Dr. med. Sebastian Lamm ist ein erfahrener und engagierter Spezialist für minimalinvasive und robotergestützte Viszeralchirurgie am Kantonsspital Baselland, Koordinator des dortigen Referenzzentrums für Hernienchirurgie und Leiter des chirurgischen daVinci-Programms. Mit seiner Expertise in modernsten Operationsmethoden, insbesondere dem daVinci-Operationsroboter, setzt er neue Maßstäbe in der schonenden und präzisen Behandlung von Hernien und garantiert eine erstklassige Versorgung seiner Patienten.
Sein Behandlungskonzept basiert auf minimalinvasiven Eingriffen, die durch den Einsatz robotergestützter Verfahren wie der eTEP- und rTAPP-Technik eine schonende Netzplatzierung in der Bauchwand ermöglicht. Durch das geringere OP-Trauma reduzieren sich Schmerzen, Nebenwirkungen und am Ende auch die Erholungszeit. Besonders bei komplexen Hernienoperationen sowie bei der Behandlung von Rektusdiastasen nutzt Dr. Lamm die Vorteile der robotischen Chirurgie, um optimale Ergebnisse mit minimaler Belastung zu erzielen.
Neben seiner klinischen Tätigkeit legt Dr. Lamm großen Wert auf die Ausbildung und Weiterbildung junger Chirurgen im Bereich der robotergestützten Viszeralchirurgie. Durch regelmäßige Workshops und Schulungen fördert er den Wissenstransfer und trägt maßgeblich dazu bei, modernste Operationsverfahren in der Schweiz weiter zu etablieren. Mit seiner innovativen Herangehensweise und tiefen Fachkompetenz bietet Dr. med. Sebastian Lamm seinen Patienten eine hochmoderne, individuelle Behandlung, die bestmögliche Therapieergebnisse mit größtmöglichem Patientenwohl vereint.
Zur komplexen Bauchwandchirurgie mithilfe des daVinci Roboters konnte die Redaktion des Leading Medicine Guide mit dem renommierten Viszeralchirurgen Dr. med. Sebastian Lamm in einem Gespräch mehr erfahren, der im Kantonsspital Baselland seit fast zehn Jahren mit Robotik arbeitet.

Die daVinci-Chirurgie hat die minimalinvasive Chirurgie revolutioniert und eröffnet völlig neue Möglichkeiten, insbesondere in der komplexen Bauchwandchirurgie. Durch den Einsatz des hochpräzisen Operationsroboters können Eingriffe wie Hernienoperationen und Rekonstruktionen der Bauchwand mit größter Genauigkeit und minimalem Gewebetrauma durchgeführt werden. Diese innovative Technik ermöglicht eine bessere Sicht, feinere Bewegungen und eine schonendere Behandlung, was zu schnelleren Genesungszeiten und einer deutlichen Verbesserung der Patientenerfahrung führt. Insbesondere bei komplexen Fällen bietet die robotergestützte Bauchwandchirurgie einen bedeutenden Fortschritt gegenüber herkömmlichen Verfahren.
Durch die dreidimensionale und hochauflösende Bildgebung erhält der Chirurg ein vergrößertes, räumliches Sichtfeld, das weit über die Möglichkeiten der herkömmlichen Laparoskopie hinausgeht. Dies ermöglicht eine deutlich bessere Orientierung im Operationsgebiet und erleichtert das Erkennen von Gewebestrukturen, Nerven und Gefäßen.
„Bei den Vorteilen des robotergestützten Verfahrens, insbesondere bei komplexen Bauchwandbrüchen, ermöglicht die Technik Operationen, die mit herkömmlicher Schlüssellochtechnik nicht durchführbar wären. Mit drei kleinen Zugängen kann die Kamera sowie der Roboterarm eingesetzt werden. Die Instrumente sind dabei sehr beweglich und übertragen die Bewegungen des Operateurs bis ins Ellenbogengelenk. Dadurch sind präzise und technisch anspruchsvolle Eingriffe möglich, die vorher nicht oder nur schwer minimalinvasiv realisierbar waren. Für den Operateur bietet das System den großen Vorteil, dass eine umfassende Vorbereitung am Simulator möglich ist. Im Gegensatz zur früheren Schlüssellochtechnik, bei der vieles ,Learning by Doing´ war, können heutige Chirurgen an speziellen Simulatoren komplette Trainingsprogramme absolvieren, inklusive leichter Operationen, um den Umgang mit Instrumenten und Kameraführung zu perfektionieren. Diese Trainingsmöglichkeit sorgt dafür, dass der Operateur sehr gut vorbereitet an den Patienten herangeht – vergleichbar mit einem Piloten, der in der Ausbildung intensiv im Simulator trainiert hat“, schildert Dr. Lamm und erklärt noch einiges zu den nötigen Trainingsmaßnahmen am Roboter:
„Die Ausbildung ist strukturiert: Es gibt von der Herstellerfirma festgelegte Simulationen, die mit einer bestimmten Punktzahl abgeschlossen werden müssen. Zusätzlich erfolgt ein Training an Modellen oder in speziellen Trainingszentren. Bis zum ersten Einsatz am Patienten ist somit ein längerer Lernprozess nötig. Dieser umfasst verschiedene Kurse, die schrittweise schwerere Eingriffe vorbereiten – angefangen bei einfacheren Operationen bis hin zu komplexeren Bauchwandbrüchen. Darüber hinaus ist eine enge Begleitung durch erfahrene Trainer vorgeschrieben. Zu Beginn findet eine Beobachtungsphase in einem erfahrenen Zentrum statt, gefolgt von praktischer Begleitung im eigenen Krankenhaus. Dabei kann der Trainer über eine zweite Konsole direkt in den Eingriff eingreifen oder Anweisungen geben. So wird ein sicherer und strukturierter Einstieg in die robotergestützte Chirurgie gewährleistet“. 
Die robotergestützte Technik verbessert die Präzision und Sicherheit bei Hernienoperationen erheblich, insbesondere bei komplexen Eingriffen wie Leisten-, Nabel- und Narbenbrüchen sowie der Behandlung von Rektusdiastasen.
„Wichtig ist zunächst, klarzustellen, dass der Begriff ,Roboter´ in diesem Zusammenhang etwas irreführend ist. Anders als oft angenommen besitzt der Roboter keine künstliche Intelligenz und führt keine Operationen eigenständig durch. Stattdessen ist er eine unterstützende Technologie, die vom Operateur vollständig gesteuert wird. Der Operateur bedient eine Konsole, von der aus er die Instrumente steuert. Diese Instrumente sind so gelenkig und beweglich, dass sie alle Bewegungen, die bei einer offenen Operation möglich wären, auch minimalinvasiv und robotisch nachbilden können. Ein großer Vorteil ist zudem der dreidimensionale Blick, den der Operateur durch zwei Kameras erhält. Er sieht das Operationsfeld quasi wie durch ein Mikroskop mit deutlicher Vergrößerung. Gleichzeitig sorgt die Stabilisierung der Kamera für ein ruhiges Bild, das der Operateur selbst kontrolliert. Dadurch kann er das Bild genau nach seinen Bedürfnissen ausrichten und hat jederzeit optimale Sicht. Im Gegensatz zur herkömmlichen Schlüssellochchirurgie, bei der oft ein Assistent die Kamera hält und somit das Bild weniger stabil und individuell ausgerichtet ist, steuert der Operateur hier komplett selbst die Kamera und die Instrumente. So arbeitet er weitgehend alleine mit einem sehr stabilen und optimalen Bild, was die Präzision während der Operation erheblich verbessert“, macht Dr. Lamm deutlich.
Die minimalinvasive Methode mit kleineren Zugängen reduziert Gewebebelastung, postoperative Schmerzen und Entzündungen und fördert eine schnellere Genesung. Bei Rektusdiastasen sorgt der Roboter durch präzise Schnitte und Nähte für eine schonende Korrektur mit verbessertem funktionellem und ästhetischem Ergebnis.
Der Einsatz der daVinci-Technologie bei der Bauchwandchirurgie ist besonders empfehlenswert und oft notwendig bei komplexen Fällen, in denen herkömmliche minimalinvasive Verfahren an ihre Grenzen stoßen. Das betrifft vor allem große, mehrfach rezidivierende oder komplizierte Narbenhernien. 
Dr. Lamm betont an dieser Stelle: „Meiner Meinung nach sind die komplexen, modernen OP-Techniken, bei denen man hinter den Muskel oder zwischen das Bauchfell und die Muskelscheide gelangt, praktisch nur robotisch umsetzbar. Zwar gibt es erfahrene Chirurgen, die solche Eingriffe teils auch minimalinvasiv mit der Schlüssellochtechnik durchführen, doch das ist extrem anspruchsvoll, erfordert viel Erfahrung, Konzentration und verlängert die Operationsdauer erheblich. Deshalb eignen sich diese komplexen Techniken vor allem für den Einsatz des Roboters – nicht, weil sie mit der Schlüssellochtechnik unmöglich wären, aber robotisch deutlich besser operiert werden können. Und was die OP-Dauer betrifft, so ist der Roboter besonders effizient, zum Beispiel bei der Naht der Bauchwand, wo viele Stiche erforderlich sind. Zwar gilt häufig der Vorbehalt, dass robotische Eingriffe länger dauern, doch in etablierten Zentren ist das Gegenteil der Fall: Komplexe Bauchwandoperationen dauern heute meist anderthalb bis zwei Stunden, früher konnten sie fünf bis sechs Stunden dauern. Durch den Erfahrungsaustausch in der kleinen Community der Roboterchirurgen hat sich die Technik stark verbessert, sodass robotisch operierte Eingriffe inzwischen schneller sind als herkömmliche minimalinvasive Operationen. Die kurze Zeit für das Einrichten des Roboters zum Start der Operation von wenigen Minuten fällt kaum noch ins Gewicht. Für den Patienten bedeutet der Einsatz des Roboters eine schonendere Operation. Statt eines großen Bauchschnitts mit Muskelablösung und großflächiger Netzimplantation genügen nur wenige kleine Schnitte, was die Liegedauer halbiert und Komplikationen wie Nachblutungen und Infektionen deutlich reduziert. Auch der Schmerz ist in der Regel geringer, was zwar noch wissenschaftlich genauer untersucht wird, aber von Operateuren und Patienten subjektiv bestätigt wird. Dies liegt daran, dass die Instrumente des Roboters präzise und stabil arbeiten, ohne unnötige Belastung der Bauchdecke. Zudem können viele moderne Eingriffe erst mit dem Roboter technisch umgesetzt werden, was allein schon ein großer Vorteil ist. Insgesamt ist die robotergestützte Operation mindestens ebenso schonend und oft sogar besser als herkömmliche Verfahren“. 
Im Rahmen der robotischen Bauchwandchirurgie kommen spezialisierte Techniken wie die eTEP (Extended Totally Extraperitoneal Repair) und die rTAPP (robotisch-transabdominelle präperitoneale Patchplastik) zum Einsatz, die beide innovative Ansätze zur Behandlung von Hernien darstellen.
Die eTEP-Technik repariert Bauchwandbrüche ohne Eröffnung der Bauchhöhle, indem ein extraperitonealer Raum geschaffen und der Bruch mit einem Netz verstärkt wird. Die robotische Unterstützung sorgt für hohe Präzision und schont innere Organe, wodurch Schmerzen und Komplikationen reduziert werden. Die rTAPP-Technik verbindet die transabdominelle präperitoneale Reparatur mit der genauen Robotersteuerung, die eine exakte Platzierung und Fixierung des Netzes ermöglicht.
„Die Techniken eTEP und rTAPP beziehen sich auf spezielle robotisch unterstützte Verfahren zur Verstärkung von Bauchwandbrüchen, insbesondere über die gesamte Länge der geraden Bauchmuskeln. Ein typisches Beispiel ist der Narbenbruch, der nach einer offenen Operation entstehen kann, etwa nach einem Darmverschluss oder einer Gefäßoperation an der Hauptschlagader. Dabei reißt die Muskelhaut ein, und Darm tritt unter die Haut durch – das nennt man Narbenbruch. Zur Reparatur wird die Mittellinie verschlossen und zur Stabilisierung ein Netz über die gesamte Länge des betroffenen Muskels eingebracht. Früher erfolgte diese Versorgung mit einem Bauchschnitt, heute kann das Netz über den Roboter minimalinvasiv und sehr präzise eingebracht werden. Das Netz wird dabei fein zusammengerollt in den Körper eingeführt und dort entfaltet – Größen von 30 x 20 Zentimeter oder mehr sind möglich. Die Nahttechnik ähnelt der offenen Methode. Der große Vorteil liegt darin, dass der Patient keinen Bauchschnitt benötigt und somit ein deutlich geringeres Operationstrauma entsteht. Der Zugang erfolgt von hinten, ohne große Durchtrennungen, was die Erholungszeit verkürzt. Verwendet werden meist die üblichen Kunststoffnetze, wie sie auch bei offenen oder minimalinvasiven Eingriffen eingesetzt werden. Bei jüngeren Patienten, etwa Frauen mit Rektusdiastase, kommen zunehmend bioresorbierbare Netze zum Einsatz. Diese Netze lösen sich im Körper im Laufe der Zeit auf und werden idealerweise durch körpereigenes Kollagen ersetzt, sodass letztlich ein körpereigenes Netz entsteht. Die bisherigen Daten sind vielversprechend, langfristig ist jedoch noch unklar, ob sie dieselbe Stabilität wie herkömmliche Polypropylen-Netze bieten. Ein weiterer Vorteil bioresorbierbarer Netze liegt darin, dass sie keinen dauerhaften Fremdkörper aus Plastik hinterlassen. Angesichts der Diskussion um Mikroplastik ist das für manche Patienten ein wichtiger Aspekt. Sollte sich diese Technik weiter etablieren, könnten in Zukunft Plastiknetze seltener zum Einsatz kommen“, verdeutlicht Dr. Lamm.
Die Integration der daVinci-Chirurgie trägt entscheidend zur langfristigen Vermeidung von Komplikationen und Rezidiven bei komplexen Hernien bei, indem sie eine außergewöhnlich präzise und schonende Operationsführung ermöglicht.
„Die modernen robotergestützten Verfahren ermöglichen technisch mindestens ebenso gute Ergebnisse wie die offenen Operationen. Ob sie langfristig sogar bessere Resultate liefern, ist bisher noch nicht abschließend geklärt. Offene Eingriffe sind zwar sehr präzise, erfordern jedoch größere Gewebetraumata, da der Muskel weit geöffnet werden muss. Dabei ist wichtig zu verstehen, dass jeder chirurgische Eingriff eine gewisse Körperverletzung darstellt, die so gering wie möglich gehalten werden sollte. Im direkten Vergleich zeigt sich deutlich, dass Patienten nach offenen Operationen oft mühsam aus dem Bett kommen, während Patienten nach robotisch assistierten Eingriffen noch am gleichen Tag deutlich mobiler sind und nur kleine, etwa acht Millimeter große Schnitte vorweisen. Dieser Unterschied wirkt sich nicht nur auf die Schmerzen aus, sondern verringert auch das Risiko von Wundinfektionen und Nachblutungen erheblich“, betont Dr. Lamm. 
Foto Patienten sind schneller mobil_KI generiert
Bei sehr großen Narbenbrüchen mit sogenanntem „Loss of Domain“, bei dem ein großer Teil der Organe wie Darm, Magen oder Bauchspeicheldrüse durch die Bauchwand austritt und nur noch 50 bis 60 Prozent der Organe im Bauchraum verbleiben, sind offene Operationen oft unvermeidlich.
Dr. Lamm erläutert hierzu: „In solchen Fällen bestehen Volumenprobleme, die spezielle Kombinationen von OP-Techniken erfordern. Allerdings zeigt der Trend klar in Richtung minimalinvasiver Verfahren, bei denen man beispielsweise die seitliche Muskulatur ablöst oder mit Botox die Dehnbarkeit der Muskeln verbessert, um den Bauchraum besser zu verschließen. Die Mehrheit der Fälle, etwa 90 Prozent, lässt sich heute minimalinvasiv behandeln, während die komplexen Ausnahmefälle meist offen operiert werden müssen. Übergewichtige Patienten profitieren besonders von den robotisch unterstützten Eingriffen, da bei ihnen das dicke Unterhautfettgewebe nicht wie bei offenen Operationen durchtrennt werden muss. Stattdessen wird minimalinvasiv hinter den Muskeln operiert, was eine schonende Behandlung ermöglicht. Da stark übergewichtige Patienten jedoch generell ein höheres Risiko für Komplikationen haben, ist eine Gewichtsreduktion vor der Operation ideal, auch wenn dies in der Praxis oft schwer umzusetzen ist. Zwar gibt es moderne Medikamente wie die Abnehmspritzen, die Gewichtsreduktion in überschaubarer Zeit erleichtern können, doch deren Verfügbarkeit und Integration in den Alltag sind noch begrenzt. Die Bedeutung der Gewichtsreduktion zeigt sich aber auch darin, dass das Risiko für das Wiederauftreten eines Bruchs (Rezidiv) bei adipösen Patienten deutlich höher ist, da der erhöhte Druck im Bauchraum, vor allem bei Männern mit hohem Bauchfettanteil, die Rekonstruktion stärker belastet. Daher bleibt die Optimierung des Körpergewichts ein wichtiger Faktor für den langfristigen Erfolg der Hernienchirurgie“.
Im Kantonsspital Baselland werden zunehmend mehr Hernienoperationen mit dem daVinci-Robotersystem durchgeführt. Bereits über die Hälfte aller Narbenbrüche werden robotisch behandelt, mit dem Ziel, diesen Anteil weiter zu steigern. Die Patienten tragen dabei keine zusätzlichen Kosten für den Einsatz des Roboters, obwohl das System teuer ist.
„Im vergangenen Jahr wurden bei uns mehr als 200 robotische Hernienoperationen durchgeführt, mit einem jährlichen Zuwachs von etwa 15 Prozent. Wir verfügen über ein sehr erfahrenes und eingespieltes Team. Selbst bei einfachen Eingriffen wie Leistenbrüchen überzeugt, dass die robotische Technik eine deutlich präzisere Operation ermöglicht. Während die herkömmliche Schlüssellochtechnik oft Kompromisse erfordert, da sie technisch begrenzt ist, erlaubt der Roboter eine minimalinvasive Durchführung, die der offenen Operation in Präzision und Technik sehr nahekommt. So können wir zum Beispiel Netze mit auflösenden Nähten fixieren, obwohl dies laut Leitlinie nicht zwingend vorgeschrieben ist. Diese Details verbessern das Resultat langfristig, weil die präzise Fixierung die Stabilität verbessert und die präzise Operationstechnik Komplikationen wie Nervenschädigungen oder Nachblutungen zu vermeiden hilft. Unsere Erfahrungen spiegeln sich auch im HerniaMed-Register wider, einem deutschen Qualitätsregister zertifizierter Zentren: Im Vergleich zu offenen Eingriffen zeigen sich bei uns weniger Komplikationen. Dies liegt weniger an der Qualität offener Operationen, sondern vielmehr daran, dass minimalinvasive, robotisch gestützte Verfahren schonender und sicherer sind – ein Trend, der sich nicht nur bei uns, sondern bundesweit bestätigt“, konstatiert Dr. Lamm und fokussiert am Ende unseres Gesprächs auf die weitere Entwicklung der Robotik:
„Robotische Operationssysteme werden in den kommenden Jahren sicherlich deutlich günstiger werden, da langsam Konkurrenzprodukte auf den Markt kommen. Aktuell ist der daVinci-Roboter zwar unangefochtener Marktführer und das einzige System, dass seit nun 20 Jahren im klinischen Alltag im Einsatz ist. Neue Systeme anderer Hersteller sind bislang noch nicht auf dem Niveau wie der daVinci, doch wie bei jedem Monopolbruch führt der Wettbewerb langfristig zu einem Innovationsschub und deutlichen Kostensenkungen. Zwar kostet eine robotisch unterstützte Operation derzeit etwa 1.000 Euro mehr für Materialkosten und je nach Auslastung des Systems 1.000 Euro mehr für die Benutzung (Kauf, Wartung) als eine Standardoperation – eine Summe, die von der Auslastung des Geräts abhängt und auf den ersten Blick hoch erscheint. Langfristig relativiert sich dieser Mehraufwand jedoch deutlich: Denn vermeidet man durch präzisere und schonendere Eingriffe Folgeoperationen, Nachblutungen oder längere Krankenhausaufenthalte, spart das auch Kosten für das Gesundheitssystem und erspart Patienten unangenehme Erfahrungen und Komplikationen. Verglichen mit anderen medizinischen Innovationen, wie etwa dauerhafte Kosten für teure Medikamente, sind die einmaligen Mehrkosten einer robotischen Operation sozioökonomisch wahrscheinlich nicht nennenswert. Chirurgischer Fortschritt entsteht ja immer erst durch die Einführung neuer Techniken. So wurde die Gallenblasen-OP früher offen durchgeführt, dann kam die Schlüssellochtechnik, die anfangs mehr Komplikationen verursachte und Anfangs viel Kritik erntete. Sie leitete dann aber die Ära der minimalinvasiven Chirurgie ein und bis heute profitieren Patienten dadurch. Diese anfänglichen Schwierigkeiten hat es bei der Einführung der Robotik nie gegeben, da die Operateure bereits erfahrene minimalinvasive Chirurgen waren und keine unerfahrenen Einsteiger. Die Robotik ist zwar eine neue Technik, die erlernt werden muss, und ein schneller Wechsel zwischen Schlüsselloch- und Robotertechnik ist mit einer gewissen Lernkurve verbunden, aber grundsätzlich bleibt es technisch ähnlich. Wird die Implementierung also mit dem oben beschriebenen Training und dem Coaching verknüpft, so ist sie komplikationsfrei in den Alltag implementierbar“.
Vielen Dank, Herr Dr. Lamm, für diesen informativen Ausflug in die Welt der robotischen Chirurgie!
