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Erkrankung · Unfallchirurgie

Eine Verbrennung erkennen und richtig behandeln lassen

Kurzübersicht — das Wichtigste zuerst

Verletzung durch Hitze
Eine Verbrennung entsteht, wenn thermische Einwirkung den Körper schädigt.
Aussehen beachten
Gerötete und heiße Haut spricht für eine oberflächliche Verletzung, während weißes Gewebe oder Schorf auf eine tiefe Brandwunde hinweisen können.
Besonnen kühlen
Zur Kühlung einer kleinen, schmerzhaften Stelle eignet sich etwa 20 °C warmes Leitungswasser; Eis kann die Verletzung vertiefen.
Spezialisierte Behandlung
Verletzungen an Händen sowie im Gesicht oder Genitalbereich gehören ebenso in ein Brandverletztenzentrum wie Verbrennungen durch elektrischen Strom oder Blitzschlag.
Narben lange beobachten
Nach einer Brandverletzung kann sich eine Narbe noch über einen Zeitraum von 8 bis 24 Monaten verändern.

Eine Verbrennung ist eine Verletzung des Körpers durch thermische Einwirkung und zeigt sich je nach Tiefe als gerötete, geschwollene Haut oder als weißliche, mit Schorf bedeckte Brandwunde. Die Behandlung richtet sich nach Ausmaß, Körperstelle und Verbrennungstiefe.

Eine kleine, schmerzhafte Stelle lässt sich mit Leitungswasser von etwa 20 °C kühlen. Verbrennungen an Händen, im Gesicht oder Genitalbereich sowie Verbrennungen durch elektrischen Strom oder Blitzschlag werden in einem Brandverletztenzentrum behandelt.

Was ist eine Verbrennung?

Eine Verbrennung ist eine durch Hitzeeinwirkung verursachte Verletzung des Körpers. Maßgeblich sind vor allem die Tiefe des verletzten Gewebes und der verbrannte Anteil der Körperoberfläche.

Eine Verbrühung entsteht beim Kontakt mit heißer Flüssigkeit, wobei bereits Temperaturen ab 50 °C die Haut schädigen und eine Blasenbildung hervorrufen können. Kochendes Wasser ist somit keine Voraussetzung für eine behandlungsbedürftige Verletzung.

Thermische Verletzungen kommen im Kindesalter häufig vor. Bei Kindern und Jugendlichen werden mehr als 70 % dieser Verletzungen durch Verbrühungen verursacht. Ein Kleinkind erreicht Gefäße oder Tassen aus einer anderen Höhe als Erwachsene, sodass sich der heiße Inhalt über größere Körperbereiche ergießen kann.

Kleine lokale Brandwunden sind von großflächigen oder tiefen Verletzungen zu unterscheiden. Eine schwere Verbrennung kann lebensbedrohlich werden und den gesamten Organismus belasten. Fachleute sprechen dann von einer Verbrennungskrankheit. Wie ernst die Situation ist, wird anhand des konkreten Befunds beurteilt.

Welche Symptome hat eine Verbrennung?

Das Erscheinungsbild einer Verbrennung hängt von der Tiefe der Gewebeschädigung ab; die Verbrennungsgrade ordnen diese Tiefe klinisch ein und helfen dabei, die weitere Behandlung festzulegen.

  • Rötung: typisch für eine Verbrennung ersten Grades
  • Überwärmung: die betroffene Haut fühlt sich heiß an
  • Schwellung: möglich bei Grad 1
  • Schmerzen: können bei einer kleinflächigen Brandverletzung mit etwa 20 °C warmem Leitungswasser gelindert werden
  • Weiße Haut: möglicher Hinweis auf eine tiefe Brandwunde
  • Schorf: kann sich über einer tiefen Wunde bilden

Bei Grad 1 ist die Haut gerötet, fühlt sich heiß an und kann anschwellen. Betroffen ist die Epidermis, also die äußerste Hautschicht. Eine weißliche Oberfläche oder Schorf weisen dagegen darauf hin, dass tiefere Hautschichten geschädigt sein können.

Mit den Bezeichnungen 2a und Grad 2b unterscheiden Fachleute verschieden tiefe zweitgradige Verletzungen; die Dermis ist dabei die unter der Epidermis liegende Lederhaut. Ob sie nur oberflächlich oder bis in tiefere Bereiche betroffen ist, muss medizinisch beurteilt werden. Das sichtbare Erscheinungsbild allein reicht für eine zuverlässige Selbstdiagnose nicht aus.

Starke Schmerzen lassen nicht sicher auf die Tiefe der Wunde schließen. Umgekehrt ist eine weiß aussehende Brandwunde nicht harmlos, wenn sie weniger schmerzt. Für die Behandlung zählen der Grad der Verbrennung und die Ausdehnung. Auch Ursache und betroffene Körperstelle fließen in die Entscheidung ein.

Was löst Verbrennungen aus?

Verbrennungen und Verbrühungen können durch verschiedene Wärmequellen entstehen. Auch erhitzte Gegenstände und andere Formen starker Hitzeeinwirkung kommen infrage. Nach einer Verbrennung durch elektrischen Strom oder Blitzschlag ist die Behandlung in einem Brandverletztenzentrum angezeigt.

Für Kinder geht eine besondere Gefahr von heißen Getränken und Speisen aus. Erwachsene sollten deshalb nichts Heißes trinken, solange sie ein Kind auf dem Schoß oder Arm halten. Kippt das Gefäß um, kann die Flüssigkeit in kurzer Zeit einen größeren Körperbereich verbrühen.

  • Heiße Getränke: beim Tragen eines Kindes nicht gleichzeitig trinken
  • Herd: Töpfe und heiße Kochflächen außer Reichweite halten
  • Grill: Abstand zu Glut und Flammen einhalten
  • Brandbeschleuniger: flüssige Mittel können schwere Brandunfälle auslösen
  • Elektrizität: Verbrennungen durch elektrischen Strom oder Blitzschlag werden spezialisiert behandelt

Flüssige Brandbeschleuniger können das Feuer unkontrolliert aufflammen lassen und schwere Brandverletzungen verursachen.

Wie wird eine Verbrennung festgestellt?

Eine Verbrennung wird durch die klinische Untersuchung der betroffenen Stelle festgestellt. Ärztinnen und Ärzte achten auf die Färbung, auf Rötung oder Schwellung sowie auf Schorf und sichtbare Gewebeschäden. Daraus ergibt sich eine Einschätzung der Tiefe, die für einen möglichen chirurgischen Eingriff maßgeblich ist.

Zusätzlich wird der verbrannte Anteil der Körperoberfläche ermittelt. Bei einem betroffenen Kind kann dessen Hand als Maßstab dienen, denn sie entspricht ungefähr 1 % seiner Körperoberfläche. Gemeint ist die Handfläche einschließlich der Finger des verletzten Kindes.

Die Körperstelle beeinflusst, wo die weitere Versorgung stattfinden sollte. Verbrennungen im Gesicht oder an den Händen sowie Verletzungen der Genitalien erfordern wegen möglicher funktioneller und kosmetischer Folgen eine Behandlung in einem Brandverletztenzentrum.

Verbrennungsgrad 1 - 3
Die Verbrennungsgrade dienen der klinischen Einteilung einer Verbrennung anhand der Tiefe der Hautschädigung @ designua /AdobeStock

Wann muss eine Verbrennung ärztlich behandelt werden?

Verbrennungen an Händen, im Gesicht oder Genitalbereich werden in einem Brandverletztenzentrum behandelt. Weißes Gewebe oder Schorf können auf eine tiefe Brandwunde hinweisen.

  • Hände: Versorgung im Brandverletztenzentrum
  • Gesicht: Versorgung im Brandverletztenzentrum
  • Genitalien: spezialisierte Behandlung erforderlich
  • Große Fläche: wegen der Unterkühlungsgefahr nicht anhaltend kühlen
  • Tiefe Wunde: weißliches Aussehen oder Schorf möglich

Eine großflächige Verletzung darf nicht wie eine kleine Verbrennung versorgt werden. Anhaltendes Kühlen mit Wasser kann den Körper auskühlen und soll deshalb unterbleiben. Bis medizinische Hilfe eintrifft, muss die betroffene Person vor einem weiteren Wärmeverlust geschützt werden.

Die eigene Hand des Kindes bietet eine Orientierung für den verbrannten Anteil der Körperoberfläche. Sie ersetzt jedoch keine fachliche Einschätzung der Tiefe oder der notwendigen Behandlung.

Welche Erste Hilfe ist bei einer Verbrennung richtig?

Die Hilfe bei Verbrennungen richtet sich zuerst nach der Größe der betroffenen Fläche. Bei einer schmerzhaften kleinflächigen Brandverletzung kann fließendes Wasser von etwa 20 °C die Schmerzen lindern. Sehr starke Kälte ist ungeeignet, weil sie bereits geschädigtes Gewebe zusätzlich beeinträchtigen kann.

  1. Beenden Sie die Hitzeeinwirkung, ohne sich dabei selbst zu gefährden.
  2. Halten Sie nur den kleinen, schmerzenden Bereich unter etwa 20 °C warmes Leitungswasser.
  3. Verzichten Sie auf Eis, da es die Schädigung vertiefen kann.
  4. Tragen Sie bei der Erstversorgung weder Salbe noch andere lokale Hausmittel auf.
  5. Decken Sie die Stelle anschließend mit einem sauberen Tuch oder einer Wundauflage ab.

Großflächige Brandverletzungen sollen wegen der Unterkühlungsgefahr nicht anhaltend mit Wasser gekühlt werden.

Eis gehört grundsätzlich nicht auf eine frische Brandwunde, denn seine sehr niedrige Temperatur kann das geschädigte Gewebe zusätzlich beeinträchtigen und die Verletzung vertiefen. Auch eine als pflegend angebotene Salbe ist für die unmittelbare Erste Hilfe nicht geeignet.

Nach der Kühlung sollte die Wunde geschützt und nicht offen gelassen werden. Dazu eignet sich ein sauberes Tuch oder eine Wundauflage. Welche sterile Auflage bei der anschließenden medizinischen Versorgung verwendet wird, entscheidet das Behandlungsteam.

Wie wird eine tiefere Verbrennung behandelt?

Die Behandlung einer tieferen Verbrennung richtet sich nach ihrer Tiefe und Fläche. Ebenso berücksichtigt werden die Ursache und die betroffene Körperstelle. In der Verbrennungschirurgie lässt sich abgestorbenes Gewebe operativ entfernen. Dieser Eingriff heißt Nekrosektomie; sein Umfang richtet sich nach der Tiefe der Verletzung.

VerfahrenFür wen geeignetDauer und PlanungVorteile und Nachteile
Kühlung mit LeitungswasserKleine, schmerzhafte BrandverletzungUnmittelbare Erstversorgung mit Wasser von etwa 20 °CKann Schmerzen lindern; anhaltende Kühlung großer Flächen birgt die Gefahr einer Unterkühlung
Saubere AbdeckungFrische Wunde nach dem KühlenBis zur fachlichen weiteren VersorgungEin sauberes Tuch oder eine Wundauflage schützt die Stelle; Salbe und lokale Hausmittel gehören nicht zur Ersten Hilfe
NekrosektomieTiefe Verbrennung mit abgestorbenem GewebeDer Umfang richtet sich nach der VerbrennungstiefeAbgestorbenes Gewebe wird chirurgisch entfernt; dafür ist eine Operation erforderlich
KorrekturoperationBehandlungsbedürftige Spätfolgen nach der AkutversorgungHäufig mehrere Eingriffe mit Abstand zur AkutbehandlungKann Verbrennungsfolgen korrigieren; unter Umständen sind mehrere Operationen notwendig

Im Brandverletztenzentrum kann die Therapie gezielt den Erhalt der Beweglichkeit oder anderer Funktionen berücksichtigen.

Eine mögliche Komplikation tiefer Brandverletzungen ist eine störende Narbenbildung. Narbenstränge können die Beweglichkeit von Gelenken oder anderen Körperbereichen einschränken. Gleiches gilt für Kontrakturen, also narbige Verkürzungen des Gewebes. Notwendige Folgeeingriffe werden häufig mit zeitlichem Abstand von der Akutbehandlung geplant.

Wie verläuft die Heilung?

Der Verlauf nach einer Verbrennung wird wesentlich von der Tiefe und Ausdehnung bestimmt. Auch die betroffene Körperstelle beeinflusst die Heilung. Eine oberflächliche Rötung verläuft anders als eine tiefe Brandwunde, weshalb eine individuelle Prognose erst nach der Untersuchung möglich ist.

Die Wundheilung kann über das sichtbare Schließen der Wunde hinausreichen. Insbesondere die Narbenreifung dauert unter Umständen 8 bis 24 Monate. Während dieser Zeit verändert sich das Narbengewebe weiter.

Narbenstränge und Kontrakturen können nach einer Brandverletzung die Beweglichkeit einschränken. Besonders an den Händen oder in der Nähe eines Gelenks sind solche Folgen funktionell bedeutsam. Veränderungen der Beweglichkeit sollten im Verlauf mit dem Behandlungsteam besprochen werden.

Eine erforderliche Korrektur erfolgt häufig nicht während der ersten Akutbehandlung. Korrekturoperationen lassen sich mit zeitlichem Abstand zur ursprünglichen Versorgung planen, wobei mehrere Eingriffe notwendig sein können.

Wie lassen sich Verbrennungen verhindern?

Schon Flüssigkeiten ab 50 °C können Hautschäden mit Blasen verursachen. Eine niedrigere Temperatur des Wassers am Hahn hilft dabei, Verbrühungen vorzubeugen.

  • Heißgetränke: weder über einem Kind abstellen noch beim Tragen trinken
  • Wassertemperatur: am Hahn niedriger einstellen
  • Kochen: bevorzugt die hinteren Herdplatten verwenden
  • Herdschutz: den Zugang durch ein Schutzgitter erschweren
  • Grillen: keine flüssigen Brandbeschleuniger einsetzen
  • Kinderabstand: Gesicht und Hals sowie Brust von der Glut fernhalten
Handverbrennung 2. Grades
Verbrennungen 2. Grades heilen innerhalb von 1–2 Wochen @ lapis2380 /AdobeStock

Beim Kochen helfen die hinteren Herdplatten und ein Herdschutzgitter, Kinder vor einer Verbrennung zu schützen. Töpfe und andere Gefäße mit heißem Inhalt sollten außerhalb ihrer Reichweite stehen, damit ein Kind sie weder greifen noch herunterziehen kann.

Am Grill sind flüssige Brandbeschleuniger besonders gefährlich, weil sie schwere Brandunfälle verursachen können. Kinder brauchen ausreichend Abstand zur Glut und zu offenen Flammen. Wegen ihrer Körpergröße sind bei ihnen vor allem Gesicht und Hals sowie die Brust gefährdet.

Häufige Fragen zur Verbrennung

Was ist der Unterschied zwischen Verbrennung und Verbrühung?

Der Begriff Verbrennung umfasst Verletzungen durch thermische Einwirkung. Eine Verbrühung bezeichnet speziell eine Schädigung durch heiße Flüssigkeit. Bei Kindern und Jugendlichen gehen mehr als 70 % der thermischen Verletzungen auf Verbrühungen zurück.

Woran erkenne ich eine tiefe Brandwunde?

Weißliches Gewebe oder Schorf können auf eine tiefe Brandwunde hinweisen.

Soll ich eine Verbrennung kühlen?

Kühlen ist bei einer kleinen und schmerzhaften Brandverletzung zur Schmerzlinderung möglich. Verwenden Sie dafür Leitungswasser mit etwa 20 °C. Bei großflächigen Verletzungen soll anhaltendes Kühlen wegen der Unterkühlungsgefahr unterbleiben.

Was sollte man bei einer Verbrennung nicht tun?

Verwenden Sie kein Eis, denn die starke Kälte kann die Verletzung vertiefen. Auch Salbe oder andere lokale Hausmittel gehören nicht auf eine frische Brandwunde.

Soll eine Brandwunde verbunden oder offen gelassen werden?

Nach dem vorsichtigen Kühlen wird die verletzte Stelle mit einem sauberen Tuch oder einer Wundauflage geschützt. Die weitere Wundversorgung hängt davon ab, wie tief und ausgedehnt die Schädigung ist.

Wann gehört eine Verbrennung in eine Spezialklinik?

Eine spezialisierte Behandlung ist angezeigt, wenn Hände oder Gesicht betroffen sind. Dasselbe gilt für Verletzungen im Genitalbereich. Auch nach einer Verbrennung durch elektrischen Strom oder Blitzschlag ist ein Brandverletztenzentrum zuständig.

Wann ist eine Operation notwendig?

Bei einer tiefen Verletzung mit abgestorbenem Gewebe kann eine Nekrosektomie notwendig werden. Wie viel Gewebe chirurgisch entfernt wird, hängt von der Verbrennungstiefe ab. Spätere Korrekturoperationen erfolgen häufig in mehreren Eingriffen mit Abstand zur Akutversorgung.

Wie lange verändert sich eine Verbrennungsnarbe?

Die Reifung einer Verbrennungsnarbe kann sich über 8 bis 24 Monate erstrecken. In dieser Zeit verändert sich das Narbengewebe weiter. Narbenstränge oder Kontrakturen können die Beweglichkeit einschränken.

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Über den Fachautor

Prof. Dr. med. Susanne Regus

Medizinische Fachautorin

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