Harnröhrenrekonstruktion - Spezialisten und Informationen

Probleme beim Urinieren kommen häufig vor. Meist steckt nur ein vorübergehender Harnwegsinfekt beziehungsweise eine Blasenentzündung dahinter. Wenn Sie jedoch häufiger unter solchen Infekten oder weiteren Symptomen im Bereich des Harntrakts leiden, ist möglicherweise eine Harnröhrenstriktur (Verengung der Harnröhre) die Ursache. Ihr behandelnder Arzt rät Ihnen bei einer diagnostizierten Verengung häufig zu einer Operation, der sogenannten Harnröhrenrekonstruktion.

Im Folgenden finden Sie weiterführende Informationen zur Operation sowie Spezialisten für eine Harnröhrenrekonstruktion.

Empfohlene Spezialisten für eine Harnröhrenrekonstruktion

Artikelübersicht

Rekonstruktive Chirurgie (Harnleiter/Harnröhre) - Weitere Informationen

Definition Harnröhrenrekonstruktion

Die Harnröhrenrekonstruktion (Harnröhrenplastik) ist eine operative Behandlung bei einer Verengung der Harnröhre (Striktur). Das Verfahren kommt insbesondere bei wiederkehrenden sowie bei langstreckigen Verengungen infrage. Bei einer Verengung, die erstmalig in Erscheinung tritt sowie nur eine kurze Strecke Ihrer Harnröhre betrifft, besteht vorab die Möglichkeit zu einer Harnröhrenschlitzung. Hier existiert jedoch ein hohes Rückfallrisiko, sodass bei einem umfangreicheren oder wiederholten Befund die Harnröhrenrekonstruktion sinnvoller ist.

Einer Harnröhrenrekonstruktion geht eine ausführliche Diagnose von Lage, Größe und Ursache der Enge voraus. Ihr Arzt verwendet hierbei eine Röntgendarstellung als bildgebendes Verfahren, um die Position und das Ausmaß der Engstelle genau zu beurteilen. In Einzelfällen ist ergänzend eine Spiegelung der Harnröhre hilfreich, um die geeignete Methode der Rekonstruktion für Ihren konkreten Befund festzulegen. Die Harnröhrenverengung kommt in erster Linie bei Männern vor, da sie im Gegensatz zu Frauen eine deutlich längere Harnröhre haben.

Gründe für eine Harnröhrenrekonstruktion

Die Ursachen für eine Verengung der Harnröhre, die eine Harnröhrenrekonstruktion erforderlich macht, sind unterschiedlicher Natur. Häufige Infektionen der Harnwege wie die Harnröhrenentzündung oder die Harnleiterentzündung zählen ebenso dazu, wie vorangegangene Operationen an den Harnorganen. Auch Verletzungen durch einen Unfall in der Vorgeschichte sind möglich oder die Verwendung eines Katheters. Nicht immer findet Ihr Arzt die Ursache für die Harnröhrenenge.

Bei einer unbehandelten Harnröhrenverengung besteht mit der Zeit die Gefahr einer Blasenentleerungsstörung. Hier verbleibt ein Teil des Harns in der Blase und führt immer wieder zu Infektionen der Harnwege. Die Lebensqualität von Patienten, die von einer Verengung der Harnröhre betroffen sind, ist oftmals stark eingeschränkt. Die Harnröhrenrekonstruktion ist dabei eine Methode, die eine hohe Erfolgsquote von bis zu 90 Prozent aufweist.

Viele Patienten haben bereits eine Schlitzung der Harnröhre (Urethrotomie) zur Beseitigung der Verengung hinter sich, bevor sie sich für eine Rekonstruktion entscheiden. Diese einfache endoskopische Methode (durchgeführt per Spiegelung) verliert jedoch häufig bereits nach wenigen Monaten ihre Wirkung. Ihr Arzt beseitigt die Verengung durch eine Spaltung via Laser oder Messer. Es besteht eine hohe Rückfallwahrscheinlichkeit.

OP-Techniken bei der Harnröhrenkonstruktion

Der Experte für diesen Eingriff ist der Facharzt für Urologie mit Schwerpunkt urologische Chirurgie. Bei der Rekonstruktion der Harnröhre stehen Ihrem behandelnden Arzt unterschiedliche Möglichkeiten im Bereich der Operationstechniken zur Verfügung. Bei der offenen Harnröhrenrekonstruktion stehen die chirurgische Freilegung der Harnröhre und die damit verbundene Beseitigung der Engstelle im Fokus. Die Wahl des Verfahrens hängt mit Ihrem individuellen Befund und dabei insbesondere der Länge der Engstelle sowie der Position zusammen.

End-zu-End Anastomose (Verbindung)

Bei dieser Methode schneidet Ihr Arzt die Engstelle aus der Harnröhre heraus. Auf diese Weise entstehen zwei Enden (End-zu-End), die er durch das Setzen einer Naht miteinander verbindet (Anastomose). Die Technik ist geeignet bei umfangreichen Verletzungen der Harnröhre, etwa in Folge eines Unfalls.

Gewebetransfer durch Transplantat mit Schleimhaut

Hier entfernt Ihr Arzt ebenfalls zunächst operativ die Engstelle in Ihrer Harnröhre. Die anschließende Rekonstruktion erfolgt durch ein möglichst körpereigenes Transplantat (Urethroplastik), beispielsweise aus der Mundschleimhaut. Die benötigte Schleimhaut stammt dabei meist aus der inneren Seite Ihrer Wange oder der Innenseite von Unter- beziehungsweise Oberlippe. Die Methode eignet sich besonders gut für langstreckige Verengungen der Harnröhre.

Der Eingriff selbst dauert durchschnittlich 90 bis 120 Minuten. Ein Facharzt für Anästhesie überwacht währenddessen Ihre Vollnarkose. Sie verbleiben nach der Operation etwa fünf bis sieben Tage im Krankenhaus.

Nachsorge nach der Harnröhrenrekonstruktion

In den ersten Tagen nach der Operation sorgt ein Katheter in Ihrer Harnblase dafür, dass das Operationsareal in Ruhe abheilt. Nach Entfernen dieses Katheters werden Sie aus dem Krankenhaus entlassen. Es ist üblich, dass Sie noch für einige Tage einen Bauchdeckenkatheter tragen, den Ihnen Ihr Arzt im Rahmen der Nachbehandlung entfernt. In regelmäßigen Abständen finden im Rahmen der Nachsorge Kontrolluntersuchungen statt. Sie dienen dazu, den Erfolg des Eingriffs anhand der Stärke Ihres Harnstrahls und einer korrekten Entleerung der Blase zu prüfen.

Mögliche Komplikationen und Risiken

Jeder chirurgische Eingriff ist mit allgemeinen seltenen Risiken verbunden, über die Sie im Detail im Aufklärungsgespräch informiert werden. Generell sind hier Nachblutungen oder Entzündungen im Wundbereich zu nennen, die jedoch sehr gut behandelbar sind. Im Bereich Ihres Mundes kommt es unter Umständen zu vorübergehenden Schmerzen oder auch geringfügigen Taubheitsgefühlen. In sehr seltenen Fällen ist möglicherweise eine Narbenbildung möglich.

Prognose bei einer Harnröhrenrekonstruktion

Bei einer Harnröhrenrekonstruktion kommt es wesentlich auf die Erfahrung des behandelnden Operateurs an. Die Langfristigkeit und der Umfang des Erfolgs des Eingriffs basieren entsprechend auf der Expertise Ihres Spezialisten. Die Langzeitprognose nach einer Rekonstruktion wird insgesamt als sehr positiv bewertet.

Fazit

Verengungen der Harnröhre sorgen unbehandelt zu einem Aufstau des Harns und werden im Idealfall entsprechend möglichst zeitnah erkannt und behandelt. Bei einer Schlitzung der Harnröhre als Behandlungsmethode kommt es vielfach zu einem Rückfall. Eine Harnröhrenrekonstruktion hingegen bietet hier ein hilfreiches Verfahren mit sehr guten Erfolgsaussichten, die gerade auch in langfristiger Hinsicht überzeugen.

Quellen

https://www2.medizin.uni-greifswald.de/urologie/erkrankungentherapien/rekonstruktive-urologieinkontinenz-chirurgie/harnroehrenrekonstruktion/
https://goldstadt-privatklinik.de/harnroehrenrekonstruktion/
https://link.springer.com/article/10.1007/s00092-016-1145-3
https://st-barbara-hospital.eu/unsere-medizin/kliniken/urologie-und-kinderurologie/leistungsspektrum/harnroehrenrekonstruktionen-harnroehrenstrikturen-und-hypospadien
https://www.klinikum-nuernberg.de/DE/ueber_uns/Fachabteilungen_KN/kliniken/urologie/leistungen/Doks_u_Pics_A_Z_Liste/Harnroehrenstriktur.html
https://www.klinikum.uni-heidelberg.de/erkrankungen/harnroehrenenge-200201
https://www.netdoktor.de/krankheiten/harnroehrenverengung/
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