Das Pleuraempyem ist eine bakteriell bedingte Eiteransammlung im Brustfell. Patienten, die mit einer Rippenfellentzündung (Pleuritis) ins Krankenhaus kommen, entwickeln häufig Komplikationen. Bei der Hälfte kommt es zu Pleuraergüssen. Bei jedem Zehnten bildet sich ein Pleuraempyem aus.

Bei einer Rippenfellentzündung haben Patienten Schmerzen beim Atmen @ Maksym Povozniuk /AdobeStock
Der Pyothorax ist eine schwere Komplikation der Pleuritis und häufig Folge einer bakteriellen Lungenentzündung (Pneumonie). Das Pleuraempyem kann auch durch einen Lungenabszess entstehen.
Weitere Ursachen lösen ebenfalls ein Pleuraempyem aus:
- eine „Blutvergiftung“ (Sepsis)
- eine Verletzung (Trauma), wobei es zu einer Öffnung des Brustkorbes kommt (= Pneumothorax)
- Wenn die Speiseröhre (Ösophagus) perforiert wird. Kommt es im Zuge dieser Verletzungen zu einer bakteriellen Infektion, kann sich Eiter im Lungenfell (Pleura) ansammeln.
Welche Bakterien sind Auslöser für einen Pyothorax?
Oft sind es typische Eitererreger und Bakterien, die Atemwegserkrankungen auslösen:
- Streptococcus pneumoniae
- Staphylococcus aureus
- Pseudomonas aeruginas, ein typischer Krankenhauskeim und somit Auslöser sogenannter nosokomialer Infektionen
- Escherichia coli, ein Darmkeim sowie
- Klebsiellen
Die Symptome sind meist unspezifisch, da die meisten Patienten zuvor an einer schweren Lungenentzündung oder einer Rippenfellentzündung leiden. Daher bemerken Ärzte das Pleuraempyem oft nicht sofort.
Symptome, die auftreten sind:
- Fieber
- Nachtschweiß
- Husten
- Schmerzen hinter dem Brustbein
- Atemnot (Dyspnoe)
- Erste Verdachtsmomente ergeben sich für Ärzte meist aus der Krankengeschichte (Anamnese) und aus einem auffälligen Röntgen-Thorax.
- Ärzte nutzen zudem den Ultraschall und das CT-gestützte Bildgebungsverfahren der Lunge, um kleinere Ergussmengen zu erkennen.
- Die eigentliche Diagnose erfolgt jedoch durch eine Pleura-Punktion.
Bei der Pleurapunktion, die der Vorbereitung der Pleuraempyem-OP dienen kann, gewinnen Ärzte mit einer dünnen Nadel etwas Pleurasekret. Labormitarbeiter untersuchen anschließend das Sekret auf mögliche Erreger. Erst dann können Ärzte eine verlässliche Diagnose und Therapie erstellen. Das Pleurapunktat liefert in der Regel den Nachweis für eine schwere Entzündung sowie für die beteiligten bakteriellen Erreger:
- Es kommt entzündungsbedingt zu einer pH-Wert-Verschiebung ins Saure (pH-Wert < 7,1).
- Die Laktatdehydrogenase (LDH) ist ein zelluläres Enzym, welches z. B. bei starken Entzündungen erhöht sein kann (LDH > 1.000 U/l).
- Die Zahl der Entzündungszellen, insbesondere der Granulozyten, ist erhöht.
In der Regel erfolgt der Nachweis eines bakteriellen Erregers für das Pyothorax.

Bei der Pleura-Punktion entnehmen Ärzte Flüssigkeit aus dem Pleuraspalt (Raum zwischen Rippen- und Lungenfell) @ ellepigrafica /AdobeStock
Das Pleuraempyem verläuft üblicherweise in drei Stadien:
- Stadium 1: Es kommt zu einem Flüssigkeitsaustritt in den Pleuraspalt (exsudative Phase).
- Stadium 2: Es entsteht ein eitrig-trübes Sekret (fibrinös-purulente Phase).
- Stadium 3: Aufgrund der chronischen Entzündung bilden sich Bindegewebswucherungen an den Brustwänden (Narbengewebe), welche die Lunge zunehmend einengen.
Nach einer gesicherten Diagnose ist das Pleuraempyem gut behandelbar. In der Regel reichen in Stadium 1 Antibiotika aus, um die bakterielle Infektion zu therapieren.
Wichtig für Ärzte ist es aber, einen Erregernachweis zu haben, um das richtige Antibiotikum einzusetzen.
Gerade in den vergangenen Jahren traten bei den Pseudomonas-Keimen und bei den Staphylokokken und Streptokokken multiresistente Stämme auf. Diese stellen in der Therapie eine Herausforderung für Ärzte dar.
Gegen die Sekret- oder Exsudatbildung, die die Atmung erschweren, hilft eine Thoraxdrainage. Dabei erhalten Patienten eine Punktion des Brustkorbes. Dadurch kann das Sekret nach außen abgeleitet werden. Dieser Vorgang entlastet die Lunge und die Atmung.
Bei einem therapieresistenten Pleuraempyem behandeln Ärzte den Patienten mit einer Thorakoskopie. Dabei nehmen Ärzte einen chirurgischen Eingriff vor, bei dem sie den Eiter ausräumen. Dieser Eingriff erfolgt meist über die „Schlüssellochmethode“, die OP ist also minimalinvasiv.
Thorakoskopische Dekortikation (“Entfesselung” der Lunge)
Wird die Erkrankung nicht frühzeitig erkannt, bilden sich in Stadium 2 beträchtliche Eiteransammlungen, die mithilfe eines minimalinvasiven, videoassistierten Eingriffs (VATS) entfernt werden können.
Im dritten Stadium entsteht aufgrund der chronischen Infektion eine dicke Membran aus Bindegewebe (Vernarbungen) an all jenen Lungen- und Brustwandabschnitten, mit denen die eitrige Flüssigkeit bereits in Kontakt gekommen ist. Dadurch wird die Lunge immer stärker eingeengt und kann sich beim Atmen nicht mehr richtig ausdehnen. Die Betroffenen leiden unter Atemnot und sind innerhalb kürzester Zeit stark geschwächt.
Dann hilft keine einfache Thoraxdrainage mehr, sondern aufgrund der Spätfolgen muss die Lunge chirurgisch durch eine Pleuraempyem-OP freigelegt werden. Heutzutage gelingt das in spezialisierten Fachkliniken bereits minimalinvasiv im Rahmen einer thorakoskopischen Dekortikation, einer Befreiung der Lunge aus den Fesseln der Bindegewebsschwarten.
Alternativ erfolgt eine offene Dekortikation, bei der ein etwa 5 bis 7 cm langer Schnitt unter der Achselhöhle gesetzt wird, um sowohl die Gewebemembran als auch die Eiteransammlungen entfernen zu können.
Die dabei gelegte Thoraxdrainage muss noch für eine Weile im Brustkorb verbleiben, um die Lunge nach der Operation weiter spülen zu können.
Durch den Eingriff heilt die Erkrankung im Regelfall vollständig aus. Werden Eiteransammlung und Schwarte jedoch sehr spät diagnostiziert, kann es sein, dass die Lunge bereits so stark geschrumpft ist, dass sie sich auch nach der Pleuraempyem-OP nicht mehr auf die ursprüngliche Größe ausdehnen kann. Dadurch ist die Lungenkapazität des Patienten dauerhaft beeinträchtigt.
Wie bei den meisten akuten Erkrankungen ist eine frühzeitige Diagnose und Therapie maßgeblich für die Prognose. Je früher Ärzte das Pleuraempyem erkennen, desto schneller können sie mit der Therapie beginnen.
Es entsteht oft durch eine Lungenentzündung und zeigt bei jungen Patienten meist keine Symptome. Daher diagnostizieren Ärzte das Pleuraempyem bei diesen oft sehr spät. Die Sterblichkeit (Mortalität) ist daher recht hoch.
Im Frühstadium behandeln Ärzte das Pleuraempyem mit Antibiotika und einer Drainage. Besteht es schon länger, ist meist eine OP nötig.
Die Erkrankung erfordert spezielle Tests und Behandlungen. Deshalb sind Krankenhäuser ideal, die auf Lungenkrankheiten und Brustoperationen spezialisiert sind.
Fachärzte, die das Pleuraempyem behandeln, sind Pulmologen, Thoraxchirurgen und Infektiologen. Unterstützend kommen Radiologen für die diagnostische Bildgebung sowie Labormediziner für die Labordiagnostik hinzu.
Da es sich bei der Operation in Stadium 3 um einen anspruchsvollen Eingriff handelt, sollten Sie sich in die Hände ausgewiesener Experten begeben. Leading Medicine Guide unterstützt Sie bei der Suche.