Pleuraempyem - Informationen und Spezialisten

27.05.2022
Dr. rer. nat. Marcus Mau
Autor des Fachartikels

Beim Pleuraempyem handelt es sich um eine Eiteransammlung im Bereich des Lungenfells (Pleura). Das Empyem ist häufig eine schwere Komplikation einer Lungenfellentzündung, der sogenannten Pleuritis. In der Regel genügt es, mit Antibiotika zu behandeln und den Eiter abzuleiten. Welche Experten Ihnen bei einem Pleuraempyem weiterhelfen können, erfahren Sie in unserem Artikel.

ICD-Codes für diese Krankheit: J86

Empfohlene Spezialisten für Pleuraempyem

Artikelübersicht

Wie häufig kommt es zu einem Pleuraempyem?

Patienten, die mit einer Lungenfellentzündung ins Krankenhaus eingeliefert werden, entwickeln nicht selten Komplikationen. Bei der Hälfte von ihnen kann es z. B. zu Pleuraergüssen kommen. Bei jedem zehnten dieser Fälle bildet sich dann sogar ein Pleuraempyem aus, eine meist bakteriell bedingte Eiteransammlung.

Welche Ursachen gibt es für das Pleuraempyem?

Das Pleuraempyem ist in erster Linie eine schwere Komplikation der Pleuritis. Infolge einer weitreichenden bakteriellen Lungenentzündung (Pneumonie) oder eines Lungenabszesses kann es zu einem Pleuraempyem kommen. 

Doch auch andere Ursachen lösen ein Pleuraempyem aus, wie beispielsweise  eine „Blutvergiftung“ (Sepsis), eine Verletzung (Trauma), wobei es zu einer Öffnung des Brustkorbes kommt (= Pneumothorax) oder auch, wenn die Speiseröhre (Ösophagus) perforiert wird. Kommt es dann im Zuge dieser Verletzungen zu einer bakteriellen Infektion, kann sich Eiter im Bereich des Lungenfells (Pleura) ansammeln.

Welche Bakterien sind häufige Auslöser für ein Pleuraempyem?

Oft sind es typische Eitererreger und Bakterien, welche Atemwegserkrankungen auslösen, die zu den Erregern eines Pleuraempyems zählen. Am häufigsten sind die folgenden Bakterienarten an der Krankheitsentstehung beteiligt:

  • Streptococcus pneumoniae,
  • Staphylococcus aureus,
  • Pseudomonas aeruginas, ein typischer Krankenhauskeim und somit Auslöser sogenannter nosokomialer Infektionen,
  • Escherichia coli, ein Darmkeim sowie
  • Klebsiellen.

Welche Symptome deuten auf ein Pleuraempyem?

Die Symptome im Zusammenhang mit Lungenerkrankungen sind meist sehr unspezifisch, so auch im Fall des Pleuraempyems. Da viele der Patienten zuvor an einer schweren Pneumonie oder Pleuritis leiden, wird das Pleuraempyem unter Behandlung meist nicht bemerkt. Symptome, die auftreten können, sind z. B. Fieber, Nachtschweiß sowie Husten. Ebenso kann es je nach Schweregrad der Erkrankung zu Schmerzen hinter dem Brustbein und zu Atemnot (Dyspnoe) kommen.

Wie wird ein Pleuraempyem diagnostiziert?

Erste Verdachtsmomente ergeben sich für die Ärzte meist aus der Krankengeschichte (Anamnese) sowie aus einem auffälligen Röntgen-Thorax. Ultraschall und CT-gestützte Bildgebungsverfahren der Lunge können unterstützend genutzt werden, letztere insbesondere um auch kleinere Ergussmengen sichtbar zu machen.

Die eigentliche Diagnose für das Pleuraempyem erfordert jedoch eine Pleura-Punktion, bei der mithilfe einer dünnen Nadel etwas Pleurasekret gewonnen wird. Dieses Sekret wird anschließend im Labor u. a. auf mögliche Erreger untersucht, die dabei helfen, die Diagnose Pleuraempyem zu stellen und gleichzeitig auch eine entsprechende Therapie zu planen.

Das Pleura-Punktat liefert in der Regel den Nachweis für eine schwere Entzündung sowie für die beteiligten bakterielle Erreger:

  • Es kommt entzündungsbedingt zu einer pH-Wert-Verschiebung ins Saure (pH-Wert < 7,1).
  • Die Laktatdehydrogenase (LDH) ist ein zelluläres Enzym, welches z. B. bei starken Entzündungen erhöht sein kann (LDH > 1.000 U/l).
  • Die Zahl der Entzündungszellen, insbesondere der Granulozyten, ist erhöht.
  • In der Regel erfolgt der Nachweis eines bakteriellen Erregers für das Pleuraempyem.

Wie verläuft das Pleuraempyem?

Das Pleuraempyem verläuft klassisch in drei Phasen, wobei es im

  • Stadium 1 zu einem Flüssigkeitsaustritt in den Pleuraspalt kommt (= exsudative Phase).
  • Im Stadium 2, der fibrinös-purulenten Phase, entsteht ein eitrig-trübes Sekret.
  • Im Stadium 3 schließlich tritt eitriges Sekret auf und die Entzündungsherde vernarben langsam.

Ist das Pleuraempyem behandelbar?

Ja, das Pleuraempyem ist nach einer gesicherten Diagnose meist gut behandelbar. In der Regel reicht es aus, antibiotisch die bakterielle Infektion zu therapieren. Dabei ist es wichtig, einen Erregernachweis zu haben, um auch das richtige Antibiotikum einsetzen zu können. In den vergangenen Jahren traten nämlich gerade bei den Pseudomonas-Keimen sowie bei den Staphylokokken und Streptokokken multiresistente Stämme auf, die in der Therapie durchaus eine Herausforderung darstellen können.

Gegen die Sekret- oder Exsudatbildung, welche die Atmung beeinträchtigen kann, hilft die Thoraxdrainage. Dabei wird das Sekret über eine kleine Punktion des Brustkorbes und der Pleura nach außen abgeleitet, was Lunge und Atmung entlastet. Im Falle eines therapieresistenten Pleuraempyems können Ärzte mittels Thorakoskopie chirurgisch behandeln und so den Eiter ausräumen. Dieser Eingriff erfolgt meist über die „Schlüssellochmethode“, also minimalinvasiv.

Welche Prognose hat das Pleuraempyem?

Wie bei vielen akuten Erkrankungen gilt auch beim Pleuraempyem, dass eine frühzeitige Diagnose und Therapie die Prognose deutlich verbessern. Allerdings entwickelt sich das Pleuraempyem, wie zuvor gesagt, häufig auf dem Boden einer Lungenentzündung und verläuft daher gerade bei jüngeren Patienten oft subklinisch und daher symptomarm. Dadurch wird die Diagnose jedoch häufig erst spät gestellt, sodass die Sterblichkeit (Mortalität) beim Pleuraempyem auch heute noch hoch sein kann.

Während das Empyem im Frühstadium bereits mit Antibiotika und Drainage erfolgreich behandelbar ist, werden mit fortschreitender Erkrankungsdauer schließlich meist chirurgische Therapieverfahren erforderlich.

Wo wird das Pleuraempyem behandelt?

Aufgrund des größeren diagnostischen und therapeutischen Aufwands wird das Pleuraempyem in der Regel in spezialisierten Kliniken für Pneumologie sowie Thoraxchirurgie behandelt. Fachärzte, welche das Pleuraempyem behandeln sind zumeist Pulmologen, Thoraxchirurgen und Infektiologen. Unterstützend kommen Radiologen für die diagnostische Bildgebung sowie Labormediziner für die Labordiagnostik hinzu.

Quellen

flexikon.doccheck.com/de/Pleuraempyem
Popov A. Das Pleuraempyem – heimtückische Komplikation von akuten Lungeninfektionen. Ärzteblatt Sachsen-Anhalt 2020 (05): aerzteblatt-sachsen-anhalt.de/ausgabe/fachartikel/620-fachartikel-05-2020/3099-das-pleuraempyem-heimtueckische-komplikation-von-akuten-lungeninfektionen.html [zuletzt aufgerufen am 23.05.2022]
pschyrembel.de/Pleuraempyem/K0H6L
Tasci S et al., Diagnose und Therapie von parapneumonischen Pleuraergüssen und Empyemen. Dtsch Arztebl 2004; 101(10): A-638 / B-532 / C-521. aerzteblatt.de/archiv/40825/Diagnose-und-Therapie-von-parapneumonischen-Pleuraerguessen-und-Empyemen [zuletzt aufgerufen am 23.05.2022]
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