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Regenerative Verfahren bei der Wirbelsäule

28.05.2026

Erkrankungen der Wirbelsäule gehören zu den häufigsten Ursachen für Schmerzen und Bewegungseinschränkungen. Sie entstehen durch Verschleiß, Überlastung, Verletzungen oder altersbedingte Veränderungen und können Bandscheiben, Wirbelgelenke, Nervenstrukturen oder die umgebende Muskulatur betreffen.

Neben klassischen konservativen Behandlungen kommen heute auch regenerative Verfahren zum Einsatz, die darauf abzielen, geschädigtes Gewebe zu unterstützen, Entzündungen zu reduzieren und die natürliche Heilung zu fördern. Diese modernen Therapien bieten vielen Patienten eine schonende Alternative zur Operation und tragen dazu bei, Schmerzen zu lindern und die Funktion der Wirbelsäule langfristig zu erhalten.

Hierzu erfuhr die Redaktion des Leading Medicine Guide mehr in einem Gespräch mit dem Wirbelsäulenspezialisten Dr. med. Ferdinand Krappel.

Dr. Krappel

Regenerative Verfahren kommen vor allem bei verschleiß‑ oder entzündungsbedingten Erkrankungen der Wirbelsäule zum Einsatz, also dort, wo Strukturen wie Bandscheiben, Facettengelenke oder das Iliosakralgelenk geschädigt sind, aber noch nicht so stark zerstört, dass eine Operation unvermeidlich wäre.

Typische Anwendungsgebiete sind frühe bis mittlere Stadien der Bandscheibendegeneration, schmerzhafte Facettengelenksarthrose, Reizungen des Iliosakralgelenks oder entzündlich bedingte Nervenwurzelbeschwerden. Ziel dieser Therapien ist es, die natürlichen Heilungsprozesse des Körpers zu unterstützen, Entzündungen zu reduzieren und geschädigtes Gewebe zu stabilisieren oder zu regenerieren. 

Unter einem regenerativen Verfahren versteht man Behandlungen, die körpereigene biologische Mechanismen nutzen, um Heilung anzuregen. Dazu gehören zum Beispiel die Injektion von plättchenreichem Plasma (PRP), konzentriertem Knochenmark (BMAC), Stammzellpräparaten oder entzündungshemmendem autologem Serum. Diese Substanzen enthalten Wachstumsfaktoren und Zellen, die Entzündungen dämpfen und Reparaturprozesse fördern können.

Sie werden gezielt in die betroffene Struktur eingebracht, etwa in die Bandscheibe oder die kleinen Wirbelgelenke. Die Idee dahinter ist nicht, etwas „mechanisch zu reparieren“, sondern die biologische Umgebung so zu verbessern, dass der Körper selbst wieder in die Lage kommt, Gewebe zu regenerieren und Schmerzen zu reduzieren. 

Bevor eine regenerative Behandlung an der Wirbelsäule überhaupt in Betracht gezogen wird, müssen bestimmte diagnostische Voraussetzungen erfüllt sein. Entscheidend ist, dass die Beschwerden eindeutig einer Struktur zugeordnet werden können – etwa einer degenerierten Bandscheibe, einem gereizten Facettengelenk oder dem Iliosakralgelenk.

Dr. Krappel Frau

Bei Wirbelsäulenbeschwerden stehen zunächst die klassischen Rückenschmerzen im Vordergrund, die je nach Region unterschiedlich häufig auftreten: Am häufigsten ist die Lendenwirbelsäule betroffen, gefolgt von der Halswirbelsäule und deutlich seltener der Brustwirbelsäule. Entscheidend ist dann die Frage, woher der Schmerz kommt. Möglich sind muskuläre oder ligamentäre Ursachen (Schmerzen oder Beschwerden, die von Bändern ausgehen).

Die Schwierigkeit besteht darin, dass viele Menschen Veränderungen an der Wirbelsäule zeigen, ohne Beschwerden zu haben. Deshalb reicht eine Bildgebung allein nicht aus. Erst das Zusammenspiel aus klinischer Untersuchung, Verdachtsdiagnose und bildgebenden Befunden ermöglicht eine sinnvolle Eingrenzung der Schmerzquelle. Um diese Eingrenzung zu präzisieren, kommen diagnostische Infiltrationen zum Einsatz. Dabei wird gezielt an die vermutete Schmerzstruktur injiziert – etwa an die Nervenwurzel, in den Spinalkanal, an die Bandscheibe oder an die kleinen Wirbelgelenke.

Der Patient dokumentiert anschließend genau, wie sich der Schmerz verändert hat. Diese Rückmeldung hilft, die tatsächliche Schmerzquelle zu identifizieren. Die Infiltration kann rein diagnostisch mit Lokalanästhetikum erfolgen oder bereits therapeutisch erweitert werden. Durchgeführt wird sie in der Regel unter Bildkontrolle, meist mit Röntgendurchleuchtung, seltener mit Ultraschall. Um die Präzision zu verbessern, werden solche Techniken regelmäßig an anatomischen Präparaten trainiert, um die exakte Nadelplatzierung zu beherrschen.

Je nach Ergebnis kann eine einzelne Infiltration ausreichen, vor allem bei akuten Beschwerden. Bei chronischen oder wiederkehrenden Schmerzen stellt sich die Frage nach weiteren Schritten. Eine Möglichkeit ist die Behandlung der schmerzleitenden Nervenäste mittels Radiofrequenzverfahren – entweder durch klassische Hitzeverödung oder durch Modulation, bei der die Nervenleitung abgeschwächt, aber nicht zerstört wird. Alternativ gibt es Verfahren mit Kälte, bei denen der Nerv vorübergehend ausgeschaltet wird und sich später regeneriert, ähnlich einem Neustart eines Computers.

Solche Methoden kommen dann infrage, wenn die reine Injektionstherapie nicht ausreicht“, schildert Dr. Krappl am Anfang unseres Gesprächs und ergänzt dazu: 

Parallel dazu fließen immer auch Informationen aus Physiotherapie und Chiropraktik ein, um ein vollständiges Bild zu erhalten. Bei älteren Patienten müssen zudem Faktoren wie Osteoporose, Muskelschwund oder hormonelle Einflüsse berücksichtigt werden, da sie die Schmerzursache verändern können.

Auch Gelenke wie das Iliosakralgelenk können Beschwerden verursachen, die sich wie Rückenschmerzen anfühlen, aber eine andere Behandlung erfordern. Wenn konservative und minimalinvasive Maßnahmen nicht ausreichen oder der Schmerz immer wiederkehrt, kommen regenerative Verfahren ins Spiel. An den Facettengelenken hat sich die Injektion von plättchenreichem Plasma bewährt, das körpereigene Reparaturprozesse anregen soll.

An Nervenwurzeln wird dieses Verfahren noch diskutiert, an Bandscheiben hingegen gibt es erste Erfahrungen mit Stammzellpräparaten aus dem Beckenkamm. Diese können bei ausgewählten Patienten hilfreich sein, etwa wenn operative Eingriffe vermieden werden sollen. An peripheren Gelenken wie Knie oder Schulter zeigen Stammzellpräparate aus Fettgewebe gute Ergebnisse, am Rücken werden sie jedoch aus Sicherheitsgründen nicht eingesetzt. Insgesamt ergibt sich ein breites Spektrum an diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten, das von der sorgfältigen klinischen Einschätzung über gezielte Infiltrationen bis hin zu modernen regenerativen Verfahren reicht.

Entscheidend ist immer die Kombination aus klinischem Eindruck, Bildgebung, gezielter Testung und der individuellen Reaktion des Patienten, um die tatsächliche Schmerzquelle zu finden und wirksam zu behandeln“. 


Die frühzeitige Erkennung degenerativer Veränderungen spielt eine entscheidende Rolle, wenn man regenerative Therapien an der Wirbelsäule sinnvoll nutzen möchte. Je früher solche Veränderungen entdeckt werden, desto eher befindet sich das betroffene Gewebe noch in einem Stadium, in dem es biologisch ansprechbar ist.


Regenerative Verfahren sollen nicht nur Entzündungen reduzieren, sondern gezielt Reparaturprozesse anstoßen. Dieser Gedanke entstand ursprünglich im Sportbereich, wo man bei Muskel- oder Sehnenverletzungen beobachtete, dass konzentrierte körpereigene Substanzen – etwa Eigenblutpräparate – Heilungsprozesse aktivieren können. 

Die Idee besteht darin, biochemisch hochaktive Bestandteile des eigenen Körpers an eine chronisch gereizte Struktur zu bringen, um dort eine Regeneration einzuleiten, die über eine reine Entzündungshemmung hinausgeht. Das Ziel ist eine längerfristige oder sogar dauerhafte Verbesserung, insbesondere bei Patienten, deren Beschwerden immer wiederkehren und sich mit herkömmlichen Maßnahmen nicht stabil beruhigen lassen.

Prophylaktisch werden solche Verfahren in der Regel nicht eingesetzt, da eine Behandlung nur dann sinnvoll ist, wenn tatsächlich Beschwerden bestehen. In der Praxis kommen regenerative Methoden vor allem dann zum Einsatz, wenn konservative Maßnahmen und Infiltrationen zwar helfen, aber keine dauerhafte Veränderung bewirken. Beispiele finden sich etwa am Iliosakralgelenk oder am Knie: Auch wenn nicht bewiesen ist, dass Knorpel vollständig regeneriert, zeigen viele Patienten eine langfristige Reduktion von Entzündung und Schmerz.

Langzeitbeobachtungen – etwa aus Bologna mit über tausend behandelten Kniepatienten – berichten von guten Ergebnissen über mehrere Jahre hinweg. Manche lassen die Behandlung nach einigen Jahren erneut durchführen, wenn die Beschwerden zurückkehren, um eine Operation hinauszuzögern oder zu vermeiden. In Ländern, in denen Prothesenoperationen schwer zugänglich oder mit langen Wartezeiten verbunden sind, haben regenerative Verfahren zusätzlich an Bedeutung gewonnen. Beispiele zeigen, dass selbst ältere Patienten damit über Jahre hinweg eine gute Lebensqualität erreichen können, ohne sich einer großen Operation unterziehen zu müssen.

Gleichzeitig wird deutlich, dass Gelenkersatz nicht immer die perfekte Lösung ist: Während Hüftprothesen sehr gute Erfolgsraten haben, sind Knieprothesen deutlich komplexer, und ein relevanter Anteil der Patienten hat trotz Operation weiterhin Schmerzen. Auch an der Wirbelsäule ist die Situation kompliziert, da dort viele Gelenke und Strukturen beteiligt sind. Versteifungsoperationen können helfen, führen aber nicht selten zu Folgeproblemen an angrenzenden Segmenten“, macht Dr. Krappel deutlich.

Dr. Krappel Infiltration

Gerade im Bereich der Wirbelsäule eröffnet sich ein breites Feld für regenerative Ansätze, die eine Operation hinauszögern oder in manchen Fällen vermeiden können. 

Hierzu kommentiert Dr. Krappel: „Stammzellpräparate aus dem Beckenkamm werden beispielsweise bei Bandscheibenproblemen eingesetzt, wenn andere Maßnahmen ausgeschöpft sind und eine Versteifung die Lebenssituation stark beeinträchtigen würde. An peripheren Gelenken wie Knie oder Schulter kommen auch Stammzellen aus Fettgewebe zum Einsatz, die dort gute Ergebnisse zeigen. Am Rücken wird diese Methode aus Sicherheitsgründen nicht verwendet, da Fettgewebe potenziell Bakterien enthalten kann und Infektionen in der Bandscheibe unbedingt vermieden werden müssen.

Die infiltrative Therapie hingegen zielt im Kern darauf ab, eine überschießende Entzündungsreaktion zu dämpfen. Bei akuten Problemen – etwa einem Bandscheibenvorfall – steht nicht allein der mechanische Druck im Vordergrund, sondern vor allem die durch das Bandscheibengewebe ausgelöste Entzündungskaskade. Eine Injektion, meist mit Kortison, soll diese Entzündung unterbrechen und kann gerade bei akuten Beschwerden mit hoher Wahrscheinlichkeit helfen.

Bei chronischen Schmerzen ist die Situation komplexer: Häufig liegen arthrotische Veränderungen, eine beginnende Arthritis oder eine Einengung vor, bei der der Nerv keine ,Knautschzone´ mehr hat und dadurch immer wieder gereizt wird. Auch hier entsteht eine Entzündungsreaktion, die sich durch Infiltrationen vorübergehend beruhigen lässt, jedoch nicht zwingend dauerhaft verschwindet“.

Eine Infiltration kann akute Schmerzen so weit reduzieren, dass Physiotherapie und aktive Übungen überhaupt erst möglich werden. In der Praxis zeigt sich häufig, dass Therapeuten gezielt darum bitten, einen Patienten „kurz eine Spritze“ bekommen zu lassen, damit sie anschließend effektiver mit ihm arbeiten können. Dieses Zusammenspiel aus Schmerzreduktion und Bewegung ist ein zentraler Bestandteil der Behandlung. 

Wenn man einem Patienten sagt, er habe ,schwere degenerative Veränderungen an der Wirbelsäule´, ist das im Grunde so, als würde jemand zu ihm sagen, er habe ,schwere degenerative Veränderungen auf der Kopfhaut´, nur weil die Haare ausfallen. Beides beschreibt normale Alterungsprozesse, die ganz selbstverständlich auftreten und nicht automatisch Schmerzen verursachen. Entscheidend ist nicht das radiologische Bild, sondern die individuelle Reaktion des Körpers.

Manche Menschen haben große Bandscheibenvorfälle und nur leichte Beschwerden, während andere bei ähnlichen Befunden kaum laufen können. Die Stärke der Entzündungsreaktion scheint dabei eine wesentliche Rolle zu spielen. Auch bei strukturellen Veränderungen wie einer Spinalkanalstenose zeigt sich, wie unterschiedlich Menschen reagieren. Ein Bergführer berichtet beispielsweise, dass er erst nach drei Stunden Gehen Schmerzen verspürt – trotz eines Befundes, der bei anderen bereits nach wenigen Metern Beschwerden auslösen würde.

Solche Unterschiede machen deutlich, wie wichtig es ist, sich Zeit für die individuelle Situation zu nehmen. Eine sorgfältige Sprechstunde, die nicht unter Klinikzeitdruck steht, ermöglicht es, herauszufinden, was für den jeweiligen Patienten sinnvoll ist und welche Ziele er verfolgt.

Dieses Vorgehen ähnelt dem, was in den Niederlanden als ,Acceptance and Commitment´-Ansatz beschrieben wird: zunächst akzeptieren, wie der aktuelle Zustand ist, dann klären, wohin man möchte, und schließlich gemeinsam festlegen, welche Schritte dafür notwendig sind“, verdeutlicht Dr. Krappel. 

Begleitende Bewegungstherapie spielt eine große Rolle. Zwar ist das Angebot noch nicht überall so integriert, wie es wünschenswert wäre, doch das Ziel ist klar: eine enge Zusammenarbeit zwischen ärztlicher Behandlung und Physiotherapie. 

Dazu erklärt Dr. Krappel: „In manchen Zentren sitzt der Physiotherapeut bereits mit in der Sprechstunde, erstellt direkt einen individuellen Plan und überprüft Bewegungsmuster. Dieses Modell gilt als besonders effektiv, weil der Patient nicht zwischen verschiedenen Stellen pendeln muss und die Behandlung aus einem Guss erfolgt. Bis dieses Niveau erreicht ist, wird zumindest versucht, die Kommunikation zwischen Arzt und Physiotherapie eng zu halten – etwa durch direkte Absprachen, das Weiterleiten von Bildern oder das gemeinsame Festlegen von Therapiezielen.

Gleichzeitig wird offen angesprochen, dass manche Patienten sich ausschließlich eine passive Lösung wünschen und wenig Bereitschaft für Eigenarbeit mitbringen. In solchen Fällen muss klar kommuniziert werden, dass eine rein passive Behandlung oft nicht ausreicht. Andere wiederum sind hochmotiviert und möchten möglichst viel selbst tun. Für sie ist es wichtig, die Therapie schrittweise aufzubauen und Überforderung zu vermeiden.

Ein Beispiel aus der klinischen Erfahrung zeigt, wie wertvoll eine gut eingebundene Physiotherapie sein kann: Eine erfahrene Therapeutin wies während einer Visite darauf hin, dass ein Patient nicht operiert werden sollte, sondern zunächst eine gezielte Therapie benötige – und behielt Recht. Immer wieder wird betont, dass Physiotherapie nicht mit einer reinen Massage verwechselt werden darf. Viele Patienten berichten, sie seien ,massiert´ worden, doch das ersetzt keine strukturierte, aktive Therapie.

Ziel ist es, Beweglichkeit, Stabilität und funktionelle Kontrolle zu verbessern – und genau dafür schafft eine Infiltration oft erst die Voraussetzung, indem sie den Schmerz so weit reduziert, dass der Patient wieder belastbar wird. Auch wenn das Zusammenspiel zwischen ärztlicher Behandlung und Bewegungstherapie noch nicht überall optimal umgesetzt ist, bewegt sich die Entwicklung in die richtige Richtung“. 


Strukturelle Veränderungen an der Wirbelsäule eignen sich besonders dann für regenerative Therapien, wenn sie frühzeitig erkannt werden und das betroffene Gewebe noch biologisch ansprechbar ist.


Regenerative Therapien zeigen erfahrungsgemäß besonders gute Ergebnisse und Patienten, deren Wirbelsäulenbeschwerden biologisch, nicht mechanisch dominiert sind und deren Gewebe noch ausreichend regenerationsfähig ist. Am besten profitieren Menschen, die sich in einem frühen bis mittleren Stadium degenerativer Veränderungen befinden – also dort, wo Verschleiß, Entzündung oder Reizung im Vordergrund stehen, aber noch keine schweren strukturellen Schäden wie Instabilität oder ausgeprägte Nervenkompression vorliegen. 

Es lässt sich gut beschreiben, in welchen Situationen eine Operation tatsächlich notwendig wird. Ein Beispiel aus eigener Erfahrung zeigt das deutlich: Bei einem Bandscheibenvorfall mit starken, elektrisierenden Schmerzen half zunächst eine Infiltration, die den Schmerz deutlich reduzierte. Trotzdem blieb eine Schwäche im Oberschenkel bestehen, sodass Treppensteigen kaum möglich war.

In solchen Fällen muss gemeinsam entschieden werden, ob Geduld und intensives Üben ausreichen oder ob das Risiko einer bleibenden Schädigung zu groß ist. Eine Lähmung hingegen lässt keinen Spielraum – dann ist eine Operation unumgänglich, um dauerhafte Schäden zu verhindern. Ein weiteres klares Kriterium ist ein anhaltender, nicht modulierbarer Dauerschmerz, der sich durch keine Position und keine Maßnahme beeinflussen lässt. Wenn ein solcher Schmerz trotz Infiltrationen und anderer konservativer Behandlungen bestehen bleibt und gleichzeitig ein eindeutiger Befund im MRT vorliegt – etwa ein Bandscheibensequester oder eine ausgeprägte Stenose mit Entzündungsreaktion –, rückt eine Operation schnell in den Vordergrund.

Auch eine ausgeprägte Schwäche kann ein Grund sein, während leichte Sensibilitätsstörungen wie Kribbeln oder Taubheit individuell abgewogen werden müssen. Bei bestimmten Berufsgruppen, etwa einer Balletttänzerin mit einer Schwäche im Großzehenmuskel, kann selbst eine scheinbar kleine Einschränkung ein gravierendes Problem darstellen und eine Operation notwendig machen. Manchmal zeigt sich erst im Verlauf, dass konservative Maßnahmen nicht ausreichen.

Ein Patient mit degenerativer Skoliose und Stenose wurde mehrfach behandelt und erlebte wechselnde Phasen von Besserung und Verschlechterung. Als die Beschwerden nach einer Belastung erneut stark zunahmen und keine dauerhafte Stabilisierung erreicht werden konnte, wurde eine kleine mikrochirurgische Dekompression als sinnvoller nächster Schritt betrachtet. Ziel ist es dabei, nicht vorschnell große Wirbelsäulenoperationen durchzuführen, sondern – wenn nötig – möglichst gezielt und so schonend wie möglich zu operieren, um den erwarteten Nutzen zu erreichen, ohne unnötige Risiken einzugehen“, konstatiert Dr. Krappel und führt weiter aus: 

Es kommt häufig vor, dass Patienten bereits an einzelnen Wirbelsegmenten versteift wurden und im Laufe der Zeit Beschwerden in den angrenzenden Bereichen entwickeln. Auch dann lassen sich nichtoperative Therapien weiterhin einsetzen. Viele Menschen profitieren trotz bestehender Versteifungen von gezielten Maßnahmen wie Radiofrequenzbehandlungen oder Infiltrationen, die Schmerzen in den Nachbarsegmenten deutlich lindern können.

Ein Beispiel zeigt das gut: Eine Patientin mit mehreren Versteifungen an Hals und Lendenwirbelsäule erhielt zunächst eine Radiofrequenzbehandlung und später eine PRPInjektion. Damit war sie über viele Monate nahezu beschwerdefrei, bevor die Schmerzen langsam zurückkehrten. Für sie ist dieses Vorgehen stimmig, weil die Alternative eine deutlich größere Operation wäre. Gerade Patienten, die bereits mehrere Eingriffe hinter sich haben, wissen, dass jede zusätzliche Versteifung neue Belastungen für die angrenzenden Segmente mit sich bringt und das Risiko für weitere Probleme steigt.

Deshalb ist es sinnvoll, zunächst alle nichtoperativen Möglichkeiten auszuschöpfen, bevor über größere operative Schritte nachgedacht wird. Genau diese Patientengruppe bildet einen wesentlichen Teil derjenigen, die nach schonenden, gezielten Behandlungsoptionen suchen, um ihre Beschwerden zu kontrollieren, ohne sofort eine weitere große Operation in Kauf nehmen zu müssen“. 


Am Standort Brig steht die gesamte notwendige Diagnostik direkt zur Verfügung. Wenn ein Patient mit einem akuten Problem kommt, kann unmittelbar ein MRT durchgeführt, der Befund beurteilt und – sofern nötig – direkt die passende Therapie eingeleitet werden. Bis auf PET‑Untersuchungen, die nur in speziellen Fällen wie Tumoren oder unklaren Entzündungen erforderlich sind, ist alles vor Ort vorhanden. Das Ziel ist, dass der Patient untersucht, befragt, diagnostisch abgeklärt und behandelt wird, ohne lange Wege oder Wartezeiten.


Leben bedeutet Bewegung! 

Zum Abschluss unseres Gesprächs empfiehlt Dr. Krappel deutlich: „Leben bedeutet Bewegung, und Bewegung ist Leben. Diese scheinbar banale Aussage trifft den Kern. Bei einer Fortbildung wurde die Frage gestellt, welche Form der Physiotherapie die beste sei. Ein Professor aus Harvard brachte es auf den Punkt: Wenn Menschen täglich mindestens eine halbe Stunde spazieren gehen, tun sie bereits etwas sehr Gutes für ihre Wirbelsäule!“. 

Herzlichen Dank, Dr. Krappel, für diese wichtigen Informationen zur Therapie der Wirbelsäule! 


  • International ausgebildeter Orthopäde, Wirbelsäulenchirurg und Schmerztherapeut mit langjähriger Erfahrung
  • Leiter des Zentrums für Wirbelsäule, Regenerative Medizin und Schmerztherapie in der Affidea Brig
  • Spezialisiert auf bildgesteuerte Infiltrationen, Radiofrequenztherapie und moderne regenerative Verfahren (PRP, MSC, Lipogems)
  • Umfassende Expertise in Osteoporose‑ und Sarkopeniediagnostik inkl. DXA‑Messung und Risikoprofilen
  • Ganzheitlicher, patientenzentrierter Ansatz mit Fokus auf konservative und multimodale Schmerztherapie
  • Hohe operative Kompetenz in minimal‑invasiver Wirbelsäulenchirurgie, Bandscheibenprothetik, dynamischer Neutralisation, Kyphoplastie und mikrochirurgischen Eingriffen
  • Aktiv in internationalen Fachgesellschaften und engagiert in der regionalen ärztlichen Versorgung (Präsident der Oberwalliser Ärztegesellschaft)