Hyperhidrose beschreibt ein krankhaftes, übermäßiges Schwitzen, das unabhängig von körperlicher Aktivität oder Umgebungstemperatur auftreten kann. Während normales Schwitzen für die Regulierung der Körpertemperatur notwendig ist, führt die Hyperhidrose dazu, dass Betroffene dauerhaft stark schwitzen – oft an Händen, Füßen, Achseln oder im Gesicht. Die Schweißproduktion ist dabei so ausgeprägt, dass sie den Alltag, soziale Kontakte und sogar berufliche Situationen erheblich beeinträchtigen kann. Mediziner unterscheiden zwischen primärer und sekundärer Hyperhidrose, abhängig davon, ob die Ursache in den Schweißdrüsen selbst liegt oder durch andere Erkrankungen ausgelöst wird. Eine genaue Diagnose ist wichtig, um die geeignete Therapie zu wählen. Die Behandlungsmöglichkeiten reichen von topischen Maßnahmen über Medikamente bis hin zu minimal-invasiven oder operativen Verfahren. Wer die Ursachen und Therapieoptionen kennt, kann die Hyperhidrose besser einschätzen und gezielt behandeln lassen.
Kurzübersicht:
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Was ist Hyperhidrose? Definition, Formen und typische Symptome
Hyperhidrose (ICD-Code: R61) ist das übermäßige Schwitzen, bei dem eine Fehlfunktion in der Schweißsekretion vorliegt. Wer viel Sport treibt oder sich anderweitig körperlich anstrengt, schwitzt währenddessen vermehrt – ein völlig normaler Vorgang.
Wenn dieses vermehrte Schwitzen nun aber ohne ersichtlichen Grund auftritt, dann sprechen Mediziner von einer Hyperhidrose. Beliebte Areale sind zum Beispiel die Achselhöhlen, die Hände oder die Füße.
Aber auch im Gesicht kann sich die Hyperhidrose bemerkbar machen. Für Betroffene ist das unangenehm, da sich deutlich sichtbare Schweißperlen im Gesicht oder große Schweißflecken auf der Kleidung bilden.

Vermehrtes Schwitzen im Gesicht ist typisch für eine Hyperhidrose @ werayuth/Fotolia
Formen der Hyperhidrose
Je nach Ursache und betroffenen Körperstellen unterscheiden Ärzte verschiedene Formen der Hyperhidrose. Bei der primären Hyperhidrose handelt es sich um eine meist angeborene Störung, bei der die Schweißdrüsen überaktiv sind, ohne dass eine zugrunde liegende Erkrankung vorliegt. Häufig sind hierbei Hände, Füße oder die Achselhöhlen betroffen – sogenannte fokale Hyperhidrose.
Die sekundäre Hyperhidrose tritt als Folge anderer Auslöser auf, etwa hormoneller Veränderungen, Infektionen, Stoffwechselerkrankungen oder als Nebenwirkung bestimmter Medikamente. Bei dieser Form schwitzen Betroffene häufig generalisert, das heißt am gesamten Körper. Die genaue Zuordnung ist wichtig, da sie die Wahl der Behandlung entscheidend beeinflusst.
Diagnose einer Hyperhidrose
Nicht jede vermehrte Schweißabsonderung ist gleich krankhaft und ist eine Hyperhidrose. Daher macht der Mediziner hier einige Untersuchungen, um zu erkennen, ob es sich tatsächlich um dieses Beschwerdebild handelt.
Dafür gibt es beispielsweise den sogenannten Jod-Stärke-Test. Dieser Test grenzt stark betroffene Areale ein. Die aufgetragene Verbindung aus Jod-Lösung und Stärkepulver färbt sich braun, wenn dort eine vermehrte Schweißproduktion vorliegt.
Von einer Hyperhidrose sprechen Ärzte, wenn in einer gewissen Zeitspanne gewisse Richtwerte überschritten sind.
Um dies herauszufinden, gibt es den Gravimetrie-Test. Dabei bringt der Arzt ein Papier auf das betroffene Hautareal auf. Nach einer gewissen Zeit entfernt er es wieder. Der Arzt vergleicht das Gewicht des Papiers vor und nach der Messung und kann so den Wert ermitteln.

Schichten der Haut @ bilderzwerg / Fotolia
Diagnostische Verfahren zur Abklärung einer Hyperhidrose
Neben der klinischen Untersuchung kommen verschiedene Tests zum Einsatz, um die Schweißmenge objektiv zu bestimmen. Der häufig verwendete Jod-Stärke-Test markiert stark schwitzende Areale sichtbar und eignet sich vor allem bei fokaler Hyperhidrose der Achselhöhlen, Hände oder Füße. Ergänzend misst die Gravimetrie die tatsächlich produzierte Schweißmenge, indem ein Filterpapier für eine definierte Zeit auf die Haut gelegt und anschließend gewogen wird.
Anhand dieser Werte lässt sich die Schwere der Hyperhidrose besser einordnen und dokumentieren. Zusätzlich prüft die Ärztin oder der Arzt mögliche Auslöser für eine sekundäre Form, etwa hormonelle Störungen oder Medikamenteneinflüsse. Eine strukturierte Diagnostik ermöglicht eine gezielte Therapieplanung und hilft, unnötige Behandlungen zu vermeiden.
Hyperhidrose – Ursachen und Therapie
Bei der primären Hyperhidrose sind die Ursachen nicht klar. Die Mediziner gehen hierbei von einer gewissen Veranlagung aus.
Bei der sekundären Hyperhidrose können aber darüber hinaus auch noch andere Gründe eine Rolle spielen. Zum Beispiel können bei Frauen die Wechseljahre eine Ursache sein, da sich hier der Hormonhaushalt stark verändert.
Kreislaufstörungen oder chronisch verlaufende Infekte zählen ebenfalls zu den möglichen Gründen für eine Hyperhidrose.
In Extremfällen können aber auch bösartige Erkrankungen wie Lymphome oder Malignome an der Entstehung der Hyperhidrose beteiligt sein. Ebenfalls ein Grund: Übergewicht.
Behandlung einer Hyperhidrose
Es gibt verschiedene Mittel und Wege, um eine Hyperhidrose zu behandeln. Tritt die Hyperhidrose vermehrt im Bereich der Achseln auf, können Sie es zum Beispiel mit Präparaten wie Antitranspirantien versuchen.
Diese sind als Spray, Roller oder Creme erhältlich. In der Anfangszeit sollten Sie das Mittel täglich auftragen. Bei langfristiger Nutzung können Sie die Häufigkeit später dann auf ein- bis zweimal pro Woche reduzieren. Hierbei spricht man von einer topischen Therapie.
Darüber hinaus gibt es auch noch andere Varianten. Die Behandlung mit einem Nervengift kommt zum Einsatz, um die Schweißbildung zu reduzieren.
Das Gift spritzt der Arzt direkt in die Haut unter den Achseln. Allerdings können die Ergebnisse von Patient zu Patient unterschiedlich ausfallen. Diese Behandlung fällt unter die systemische Denervierung.
Die systemische Therapie wiederum setzt auf den Einsatz von Psychopharmaka. Allerdings gibt es hierfür noch keine gesicherten Studien.
Behandlung mit Nervengift @ Dimid / Fotolia
Operative Methoden können bei der Hyperhidrose ebenfalls zum Einsatz kommen. Die Entfernung von Hautarealen und Schweißdrüsen gehört heute nicht mehr zum Standard: Der Grund: Narbenbildung und Wundheilungsstörungen können hier die Folge sein.
Zu den weiteren OP-Methoden zählen die Absaugung der Schweißdrüsen (Subkutane Schweißdrüsensaugkürettage) sowie die endoskopische transthorakale Sympathektomie (ETS).
Diese Methode sollte allerdings erst zum Einsatz kommen, wenn die übrigen Behandlungsmethoden keinen Erfolg zeigten. Denn dabei können mögliche Komplikationen wie das kompensatorische Schwitzen anderer Areale auftreten.
Darüber hinaus sollten Ärzte bei einer sekundären Hyperhidrose die zugrundeliegende Krankheit behandeln. Wer aufgrund von starkem Übergewicht vermehrt schwitzt, kann mit einer Gewichtsreduktion unterstützend eingreifen.
Mögliche Behandlungsformen:
- topische Therapie
- Medikamente
- Operationen
- bei sekundärer Hyperhidrose: Behandlung der Grunderkrankungen,
- Reduzierung von Übergewicht
Prognose bei einer Hyperhidrose
Die Prognose einer Hyperhidrose hängt maßgeblich davon ab, ob es sich um eine primäre oder sekundäre Hyperhidrose handelt und wie gut die zugrunde liegenden Ursachen erkannt und behandelt werden. Bei der primären Form bleibt die Neigung zum krankhaften Schwitzen häufig lebenslang bestehen. Dennoch lässt sich die übermäßige Schweißproduktion bei vielen Betroffenen durch passende Therapien, etwa Antitranspirantien, Leitungswasser-Iontophorese, Botulinumtoxin-Injektionen oder operative Verfahren wie die Sympathektomie, deutlich reduzieren.
Bei der sekundären Hyperhidrose ist die Prognose meist günstiger, da das Schwitzen oft aufgrund von Grunderkrankungen, hormonellen Veränderungen oder der Einnahme bestimmter Medikamente entsteht. Sobald der auslösende Faktor behandelt oder beseitigt wird, bessert sich das übermäßige Schwitzen im Alltag häufig spürbar.
Langfristig kann eine unbehandelte starke Hyperhidrose jedoch zu erheblichen Belastungen führen – körperlich (Hautreizungen, Infektionen, Schweißgeruch, Ekzeme) und psychisch (soziale Vermeidung, Scham, Stress). Eine frühzeitige Diagnose der Hyperhidrose, die präzise Bestimmung der betroffenen Körperstellen sowie eine individuell abgestimmte Therapie der Hyperhidrose verbessern die Lebensqualität nachweislich. Besonders hilfreich ist eine engmaschige Betreuung durch eine Dermatologin oder einen Dermatologen, um Wirksamkeit, Nebenwirkungen, Therapiewechsel und Langzeitergebnisse optimal zu begleiten.
Auswirkungen im Alltag und psychosoziale Folgen
Eine Hyperhidrose kann den Alltag stark beeinträchtigen. Viele Betroffene erleben das übermäßige Schwitzen nicht nur als körperlich belastend, sondern auch als psychisch belastend. Sichtbare Schweißflecken, feuchte Hände oder nasse Kleidung führen häufig zu sozialer Unsicherheit und Rückzug im beruflichen wie privaten Umfeld. Vor allem bei starkem Schwitzen an Händen, Füßen oder in der Achselhöhle meiden viele Betroffene Händeschütteln, enge Kleidung oder körperliche Nähe.
Der Leidensdruck kann zusätzlich steigen, wenn das übermäßige Schwitzen im Alltag unvorhersehbar auftritt – etwa in Ruhe, ohne Hitze oder körperliche Anstrengung. In diesen Situationen empfinden viele Menschen ihr Schwitzen als krankhaftes Symptom, das sie nicht mehr kontrollieren können. Eine frühzeitige Diagnosestellung und gezielte Therapie helfen, die Beschwerden zu reduzieren und das Selbstvertrauen im Umgang mit anderen wiederzugewinnen.
FAQ zu Hyperhidrose
Was ist das Hauptsymptom einer Hyperhidrose und wie äußert es sich?
Das wichtigste Symptom einer Hyperhidrose ist übermäßiges Schwitzen, das unabhängig von Temperatur oder körperlicher Aktivität auftritt. Betroffene bemerken oft sichtbaren Schweiß an Händen und Füßen, in den Achselhöhlen oder im Gesicht. Bei einer generalisierten Hyperhidrose schwitzt der gesamte Körper, während die fokale Hyperhidrose nur einzelne Körperstellen wie Handflächen, Fußsohlen oder Achseln betrifft. Wenn solche Symptome auftreten, sollten Betroffene eine Hyperhidrose in Betracht ziehen.
Welche Ursachen kann übermäßiges Schwitzen haben und wann spricht man von Hyperhidrose?
Die Ursachen von Hyperhidrose sind vielfältig. Bei der primären Form geht man von einer Fehlsteuerung der Schweißdrüsen aus, die durch den Botenstoff Acetylcholin überaktiviert werden. Die sekundäre Form entsteht aufgrund verschiedener Ursachen, etwa hormoneller Veränderungen, Infektionen oder der Einnahme bestimmter Medikamente. Von einer Hyperhidrose sprechen Ärztinnen und Ärzte, wenn die Schweißmenge deutlich über dem physiologischen Bedarf liegt und das übermäßige Schwitzen den Alltag beeinträchtigt.
Welche Formen der Hyperhidrose gibt es?
Medizinisch unterscheidet man mehrere Formen:
• Primäre Hyperhidrose – angeboren, meist fokal und ohne erkennbare Grunderkrankung.
• Sekundäre Hyperhidrose – Folge anderer Erkrankungen oder äußerer Einflüsse.
• Axilläre Hyperhidrose – starkes Schwitzen in der Achselhöhle.
• Palmare Hyperhidrose – Schwitzen der Handflächen.
• Plantar- oder Fußsohlenhyperhidrose – Schwitzen an den Füßen.
• Generalisierten Hyperhidrosis – großflächiges Schwitzen am gesamten Körper.
Die Definition und Therapie der primären Hyperhidrose orientiert sich vor allem an der Ausprägung und dem Leidensdruck.
Wie wird Hyperhidrose diagnostiziert?
Die Diagnose der Hyperhidrose erfolgt klinisch und anhand standardisierter Tests. Zum Einsatz kommt unter anderem der Jod-Stärke-Test, bei dem betroffene Stellen mit Jodlösung bestrichen und anschließend mit Stärkepulver bestäubt werden. Verfärbt sich die Haut dunkel, liegt eine erhöhte Schweißproduktion vor. Ergänzend können Gravimetrie-Messungen oder Bildgebungen genutzt werden, um die betroffenen Drüsen und Körperregionen genauer zu beurteilen.
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei Hyperhidrose?
Die Behandlung von Hyperhidrose richtet sich nach Ausprägung und Körperstelle. Zur Verfügung stehen Antitranspirantien mit Aluminiumchlorid, die die Schweißbildung der Drüse lokal reduzieren, sowie die Leitungswasser-Iontophorese für Hände und Füße. Auch eine Injektion mit Botulinumtoxin kann die Schweißdrüsen vorübergehend blockieren. In schweren Fällen kommen operative Verfahren wie die Sympathektomie infrage. Ärztinnen und Ärzte wählen aus verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten die gezielte Behandlung, die am besten zur Situation der Betroffenen passt.
Was können Menschen mit Hyperhidrose selbst tun, um Beschwerden zu lindern?
Menschen mit Hyperhidrose können durch atmungsaktive Kleidung, die Reduktion von Übergewicht, regelmäßige Hautpflege und das Vermeiden schweißtreibender Auslöser viel zur Entlastung beitragen. Bei axillärer Hyperhidrose helfen oft Aluminiumchlorid-Präparate, bei palmaren oder plantaren Formen die regelmäßige Anwendung der Iontophorese. Wenn Betroffene trotz dieser Maßnahmen weiter unter starkem Schwitzen leiden, können Dermatologinnen und Dermatologen eine weiterführende Therapie der Hyperhidrose einleiten.
Wann sollte man medizinische Hilfe suchen?
Medizinische Abklärung ist sinnvoll, wenn Symptome und Behandlungsmöglichkeiten im Alltag nicht ausreichen, wenn Betroffene unter schwerer Hyperhidrose leiden oder wenn die Beschwerden plötzlich auftreten. Insbesondere eine generalisierte Hyperhidrose kann auf hormonelle oder internistische Erkrankungen hinweisen. Wenn durch das Schwitzen auch die Oberseiten von Händen oder Füßen betroffen sind oder wenn Betroffene stark im Alltag eingeschränkt sind, sollte eine ärztliche gezielte Behandlung geprüft werden.









