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Diagnostik und Therapie von Besenreisern und retikulären Varizen: Experteninterview mit Prof. Reich-Schupke

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Alexandra Pfitzmann · 19. März 2025

Prof. Dr. med. Stefanie Reich-Schupke ist eine herausragende Expertin auf dem Gebiet der Venenerkrankungen und genießt internationales Renommee in der Haut- und Gefäßmedizin. Mit ihrer umfassenden Spezialisierung auf Dermatologie, Phlebologie, Lymphologie sowie ärztliche Wundtherapie stellt sie einen wichtigen Pfeiler in der medizinischen Landschaft dar. Im Jahr 2017 erregte die Ernennung von Prof. Dr. Reich-Schupke zur Stiftungsprofessorin für Phlebologie an der Ruhr-Universität Bochum großes Aufsehen. Damals gab es seit über 13 Jahren keine Professur mehr für Phlebologie in Deutschland. Ziel der Einrichtung der Stiftungsprofessur war es, die Phlebologie als bedeutendes Fach innerhalb der medizinischen Wissenschaft zu stärken. Die Tatsache, dass diese hochkarätige Professur einer so erfahrenen und angesehenen Fachärztin anvertraut wurde, unterstreicht ihr internationales Ansehen und die Notwendigkeit, diese Fachrichtung voranzutreiben.

In ihrer Privatpraxis für Haut- und Gefäßmedizin in Recklinghausen setzt Prof. Dr. Reich-Schupke auf einen ganzheitlichen Ansatz, der die neuesten medizinischen Erkenntnisse mit bewährten Therapiemethoden verbindet. Ihre Philosophie, sich Zeit für jeden Patienten zu nehmen, zeigt sich in der strukturierten Terminvergabe ohne offene Sprechstunden. Ein weiterer Bereich, in dem Prof. Dr. Reich-Schupke glänzt, ist die Dermatologie. Sie bringt umfangreiche Erfahrung in der Diagnostik und Behandlung akuter und chronischer Hauterkrankungen mit, einschließlich Psoriasis und Neurodermitis. Ihre Expertise in der Hautkrebsvorsorge und die Durchführung moderner diagnostischer Verfahren wie der Anwendung von Bodyscan, Nevisense und Videoauflichtmikroskopie machen sie zu einer gefragten Ansprechpartnerin für Patienten, die Wert auf präventive Gesundheitsmaßnahmen legen.

Als anerkannte Spezialistin für Phlebologie und Lymphologie ist sie nicht nur eine Expertin für die Behandlung von Krampfadern und Lymphödemen, sondern auch eine gefragte Gutachterin und Referentin auf nationalen und internationalen Kongressen. Ihre Praxis in Recklinghausen steht nicht nur für herausragende medizinische Behandlung, sondern auch für einen Raum, in dem Patienten sich gehört und verstanden fühlen. Speziell zur Diagnostik und Therapie von Besenreisern und retikulären Varizen (Krampfadern) konnte die Redaktion des Leading Medicine Guide in einem Gespräch mit der Gefäß- und Hautspezialistin mehr erfahren.

Prof Dr Stefanie Reich-Schupke

Gefäß- und Hauterkrankungen sind weit verbreitete Gesundheitsprobleme, die nicht nur das äußere Erscheinungsbild, sondern auch das Wohlbefinden und die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinflussen können. Zu den häufigsten Formen dieser Erkrankungen zählen Besenreiser und retikuläre Varizen, die oft als kosmetisches Problem wahrgenommen werden, jedoch auch auf eine zugrunde liegende venöse Insuffizienz (= Venenschwäche) hinweisen können. Krampfadern sind nicht nur unschön, sondern können auch Symptome wie Schwellungen, Schmerzen oder ein schweres Gefühl in den Beinen hervorrufen. Die Diagnostik und Therapie von Besenreisern und retikulären Varizen haben sich in den letzten Jahren erheblich weiterentwickelt. Modernste Verfahren wie die hochauflösende Ultraschalluntersuchung ermöglichen eine präzise Analyse des venösen Systems und die Identifizierung des relevanten Insuffizienzpunktes. Gleichzeitig stehen zahlreiche schonende Therapien zur Verfügung, die sowohl effektiv als auch wenig invasiv sind, um den Patienten eine nachhaltige Lösung zu bieten.

Besenreiser und retikuläre Varizen sind beide häufige Formen venöser Erkrankungen, die an den Beinen auftreten und für viele Betroffene sowohl kosmetisch als auch mitunter symptomatisch von Bedeutung sind.

Besenreiser, medizinisch als Teleangiektasien bezeichnet, sind sehr kleine, erweiterte Blutgefäße, die unter der Haut sichtbar sind. Sie erscheinen meist in einem feinen, netzartigen Muster und können in verschiedenen Farben auftreten, typischerweise rot, blau oder violett. Besenreiser sind häufig an den Oberschenkeln, Waden oder in der Nähe des Knöchels zu finden und oft mit einer Reihe von zugrunde liegenden Faktoren verbunden, darunter genetische Veranlagung, hormonelle Veränderungen, Schwangerschaft oder langes Stehen und Sitzen. Im Gegensatz dazu sind die sogenannten retikulären Varizen eine größere Form von venösen Erweiterungen. Sie sind typischerweise zwischen 1 und 3 mm dick und haben eine grünlich-blaue Farbe. Diese Venen sind ebenfalls netzartig und können in verschiedenen Bereichen der Beine auftreten. 

Besenreiser verursachen an sich keine Stauungsbeschwerden. Hin und wieder gibt es jedoch Patienten, die als Symptome ein Kribbeln oder Jucken angeben oder von einem brennenden Schmerz im Bereich der Besenreiser berichten. Das hat tatsächlich nichts mit der Größe oder Vielzahl der Besenreiser zu tun, sondern liegt im individuellen Empfinden begründet. Im Vergleich dazu bemerken viele Patienten (Frauen meist eher und mehr als Männer) bei großen Krampfadern deutlich, dass Beine und/oder Füße anschwellen, sich nach und nach verfärben, braune Flecken entstehen oder große Venen sichtbar hervortreten. Besenreiser können ein rein optisches Problem aufgrund einer Bindegewebsschwäche darstellen, aber auch ein Hinweis auf darunterliegende, größere Venenleiden sein. Wenn man beobachtet, dass die Zahl der Besenreiser zunimmt, sollte mittels Ultraschalls überprüft werden, ob eine hämodynamisch relevante Krampfadererkrankung vorliegt. Wenn zum Beispiel eine Varize größer als 3 mm ist, spricht man von einer Seitenastvarize, einer speziellen Form der Krampfader, die in den Seitenästen des oberflächlichen Venensystems auftritt. Bleiben Varizen oder Krampfadern unbehandelt, kann es zu oberflächlichen Thrombosen, Stauungsbeschwerden, Ekzemen oder offenen Beinen (sog. Ulcus cruris) kommen. Letzteres tritt glücklicherweise selten auf, da die Menschen heute grundsätzlich aufmerksamer sind“, erklärt Frau Prof. Dr. Reich-Schupke.

Um Besenreiser und retikuläre Varizen genau zu beurteilen und deren Ursachen zu identifizieren, kommen verschiedene diagnostische Verfahren zum Einsatz. 

Zunächst erfolgt in der Regel eine Anamnese, bei der der Arzt Informationen über die medizinische Vorgeschichte des Patienten, Symptome und mögliche Risikofaktoren erhebt. Dies ist ein wichtiger erster Schritt, um ein umfassendes Bild der Erkrankung zu erhalten. 

Es wird in jedem Fall eine Photoplethysmographie vorgenommen, um den venösen Rückfluss zu überprüfen. Dabei wird ein Lichtstrahl auf die Haut gerichtet, dessen Reflexion durch Veränderungen im Blutfluss beeinflusst wird. Auf diese Weise kann der Füllungsstatus im oberflächlichen Venengeflecht überprüft werden. Eine solche Untersuchung kann auch vom Hausarzt, im Sanitätshaus oder in einer Apotheke durchgeführt werden, um einen ersten Eindruck der Flussverhältnisse im Bein zu erhalten. Der Goldstandard, der beim phlebologisch versierten Arzt durchgeführt wird, ist jedoch die Duplexsonographie. Dabei wird Ultraschall zur Darstellung von Venenstrukturen mit Doppler-Technologie zur Analyse von Blutfluss und Fließrichtung in den Venen kombiniert. So kann festgestellt werden, welchen Durchmesser die Venen haben, ob die Venenklappen nicht mehr richtig schließen oder sich die Blutflussrichtung im Gefäß umgekehrt hat (sogenannter Reflux, (von oben nach unten bzw. von den tiefen zu den oberflächlichen Venen) zurückströmt, was Krampfadern verursacht“, erläutert Frau Prof. Dr. Reich-Schupke.


Die Ursache von Krampfadern liegt hauptsächlich in einer geerbten Bindegewebs- oder Gefäßwandschwäche. Aber auch Übergewicht, viel Sitzen, langes Stehen und wenig Bewegung kann zu Krampfadern oder auch Besenreisern führen. Auch wenn das Rauchen ungesund ist – auf Krampfadern oder Besenreisern hat Rauchen keinen direkten Einfluss, wohl aber auf die Entstehung von Gerinnseln im Gefäßsystem (= Thrombosen).


Die Behandlung von Besenreisern und retikulären Varizen hat in den letzten Jahren durch moderne Technologien und Verfahren erhebliche Fortschritte gemacht. 

Im Wesentlichen gibt es bei Besenreisern zwei Behandlungsoptionen. Wenn kein größeres Venenleiden unter den Besenreisern vorliegt, kann man alles so lassen, wie es ist, sofern der Patient sich an der Optik nicht stört. Sollten die Besenreiser jedoch entfernt werden, kann dies mit einer Verödungsbehandlung erfolgen, bei der ein Medikament in die Vene gespritzt wird. Dieses legt sich dann von innen an die Gefäßwand und führt zu einem Zusammenziehen des Äderchens. Eine Alternative dazu ist die Lasertherapie, bei der von außen Laserenergie auf das Gefäß gerichtet wird, sodass dieses abgebaut wird. Die Lasertherapie funktioniert besonders gut bei oberflächlichen roten Äderchen. Bei lila-blauen Äderchen hingegen ist die Verödung meist effektiver, da diese etwas tiefer unter der Haut liegen. Hier könnte der Laser die Haut eher schädigen und Narben hinterlassen“, erklärt Prof. Dr. Reich-Schupke zu den gängigen Behandlungen und fügt hinzu:

Bei der Verödung spürt der Patient den Einstich der Spritze, um das Medikament einzubringen. Dies kann durch die Reizung der Gefäßwand auch ein leichtes Brennen verursachen. Auch bei der Laserbehandlung spürt der Patient die Hitze an der Hautoberfläche. Vor der Behandlung kann die Haut mit einer anästhetisierenden oder kühlenden Salbe betäubt werden. Wie oft eine Verödung wiederholt werden muss, hängt von der Anzahl der Besenreiser und dem kosmetischen Anspruch des Patienten ab. Sind diese nur vereinzelt vorhanden, kann eine einzige Sitzung ausreichen. Wir kontrollieren das Ergebnis bei unseren Patienten nach ca. einer Woche, um zu überprüfen, ob alle Besenreiser vollständig entfernt sind oder ob eine Nachbehandlung erforderlich ist. Auch können bei einer Verödung sogenannte Mikrothromben entstehen. Diese können sicherheitshalber mit einer kleinen Nadel angepikst und dann herausgedrückt werden, damit sie schneller abgebaut werden. Wenn Mikrothromben vom Körper allein abgebaut werden, dauert es länger und es besteht das Risiko, dass braune Verfärbungen entstehen, die oft nur langsam verschwinden. Daher ist eine Kontrolle nach 1-2 Wochen durchaus sinnvoll“.


Aethoxysklerol (Wirkstoff: Polidocanol) ist ein Medikament zur Verödung von Krampfadern und Besenreisern. Es wird in die betroffenen Venen injiziert, wo es die Gefäßwände reizt und so einen Verschluss der Vene bewirkt. Diese wird anschließend vom Körper abgebaut. Das Verfahren, bekannt als Sklerotherapie, wird auch bei niedriggradigen Hämorrhoiden eingesetzt und ist eine bewährte Methode zur Behandlung kosmetischer und funktioneller Venenprobleme.

„Im Internet kursieren hochgefährliche und nicht offiziell zugelassene Behandlungsmethoden, die bei Besenreisern empfohlen werden. Zum Beispiel, dass man mit einer Kochsalzlösung Besenreiser veröden könnte – was aber nicht die physiologische Kochsalzlösung meint, die man als Infusionstherapie kennt, sondern eine hochprozentige Lösung. Diese wird fälschlicherweise gerne als ,harmlos´ und ‚natürlich‘ beworben, hinterlässt aber meist mehr Schaden als Nutzen“, warnt Frau Prof. Dr. Reich-Schupke.


Nach der Behandlung von Besenreisern und retikulären Varizen ist es wichtig, dass Patienten geeignete Unterstützungsmaßnahmen ergreifen, um das Risiko eines Wiederauftretens zu minimieren und die Gesundheit ihrer Venen zu fördern. 

Ein zentraler Aspekt ist die aktive Lebensweise. Regelmäßige körperliche Betätigung fördert die Durchblutung und stärkt die Venen. Besonders empfohlen werden Aktivitäten wie Radfahren, Schwimmen oder zügiges Gehen, da sie die Muskulatur der Beine aktivieren und den venösen Rückfluss unterstützen. 

Patienten sollten darauf achten, lange Sitz- oder Stehzeiten zu vermeiden, um die Belastung der Venen zu reduzieren. Bei Berufen, die langes Sitzen oder Stehen erfordern, sind regelmäßige Pausen und Bewegungsübungen sinnvoll. Zusätzlich ist die Aufrechterhaltung eines gesunden Körpergewichts von Bedeutung, da Übergewicht den Druck auf die Venen erhöhen und das Risiko für venöse Erkrankungen steigern kann. Eine ausgewogene Ernährung, die reich an Ballaststoffen ist und wenig gesättigte Fettsäuren sowie Zucker enthält, kann helfen, ein gesundes Gewicht zu halten, das Bindegewebe zu straffen und die allgemeine Gesundheit der Venen zu fördern. Alle Sportarten sind gut – besonders aber eignen sich Wassersportarten, da die Wasserbewegungen einen zusätzlichen Massageeffekt auf die Beine haben. Wenn bei einem Patienten eine erbliche Komponente eine Rolle spielt, kann es sein, dass sich diese nach einiger Zeit wieder durchsetzt. Hier kann man nur das Ausmaß mindern, aber nicht alles verhindern“, konstatiert Frau Prof. Dr. Reich-Schupke und gibt zum Schluss unseres Gesprächs noch einen praktischen Tipp:

Die Behandlung von Besenreisern ist natürlich das ganze Jahr über möglich. Patienten kommen jedoch oft im Herbst und Winter, da im Anschluss an eine Verödung idealerweise einige Tage Kompressionsstrümpfe getragen werden sollten, um das kosmetische Ergebnis zu verbessern und das Thromboserisiko zu reduzieren. Das ist in der kühleren Jahreszeit natürlich angenehmer als im Hochsommer“.

Herzlichen Dank, Frau Prof. Dr. Reich-Schupke, für die wertvollen Informationen rund um die oftmals lästigen Besenreiser und Krampfadern!

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Über den Fachautor

Alexandra Pfitzmann

Redakteurin

Alexandra Pfitzmann – Medizinische Fachautorin: Expertenwissen, Fachbeiträge und medizinische Inhalte im Leading Medicine Guide.

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