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Diagnostik · Pneumologie

Bronchoskopie und Lungenspiegelung verständlich erklärt

Kurzübersicht — das Wichtigste zuerst

Zweck
Die Untersuchung zeigt die Atemwege von innen und ermöglicht die Entnahme von Sekret oder Gewebe.
Vorbereitung
Sie sollen nüchtern erscheinen; vor einer geplanten Biopsie soll eine Bildgebung des Brustkorbs erfolgen.
Dauer
Die Bronchoskopie dauert üblicherweise zwischen 5 und 60 Minuten.
Betäubung
Eine örtliche Betäubung unterdrückt Hustenreiz und Würgereiz; eine Gewebeprobe kann unter örtlicher Betäubung oder kurzer Narkose entnommen werden.
Danach
Nach Sedierung oder Vollnarkose dürfen Sie 24 Stunden lang nicht selbst Auto fahren.

Die Bronchoskopie ist eine endoskopische Untersuchung der Atemwege. Ein Endoskop, also ein schlauchförmiges Untersuchungsinstrument, wird durch den Mund und die Luftröhre bis in die Hauptbronchien eingeführt. Das Verfahren dient der Diagnostik und kann auch therapeutisch eingesetzt werden.

Je nach Fragestellung lassen sich Sekret oder Gewebe gewinnen und Fremdkörper entfernen. Die Untersuchung dauert in der Regel zwischen 5 und 60 Minuten und findet häufig ambulant statt.

Was ist eine Bronchoskopie?

Die Bronchoskopie ist eine Endoskopie von Luftröhre und Bronchien. Der Arzt führt das Bronchoskop über den Mund durch Rachen und Luftröhre. Damit kann er die großen Atemwege und den Eingang in eine Bronchie betrachten. Eine Lichtquelle gehört zum optischen System des Instruments.

Für die Untersuchung gibt es unterschiedliche Bronchoskope. Das flexible Bronchoskop ist ein beweglicher Schlauch. Bei der starren Bronchoskopie kommt dagegen ein festes Rohr zum Einsatz; dieses Verfahren erfolgt unter Vollnarkose. Nicht alle Bereiche der Lunge sind mit den Instrumenten gut erreichbar.

Durch einen Arbeitskanal können weitere Instrumente vorgeschoben werden. Mit einer kleinen Zange lässt sich beispielsweise eine Gewebeprobe entnehmen. Auch die Entfernung von Fremdkörpern aus einer Bronchie ist mit Zangen oder Schlingen möglich.

Wann wird die Untersuchung gemacht?

Eine Bronchoskopie kommt infrage, wenn Veränderungen der Atemwege genauer beurteilt oder Proben gewonnen werden sollen. Die Pneumologie, also die Lungenheilkunde, gehört zur Inneren Medizin. Bei Verdacht auf eingeatmete Fremdkörper sollte ein Lungenfacharzt aufgesucht werden.

Typische Gründe für Bronchoskopien sind:

  • Tumorverdacht: auffällige Rundherde abklären und bei Bedarf Gewebe gewinnen
  • COPD: einen Lungentumor oder eine andere Erkrankung als Beschwerdeursache prüfen
  • Interstitielle Lungenerkrankungen: die Diagnose mithilfe einer Spülprobe eingrenzen
  • Eingeatmete Gegenstände: Entfernung von Fremdkörpern aus dem Atemweg
  • Therapieplanung: lokale Tumor- oder Strahlentherapie vorbereiten
Anatomie der Lunge und Bronchien
Die Anatomie der Atemwege © bilderzwerg / Fotolia

Ein Röntgenbild oder eine Computertomographie kann bei möglichem Lungenkrebs erste Hinweise liefern. Ein verdächtiger Befund muss gegebenenfalls mit weiteren Verfahren abgeklärt werden. Die Indikation, also der medizinische Grund für die Untersuchung, richtet sich nach der konkreten Fragestellung.

Wie bereiten Sie sich vor?

Zur Bronchoskopie sollen Sie nüchtern erscheinen. Welche Abstände für Essen und Trinken in Ihrem Fall gelten, erfahren Sie vom Behandlungsteam. Halten Sie sich genau an diese persönlichen Vorgaben.

Ist eine Biopsie, also eine Gewebeentnahme, vorgesehen, soll vorher eine bildgebende Untersuchung des Brustkorbs erfolgen. Informieren Sie das Team, wenn es bei einer früheren bronchoskopischen Probenentnahme geblutet hat. Bei einer Wiederholung ist dann besondere Vorsicht erforderlich.

Ob die Untersuchung ambulant oder stationär geplant wird, bespricht das Behandlungsteam mit Ihnen. Dabei erfahren Sie auch, ob Sie ein Beruhigungsmittel erhalten. Eine Bronchoskopie findet häufig ambulant statt.

Wie läuft die Bronchoskopie ab?

Der Ablauf richtet sich danach, ob der Arzt die Atemwege nur betrachtet oder zusätzlich Proben entnimmt. Für eine diagnostische flexible Bronchoskopie soll ein Reanimationsteam verfügbar sein.

  1. Eine lokale Betäubung als Spray dämpft den Husten- und Würgereiz beim Einführen des Instruments.
  2. Das flexible Bronchoskop wird durch den Mund und weiter in die Luftröhre bis zu den Hauptbronchien geführt.
  3. Der Arzt betrachtet die Atemwege und führt bei Bedarf Instrumente bis zur vorgesehenen Stelle.
  4. Sekret wird abgesaugt oder Gewebe mit einer kleinen Zange gewonnen.
  5. Nach Abschluss der Untersuchung zieht der Arzt das Instrument wieder zurück.

Normalerweise dauert die Untersuchung 5 bis 60 Minuten. Eine ausreichende örtliche Betäubung verbessert Komfort und Verträglichkeit. Soll krebsverdächtiges Gewebe entnommen werden, kann dies unter örtlicher Betäubung oder kurzer Narkose geschehen.

Eine besondere Form ist die bronchoalveoläre Lavage, kurz BAL. Dabei verschließt das Gerät ein Lungensegment. Über den Arbeitskanal werden 100 bis 300 ml physiologische Kochsalzlösung eingespült und danach wieder abgesaugt. Für eine ausschließlich mikrobiologische Untersuchung kann eine geringere Flüssigkeitsmenge genügen.

Was zeigen die Ergebnisse?

Das Ergebnis setzt sich aus dem sichtbaren Befund und gegebenenfalls der Analyse entnommener Proben zusammen. Bronchialsekret kann auf Krankheitserreger und Zellveränderungen untersucht werden. Die Untersuchung von Lungengewebe hilft dabei, verdächtige Veränderungen genauer einzuordnen.

Ein endobronchialer Ultraschall, kurz EBUS, ermöglicht zusammen mit einer transbronchialen Nadelentnahme eine gezieltere Punktion von Lymphknoten als die klassische Technik. Soll bei einer Bronchoskopie Gewebe aus peripher gelegenen Rundherden gewonnen werden, empfiehlt die Leitlinie einen radiären EBUS, ein ultradünnes Bronchoskop und/oder ein Navigationsverfahren.

Bei autoimmunologisch-entzündlichen interstitiellen Lungenerkrankungen kann sich die Zellzusammensetzung einer Spülprobe je nach untersuchter Region unterscheiden. Wann sämtliche Laborergebnisse vorliegen und wie sie einzuordnen sind, erklärt Ihnen das Behandlungsteam im Befundgespräch.

Welche Risiken bestehen?

Das Risiko hängt wesentlich davon ab, ob der Arzt die Atemwege nur betrachtet oder zusätzlich Gewebe entnimmt. Eine relevante Komplikation der transbronchialen Probenentnahme ist der Pneumothorax. Dabei gelangt durch verletzte Lungenbläschen Luft zwischen Lunge und Brustwand.

Studien berichten unter anderem über folgende Risiken:

  • Pneumothorax: In einer Studie benötigten 2,0 % der Untersuchten nach transbronchialer Probenentnahme eine Drainage.
  • Mäßige Blutung: Bei interstitieller Lungenerkrankung waren 15,0 % nach Kryotechnik und 4,2 % nach Zangenentnahme betroffen.
  • Todesfälle: Eine ältere multizentrische Studie berichtete vier Todesfälle, entsprechend 0,02 % der Untersuchungen.

Diese Häufigkeiten stammen aus unterschiedlichen Studien und gelten jeweils für bestimmte Verfahren oder Patientengruppen. Sie lassen sich deshalb nicht unverändert auf jede Untersuchung übertragen. Beherrscht das Team die empfohlenen Techniken zur Blutstillung, kann eine endobronchiale Gewebeentnahme als sicher angesehen werden.

Besteht bei einer flexiblen Bronchoskopie die Gefahr einer schweren Blutung, soll der Atemweg beispielsweise durch das starre Bronchoskop gesichert werden. Ob Halsschmerzen oder andere Beschwerden nach dem Eingriff ärztlich abgeklärt werden müssen, sollten Sie direkt mit dem Behandlungsteam besprechen.

Was ist danach zu beachten?

Nach einer Sedierung oder Vollnarkose müssen Sie Ihre Heimfahrt vor dem Termin organisieren. Selbst Auto fahren dürfen Sie anschließend 24 Stunden lang nicht. Wann Sie wieder essen und trinken dürfen, legt das Behandlungsteam abhängig von der Betäubung und dem Ablauf fest.

Ob Sie noch am Untersuchungstag nach Hause gehen können, richtet sich nach dem geplanten ambulanten oder stationären Vorgehen. Das Behandlungsteam informiert Sie über Ihre persönlichen Verhaltensregeln und die Beschwerden, bei denen Sie ärztlichen Rat benötigen.

Welche Alternativen gibt es?

Die geeignete Alternative hängt von Lage und Art des Befundes ab. Nicht jede Veränderung lässt sich mit einem Bronchoskop erreichen. Bildgebende Verfahren können Hinweise liefern. Bei einem abklärungsbedürftigen Befund ersetzen sie jedoch nicht automatisch eine Probenentnahme.

VerfahrenMöglichkeit und Grenze
RöntgenaufnahmeKann Veränderungen sichtbar machen, liefert bei Krebsverdacht allein aber nur Hinweise.
CTStellt den Brustkorb bildlich dar, ist jedoch mit mehr Strahlung verbunden als eine herkömmliche Röntgenaufnahme.
BronchoskopieErmöglicht den direkten Blick in größere Atemwege sowie die Gewinnung von Sekret und Gewebe.
ThorakoskopieKann der Entnahme von Lungengewebe dienen, wenn eine Stelle bronchoskopisch schlecht erreichbar ist; sie erfolgt unter Narkose.

Wer trägt die Kosten?

Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt die Kosten einer medizinisch notwendigen Krankenhausbehandlung. Für viele Regelleistungen der gesetzlichen Krankenversicherung ist allerdings eine gesetzliche Zuzahlung vorgesehen.

Ein einheitlicher Preis für jede Bronchoskopie lässt sich daraus nicht ableiten. Ob die Kosten einer ambulanten Untersuchung vollständig übernommen werden und welche Zuzahlung anfällt, sollten Sie vorab mit Praxis, Klinik und Krankenversicherung klären.

Häufige Fragen zur Bronchoskopie

Welcher Arzt führt eine Bronchoskopie durch?

Bei einem eingeatmeten Fremdkörper sollten Sie einen Lungenfacharzt aufsuchen. Wer die Untersuchung in Ihrem Fall durchführt, erfahren Sie vom Behandlungsteam.

Muss ich vor der Bronchoskopie nüchtern bleiben?

Ja, Patientinnen und Patienten sollen nüchtern zur Untersuchung erscheinen. Die für Sie geltenden Zeitabstände für Essen und Trinken erfahren Sie vom Behandlungsteam.

Tut eine Bronchoskopie weh?

Ein Betäubungsspray soll vor allem den Husten- und Würgereiz beim Einführen des Instruments unterdrücken. Eine ausreichende örtliche Betäubung verbessert den Komfort und die Verträglichkeit der flexiblen Untersuchung.

Wird die Bronchoskopie immer unter Vollnarkose gemacht?

Nein. Die Entnahme von krebsverdächtigem Gewebe kann unter örtlicher Betäubung oder kurzer Narkose erfolgen. Für die starre Bronchoskopie ist dagegen eine Vollnarkose vorgesehen.

Kann man mit einer Bronchoskopie Lungenkrebs feststellen?

Die Untersuchung kann verdächtige Bereiche sichtbar machen und die Gewinnung einer Gewebeprobe ermöglichen. Röntgenaufnahme oder CT liefern allein nur Hinweise; ein verdächtiger Befund muss gegebenenfalls weiter abgeklärt werden.

Wie organisiere ich die Heimfahrt?

Planen Sie nach einer Sedierung oder Vollnarkose eine Abholung oder eine andere sichere Heimfahrt ein. Die Einzelheiten zu Ihrer Entlassung und Fahrtüchtigkeit erfahren Sie vor Ort vom Behandlungsteam.

Was geschieht, wenn die verdächtige Stelle nicht erreichbar ist?

Nicht alle Bereiche sind mit dem Instrument gut zugänglich. Abhängig von der Lage kommen andere Verfahren infrage, beispielsweise eine Thorakoskopie zur Entnahme von Gewebe unter Narkose.

Übernimmt die Krankenkasse die Bronchoskopie?

Die gesetzliche Krankenversicherung trägt die Kosten einer medizinisch notwendigen Krankenhausbehandlung. Gesetzliche Zuzahlungen können dennoch anfallen. Klären Sie die Bedingungen für Ihren konkreten Fall vor dem Termin.

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Über den Fachautor

Dr. Claus Puhlmann

Medizinischer Fachautor · Medizinjournalist

Dr. Claus Puhlmann ist Biologe mit Schwerpunkt Immunologie, Zellbiologie und Onkologie und hat während seiner Zeit als MPI-Grundlagenforscher an der Entwicklung von monoklonalen Antikörpern (Biologicals) gegen Tumorantigene mitgewirkt.

Mehr über den Fachautor →
Quellen

Geprüfte Expertise

Empfohlene Spezialisten

3 Spezialisten

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