Ulcus molle: Informationen & Ulcus molle-Spezialisten

04.08.2022
Leading Medicine Guide Redaktion
Autor des Fachartikels
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Ulcus molle wird auch Weicher Schanker oder Chancroid genannt. Der Name Ulcus molle lautet wörtlich "weiches Geschwür" (lat. ulcus = Geschwür und mollis = weich). Es handelt es sich um eine in Deutschland nicht meldepflichtige Infektionskrankheit, die mittels Geschlechtsverkehr übertragen wird. Sie geht vorwiegend mit Geschwüren im Genitalbereich einher. Männer erkranken zehnmal häufiger an Ulcus molle als Frauen. Letztere sind oft Träger des ursächlichen Bakteriums, ohne Symptome aufzuweisen.

Hier finden Sie weiterführende Informationen sowie ausgewählte Ulcus molle-Spezialisten und Zentren.

ICD-Codes für diese Krankheit: A57

Empfohlene Ulcus molle-Spezialisten

Ulcus molle Fälle in Deutschland

40 Fälle im Jahr 2020
40 Fälle im Jahr 2023 ( Prognose )

Das prognostizierte Fallzahlwachstum basiert auf Angaben zur Bevölkerungsentwicklung der statistischen Bundes- & Landesämter. Die Berechnung erfolgt je Altersklasse, sodass demographische Effekte berücksichtigt werden. Die Fallzahlen basieren aus einer Vernetzung von unterschiedlichen öffentlich zugänglichen Quellen. Mittels Datenanalyseverfahren werden diese Zahlen aufbereitet und unseren Usern zugänglich gemacht.

Artikelübersicht

Häufigkeit von Ulcus molle

Weltweit werden jedes Jahr etwa 7 Millionen neue Fälle von Ulcus molle gezählt. Die Geschlechtskrankheit kommt vor allem in den tropischen Gebieten

  • Afrikas,
  • Südostasiens und
  • Lateinamerikas

sehr häufig vor. Dort ist der verantwortliche Erreger Haemophilus ducreyi besonders weit verbreitet.

In Afrika stellt Ulcus molle die häufigste Ursache für Geschwüre im Genitalbereich des Mannes dar. In Deutschland und anderen europäischen Ländern tritt Ulcus molle dagegen eher selten auf. Meistens sind aus den Tropen zurückkehrende Reisende betroffen, die dort Geschlechtsverkehr mit Prostituierten hatten.

Ursachen einer Ulcus molle-Infektion

Ursächlicher Erreger des Ulcus molle ist das Bakterium Haemophilus ducreyi. Das ist ein stäbchenförmiges, gramnegatives Bakterium der Familie der Pasteurellaceae. Das Bakterium ist sehr empfindlich gegenüber Kälte und Austrocknung. Das erklärt seine weite Verbreitung in tropischen Ländern.

Übertragen wird der Ulcus molle-Erreger in den meisten Fällen durch Geschlechtsverkehr.

Beim Sexualverkehr dringen die Bakterien über kleinste Hautverletzungen oder die Schleimhaut in das Gewebe ein. Dort verursachen sie die für Ulcus molle namengebenden weichen Geschwüre.

In Deutschland und Europa kommt das Ulcus molle verursachende Bakterium eher selten vor.

Symptome einer Ulcus molle-Infektion

Die ersten Symptome treten in der Regel etwa 3 bis 10 Tage nach der Ansteckung auf.

An der Eintrittsstelle der Bakterien im Genitalbereich entstehen dann zunächst ein oder mehrere schmerzlose Knötchen. Sie entwickeln sich in den folgenden Tagen zu rundlich-ovalen, daumennagelgroßen und sehr schmerzhaften Geschwüren. Diese erreichen eine Größe von ein bis zwei Zentimetern.

Diese Geschwüre sind weich und haben einen unregelmäßig gezackten, scharfen Rand sowie eine eitrige Oberfläche.

Beim Mann treten diese typischen Geschwüre meist

  • am Penisschaft,
  • an der Vorhaut und
  • an der Eichel

auf.

Frauen tragen den Ulcus molle-Erreger häufig in sich, ohne Symptome zu entwickeln. Kommt es zu der für das Ulcus molle typischen Geschwürbildung, sind meist

  • der Eingang der Scheide,
  • die Schamlippen und
  • der Scheidenvorhof

betroffen.

Unbehandelt breiten sich die bakteriellen Erreger weiter im Organismus aus. Dann können sich schmerzhafte, entzündliche Lymphknotenschwellungen in der Leistengegend bilden. Diese nennt man auch Bubonen.

Bleiben diese Schwellungen der Lymphknoten unbehandelt, können sie im weiteren Verlauf vereitern und gegebenenfalls durch die Haut nach außen brechen.

Diagnose einer Ulcus molle-Infektion

Das Ulcus molle wird anhand der charakteristischen Symptome und durch einen Erregernachweis diagnostiziert.

In der Regel führt ein Gynäkologe oder Urologe die Untersuchung durch. Weist ein Patient die charakteristischen Symptome auf, kann der Arzt meistens schon auf Ulcus molle schließen.

Zusätzlich entnimmt der Arzt in der Regel einen Abstrich von einem Geschwür. Im Labor wird die Gewebeprobe auf den für das Ulcus molle verantwortlichen Erreger untersucht. Unter dem Mikroskop ist der Ulcus molle-Erreger in der Regel bereits zu erkennen.

Um die Diagnose zusätzlich abzusichern, wird anschließend noch eine Erregerkultur zur Anzucht der Bakterien angelegt. Hintergrund ist die Verwechslungsgefahr mit anderen Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen, etwa

Der labortechnische Nachweis des Ulcus molle-Erregers dient daher auch gleichzeitig dem Ausschluss anderer Erreger.

Paar beim Arzt
Bei Ulcus molle muss auch der Geschlechtspartner mitbehandelt werden © Khunatorn | AdobeStock

Behandlung von Ulcus molle

Ulcus molle wird in der Regel mit Antibiotika behandelt, die gezielt die bakteriellen Erreger bekämpfen. Zur Auswahl stehen hierbei insbesondere das Antibiotikum Erythromycin. Der Patient muss es 7 Tage lang täglich einnehmen. Auch das Antibiotikum Ciprofloxacin hilft. Hier genügt eine tägliche Einnahme über drei Tage.

Zusätzlich sollten die aufgebrochenen Geschwüre regelmäßig gesäubert und trocken gehalten werden.

Die Ulcus molle-Therapie kann nur Erfolg haben, wenn auch der Geschlechtspartner des Betroffenen behandelt wird. Ansonsten stellt sich ein Kreislauf ein, in dem sich die Partner immer wieder gegenseitig anstecken.

Auf Geschlechtsverkehr müssen Sie bis zur vollständigen Ausheilung verzichten.

Prognose und Heilungsaussichten des Ulcus molle

Bei frühzeitiger und konsequenter Behandlung von Ulcus molle heilen die Geschwüre und die bakterielle Infektion in der Regel folgenlos aus. Schmerzhafte Lymphknoten stellen sich dann gar nicht erst ein.

Doch auch bei späterem Therapiebeginn sind die Heilungsaussichten sehr gut.

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