Die Netzhaut ist für das Sehen unverzichtbar. Erkrankungen in diesem Bereich des Auges können das Seevermögen erheblich beeinträchtigen und im schlimmsten Fall zu Erblindung führen. Zu den wichtigsten Netzhauterkrankungen zählen unter anderem Durchblutungsstörungen, die diabetische Retinopathie,die Makuladegeneration, die Retinitis Pigmentosa und die Netzhautablösung.
Was ist die Netzhaut?
Die innere Augenhaut (Netzhaut oder Retina vom lat. rete, „Netz“) umgibt mit der mittleren Außenhaut (Regenbogenhaut, Ziliarkörper und Aderhaut) und äußeren Augenhaut (Lederhaut und Hornhaut) den Augapfel.
Die Netzhaut ist das durchsichtige, lichtempfindliche Gewebe im hinteren Teil des Auges @ Kristof /AdobeStock
Nachdem das Licht durch die Pupille ins Auge eingefallen ist, passiert es den transparenten Glaskörper und trifft auf die Netzhaut. Dort wird das einfallende Licht von Fotorezeptoren aufgenommen. Diese Sinneszellen leiten die Reize über Zwischenschaltungen weiter bis sie als Nervenimpulse das Gehirn erreichen. Eine einzelne Nervenzelle arbeitet dabei nicht isoliert, sondern im Zusammenspiel mit vielen weiteren Zellen. Im Zentrum der Makula befindet sich die Stelle des Schärfsten Sehens, auch Fovea genannt. Dieser Bereich des schärfsten Sehens ist entscheidend für Lesen, Gesichtserkennung und feine Kontraste. Dieses Areal reagiert deshalb besonders empfindlich auf Schäden.
Aufbau und Funktion der Netzhaut
Die Retina kleidet den Augapfel von innen aus. Sie liegt dabei direkt auf der Aderhaut auf, die für die Nährstoffversorgung der Retina zuständig ist. Das auf die Retina einfallende Licht reizt die Sinneszellen, die diese Signale an die zuständigen Regionen im Gehirn weiterleiten.
Die Netzhaut ist mit verschiedenartigen Nervenzellen besetzt, die sich in drei Typen einteilen lassen:
- Fotorezeptoren wandeln das einfallende Licht in Nervenimpulse um
- Interneuronen verarbeiten diese Impulse in der Netzhaut
- Ganglienzellen leiten die Impulse außerhalb der Retina weite
FotorezeptorzellenDie Fotorezeptorzellen setzen sich aus zwei Typen zusammen:
- Den Stäbchen
- Den Zapfen
Das Auge verfügt über 120 Millionen Stäbchen, die für das Unterscheiden von hell und dunkel zuständig sind. Rund 6 Millionen Zapfen ermöglichen das Farbsehen.
Es gibt drei Arten von Zapfen, die auf unterschiedliche Wellenlängen des Lichts reagieren. Diese drei Wellenlängenbereiche des Lichts erscheinen uns als Rot, Grün und Blau.
Die Stäbchen befinden sich um die Sehgrube, um die beste Farberkennung zu gewährleisten.
Die hell-dunkel-sensitiven Zapfen gruppieren sich im peripheren Bereich. Aus diesem Grund kann man im Augenwinkel hell und dunkel besser unterscheiden, dafür aber Farben nicht gut wahrnehmen. Bei schlechten Lichtverhältnissen nimmt das Farbsehen ebenfalls ab. Die Fotorezeptorzellen regenerieren sich regelmäßig.
- Gelber Fleck (Makula)
Im hinteren Bereich der Netzhaut, gegenüber der Pupille, befindet sich der etwa 3 mm große „gelbe Fleck“ (Makula). Die hier eingelagerten Farbstoffe können energiereiches UV-Licht filtern und schützen die Netzhaut vor schädlichen Effekten.
Im Zentrum der Makula liegt die Sehgrube (Fovea centralis). Das ist der Augenbereich, der das schärfste Sehen ermöglicht (z. B. zum Lesen) . Die restliche Netzhaut dagegen ist für das periphere Gesichtsfeld zuständig, also für den „Blick aus dem Augenwinkel“.
- Papille
Die Papille liegt etwas versetzt zur Makula. Sie ist der Punkt, an dem sich die Nervenfasern der Retina zum Sehnerv bündeln. Zusammen mit den Blutgefäßen verlassen sie durch alle Augenhautschichten den Augapfel. An dieser Stelle befinden sich keine Lichtrezeptoren, die das einfallende Licht auffangen. Daher handelt es sich dabei im wahrsten Sinne um einen „blinden Fleck“.
Ursachen und Risikofaktoren
Netzhauterkrankungen können angeboren, altersbedingt, stoffwechselbedingt, gefäßbedingt oder durch Zugkräfte im Inneren des Auges ausgelöst werden.
Manche Formen entwickeln sich schleichend, andere treten plötzlich auf. Häufig sind es Störungen der Durchblutung, altersbedingte Veränderungen der Makula oder Folgeerkrankungen eines schlecht eingestellten Stoffwechsels.
Zu den Risikofaktoren gehören insbesondere Diabetes, Bluthochdruck, Arteriosklerose, entzündliche Prozesse, genetische Veranlagung und zunehmendes Alter. Auch Veränderungen am Glaskörper spielen eine Rolle. Eine Glaskörperabhebung ist im höheren Lebensalter nicht ungewöhnlich und kann Zug auf die Netzhaut ausüben. In ungünstigen Fällen kann dieser Zug die Netzhaut ablösen oder Risse begünstigen. Ebenso können Blutgefäße; ein verändertes Gefäß, eine erkrankte Arterie, verengte Venen oder ein Verschluss der versorgenden Gefäße die Versorgung der Netzhaut beeinträchtigen.
Formen von Netzhauterkrankungen
Diabetische Retinopathie als Folgeerkrankung des Diabetes mellitus
Eine besonders bekannte Netzhauterkrankung ist die diabetische Retinopathie. Sie entsteht als Folge eines über längere Zeit erhöhten Blutzuckerspiegels. Kleine Gefäße der Netzhaut werden dabei geschädigt. Es entstehen undichte Stellen, Blutungen und Minderdurchblutungen. Bei der Retinopathie können frühe Veränderungen zunächst ohne deutliche Symptome verlaufen. Später nehmen Betroffene Flecken, Verzerrungen oder verschwommenes Sehen wahr.
Die diabetische Retinopathie ist für viele Menschen mit Diabetes eine ernst zu nehmende Komplikation. Diabetiker sollten daher regelmäßige Kontrollen wahrnehmen. In fortgeschrittenen Stadien kann zusätzlich ein Makulaödem auftreten, also eine Flüssigkeitseinlagerung im Bereich der Makula. Dadurch leidet vor allem die zentrale Sehschärfe. Ohne angemessene Behandlung kann eine Retinopathie fortschreiten und im Extremfall zu Erblindung führen.
Retinitis Pigmentosa
Netzhautablösung
Die Netzhautablösung ist eine akute und ernstzunehmende Erkrankung. Dabei hebt sich die Netzhaut von der darunterliegenden Aderhaut ab. Dadurch wird das Gewebe nicht mehr ausreichend versorgt. Fotorezeptoren werden geschädigt und können absterben. Zu den Warnzeichen gehören Lichtblitze, Rußregen, Schatten oder ein Vorhang im Blickfeld. Manche betroffene berichten auch über plötzliches verzerrt- oder unscharf-sehen.
Eine Glaskörperabhebung kann einen Netzhautriss verursachen, aus dem sich eine Netzhautablösung entwickelt. Auch Verletzungen, Zugkräfte, Diabetesfolgen oder vorgeschädigte Areale können eine Rolle spielen. Hier ist rechtzeitiges Handeln entscheidend. Wer solche Warnzeichen bemerkt, sollte sofort einen Augenarzt aufsuchen. Denn eine unbehandelte Netzhautablösung kann dazu führen, dass Patienten dauerhaft erblinden.
Bei der Netzhautablösung erhält die Netzhaut nicht mehr genug Sauerstoff und Nährstoffen aus der Aderhaut @ bilderzwerg /AdobeStock
Makuladegeneration und weitere Veränderungen
Eine weitere häufige Erkrankung der Netzhaut ist die altersbedingte Makuladegeneration. Die AMD betrifft die Makula und damit genau den Bereich des scharfen Sehens. Gerade im höheren Lebensalter ist sie die häufigste Ursache für zentrale Seeverschlechterung. Bei einer Makuladegeneration werden zentrale Bildinformationen schlechter verarbeitet, während das periphere Gesichtsfeld oft zunächst erhalten bleibt.
Neben der AMD gibt es weitere Veränderungen wie ein Loch in der Makula, entzündliche Prozesse oder andere Netzhautveränderungen. Auch diese können das zentrale Sehen erheblich beeinträchtigen und sollten fachärztlich abgeklärt werden.
Diagnostik einer Netzhauterkrankung beim Augenarzt
Die Diagnostik beginnt mit einer genauen Anamnese. Der Arzt fragt nach Beschwerden, Vorerkrankungen und Risikofaktoren. Gerade weil viele Veränderungen zunächst schmerzlos verlaufen ist die Untersuchung des Augenhintergrunds besonders wichtig. Augenärzte beurteilen dabei ob Blutungen, Flüssigkeitseinlagerungen, Gefäßveränderungen oder Risse der Netzhaut vorliegen.
Zur Basis Diagnostik gehören Sehprüfung, Untersuchung der Pupille, Spaltlampenkontrolle und die Beurteilung des Augeninneren nach Pupillenerweiterung. So lassen sich viele Schäden an der Netzhaut, frühe Netzhautschäden und Veränderungen der Retina erkennen. Ergänzend kommen moderne Bildgebungsverfahren zum Einsatz, etwa die optische Kohärenztomographie zur Darstellung der Makula, Gefäßuntersuchungen und Fotodokumentationen. Dadurch lassen sich Verlauf, Aktivität und Therapiebedarf präzise beurteilen.
Behandlung der Symptome
Die Behandlung richtet sich nach Ursache, Ausdehnung und Stadium. Bei gefäßbedingten Erkrankungen steht zunächst die Stabilisierung der Grunderkrankungen im Vordergrund. Blutdruck, Blutzucker und Gefäßrisiken sollten konsequent eingestellt werden. Gerade bei der diabetischen Retinopathie hängt der Erfolg wesentlich davon ab, wie gut der Stoffwechsel kontrolliert ist.
Je nach Befund kommen unterschiedliche Behandlungsmöglichkeiten in Frage. Dazu zählen Medikamentengabe in das Auge, Lasertherapien oder operative Verfahren. Bei der Netzhautablösung ist meist eine rasche Operation nötig, um die Netzhaut wieder anzulegen. Bei einem Makulaödem oder einer feuchten AMD können intravitreale Injektionen helfen, um Flüssigkeit zu reduzieren und die Sehfunktion zu stabilisieren.
Wichtig ist immer die individuelle Behandlung, denn nicht jede Veränderung erfordert sofort denselben Eingriff.
Verlauf
Der Verlauf und die Prognose hängen stark von der jeweiligen Ursache ab. Manche Netzhauterkrankungen entwickeln sich langsam und bleiben lange kompensiert, andere verlaufen akut. Entscheidend ist oft der Zeitpunkt der Diagnose, weil so Schäden entweder rückgängig gemacht oder zumindest begrenzt werden können.
Bei Durchblutungsstörungen und der diabetischen Retopanatie kann sich der Verlauf unter guter Kontrolle der Grunderkrankung stabilisieren, genetische Prozesse wie die Rentinitis pigmentosa können dagegen trotz Betreuung weiter fortschreiten.
Bei einer Netzhautablösung ist die Prognose umso besser, je schneller sie behandelt wird. Ist die zentrale Makula mit betroffen, steigt das Risiko für einen bleibenden Verlust der Sehkraft.
Unbehandelt können schwere Verläufe bis zur Erblindung führen. Auch bei der Makuladegeneration gilt: Früh erkannt lässt sich der Verlauf in vielen Fällen verlangsamen. Wenn man den Patienten können Begleiterscheinungen wie Gefäßveränderungen, Einlagerungen oder Stellen die erbleichen Hinweise auf fortschreitende Schäden geben.
Spezialisten
Die Abklärung und Versorgung von Netzhauterkrankungen gehört in die Hände erfahrener Fachärzte. Erste Anlaufstelle ist meist der Augenarzt, insbesondere wenn plötzlich Schatten, Blitze, Verzerrungen oder schwarze Punkte auftreten.
Für komplexe Diagnosen, operative Eingriffe oder fortgeschrittene Befunde kann die Vorstellung in einer spezialisierten Augenklinik sinnvoll sein. Besonders wichtig sind spezialisierte Zentren bei komplizierten Verläufen, bei Verdacht auf Makuladegeneration, bei Retinopathie, bei genetischen Erkrankungen oder nach akuten Netzhautveränderungen.
Wer einen Spezialisten sucht sollte auf die Erfahrung in der Netzhautdiagnostik, moderne Bildgebung und operative Expertise achten. Gute Ansprechpartner sind Augenärzte mit Schwerpunkt Netzhaut, Retinale Chirurgie und Makula Erkrankungen. Gerade für Patienten mit chronischen Erkrankungen ist eine enge und langfristige Betreuung entscheidend.
Häufige Fragen
Welche Beschwerden deuten auf Netzhauterkrankungen hin?
Typische Warenzeichen sind Schatten, Rußregen, Verzerrungen, plötzliche Sehverschlechterung oder Blitze. Solche Beschwerden sollten immer zeitnah augenärztlich abgeklärt werden.
Ist eine Netzhautablösung ein Notfall?
Ja, eine Netzhautablösung ist ein Notfall, weil sich die Versorgung der Netzhaut rasch verschlechtert. Ohne schnelle Therapie kann ein bleibender Schaden entstehen.
Kann Diabetes die Netzhaut schädigen?
Ja, vor allem die diabetische Retinopathie zeigt, dass dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte kleine Gefäße der Netzhaut schädigen können. Regelmäßige Kontrollen sind daher besonders wichtig.
Was ist der Unterschied zwischen Makuladegeneration und diabetischer Retinopathie?
Die Makuladegeneration betrifft vor allem die zentrale Netzhaut im Alter, während die diabetische Rathenopathie eine Folge von Stoffwechselveränderungen bei Diabetes ist. Beide Erkrankungen können das zentrale Sehen beeinträchtigen, entstehen aber auf unterschiedlichem Weg.
Wann sollte man zum Augenarzt gehen?
Bei plötzlich auftretenden Lichtblitzen, Schatten, Verzerrungen oder einem spürbaren Nachlassen des Sehens sollte immer rasch ein Facharzt aufgesucht werden. Auch Menschen mit Diabetes oder Gefäßerkrankungen sollten ihre Augen regelmäßig kontrollieren lassen.
Beitrag teilen
Über den Fachautor
Sabine Schneider
Sabine Schneider – medizinische Fachautorin: Entdecken Sie fundierte Fachbeiträge und medizinische Expertise im Leading Medicine Guide.
Vollständiges Expertenprofil ansehen →