch auf die Prostata begrenzt ist. Ärztinnen und Ärzte sprechen dann von einem lokal begrenzten Prostatakarzinom. In diesem Fall besteht eine hohe Chance auf Heilung, da der Tumor durch die vollständige Entfernung der Prostata (Prostatektomie) beseitigt werden kann.
Auch das Tumorstadium und die Aggressivität des Tumors spielen eine Rolle. Bei bereits vorhandenen Metastasen wird die Operation meist nicht mehr als alleinige Therapie empfohlen. Hier kommen Kombinationen mit Bestrahlung oder medikamentösen Behandlungen in Betracht.

Eine Prostatakrebs-OP kann in frühen Stadien von Prostatakrebs zur vollständigen Heilung führen © o_a | AdobeStock
Der PSA-Wert (prostataspezifisches Antigen) ist ein wichtiger Laborwert für die Diagnose und Verlaufskontrolle bei Prostatakrebs. Er wird im Blut gemessen und zeigt, wie aktiv Prostatagewebe arbeitet. Nach einer Prostata-Operation sollte der Wert nahezu nicht mehr nachweisbar sein. Steigt er später erneut an, deutet das auf ein Rezidiv oder Metastasen hin.
Zusätzlich wird der Gleason-Score bestimmt. Er gibt an, wie stark sich die Krebszellen vom gesunden Gewebe unterscheiden und erlaubt Rückschlüsse auf die Aggressivität des Tumors. Gemeinsam helfen PSA-Wert und Gleason-Score, das optimale Vorgehen zu planen.
Die radikale Prostatektomie ist der Standard-Eingriff bei einem lokal begrenzten Prostatakarzinom. Dabei wird die gesamte Prostata samt Prostatakapsel entfernt. Oft werden auch die Samenblasen, Samenleiter und bei Verdacht auf Ausbreitung zusätzlich die Lymphknoten entfernt.
Da die Harnröhre durch die Prostata verläuft, muss sie während des Eingriffs durchtrennt und anschließend wieder mit der Harnblase verbunden werden. Damit Urin abfließen kann, erhalten Patienten für einige Tage einen Blasenkatheter.
Die Operation erfolgt unter Vollnarkose und dauert mehrere Stunden. Je nach Operationsmethode und individuellem Verlauf ist ein Krankenhausaufenthalt von etwa 7–14 Tagen üblich.
| Methode | Zugang | Vorteile | Nachteile |
| Retropubische radikale Prostatektomie |
Bauchschnitt |
direkte Sicht auf Prostata und Lymphknoten |
größere Narbe, längere Heilung |
| Perineale radikale Prostatektomie |
Dammschnitt |
weniger Blutverlust |
erschwerter Zugang zu Lymphknoten |
| Laparoskopische Prostatektomie (minimal-invasiv) |
kleine Schnitte im Bauchraum („Schlüsselloch-OP“) |
geringerer Blutverlust, schnellere Erholung |
technisch anspruchsvoll, längere OP-Dauer |
| Roboterassistierte Prostatektomie (Da-Vinci-OP) |
minimal-invasiv mit Roboterarm |
sehr präzise, oft besserer Erhalt von Kontinenz & Potenz |
hohe Kosten, nicht überall verfügbar |
Alle Verfahren verfolgen das gleiche Ziel: die vollständige Entfernung des Tumors. Die Wahl der Methode hängt von den individuellen Faktoren des Patienten sowie von der Erfahrung der operierenden Ärzt:innen ab.
Wie bei jedem größeren Eingriff können auch bei der Prostatakrebsoperation Komplikationen auftreten. Dazu gehören:
- Blutverlust während der Operation
- Verletzungen von Blase, Harnröhre oder Blutgefäßen
- Infektionen oder Wundheilungsstörungen
- Harninkontinenz durch Schädigung des Schließmuskels
- Erektionsstörungen (erektile Dysfunktion) durch Verletzungen der Nervenbahnen
Viele dieser Nebenwirkungen lassen sich durch moderne Operationstechniken und gezielte Nachsorge reduzieren, verschwinden aber nicht immer vollständig.
Nach der Operation ist eine strukturierte Rehabilitation entscheidend, um die Lebensqualität wiederherzustellen. Dazu gehören:
- Beckenbodentraining, um die Kontinenz zu verbessern
- Medikamentöse Therapien oder Hilfsmittel bei Erektionsstörungen
- Regelmäßige PSA-Kontrollen zur Überwachung eines möglichen Rezidivs
- Schonung und schrittweise Rückkehr in den Alltag
In den ersten sechs Wochen nach der Operation müssen sich Patienten körperlich schonen. Mit Unterstützung von Ärzt:innen, Physiotherapeut:innen und ggf. Psycholog:innen gelingt der Übergang in ein aktives Leben meist gut.
Die Prognose nach einer Prostatakrebs-Operation ist vor allem im Frühstadium sehr gut. Wird der Tumor vollständig entfernt, sind die Heilungschancen hoch.
Allerdings hängt die Lebensqualität stark davon ab, wie gut Kontinenz und Potenz erhalten bleiben. Die Ergebnisse unterscheiden sich je nach Operationsmethode und individuellen Faktoren. Frühzeitige Reha-Maßnahmen können helfen, Einschränkungen zu reduzieren.
| Kriterium | Operation (Prostatektomie) | Strahlentherapie |
| Ziel |
Entfernung der gesamten Prostata |
Zerstörung der Krebszellen durch Bestrahlung |
| Heilungschancen |
hoch bei lokal begrenztem Prostatakrebs |
ähnlich hoch im Frühstadium |
| Nebenwirkungen |
Inkontinenz, Erektionsstörungen, Blutverlust |
Darmprobleme, Blasenreizungen, Erektionsstörungen |
| Nachsorge |
PSA-Kontrollen, Reha |
PSA-Kontrollen, ggf. Kombi mit Hormontherapie |
| Geeignet für |
Patienten mit guter Allgemeingesundheit |
Patienten, die OP nicht wünschen oder nicht operabel sind |
Beide Verfahren haben Vor- und Nachteile. Die Entscheidung sollte immer gemeinsam mit einem Urologen oder einer urologischen Fachklinik getroffen werden.
FAQ: Prostatakrebs Operation
Wann ist eine Prostatakrebs-Operation sinnvoll?
Eine Operation bei Prostatakrebs wird vor allem Männern empfohlen, bei denen das Prostatakarzinom auf die Prostata beschränkt ist und sich noch nicht auf andere Organe ausgebreitet hat. In diesen Fällen ist eine radikale Prostatektomie oft heilend. Alternativ kann bei einem frühen Stadium auch die aktive Überwachung (Active Surveillance / Watchful Waiting) infrage kommen. Dabei kontrollieren Ärztinnen und Ärzte regelmäßig den PSA-Wert und das Tumorstadium, ohne sofort die Prostata zu entfernen.
Welche Nebenwirkungen kann eine Prostatakrebs-OP mit sich bringen?
Nach der Operation können verschiedene Nebenwirkungen auftreten. Häufig sind Harninkontinenz durch Verletzungen des Schließmuskels oder erektile Dysfunktion, wenn feine Gefäße und Nerven in der Nähe der Prostata betroffen sind. Auch Blutverlust oder Schäden an Blutgefäßen sind mögliche Komplikationen. In manchen Fällen bringen die Nebenwirkungen Einschränkungen mit sich, die jedoch durch gezielte Rehabilitation gebessert werden können.
Wie läuft die Heilung nach der Operation ab?
Ein bis zwei Tage nach der Operation ist meist noch ein Blasenkatheter nötig. Patienten müssen in der Regel mehrere Tage bis zwei Wochen im Krankenhaus bleiben, abhängig vom Eingriff. Bei einer minimal-invasiven oder roboterassistierten Methode ist die Erholung oft schneller als nach einer offenen Operation. Insgesamt dauert es mehrere Wochen, bis die meisten Männer mit Prostatakrebs wieder ihren Alltag aufnehmen können.
Welche Methoden gibt es: offen oder roboterassistiert?
Die radikale Prostatektomie kann auf verschiedene Weisen durchgeführt werden: als klassische offene Operation mit direktem Zugang zur Prostata, als minimal-invasive Schlüsselloch-OP oder als roboterassistierte Prostatektomie. Die roboterassistierte Variante gilt als besonders präzise und kann das Risiko für Inkontinenz oder Einschränkungen bei der Erektion senken. Welche Methode angewendet wird, hängt vom Tumorstadium, der Lage der Prostata und der Erfahrung der Operateur:innen ab.
Wie unterscheidet sich eine Operation von einer Bestrahlung?
Sowohl die Operation bei Prostatakrebs als auch die Bestrahlung von außen verfolgen das Ziel, den Tumor zu beseitigen. Während bei der OP die Prostata samt Tumor entfernt wird, zerstört die Strahlentherapie die Krebszellen durch gezielte Strahlen. In internationalen Leitlinien zu „prostate cancer“ gelten beide Verfahren als gleichwertig bei lokal begrenztem Prostatakarzinom. Unterschiede bestehen vor allem bei den Nebenwirkungen: Die OP kann Kontinenz und Potenz beeinträchtigen, während die Strahlentherapie häufiger Darm- oder Blasenreizungen verursacht.