Ein Entropium ist eine vorübergehende oder dauerhafte Fehlstellung eines oder beider Augenlider, bei der sich der Lidrand nach innen dreht. Dadurch reiben Wimpern und Lidkante bei jedem Lidschlag über Hornhaut und Bindehaut, was zu Reizungen, Entzündungen und im weiteren Verlauf zu ernsthaften Schäden am Auge führen kann. Ein Entropium kann sowohl das Ober- als auch das Unterlid betreffen, wobei das Unterlid deutlich häufiger betroffen ist.
Was ist ein Entropium?
Ein Entropium ist mehr als nur eine störende Fehlstellung des Augenlids. Bei dieser Einwärtsdrehung des Lidrands reiben Wimpern und Lidkante bei jedem Lidschlag über die empfindliche Augenoberfläche. Für Betroffene beginnt das häufig mit einem anhaltenden Fremdkörpergefühl, tränenden Augen oder Lichtempfindlichkeit.
Bleibt die Ursache unbehandelt, können Reizungen, Entzündungen und Schäden an der Hornhaut folgen. Deshalb ist es wichtig, ein nach innen gedrehtes Augenlid frühzeitig durch einen Facharzt der Augenheilkunde abklären zu lassen.
Als Lidfehlstellung gehört das Entropium, ebenso wie das Ektropium (bei dem sich das Lid nach außen wendet), zu den Erkrankungen, die in der Augenheilkunde gezielt diagnostiziert und behandelt werden.
Ursachen und Risikofaktoren
Es gibt verschiedene Ursachen für Entropium. Am häufigsten entsteht die Fehlstellung altersbedingt: Mit den Jahren erschlafft das Bindegewebe rund um das Auge, die Lidmuskulatur verliert an Spannkraft und der Lidrand kippt nach innen. Diese altersbedingte Erschlaffung des Bindegewebes gilt als häufigste Ursache des Entropiums überhaupt und betrifft vor allem ältere Menschen ab 60 Jahren.
Daneben können Narben und Vernarbungen nach Entzündungen, Verletzungen, früheren Eingriffen am Auge oder in manchen Weltregionen , nach einer Trachom-Infektion die Lidstellung dauerhaft verändern. Auch chronische Entzündung der Bindehaut, etwa durch langjährige Blepharitis, können das umliegende Gewebe so verändern, dass sich das Lid nach innen zieht.
Ein spastisches Entropium entsteht durch einen ausgeprägten Lidkrampf, bei dem sich die Lidmuskulatur rund um das Auge unwillkürlich zusammenzieht und das eingerollte Augenlid nach innen zieht. Das spastische Entropium tritt häufig im Zusammenhang mit trockenen Augen oder nach Augenoperationen auf, wenn die Muskulatur gereizt reagiert.
Seltener ist das angeborene Entropium, das bei Säuglingen und Kleinkindern zunächst beobachtet werden kann, sofern keine Schädigung der Hornhaut droht, da es sich in vielen Fällen im Laufe des Wachstums zurückbildet.
Wenn die Lidfehlstellung wiederkehrt oder die Hornhaut gefährdet ist, ist in vielen Fällen eine operative Korrektur die sinnvollste Therapie. Ziel des Eingriffs ist es, das Lid wieder in seine anatomisch richtige Position zu bringen, damit die Wimpern nicht länger auf dem Auge scheuern und die Augenoberfläche geschützt wird.
Symptome eines Entropiums
Typische Symptome sind Brennen, Stechen, gerötete Augen und ständiges Tränen. Viele Betroffene beschreiben ein Gefühl, als sei ständig ein Fremdkörper im Auge. Manche kneifen das Auge reflexartig zusammen, was die Beschwerden durch die mechanische Reizung noch verstärken kann.
Problematisch wird ein Entropium vor allem dann, wenn die Hornhaut durch die Wimpern dauerhaft mechanisch gereizt wird. Dann drohen kleine Hornhautschäden, Infektionen, Geschwüre und später Vernarbungen, die das Sehen dauerhaft beeinträchtigen können. Manche Betroffene bemerken zudem eine erhöhte Lichtempfindlichkeit oder ein leicht verschwommenes Sehen, wenn die Augenoberfläche durch die ständige Reibung angegriffen ist.
Die Beschwerden treten häufig zunächst nur zeitweise auf, etwa beim Zusammenkneifen der Augen oder nach längerer Bildschirmarbeitszeit und werden dann leicht als gewöhnliche trockene Augen fehlgedeutet. Mit fortschreitender Fehlstellung des Augenlids nehmen Röung und Tränenfluss jedoch meist zu und die Reizung wird als deutlich unangenehmer wahrgenommen. Ein anhaltendes Fremdkörpergefühl im Auge, das sich auch nach der Verwendung von Augentropfen nicht bessert, ist daher ein wichtiges Warnzeichen und sollte augenärztlich abgeklärt werden.
Verwandte Lidfehlstellungen wie oder Ptosis erfordern eine ähnlich sorgfältige Abklärung.
Diagnostik bei einem nach innen gedrehten Augenlid
Für einen erfahrenen Augenarzt ist die Diagnose meist rasch zu stellen. Entscheidend ist jedoch nicht nur die Fehlstellung selbst, sondern auch, wie stark Bindehaut und Hornhaut bereits betroffen sind.
Deshalb gehört zu einer sorgfältigen Abklärung immer eine Untersuchung mit der Spaltlampe. So lässt sich erkennen, ob bereits oberflächliche Hornhautschäden, eine Entzündung der Bindehaut oder andere behandlungsbedürftige Begleitbefunde vorliegen. Der Augenarzt prüft außerdem, ob das Lid aktiv nach innen gezogen wird oder dauerhaft in dieser Fehlstellung verharrt, da dies Rückschlüsse auf die Ursache erlaubt.
Je nach Situation können ergänzende Unteruschungen sinnvoll sein, etwa wenn Vernarbungen, Infektionen oder neurologische Auslöser für ein spastisches Entropium vermutet werden.
Behandlungsmöglichkeiten - konservative Maßnahmen und Entropium Operation
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und Ausprägung der Fehlstellung.
Nicht-operative Verfahren
Vorrübergehend kann das Augenlid mit speziellen Pflasterzügen oder Nähten in Position gehalten werden. Solche konservativen Maßnahmen können akute Beschwerden lindern und das Auge kurzfristig vor weiterer Reizung schützen, sind bei einem ausgeprägten oder chronischen Entropium aber meist keine dauerhafte Lösung. Auch befeuchtende Augentropfen oder -salben können begleitend eingesetzt werden, um die Hornhaut bis zur entgültigen Behandlung zusätzlich zu schützen.
operative Verfahren
Kehrt die Lidfehlstellung zurück oder ist die Hornhaut gefährdet, ist in vielen Fällen eine operative Korrektur die sinnvollste Therapie. Es stehen verschiedene Operationstechniken zur Verfügung, die je nach Ursache (altersbedingt, narbig oder spastisch) ausgewählt werden.
Ziel des Eingriffs ist es, das Lid wieder in seine anatomisch richtige Position zu bringen, damit die Wimpern nicht länger auf der Hornhaut scheuern und die Augenoberfläche geschützt wird.
Eine Entropium Operation erfolgt in der Regel ambulant und in örtlicher Betäubung, nur in besonderen Fällen ist eine Vollnarkose notwendig.
Die Kosten für eine Entropium-Operation werden bei medizinischer Notwendigkeit von der Krankenkasse übernommen.
Verlauf und mögliche Komplikationen
Nach einer Entropium OP klingen Schwellung und Rötung meist innerhalb weniger Tage bis Wochen ab und die Lidstellung stabilisiert sich zunehmend.
Wie bei jedem Eingriff sind auch nach einer operativen Korrektur Komplikationen möglich. Dazu zählen Nachblutungen, Infektionen, einer erneute Fehlstellung oder seltener eine Überkorrektur, bei der sich das Lid zu weit nach außen dreht und sich ein Ektropium entwickelt.
Regelmäßige augenärztliche Kontrollen helfen, mögliche Risiken frühzeitig zu erkennen und gegebenenfalls gegenzusteuern. Unbehandelt kann ein chronisches Entropium dagegegen zu dauerhaften Hornhautschäden und Sehrverschlechterung führen, weshalb eine zeitnahe Behandlung langfristig meist die bessere Wahl ist.
Die Prognose nach einer erfolgreichen OP ist in aller Regel gut: Die meisten Betroffenen sind nach dem Eingriff dauerhaft beschwerdefrei und die zuvor gereizte Augenoberfläche kann sich vollständig erholen.
Bei altersbedingten Entropium besteht allerdings ein gewisses Risiko, dass sich die Erschlaffung des Gewebes im Lauf der Jahre erneut verstärkt und eine weitere Korrektur notwendig wird. Wer nach einer Operation erneut Rötung, Tränenfluss und ein Fremdkörpergefühl bemerkt, sollte dies zeitnah augenärztlich abklären lassen.
Wann Sie einen Augenarzt aufsuchen sollten
Für Betroffene ist oft die wichtigste Frage: Wann sollte ich handeln? Die ehrliche Antwort lautet: nicht erst dann, wenn die Schmerzen stark werden. Schon anhaltendes Tränen, eine dauerhafte Rötung oder das Gefühl, ständig etwas im Auge zu haben, sollten ernst genommen werden. Wer zusätzlich schlechter sieht, sehr lichtempfindlich ist oder wiederkehrende Entzündungen bemerkt, sollte zeitnah einen Spezialisten für Lidchirurgie aufsuchen.
Wenn Sie den Verdacht auf ein Entropium haben oder bereits unter geröteten, tränenden und schmerzenden Augen leiden, sollten Sie die Beschwerden nicht aufschieben. Eine frühzeitige Behandlung kann Folgeschäden verhindern und die Lebensqualität oft deutlich verbessern. Über den Leading Medicine Guide können Sie direkt einen Termin anfragen und Ihre Beschwerden gezielt von einem spezialisierten Team für Augenliderkrankungen abklären lassen.
Häufige Fragen zum Entropium
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Über den Fachautor
Sabine Schneider
Chefredakteurin
Sabine Schneider – medizinische Fachautorin: Entdecken Sie fundierte Fachbeiträge und medizinische Expertise im Leading Medicine Guide.
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