Die SIRT ist eine Form der Radiotherapie, bei der radioaktive Partikel über eine Arterie zur Leber gelangen. Sie kommt bei ausgewählten Lebertumoren infrage. Vor der Behandlung wird geprüft, wie sich die eingebrachte Substanz verteilt.
Der mögliche Nutzen hängt von der Tumorerkrankung und der Vergleichsbehandlung ab. Studien zeigen keine einheitliche Wirkung auf die Lebenserwartung.
Was ist eine SIRT und für wen kommt sie infrage?
Die selektive interne Radiotherapie behandelt Tumoren örtlich innerhalb der Leber. Dazu gelangen radioaktive Partikel über eine Arterie zum erkrankten Gewebe, wo sie ihre Strahlung abgeben.
Bei Leberzellkrebs, auch hepatozelluläres Karzinom genannt, kann die SIRT als Therapieoption zur Sprache kommen. Untersucht wurde sie unter anderem bei ausgewählten Patientinnen und Patienten sowie bei fortgeschrittenen Tumoren.
Auch bei hormonell aktiven neuroendokrinen Tumoren mit Lebermetastasen kann das Verfahren erwogen werden. In dieser Situation soll die SIRT hormonbedingte Beschwerden lindern.
Was kann die SIRT im Vergleich bewirken?
Die Wirkung auf die Lebenserwartung fällt je nach Erkrankung und Vergleichsbehandlung unterschiedlich aus. Ergebnisse einer bestimmten Patientengruppe lassen sich deshalb nicht ohne Weiteres auf andere Lebertumoren übertragen.
| Behandlung | Untersuchte Erkrankung | Ergebnis |
|---|---|---|
| SIRT im Vergleich mit einer bestimmten örtlichen Behandlung | Ausgewählter Leberzellkrebs | Das mediane Gesamtüberleben betrug rund 30 Monate nach SIRT und rund 16 Monate nach der Vergleichsbehandlung. |
| SIRT im Vergleich mit Sorafenib | Fortgeschrittener Leberzellkrebs | Das mediane Gesamtüberleben lag bei 8,0 Monaten unter SIRT und bei 9·9 Monaten unter dem Krebsmedikament Sorafenib. |
| SIRT zusätzlich zur anfänglichen Chemotherapie | Darmkrebs mit Lebermetastasen | Die zusätzliche SIRT verlängerte das Gesamtüberleben gegenüber der anfänglichen Chemotherapie allein nicht. |
Das mediane Gesamtüberleben bezeichnet den Zeitpunkt, an dem die Hälfte der untersuchten Personen noch lebte. Es beschreibt das Ergebnis einer Studiengruppe, sagt aber nicht voraus, wie lange eine einzelne Patientin oder ein einzelner Patient leben wird.
Wie laufen Vorbereitung und SIRT ab?
Vor der SIRT wird geplant, wo sich die radioaktiven Partikel später verteilen sollen. Bei der Vorbereitung werden die anatomischen Verhältnisse und ein möglicher Transport der Substanz in Richtung Lunge geprüft.
- Für die Planung werden Bilder der Leber angefertigt.
- Eine vorbereitende Untersuchung ermittelt, welcher Anteil der eingebrachten Substanz über die Leber hinaus in Richtung Lunge gelangen würde.
- Bei der eigentlichen Behandlung werden die radioaktiven Mikrosphären über eine Arterie zur Leber verabreicht.
Die Voruntersuchung soll dazu beitragen, dass die Mikrosphären möglichst im vorgesehenen Gebiet verbleiben. Welche Untersuchungen eingesetzt werden, richtet sich nach der Tumorerkrankung und den anatomischen Voraussetzungen.
Welche Nebenwirkungen und Risiken hat die SIRT?
Nach einer SIRT können Beschwerden und behandlungsbedürftige Komplikationen auftreten. In einer Beobachtungsstudie wurden folgende Häufigkeiten erfasst:

| Beobachtetes Ereignis | Häufigkeit |
|---|---|
| Beschwerden nach der Behandlung wie Müdigkeit, Bauchschmerzen, Übelkeit oder Fieber | 70 % der Behandelten |
| Magen-Darm-Geschwür | 10 % der Behandelten |
| Klinisch bedeutsame Verschlechterung der Leberfunktion | 2 % der Behandelten |
Diese Beschwerden sind nicht mit einer schweren Schädigung des Lebergewebes gleichzusetzen. Für die persönliche Risikoeinschätzung sind unter anderem die noch vorhandene Leberfunktion und die individuelle Erkrankungssituation relevant.
Wie wird die Wirkung nach der Behandlung kontrolliert?
Nach der SIRT wird der Tumor weiter überwacht. Dazu können bildgebende Untersuchungen und Tumormarker dienen, also Laborwerte, die mit der Tumorerkrankung zusammenhängen.
In einer Studie wurden Tumormarker und Bildgebung erstmals nach rund 6 Wochen kontrolliert; weitere Untersuchungen folgten jeweils im Abstand von rund 3 Monaten. Der persönliche Kontrollplan kann davon abweichen.
Die Befunde zeigen, ob sich der Tumor verändert hat und wie die Leber auf die Behandlung reagiert. Auf dieser Grundlage wird über weitere Untersuchungen oder Behandlungsschritte entschieden.
Wie wird die SIRT abgerechnet?
Eine medizinisch angezeigte SIRT kann stationär, also während eines Krankenhausaufenthalts, über das Fallpauschalensystem abgerechnet und erstattet werden. Für die Krankenhausabrechnung sind eine Fallpauschale und ein Zusatzentgelt vorgesehen.
Ein allgemein gültiger Selbstzahlerpreis in Euro lässt sich nicht nennen. Vor dem Krankenhausaufenthalt sollte geklärt sein, ob die medizinische Begründung und die Abrechnungsvoraussetzungen der jeweiligen Krankenversicherung erfüllt sind.
Welche Ärztinnen und Ärzte führen die SIRT durch?
Die SIRT wird fachübergreifend geplant und durchgeführt. An der Vorbereitung und Verabreichung der radioaktiven Mikrosphären sind insbesondere die interventionelle Radiologie, also kathetergestützte Behandlungen unter Bildkontrolle, und die Nuklearmedizin beteiligt.
Ein gemeinsamer Praxisstandard medizinischer Fachgesellschaften nennt Schulungsanforderungen für Ärztinnen und Ärzte, die dieses Verfahren durchführen. Erfahrung mit der SIRT und eine geregelte Zusammenarbeit der beteiligten Fachgebiete sind wichtige Qualitätsmerkmale.
Im Erstgespräch können Sie beispielsweise folgende Fragen stellen:
- Wer prüft, ob die SIRT für meine Tumorerkrankung geeignet ist?
- Welche Fachabteilung plant und verabreicht die Mikrosphären?
- Wie wird das Risiko für die übrige Leber und die Lunge geprüft?
- Wie werden Wirkung und Leberfunktion anschließend kontrolliert?
Spezialistinnen und Spezialisten für SIRT finden Sie im Anschluss an diesen Text.
Häufige Fragen zur SIRT
Wie wird vor der SIRT geprüft, wohin die Partikel gelangen?
Vor der Behandlung werden Bilder der Leber für die Planung angefertigt. Eine vorbereitende Untersuchung ermittelt außerdem, welcher Anteil der eingebrachten Substanz in Richtung Lunge gelangen würde.
Welche Beschwerden können nach einer SIRT auftreten?
Nach der Behandlung können Müdigkeit, Bauchschmerzen, Übelkeit oder Fieber auftreten. In einer Beobachtungsstudie betraf dieses Beschwerdesyndrom 70 % der Behandelten.
Wann finden die Kontrollen nach einer SIRT statt?
In einer Studie wurden Tumormarker und Bildgebung erstmals nach rund 6 Wochen kontrolliert. Anschließend fanden die Untersuchungen jeweils im Abstand von rund 3 Monaten statt.
Kann die SIRT hormonbedingte Beschwerden lindern?
Bei hormonell aktiven neuroendokrinen Tumoren mit Lebermetastasen kann eine SIRT zur Linderung der Beschwerden erwogen werden. Ob sie im Einzelfall infrage kommt, hängt von der Erkrankungssituation ab.
Über den Fachautor
Univ.-Prof. Dr. Dr. med. Thomas J. Vogl
Medizinischer Fachautor · Direktor · Frankfurt am Main
Mehr über den Fachautor →Quellen
- Transarterielle Therapien – Radioembolisation (RE) oder Selektive interne Radiotherapie (SIRT) - DGVS - Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten. Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten, 2016
- (90)Y Radioembolization versus Drug-eluting Bead Chemoembolization for Unresectable Hepatocellular Carcinoma: Results from the TRACE Phase II Randomized Controlled Trial. Radiology, 2022
- Efficacy and safety of selective internal radiotherapy with yttrium-90 resin microspheres compared with sorafenib in locally advanced and inoperable hepatocellular carcinoma (SARAH): an open-label randomised controlled phase 3 trial. The Lancet Oncology, 2017
- First-line selective internal radiotherapy plus chemotherapy versus chemotherapy alone in patients with liver metastases from colorectal cancer (FOXFIRE, SIRFLOX, and FOXFIRE-Global): a combined analysis of three multicentre, randomised, phase 3 trials. The Lancet Oncology, 2017
- Zusammenfassende Dokumentation zur Aussetzung eines Beratungsverfahrens über eine Erprobungs-Richtlinie für SIRT bei hepatozellulärem Karzinom. Gemeinsamer Bundesausschuss, 2024
- Occupational radiation exposure of medical staff performing ⁹⁰Y-loaded microsphere radioembolization. European Journal of Nuclear Medicine and Molecular Imaging, 2016
- AAPM Medical Physics Practice Guideline 14.a: Yttrium-90 microsphere radioembolization. American Association of Physicists in Medicine
- Complications after 90Y microsphere radioembolization for unresectable hepatic tumors: An evaluation of 112 patients. International Journal of Radiation Oncology, Biology, Physics, 2013
- Clinical and imaging experience with yttrium-90 microspheres in the management of unresectable liver tumours. Clinical Radiology, 2007
- ACR-ABS-ACNM-ARS-SIR-SNMMI Practice Parameter for Radioembolization of Liver Malignancies. American College of Radiology und weitere beteiligte Fachgesellschaften, 2026
