Die bronchopulmonale Dysplasie ist eine chronische Lungenerkrankung bei Frühgeborenen. Typisch sind ein anhaltender Bedarf an Atemunterstützung sowie später auftretender Husten oder pfeifendes Atmen. Behandelt wird mit möglichst schonender Beatmung, Sauerstoff und weiteren Maßnahmen, die sich nach den Beschwerden richten.
Einschränkungen der Lungenfunktion können langfristig bestehen bleiben. Betroffene Kinder benötigen deshalb eine verlässliche Nachsorge.
Was ist eine bronchopulmonale Dysplasie?
Bei der bronchopulmonalen Dysplasie, kurz BPD, entwickeln sich das Lungengewebe und die Lungengefäße nicht regelgerecht. Betroffen sind vor allem sehr früh geborene Kinder.
Die heutige Form der BPD tritt überwiegend bei Kindern auf, die vor der 29. Schwangerschaftswoche geboren werden. Nach Angaben des Lungeninformationsdienstes des Helmholtz Zentrums München erkranken rund 30 bis 50 Prozent der Frühgeborenen mit einem Geburtsgewicht unter 1000 Gramm.
Wie häufig die Erkrankung auftritt, lässt sich zwischen Untersuchungen nur eingeschränkt vergleichen, weil unterschiedliche diagnostische Kriterien und Definitionen verwendet werden.
Die Neonatologie ist das medizinische Fachgebiet für die Versorgung kranker und zu früh geborener Neugeborener. Dazu gehören auch Kinder mit chronischen Lungenerkrankungen.
Warum entwickeln Frühgeborene eine BPD?
Eine BPD entsteht, wenn die unreife Lunge und unvermeidbare Belastungen während der Versorgung zusammenwirken. Eine Frühgeburt ist daher der zentrale Risikofaktor.
- Lungenunreife: Die Bildung von Lungengewebe und Lungengefäßen ist noch nicht abgeschlossen.
- Surfactant-Mangel: Die unreife Lunge bildet häufig zu wenig von dieser Substanz, die für die Entfaltung der Lungenbläschen wichtig ist.
- Beatmung und Sauerstoff: Die notwendige Beatmung und eine hohe Sauerstoffbelastung können das Erkrankungsrisiko erhöhen.
- Entzündungen: Entzündliche Prozesse und oxidativer Stress, also eine Belastung durch reaktionsfreudige Sauerstoffverbindungen, sind an der Entstehung beteiligt.
Die Atemunterstützung kann zugleich lebensnotwendig sein, damit das Kind ausreichend Sauerstoff erhält. Ärztinnen und Ärzte stimmen ihren Umfang deshalb auf den klinischen Zustand ab. Die schonende Versorgung soll zusätzliche Lungenschäden vermeiden, ohne die Sauerstoffversorgung zu gefährden. Dabei wägen sie den Nutzen gegen eine mögliche Schädigung der empfindlichen Lunge ab.

Welche Symptome hat eine bronchopulmonale Dysplasie?
Atemprobleme stehen bei der bronchopulmonalen Dysplasie im Vordergrund. Manche Anzeichen treten bereits beim Säugling auf, andere zeigen sich später bei körperlicher Belastung oder durch wiederkehrende Atemwegsbeschwerden.
- Einziehungen zwischen den Rippen: Die Haut wird beim Einatmen sichtbar nach innen gezogen und weist auf Atemnot hin.
- Bläuliche Lippen: Die Verfärbung ist bei Atemproblemen ein bedrohliches Zeichen.
- Trinkschwäche: Das Kind kann wegen der angestrengten Atmung nicht ausreichend trinken.
- Husten: Nach einer Frühgeburt mit Lungenerkrankung kann Husten wiederholt auftreten.
- Pfeifendes Atmen: Wiederkehrende Atemwegsverengungen können sich durch ein hörbares Pfeifen bemerkbar machen.
- Eingeschränkte Belastbarkeit: Das Kind ist bei körperlicher Aktivität schneller erschöpft.
Wiederkehrende Atemwegsverengungen gehen nicht immer allein auf die BPD zurück. Für die Diagnose prüfen Ärztinnen und Ärzte deshalb die Vorgeschichte und die BPD-Kriterien. Außerdem müssen sie andere Ursachen ausschließen.
Wie wird eine bronchopulmonale Dysplasie festgestellt?
Für die Diagnose ist maßgeblich, welche Atemunterstützung das Kind zu einem festgelegten Zeitpunkt benötigt. Eine neuere Einteilung bewertet die Unterstützung in der 36. Schwangerschaftswoche nach dem errechneten Schwangerschaftsbeginn. Eine frühere Sauerstoffgabe ist dafür nicht entscheidend.
Benötigt das Kind zu diesem Zeitpunkt weiterhin eine invasive Beatmung über einen Beatmungsschlauch, entspricht dies dem Schweregrad 3. Ältere Definitionen orientieren sich stark am Sauerstoffbedarf und bilden die heutige Versorgung Frühgeborener nur unvollständig ab.
In die Diagnose fließen außerdem der bisherige Verlauf sowie Art und Umfang der Atemunterstützung ein. Eine Herz-Lungen-Magnetresonanztomographie zur frühen Erkennung von Gefäßveränderungen wird in der Lungenforschung untersucht, ist aber keine etablierte Routineuntersuchung.
Wie wird ein Kind mit BPD behandelt?
Die Behandlung der bronchopulmonalen Dysplasie richtet sich nach dem Bedarf an Atemunterstützung, den Beschwerden und möglichen Begleiterkrankungen. Auch nach der Klinikentlassung müssen Wachstum und Ernährung bei Kindern mit BPD beachtet werden.
| Verfahren | Für wen | Zeitpunkt oder Dauer | Vor- und Nachteile |
|---|---|---|---|
| Schonende Beatmung und Sauerstoff | Frühgeborene mit unzureichender Atmung oder Sauerstoffversorgung | Die Anwendung richtet sich nach dem klinischen Bedarf; Sauerstoff kann auch nach der Entlassung nötig sein. | Die Behandlung sichert die notwendige Sauerstoffversorgung; die Unterstützung wird fortlaufend an den Zustand des Kindes angepasst. |
| Sauerstofftherapie zu Hause | Stabile Kinder, die weiterhin zusätzlichen Sauerstoff benötigen | Die Behandlung dauert an, bis keine häusliche Versorgung mehr erforderlich ist. | Sie ermöglicht die Entlassung, erfordert aber eine gründliche Einweisung und organisierte Kontrollen. |
| Dexamethason | Ausgewählte Frühgeborene mit hohem BPD-Risiko | Das Medikament wird nach der ersten Lebenswoche eingesetzt. | Es kann die Wahrscheinlichkeit einer BPD senken; ein früher Einsatz kann schwerwiegende Nebenwirkungen wie eine Darmperforation verursachen. |
| Bronchienerweiternde Medikamente | Kinder mit passenden Beschwerden oder nachgewiesener Wirkung | Nach der Entlassung kommen sie nur für bestimmte Kinder mit passenden Beschwerden oder nachgewiesener Wirkung infrage. | Sie können verengte Atemwege entlasten, sind nach der Entlassung aber keine Behandlung für jedes Kind. |
Für eine bereits bestehende BPD empfiehlt eine europäische Leitlinie nach der Entlassung keine routinemäßige langfristige Behandlung mit inhalativen oder systemischen Kortikosteroiden. Kortikosteroide sind entzündungshemmende Medikamente. Bei einer Sauerstoffbehandlung nennt die Leitlinie eine Zielspanne der Sauerstoffsättigung von 90 bis 95 Prozent. Die Sauerstoffsättigung gibt an, zu welchem Anteil der rote Blutfarbstoff mit Sauerstoff beladen ist.
Vor der Entlassung mit einer Sauerstoffversorgung zu Hause muss der Gesundheitszustand des Kindes stabil sein. Die Kontrolltermine werden vorab organisiert, und die Angehörigen erhalten eine gründliche Einweisung.
Kann einer BPD vorgebeugt werden?
Droht eine Frühgeburt, können Kortikosteroide bei der Schwangeren die Reifung der kindlichen Lunge fördern. Für die sichere Vermeidung einer BPD reicht diese Wirkung jedoch nicht aus.
Nach der Geburt werden notwendige Beatmung und Sauerstoffgabe möglichst schonend gestaltet. Der Umfang der Atemunterstützung richtet sich dabei nach dem Zustand des Kindes.
Eine zusätzliche Atemwegsinfektion kann Kinder mit bronchopulmonaler Dysplasie stark belasten. Das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) kann schwere Infektionen der Atemwege verursachen. Für Frühgeborene mit mittelschwerer oder schwerer BPD und weiterem Behandlungsbedarf empfiehlt eine AWMF-Leitlinie Nirsevimab auch vor der zweiten RSV-Saison.
Können erkrankte enge Bezugspersonen den Kontakt zu einem Kind mit hohem RSV-Risiko nicht vermeiden, werden sorgfältige Händehygiene und ein Mund-Nasen-Schutz empfohlen.
Wie verläuft die bronchopulmonale Dysplasie?
Bei vielen Kindern mit BPD bessern sich die Beschwerden im Laufe der Zeit allmählich. Die Lungenkapazität kann dennoch vermindert bleiben, auch wenn das Kind zunächst kaum noch Beschwerden hat. Langfristige Atemprobleme sind daher auch nach einer anfänglichen Besserung möglich.
Eine mögliche Komplikation ist Lungenhochdruck, also ein erhöhter Druck in den Lungengefäßen. In einer Metaanalyse betraf dies rund 5 Prozent der untersuchten Frühgeborenen mit leichter BPD, rund 18 Prozent mit mittelschwerer BPD und rund 41 Prozent mit schwerer BPD.
Kommt Lungenhochdruck hinzu, steigt das Risiko für Beeinträchtigungen der motorischen Entwicklung. Begleiterkrankungen können den weiteren Verlauf daher erheblich beeinflussen.
Regelmäßige Vorsorge dient dazu, anhaltende Beschwerden und mögliche Komplikationen zu erkennen. Ein AWMF-Leitlinienentwurf empfiehlt, bei den Untersuchungen U4 bis J1 auf entsprechende Anzeichen zu achten.

Wann braucht ein Kind sofort medizinische Hilfe?
Bei Anzeichen von Atemnot braucht ein Säugling sofort medizinische Hilfe. Dazu gehören Einziehungen der Haut zwischen den Rippen und eine auffällige Trinkschwäche.
Bei schwerer Atemnot muss umgehend der Notarzt gerufen werden. Das gilt insbesondere, wenn das Kind deutlich um Luft ringt, kaum trinken kann oder sich seine Lippen blau verfärben.
Häufige Fragen zur bronchopulmonalen Dysplasie
Wofür steht die Abkürzung BPD?
BPD steht für bronchopulmonale Dysplasie. Die Erkrankung betrifft vor allem sehr früh geborene Kinder.
Warum kann eine Beatmung zugleich notwendig und belastend sein?
Eine Beatmung kann lebensnotwendig sein, wenn ein Frühgeborenes nicht ausreichend selbst atmet. Zugleich kann sie das Erkrankungsrisiko erhöhen. Deshalb wird die Atemunterstützung so schonend wie möglich eingesetzt.
Kann mein Kind nach der Entlassung noch Sauerstoff benötigen?
Ja, manche Säuglinge benötigen auch zu Hause weiterhin Sauerstoff. Vor der Entlassung muss ihr Gesundheitszustand stabil sein, und die Kontrollen müssen organisiert werden. Angehörige erhalten eine gründliche Einweisung.
Welche Folgen können für die Entwicklung bleiben?
Eine schwere BPD kann mit Lungenhochdruck verbunden sein. Frühgeborene mit BPD und zusätzlichem Lungenhochdruck haben ein erhöhtes Risiko für Beeinträchtigungen der motorischen Entwicklung.
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Über den Fachautor
Prof. Dr. med. Susanne Regus
Medizinische Fachautorin
Vollständiges Expertenprofil ansehen →Quellen
- Bronchopulmonale Dysplasie (BPD). Lungeninformationsdienst, Helmholtz Zentrum München, 2022
- Diagnosis and management of bronchopulmonary dysplasia. BMJ, 2021
- The Diagnosis of Bronchopulmonary Dysplasia in Very Preterm Infants. An Evidence-based Approach. American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine, 2019
- Bronchopulmonary Dysplasia: A Contemporary Review for Pediatric Practice. American Academy of Pediatrics, 2026
- S3-Leitlinie Frühgeborenen-Nachsorge im Kindes- und Jugendalter – Konsultationsfassung. AWMF, 2026
- Scoping review shows wide variation in the definitions of bronchopulmonary dysplasia in preterm infants and calls for a consensus. Acta Paediatrica, 2017
- Aufatmen in den Kinderkliniken: RSV-Schutz zeigt Wirkung. Kinderärzte im Netz, 2025
- Outpatient Respiratory Management of Infants, Children, and Adolescents with Post-Prematurity Respiratory Disease: An Official American Thoracic Society Clinical Practice Guideline. American Thoracic Society, 2021
- Definitions and Severity/Risk Prediction Tools for Bronchopulmonary Dysplasia: A Scoping Review. Journal of Paediatrics and Child Health, 2026
- Neues Bildgebungsverfahren bei Bronchopulmonaler Dysplasie (BPD). Lungeninformationsdienst, Helmholtz Zentrum München, 2023
- Growth and nutrition in children with established bronchopulmonary dysplasia: A review of the literature. Journal of Parenteral and Enteral Nutrition, 2022
- Home Oxygen Use and Post-Discharge Management of Infants with Bronchopulmonary Dysplasia. Clinics in Perinatology, 2026
- What are the benefits and risks of treating preterm infants at risk of developing bronchopulmonary dysplasia with corticosteroids?. Cochrane, 2024
- European Respiratory Society guideline on long-term management of children with bronchopulmonary dysplasia. European Respiratory Society, 2020
- Antenatal corticosteroids for accelerating fetal lung maturation for women at risk of preterm birth. Cochrane Database of Systematic Reviews, 2020
- Prophylaxe von schweren Erkrankungen durch Respiratory Syncytial Virus (RSV) bei Risikokindern. AWMF, 2024
- Pulmonary hypertension in preterm neonates with bronchopulmonary dysplasia: a meta-analysis. Archives of Disease in Childhood – Fetal and Neonatal Edition, 2025
- S3-Leitlinie Frühgeborenen-Nachsorge im Kindes- und Jugendalter – Konsultationsfassung. AWMF, 2026
