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Erkrankung · Rheumatologie

Sjögren Syndrom: Symptome, Mundtrockenheit sowie Diagnostik und Therapie des Sjögren-Syndroms

Hier finden Sie ausgesuchte medizinische Experten und Spezialisten in Kliniken und Praxen für die Diagnose, Behandlung, Operation und Rehabilitation im Bereich Sjögren-Syndrom. Alle gelisteten Ärzte sind Spezialisten auf ihrem Gebiet und wurden nach strengen Richtlinien für Sie handverlesen ausgewählt.

Sabine_Schneider.pngChefredakteurinSabine SchneiderStand: ICD-10: M35.0

Kurzübersicht — das Wichtigste zuerst

Beim Sjögren-Syndrom führt eine chronisch-entzündliche Reaktion des Immunsystems zu einer verminderten Funktion der Tränen- und Speicheldrüsen. Typisches Symptom ist die Kombination aus trockenen Augen und trockenem Mund, häufig als Sicca-Syndrom bezeichnet. Man unterscheidet ein primäres Sjögren-Syndrom, das eigenständig auftritt, von einem sekundären Sjögren-Syndrom, das im Rahmen anderer Autoimmunerkrankungen wie der rheumatoiden Arthritis oder eines Lupus erythematodes entsteht. Die Diagnose stützt sich auf klinische Tests, Antikörpernachweise und bildgebende Verfahren. Eine ursächliche Heilung ist bislang nicht möglich, die Therapie des Sjögren-Syndroms zielt jedoch darauf ab, die Beschwerden zu lindern und Komplikationen vorzubeugen.

Das Sjögren-Syndrom ist eine chronische Autoimmunerkrankung, bei der das körpereigene Immunsystem die Tränen- und Speicheldrüsen angreift. Die Folge sind anhaltende Mundtrockenheit und trockene Augen, die den Alltag der Betroffenen erheblich beeinträchtigen können. Frauen sind etwa neunmal häufiger betroffen als Männer.

Hier finden Sie alle Informationen sowie ausgewählte Sjögren-Syndrom-Spezialisten.

Was ist das Sjögren-Syndrom?

Das Sjögren-Syndrom wurde erstmals 1933 von dem schwedischen Augenarzt Henrik Sjögren beschrieben und zählt zu den häufigsten rheumatischen Autoimmunerkrankungen. Nach der rheumatoiden Arthritis ist es die zweithäufigste Kollagenose. Der ICD-10-Code lautet M35.0.Mediziner unterscheiden primäres und sekundäres Sjögren-Syndrom: Beim primären Sjögren-Syndrom tritt die Erkrankung eigenständig auf, ohne dass eine andere Grunderkrankung vorliegt. Beim sekundären Sjögren-Syndrom entwickelt sich das Syndrom im Zusammenhang mit einer anderen Autoimmunerkrankung, etwa einer rheumatoiden Arthritis, einem Lupus erythematodes oder einer systemischen Sklerose.

Szintigrafie
Die Trockenheit der Augen kann die Hornhaut schwer schädigen, was zu Kratzen und Reizungen an den Augen führt @ PheelingsMedia /AdobeStock

Ursachen & Risikofaktoren

Die genaue Ursache des Sjögren-Syndroms ist bislang nicht abschließend geklärt. Man geht von einem Zusammenspiel genetischer Veranlagung, hormoneller Faktoren und möglicherweise viraler Trigger aus, die eine Fehlsteuerung des Immunsystems auslösen.

Dabei richten sich Immunzellen fälschlicherweise gegen körpereigenes Gewebe der Tränen- und Speicheldrüsen und lösen dort eine chronisch-entzündliche Reaktion aus.
Frauen erkranken deutlich häufiger als Männer, meist zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr. Auch ein bereits bestehendes Immunsystem-bezogenes Leiden, etwa eine rheumatoide Arthritis oder ein Lupus erythematodes, erhöht das Risiko für ein sekundäres Sjögren-Syndrom.


Diskutiert wird zudem eine mögliche Rolle bestimmter Virusinfektionen, etwa mit dem Epstein-Barr-Virus, als Auslöser einer überschießenden Immunreaktion bei entsprechender genetischer Veranlagung. Hormonelle Einflüsse werden ebenfalls als möglicher Mitfaktor diskutiert, da die deutlich höhere Betroffenheit von Frauen auf einen Zusammenhang mit dem Östrogenhaushalt hindeuten könnte.

Ein einzelner ursächlicher Auslöser lässt sich bislang jedoch nicht sicher benennen, weshalb von einem multifaktoriellen Entstehungsprozess ausgegangen wird.


Symptome des Sjögren-Syndroms & Komplikationen

Klinisch ist das Sjögren-Syndrom vor allem durch den entzündlichen Befall der Speicheldrüsen und Tränendrüsen gekennzeichnet. Charakteristisch sind:

  • Trockene Augen mit Brennen, Fremdkörpergefühl und Rötung
  • Mundtrockenheit mit erschwertem Schlucken und Sprechen
  • Schwellung der Speicheldrüsen
  • Gelenkschmerz und Muskelschmerzen
  • Anhaltende Müdigkeit und Abgeschlagenheit


In selteneren Fällen eine Entzündung der Blutgefäße (Vaskulitis).
Diese weiteren Symptome können sich mit den typischen Beschwerden der Trockenheit überschneiden und die Lebensqualität im Verlauf zusätzlich einschränken.

Da das Sjögren-Syndrom nicht nur die Drüsen, sondern den gesamten Organismus betreffen kann, treten bei einem Teil der Patientinnen und Patienten auch Beschwerden außerhalb von Mund und Augen auf:

Dazu zählen trockene Haut und Schleimhäute in Nase und Genitalbereich, Heiserkeit, wiederkehrende Atemwegsinfekte sowie in selteneren Fällen Beteiligungen der Lunge, der Niere oder neurologische Symptome.


Als Komplikation kann sich im Bereich der Mundhöhle vermehrt Karies und Parodontose entwickeln, da der Speichel als natürlicher Schutzfaktor fehlt.

In seltenen Fällen (unter 8 Prozent) kann sich im Verlauf ein Lymphom, also ein Tumor der Lymphdrüsen, entwickeln – meist im Bereich der Speicheldrüsen oder Halslymphknoten. Eine regelmäßige ärztliche Kontrolle ist daher wichtig.

Bei einem Teil der Patientinnen und Patienten mit Sjögren-Syndrom treten zudem außerhalb der Drüsen liegende, sogenannte extraglanduläre Manifestationen auf. Dazu zählen unter anderem trockene, empfindliche Haut, ein neurologisches Beschwerdebild mit Kribbeln oder Taubheitsgefühl in Händen und Füßen sowie eine Beteiligung der Nieren mit Störungen des Säure-Basen-Haushalts. Solche Verläufe erfordern eine engmaschige interdisziplinäre Betreuung.

Diagnose eines Sjögren-Syndroms

Da Augen- und Mundtrockenheit häufig nicht richtig gedeutet werden, wird das Sjögren-Syndrom oft erst spät erkannt. Die Diagnose stützt sich auf mehrere Bausteine:
Zunächst prüft der Arzt mit einfachen Funktionstests die Tränen- und Speichelproduktion. Der Schirmer-Test misst dabei mittels eines Filterpapierstreifens im Unterlid, wie viel Tränenflüssigkeit innerhalb weniger Minuten produziert wird.
Bildgebende Verfahren wie Szintigrafie, Sialografie oder Kernspintomografie der Speicheldrüsen können den Verdacht erhärten. Eine Gewebeprobe (Biopsie) aus der Innenseite der Unterlippe liefert häufig den entscheidenden Nachweis, da sich hier kleine Speicheldrüsen befinden, die typische entzündliche Veränderungen zeigen.
Labortests unterstützen die Diagnostik, können sie allein aber nicht sichern. Von Bedeutung ist der Nachweis antinukleärer Antikörper (ANA) sowie der spezifischen SS-A- und SS-B-Antikörper, die bei vielen, aber nicht allen Betroffenen im Blut nachweisbar sind.
Wichtig ist die Abgrenzung zu anderen Ursachen von Mund- und Augentrockenheit, etwa Diabetes mellitusFibromyalgie-Syndrom, Nebenwirkungen bestimmter Medikamente (zum Beispiel gegen Bluthochdruck oder psychische Erkrankungen), alterungsbedingt nachlassender Drüsenfunktion oder Viruserkrankungen (z.B. die virale Leberentzündung/Gelbsucht). Speicheldrüsenschwellungen können zudem viele andere Ursachen haben, weshalb eine gründliche fachärztliche Abklärung notwendig ist. Ergänzend empfiehlt sich eine augenärztliche und HNO-ärztliche Untersuchung.
Da die genannten Untersuchungen einzeln betrachtet oft nicht eindeutig sind, stützt sich die Diagnosestellung in der Praxis meist auf eine Kombination aus klinischem Befund, Laborwerten und bildgebender oder histologischer Sicherung. International anerkannte Klassifikationskriterien, wie sie unter anderem in den EULAR Recommendations for the Management des Sjögren-Syndroms beschrieben werden, unterstützen Ärztinnen und Ärzte dabei, die Diagnose einheitlich und zuverlässig zu stellen.

Speicheldrüsenschwellungen können ebenfalls zahlreiche andere Ursachen haben. Diese kann nur ein Facharzt durch eine gründliche Untersuchung daignostizieren. Ein Besuch beim Augenarzt und HNO-Arzt ist zusätzlich zu empfehlen.

Augentrockenheit
Die Szintigraphie ist eine nuklearmedizinische Untersuchungsmethode, bei der der Patienten radioaktiv markierte Stoffe erhält @ Werner /AdobeStock

Therapie des Sjögren-Syndroms

Das Sjögren-Syndrom ist bislang nicht heilbar, die Therapie des Sjögren-Syndroms zielt daher auf eine Linderung der Beschwerden und die Vorbeugung von Folgeschäden ab.


Zur symptomatischen Behandlung der Trockenheit werden Augentropfen und künstliche Tränenflüssigkeit, Speichelersatzmittel sowie Nasengele eingesetzt. Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr und zuckerfreie Kaugummis zur Stimulation der Speichelproduktion können die Beschwerden zusätzlich gelindert werden.

Bei Gelenk- und Muskelschmerzen kommen Schmerzmittel und entzündungshemmende Medikamente wie Cortison zum Einsatz. Hydroxychloroquin wird häufig eingesetzt, um die Aktivität der Autoimmunerkrankung zu dämpfen.

Bei Beteiligung innerer Organe oder der Blutgefäße sind Immunsuppressiva das Mittel der Wahl, um schwerwiegende Schäden zu verhindern.

Zur Anregung der Speichel- und Tränenproduktion können cholinerge Substanzen wie Pilocarpin eingesetzt werden. In Deutschland ist orales Pilocarpin (Handelsname Salagen®) seit dem Jahr 2000 zugelassen.

Welche Therapiebausteine im Einzelfall sinnvoll sind, hängt vom individuellen Beschwerdebild sowie einer möglichen Organbeteiligung ab. Eine regelmäßige Verlaufskontrolle bei einem Rheumatologen hilft dabei, die Behandlung an den jeweiligen Krankheitsverlauf anzupassen und frühzeitig auf Veränderungen zu reagieren..

Tipps beim Sjögren-Syndrom

Diese Tipps helfen bei dem Sjögren-Syndrom im Alltag:

  • Eine sorgfältige Kariesprophylaxe ist ratsam. Vermeiden Sie zu viel Zucker, und nehmen Sie bei Bedarf Fluor.
  • Gehen Sie regelmäßig zu den zahnärztlichen Kontrollen.
  • Verwenden Sie Kauhilfen wie zuckerfreie Kaugummis. Das stimuliert die Speicheldrüsen.
  • Beachten Sie die erhöhte Infektionsgefahr und suchen Sie im Zweifelsfall sofort einen Facharzt auf, um gegebenenfalls Antibiotika zu nehmen.
  • Achten Sie auf eine ausreichende Luftbefeuchtung und vermeiden Sie ungünstige Umgebungsbedingungen wie Klimaanlage oder Zigarettenrauch.
  • Verwenden Sie bei starkem Wind eine Brille mit seitlichem Schutz.
  • Nutzen Sie in der Nacht ein Augengel oder eine Augensalbe.
  • Nutzen Sie ein Nasengel, um der ansonsten drohenden Borkenbildung entgegenzuwirken.
  • Eine „bleierne“ Müdigkeit ist für das SS typisch, gönnen Sie sich daher so oft wie möglich Ruhepausen (Nachmittagsschlaf).
  • Tauschen Sie sich mit Gleichgesinnten aus.

Verlauf und Prognose

Der Verlauf des Sjögren-Syndroms ist individuell sehr unterschiedlich. Bei den meisten Betroffenen bleibt die Erkrankung über Jahre stabil und lässt sich durch eine konsequente symptomatische Behandlung gut kontrollieren. Die Prognose ist bei rein drüsenbezogenem Befall in der Regel günstig.

Bei einem Teil der Patientinnen und Patienten kann die Erkrankung jedoch fortschreiten und innere Organe betreffen, was die Prognose verschlechtert.

Das Risiko für die Entwicklung eines Lymphoms ist gegenüber der Allgemeinbevölkerung erhöht, weshalb regelmäßige Kontrolluntersuchungen der Speicheldrüsen und Lymphknoten Teil der Nachsorge sein sollten. Eine frühzeitige Diagnose und konsequente Therapie können den Verlauf positiv beeinflussen.

Spezialisten für das Sjögren-Syndrom

Ein Spezialist für das Sjögren-Syndrom ist in der Regel der Rheumatologe, der für die Diagnose und Behandlung zuständig ist. Auch die Kollagenosen, zu denen das Sjögren-Syndrom gehört, fallen in das Aufgabengebiet des Rheumatologen. Ein Rheumatologe kann sowohl ein Facharzt für Innere Medizin als auch ein Facharzt für Orthopädie sein. In jedem Fall hat er aber eine Zusatzausbildung im Fachbereich Rheumatologie absolviert.

Häufige Fragen zur Erkrankung

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Über den Fachautor

Sabine Schneider

Chefredakteurin

Sabine Schneider – medizinische Fachautorin: Entdecken Sie fundierte Fachbeiträge und medizinische Expertise im Leading Medicine Guide.

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Quellen
  • https://probanden.charite-research.de/sjoegren-syndrom-symptome-therapie

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