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Erkrankung · Pneumologie

Bronchiektasen: chronische Erkrankung der Bronchien & Atemwege

Hier finden Sie ausgesuchte medizinische Experten und Spezialisten in Kliniken und Praxen für die Diagnose, Behandlung, Operation und Rehabilitation im Bereich Bronchiektasen. Alle gelisteten Ärzte sind Spezialisten auf ihrem Gebiet und wurden nach strengen Richtlinien für Sie handverlesen ausgewählt.

Sabine_Schneider.pngChefredakteurinSabine SchneiderStand: ICD-10: J47

Kurzübersicht — das Wichtigste zuerst

Bronchiektasen sind irreversible Aussackungen der Bronchien, in denen sich Schleim staut und so einen Nährboden für wiederkehrende Infektionen bildet. Typische Symptome sind Husten mit Auswurf, Atemnot und eine mit der Zeit nachlassende Belastbarkeit. Ursache sind entweder angeborene Erkrankungen wie die Mukoviszidose oder erworbene Auslöser wie schwere Lungeninfekte und COPD. Behandelt wird vor allem durch Sekretlösung, Physiotherapie und die konsequente Therapie von Infektionen.

Bronchiektasen sind irreversible Ausweitungen und Aussackungen in den Wänden der Bronchien und deren Verzweigungen, den Bronchiolen. Diese Aussackungen der Bronchien entstehen, wenn das stützende Gewebe der Bronchialwand zerstört wird. Es gibt sakkuläre, zylindrische und variköse Bronchiektasen. Alle drei Formen entstehen infolge einer genetisch bedingten oder erworbenen Zerstörung des Muskel- oder elastischen Bindegewebes in den betroffenen Bronchialstrukturen.

Hier finden Sie weiterführende Informationen sowie ausgewählte Spezialisten und Zentren für Bronchiektasen.

Symptome von Bronchiektasen

Bronchiektasen bilden sich vor allem durch Mukostase (Schleimverhaltung) und wiederauftretende Infektionserkrankungen. Diese führen zu Husten mit Schleimbildung.

Das dreischichtige Sputum – bestehend aus Schaum, Schleim und Eiter – riecht süßlich fade. Zumeist findet morgens oder nach Lageänderungen ein Auswurf von Schleim statt.

Daneben können bei fortschreitender Erkrankung 

  • Atemnot (in 75 Prozent der Fälle),
  • Abhusten von Blut (in ca. 50 Prozent der Fälle),
  • Uhrglasnägel (gewölbte und abgerundete Fingernägel) und
  • Trommelschlegelfinger (Verdickung der Fingerenden) infolge einer Ateminsuffizienz sowie
  • ein Cor pulmonale (Lungenherz bzw. starke Erweiterung der der Lunge vorgeschalteten, rechten Herzkammer)

beobachtet werden.

Bei langjährig bestehender Entzündung der Bronchien entwickelt sich oftmals eine sogenannte Amyloidose. Das ist eine kontinuierliche Ablagerung von körpereigenen, aber veränderten Eiweißen als kleine Eiweißfäden. Sie können nicht abgebaut werden und schädigen langfristig die Organstrukturen.

Etwa alle 1,5 Jahre kann eine Exazerbation (Verschlimmerung der Symptome) beobachtet werden. Eine solche Verschlechterung ist auch von anderen chronischen Lungenerkrankungen bekannt. Diese ist gekennzeichnet durch:

  • Schleimzunahme mit Husten
  • Anstieg der Atemnot
  • Fieber über 38 °
  • zunehmendes pfeifendes Ausatemgeräusch
  • Abnahme der Belastbarkeit
  • Müdigkeit und Erschöpfungsgefühl
  • Abnahme der Lungenfunktion
  • radiologische Infektzeichen

Nachfolgende Untersuchungen sind daher wichtig, um potenzielle Probleme der Patientinnen und Patienten früh zu erkennen und die Symptome zu lindern.


© Usman Zafar Paracha | AdobeStock

Die Lunge und ihre Anatomie
© Usman Zafar Paracha | AdobeStock

Diagnose von Bronchiektasen?

Bei der Entstehung von Bronchiektasen spielen häufig vererbte Ursachen eine Rolle. Angeborene Defekte, die zu einer Entwicklung von Bronchiektasen führen können, sind

Bei diesen Erkrankungen gehören Bronchiektasen zum charakteristischen Symptombild. Sie bilden sich

  • infolge einer erhöhten Sekretbildung in den Atemwegen (Mukoviszidose) oder
  • aufgrund einer angeborene Schädigung der Zilientätigkeit und des Selbstreinigungsmechanismus der Bronchien (Kartagener-Syndrom).

Daneben können sich Bronchiektasen postinfektiös im Rahmen

  • wiederauftretender Infektionserkrankungen,
  • einer fortgeschrittenen chronisch obstruktiven Lungenerkrankung, weshalb Menschen mit COPD ein erhöhtes Risiko tragen, sowie
  • infolge von Bronchusstenosen durch inhalierte Fremdkörper oder Tumore

manifestieren.

Infektionen mit den folgenden Erregern können zu Bronchiektasen führen:

  • Keuchhusten
  • Bakterien wie Pseudomonas aeruginosa und Haemophilus influenzae
  • Viren wie Influenza, Adenovirus, Paramyxovirus, HIV
  • Tuberkulose
  • atypische Mykobakterien (u.a. Mycobacterium avium complex beim Lady-Windermere-Syndrom)

Die genannten Erkrankungen bedingen eine Beeinträchtigung des Selbstreinigungsmechanismus der Bronchien. Es kommt zu einer erhöhten Ansammlung von Schleim in den Bronchien. Dieser bietet inhalierten pathogenen (krankmachenden) Keimen einen Nährboden und fördert deren Vermehrung fördert.

Dies führt zu häufigen Lungeninfekten, die durch ihre chronischen Entzündungsherde die Bronchialwände angreifen und langfristig zerstören. Es kommt schließlich zu Ausweitungen einzelner oder mehrerer Bronchien und Bronchiolen (Bronchiektasie). Sichtbar gemacht werden diese Veränderungen vor allem durch eine CT der Lunge.

Behandlung von Bronchiektasen

Diagnostik und Therapie richten sich stark nach der Ursache. Die Therapie der Bronchiektasen zur Sekretlösung und Infektionsvorbeugung ist weitgehend an die Mukoviszidose-Therapie angelehnt. Die Behandlungsziele sind:

  • Therapie der Grunderkrankung
  • Verbesserung des Selbstreinigungsmechanismus der Bronchien
  • Infektionsbehandlung und -prophylaxe,
  • Therapie der Atemwegsobstruktion (Verengung)
  • Therapie der chronischen Entzündungen durch orale und inhalative Kortikosteroide (Steroidhormone)

Die spezifischen therapeutischen Maßnahmen richten sich zudem nach Ursache und Ausprägung der Bronchiektasen. Ziel aller Maßnahmen ist es, Beschwerden zu verringern, Infekte zu vermeiden und so die Lebensqualität der Betroffenen zu erhalten. Sind die Bronchiektasen beispielsweise einseitig lokalisiert, kann ein chirurgischer Eingriff zur Entfernung des krankhaften Gewebes vonnöten sein.

Grundlage der Bronchiektasentherapie sind atem- und physiotherapeutische Maßnahmen zur Lockerung und Verbesserung des Abtransports von Bronchialsekret (Sekretdrainage).

Diese auch als Bronchialtoilette bezeichnete Therapie basiert vor allem auf folgenden Maßnahmen:

  • morgendliche Lagerung in Knie-Ellenbogen-Lage
  • Lagerungs- und Vibrationsmassagen
  • Einsatz von Vibrationshilfsmitteln wie beispielsweise RC-Cornet, VRP1-Flutter
  • ausreichende Flüssigkeitszufuhr zur Verflüssigung des Bronchialsekrets
  • Inhalationstherapie zur Verbesserung der Fließeigenschaften des Bronchialsekrets und somit effektivere Reinigung mit bspw. Kochsalzlösung
  • Atemgymnastik und Training der Atemmuskulatur zur Mobilisierung des Bronchialsekrets

Bei Verengung der Atemwege ist eine bronchospasmolytische Therapie mit Bronchodilatoren sinnvoll. Diese Medikamente erweitern die Bronchien. Zur Verstärkung der Sekretbewegung und Förderung der Zilientätigkeit stehen

  • inhalativ einzunehmende Beta-2-Sympathikomimetika, darunter
    • Salbutamol,
    • Formoterol,
    • Indacaterol,
    • Salmeterol
  • Anticholinergika, darunter Ipratropium und Tiotropium

zur Verfügung.

Kombinierte Bronchodilatoren zeigen gegenüber Einzelpräparaten einen erweiternden Effekt, da diese sich gegenseitig verstärken.

Daneben sollte eine Antibiotikatherapie zur Behandlung der Infekte durchgeführt werden, bei der das passende Antibiotikum gezielt nach Erregernachweis ausgewählt wird. Die Antibiotikatherapie ist zumeist mit höheren Dosen und einer längeren Therapiezeit im Vergleich zu unkomplizierten Infektionserkrankungen gekennzeichnet.

Aufgrund der erhöhten Infektionsanfälligkeit ist eine aktive Immunisierung gegen Influenza (Virusgrippe) und Pneumokokken (Bakterien) zu empfehlen.

Risikofaktoren

Bronchiektasen können ganz verschiedene Ursachen haben. Ein wesentlicher Risikofaktor sind wiederkehrende Infektionen der Atemwege, die die Bronchialwände nach und nach schädigen. Auch chronische Lungenerkrankungen wie COPD oder Asthma zählen zu den möglichen Ursachen erworbener Bronchiektasen.

Daneben gibt es angeborene Auslöser: Bei der primären ciliären Dyskinesie (PCD) sind die Flimmerhärchen in den Atemwegen gestört, sodass die mukoziliäre Clearance – der natürliche Selbstreinigungsmechanismus der Bronchien – nicht richtig funktioniert. Der Schleim kann nicht ausreichend abtransportiert werden und staut sich, was Entzündungen und weitere Schäden begünstigt.

FAQ

1. Was sind Bronchiektasen?
Dauerhafte Ausweitungen der Bronchien, in denen sich Sekret sammelt und Infektionen begünstigt.

2. Welche Beschwerden treten auf?
Vor allem chronischer Husten mit Auswurf, Atemnot und häufige Atemwegsinfekte.

3. Sind Bronchiektasen heilbar?
Nein, die Ausweitungen sind irreversibel – die Behandlung lindert aber Beschwerden und beugt Infekten vor.

4. Wie werden sie behandelt?
Durch Sekretdrainage, Atemphysiotherapie, Bronchodilatoren und Antibiotika bei Infekten.

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Über den Fachautor

Sabine Schneider

Sabine Schneider – medizinische Fachautorin: Entdecken Sie fundierte Fachbeiträge und medizinische Expertise im Leading Medicine Guide.

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