Kehlkopfkrebs (Larynxkarzinom) - Informationen & Spezialisten

02.12.2021
Prof. Dr. med. Jan Maurer
Autor des Fachartikels
Kehlkopfkrebs oder Larynxkarzinom beziehungsweise Larynxtumor nennt man einen im Kehlkopf angesiedelten bösartigen Tumor. Er ist der häufigste im Kopf-Hals-Bereich vorkommende Krebs. Von der malignen Gewebewucherung sind hauptsächlich Männer über 65 betroffen. Kehlkopfkrebs kann mitunter einen Verlust der Stimme verursachen.

Weitere Informationen zu Kehlkopfkrebs sowie Spezialisten für die Behandlung von Kehlkopfkrebs finden Sie weiter unten.
ICD-Codes für diese Krankheit: C32

Empfohlene Spezialisten für Kehlkopfkrebs

Kehlkopfkrebs Fälle in Deutschland

18.694 Fälle im Jahr 2020
19.020 Fälle im Jahr 2023 ( Prognose )

Das prognostizierte Fallzahlwachstum basiert auf Angaben zur Bevölkerungsentwicklung der statistischen Bundes- & Landesämter. Die Berechnung erfolgt je Altersklasse, sodass demographische Effekte berücksichtigt werden. Die Fallzahlen basieren aus einer Vernetzung von unterschiedlichen öffentlich zugänglichen Quellen. Mittels Datenanalyseverfahren werden diese Zahlen aufbereitet und unseren Usern zugänglich gemacht.

Kurzübersicht:

  • Was ist Kehlkopfkrebs? Ein bösartiger Tumor, der sich im Kehlkopf bildet. Er wird nach seiner genauen Lokalisation - an den Stimmbändern, ober- oder unterhalb der Stimmlippen - unterteilt.
  • Risikofaktoren: Rauchen ist der Hauptrisikofaktor, aber auch der übermäßige Alkoholgenuss begünstigen die Bildung des Tumors. Auch eine Ansteckung mit HP-Viren oder der Kontakt mit diversen chemischen Substanzen stehen damit in Zusammenhang.
  • Symptome: Hauptbeschwerden sind blutiger Husten, starker Mundgeruch und eine Gewichtsabnahme. Weitere Symptome können anhaltende Heiserkeit und Kratzen im Hals, Schluckstörungen und weitere sein.
  • Diagnose: Zunächst wird eine Kehlkopfspiegelung und eine Mikrolaryngoskopie durchgeführt. Auch die Entnahme und Untersuchung einer Gewebeprobe, der Einsatz bildgebender Verfahren (CT, MRT, Röntgen) und ggf. weitere Methoden gehören zu den Standard-Diagnostiken.
  • Behandlung: Die wichtigste Behandlungsoption ist eine operative Entfernung des Tumors. Das genaue Vorgehen hängt von der Art des Tumors ab. Ggf. ist danach noch eine Strahlentherapie oder Chemotherapie notwendig.
  • Prognose: Je früher der Tumor entdeckt wird, desto besser stehen die Heilungschancen. Jüngere Menschen mit gutem Allgemeinzustand haben eine günstigere Prognose als Ältere mit Begleiterkrankungen.

Artikelübersicht

Was ist Kehlkopfkrebs?

Als Kehlkopf bezeichnet der Mediziner den Teil des Halses, der das Sprechen und Atmen ermöglicht. Der Kehlkopf befindet sich dort, wo der Rachen in Speiseröhre und Luftröhre übergeht. Der bösartige Larynxtumor tritt in drei Formen auf:

  • Das glottische Kehlkopfkarzinom befällt die Stimmbänder (Glottis) und ist der am häufigsten auftretende Kehlkopfkrebs.
  • Der supraglottische Kehlkopfkrebs ist oberhalb der Stimmlippen lokalisiert.
  • Beim subglottischen Larynkarzinom befindet sich der Tumor unterhalb der Stimmlippen.

In fortgeschrittenen Stadien bildet das Kehlkopfkarzinom Metastasen in den benachbarten Lymphknoten und später dann in weiter entfernten Regionen des Körpers. 5 Jahre nach der Kehlkopfkrebs-Diagnose leben noch 6 von 10 Betroffenen.

Ursachen und Risikofaktoren für Kehlkopfkrebs

Rauchen gilt als Hauptrisikofaktor für die Entstehung des bösartigen Tumors. Außerdem trägt der übermäßige Konsum von Alkoholika dazu bei, dass das Larynxkarzinom immer häufiger auftritt. Kommen beide Risikofaktoren zusammen, ist die Wahrscheinlichkeit noch höher, im Laufe des Lebens an dem malignen Halstumor zu erkranken. Rauchen und Alkohol haben sogar einen direkten Einfluss auf die Bildung der krankhaft veränderten Zellen.

Außerdem kann eine Ansteckung mit humanen Papillom Viren (HPV) das Auftreten von Larynxtumoren begünstigen. Auch toxische chemische Substanzen wie Chrom, Arsen, Asbest, Nickel und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAKs) erhöhen das Risiko, später an einem Kehlkopfkrebs zu erkranken. Der Betroffene kommt aus beruflichen Gründen oder in seinem eigenen Zuhause (verbaute Asbestzementplatten) mit den gefährlichen Stoffen in Kontakt.

Kehlkopfkrebs kann auch genetisch bedingt sein.

Symptome von Kehlkopfkrebs

An welchen Symptomen sich Kehlkopfkrebs erkennen lässt, richtet sich danach, an welcher Stelle im Kehlkopf er sich befindet. Außerdem zeigt sich eine eher fortgeschrittene Erkrankung mit weniger spezifischen Anzeichen wie

  • blutigem Auswurf
  • starkem Mundgeruch
  • Gewichtsabnahme

Stimmband-Karzinome lassen sich schon im Frühstadium gut diagnostizieren, da der Patient heiser ist und sich oft räuspern muss. Weitere Kehlkopfkrebs-Anzeichen sind dauerhaftes Kratzen im Hals und chronischer Husten. In der Folgezeit kommen noch deutlich hörbare Atemgeräusche und Atemnot hinzu.

Supraglottische Tumore lassen sich meist erst spät erkennen. Die Erkrankten

  • haben oft angeschwollene Halslymphknoten
  • leiden an Schluckstörungen
  • haben ein Fremdkörpergefühl ("Kloß") im Hals

Unterhalb der Glottis (Stimmritze) angesiedelte Kehlkopftumore machen sich in Form von Heiserkeit, Hustenreiz und später Atembeschwerden bemerkbar.

Sollten Sie bei sich eine länger als 3 Wochen andauernde Heiserkeit ohne erkennbare andere Ursache (Halsentzündung) oder andere Symptome feststellen, kontaktieren Sie bitte schnellstmöglich einen Hals-Nasen-Ohren-Spezialisten.

Diagnose von Kehlkopfkrebs

Hat der untersuchende Facharzt den Verdacht, dass sein Patient an einem Larynxtumor leidet, führt er zuerst eine Kehlkopfspiegelung (Laryngoskopie) durch. Das geschieht meist mit Hilfe eines flexiblen Endoskops und einer 90° Winkeloptik. Beim Abtasten des Halses oder der Ultraschalluntersuchung lassen sich mitunter auch geschwollene Lymphknoten feststellen.

Eine Mikrolaryngoskopie liefert ihm weitere Informationen. Der Arzt sieht, ob der Tumor nach innen, außen oder unter der Schleimhaut wächst, ob die Stimmbänder noch beweglich sind und so weiter.

In Vollnarkose schaut sich der HNOA-Arzt den gesamten Kehlkopf mit einem schmalen röhrenähnlichen Instrument (Laryngoskop) genauer an und entnimmt etwas Gewebe, das er dann im Labor auf Krebszellen untersuchen lässt.

Bildgebende Technologien wie Ultraschall, Computertomografie (CT) und Kernspintomografie (MRT) zeigen die genaue Lokalisation und das Ausmaß des Tumors.

Außerdem muss der HNO-Facharzt abklären, ob der Patient noch einen weiteren bösartigen Tumor zum Beispiel in der Speiseröhre oder der Lunge hat. Dazu nimmt er eine Speiseröhren- und eine Bronchial-Spiegelung (Bronchoskopie) vor.

Ein Röntgenbild der Lunge zeigt Größe und Lage der Tochtergeschwulst.

Medizinische Behandlung des Kehlkopfkrebses

Die Kehlkopfkarzinom-Therapie ist davon abhängig, wo sich die Geschwulst befindet und wie groß sie ist. Je nachdem, in welchem gesundheitlichen Zustand sich der Patient befindet, wie alt er ist und in welchem Stadium der Krebs ist, rät der Facharzt für einen operativen Eingriff oder/und eine Strahlen- oder Chemotherapie. Mitunter kommen letztere auch zusammen zum Einsatz.

Kehlkopfkrebs im Anfangsstadium hat eine günstige Prognose, da man ihn oft vollständig herausoperieren kann. Befindet er sich an einer gut über den Mund zugänglichen Stelle, schneidet man den Tumor endoskopisch und mikroskopisch meist per Laser heraus. Ist das nicht möglich, öffnet man den Kehlkopf mit dem Skalpell. Das minimal-invasive Verfahren hinterlässt nur einen kleinen Schnitt und schont gesundes Gewebe bestmöglich.

Damit der Patient nach der Operation ausreichend Luft bekommt, legt man meist vorrübergehend an der Hals-Vorderseite eine künstliche Atemöffnung (Tracheostoma) an.

In fortgeschrittenen Stadien befindliche Kehlkopftumore lassen sich nur noch durch eine vollständige Entfernung des Kehlkopfes (Laryngektomie) behandeln. Sind bereits die Hals-Lymphknoten befallen, müssen auch sie herausgenommen werden. Die Patienten brauchen nach dem chirurgischen Eingriff ein Tracheostoma und sprechen über ein künstliches Sprechventil.

Um im Körper eventuell noch vorhandene Tumorzellen abzutöten, setzt man im fortgeschrittenen Tumorstadium die Strahlentherapie und/oder Medikamente (konservative Behandlung) ein. Wäre eine Operation mit einem erhöhten Risiko für den Krebskranken verbunden, bleibt dem Patienten die konservative Therapie als einzige Behandlungsmöglichkeit auch im früheren Tumorstadium.

In den auf die Operation folgenden 5 Jahren sollte sich der Patient regelmäßigen Kontrolluntersuchungen unterziehen.

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