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Innovative Behandlungen für Fuß und Sprunggelenk: Experteninterview mit Dr. med. Attila Vásárhelyi

21.04.2025

Dr. med. Attila Vásárhelyi ist Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates mit besonderer Expertise in der Fuß- und Sprunggelenkchirurgie sowie in der Endoprothetik von Hüfte und Knie. In seiner Praxis in Biel/Schweiz bietet er innovative, minimalinvasive Verfahren zur Behandlung komplexer Fehlstellungen, degenerativer Erkrankungen und sportbedingter Verletzungen der unteren Extremitäten.

Er ist spezialisiert auf knochensparende OSG-Prothesen sowie auf präzise Vor- und Rückfußkorrekturen. Mit langjähriger Erfahrung als Leiter der Fuß- und Sprunggelenkchirurgie genießt Dr. Vásárhelyi einen exzellenten Ruf. Als Belegarzt der Hirslanden Klinik Linde und des Spitals Aarberg gewährleistet er eine individuelle, hochwertige Versorgung. Er ist Mitglied namhafter Fachgesellschaften wie Swiss Orthopaedics, D.A.F. und EFAS und bleibt so stets wissenschaftlich auf dem neuesten Stand. Dank seiner Mehrsprachigkeit (Deutsch, Englisch, Französisch, Schweizerdeutsch, Ungarisch) betreut er Patienten aus verschiedensten kulturellen Hintergründen.

Dr. Vásárhelyi ist eine der führenden Adressen in der Region Biel für orthopädische Chirurgie und bietet seinen Patienten maßgeschneiderte und innovative Lösungen für die Behandlung von Fuß-, Sprunggelenk-, Hüft- und Knieerkrankungen. Sein Ziel ist es, die Lebensqualität seiner Patienten nachhaltig zu verbessern und ihnen eine schnelle und erfolgreiche Genesung zu ermöglichen.

Zu minimalinvasiven Korrekturen des Vor- und Rückfußes und zu Prothesen für das Obere Sprunggelenk konnte die Redaktion des Leading Medicine Guide mit Dr. Vásárhelyi sprechen.

Dr. med. Attila Vásárhelyi

Die moderne orthopädische Chirurgie hat in den letzten Jahren enorme Fortschritte gemacht, insbesondere bei der Behandlung von Erkrankungen des Fuß- und Sprunggelenks. Innovative Verfahren wie knochensparende OSG-Prothesen und minimalinvasive Korrekturen von Vor- und Rückfuß bieten den Patienten neue Hoffnung auf eine schmerzfreie Zukunft und eine verbesserte Lebensqualität. 

Die Notwendigkeit einer OSG-Prothese (Oberes Sprunggelenk-Prothese) sowie die Entstehung von Vor- und Rückfußfehlstellungen können durch verschiedene Ursachen bedingt sein, die oft im Laufe der Zeit oder aufgrund von Verletzungen entstehen. 

OSG-Prothesen (Prothesen des oberen Sprunggelenks) werden heutzutage vor allem bei fortgeschrittener Arthrose des Sprunggelenks eingesetzt. Diese Erkrankung geht mit einem fortschreitenden Abbau des Gelenkknorpels und der normalen Gelenkstruktur einher. Die betroffenen Patienten leiden häufig unter tiefsitzenden Gelenkschmerzen, Bewegungseinschränkungen und einer deutlichen Beeinträchtigung der Gehfähigkeit. Viele von ihnen müssen humpeln und können sportlichen Aktivitäten nicht mehr wie gewohnt nachgehen. In etwa 90 % der Fälle entsteht die Arthrose infolge von Bandverletzungen oder Frakturen. Besonders häufig sind wiederholte Umknicktraumata, die zu einer chronischen Instabilität des Sprunggelenks führen können. Ebenfalls ursächlich sind Frakturen im Bereich des Sprunggelenks – beispielsweise isolierte Außenknöchelbrüche (Fibulafrakturen) bis hin zu komplexen Kombinations- oder Luxationsfrakturen, bei denen sowohl der Außen- als auch der Innenknöchel betroffen ist“, erklärt Dr. Vásàrhelyi zu Beginn unseres Gesprächs.

Die Symptome einer OSG-Arthrose oder von Vor- und Rückfußfehlstellungen äußern sich meist durch Schmerzen, insbesondere bei Bewegung oder Belastung des betroffenen Fußes. 

Bei der OSG-Arthrose kommen oft auch Schwellungen, Steifheit und eingeschränkte Beweglichkeit des Sprunggelenks hinzu. Bei Fehlstellungen im Vor- oder Rückfuß sind häufig Deformitäten sichtbar, und es kommt zu Beschwerden wie Schmerzen beim Gehen, Druckstellen oder Schwierigkeiten beim Finden geeigneten Schuhwerks. In schweren Fällen können Fehlstellungen zu einer Fehlbelastung des gesamten Bewegungsapparates führen, was wiederum zu weiteren Beschwerden in den Knien, Hüften oder dem Rücken führen kann. 

In der heutigen klinischen Praxis beobachten wir, dass Patienten mit Bandverletzungen am Sprunggelenk, insbesondere nach einer Außenbandruptur, häufig erst sehr spät einen spezialisierten Fußchirurgen aufsuchen. Das liegt unter anderem daran, dass sich der konservative Behandlungsansatz – also ohne operative Versorgung – bei Bandverletzungen weitgehend durchgesetzt hat. In vielen Fällen wird davon ausgegangen, dass die Verletzung auch ohne chirurgischen Eingriff gut ausheilt, sodass die Zuweisung an einen Spezialisten oft unterbleibt. Allerdings zeigen Studien und klinische Erfahrung, dass etwa 10 % der Betroffenen nach einer Bandverletzung eine chronische Instabilität entwickeln. Diese Patienten benötigen oft eine lange Zeit, bis sie den richtigen Spezialisten erreichen, der die Problematik erkennt. In Fällen, in denen noch keine Arthrose entstanden ist, kann durch eine operative Bandstabilisierung eine gute Funktion des Sprunggelenks wiederhergestellt werden. Problematisch ist jedoch, dass manche Betroffene so lange mit ihrer Instabilität leben, bis bereits ein manifester Knorpelschaden vorliegt – also eine Arthrose – bevor sie sich in ärztliche Behandlung begeben. In solchen Fällen kann eine einfache Bandrekonstruktion nicht mehr ausreichen. Anders stellt sich die Situation bei Frakturen des Sprunggelenks dar. Diese werden in der Regel frühzeitig erkannt und in spezialisierten Einrichtungen behandelt – häufig operativ. Nach einer gelungenen Versorgung sind die Patienten oft zunächst beschwerdefrei. Dennoch treten bei einem Teil der Betroffenen nach einigen Jahren – typischerweise im Zeitraum von zwei bis zehn Jahren – erneut Beschwerden auf. Kontrolluntersuchungen zeigen dann häufig bereits degenerative Veränderungen im Sinne einer Arthrose. Ab einem fortgeschrittenen Arthrosegrad (Grad IV) kommt eine Versorgung mit einer OSG-Prothese in Betracht. Diese Patienten sind in der Regel bereits in fußchirurgischer Behandlung und werden dann im Rahmen einer sogenannten Sekundärbehandlung weiterführend versorgt“, schildert Dr. Vásàrhelyi.

Knochensparende OSG-Prothesen (Oberes Sprunggelenk-Prothesen) unterscheiden sich von traditionellen Sprunggelenkersatzverfahren hauptsächlich durch den Erhalt des natürlichen Knochens und die Schonung des umliegenden Gewebes. 

Im Vergleich zu Hüft- und Knieendoprothesen war die Entwicklung der Sprunggelenkprothesen über viele Jahrzehnte hinweg von begrenztem Erfolg geprägt. Die biomechanischen Anforderungen an das Sprunggelenk sind besonders hoch: Es muss komplexe Gleit- und Drehbewegungen unter hohen Druckbelastungen aushalten – teils sogar höheren als im Hüftgelenk. Das machte es lange Zeit schwierig, ein dauerhaft stabiles und funktionelles Prothesensystem zu entwickeln.

Hierzu kommentiert Dr. Vásàrhelyi: „In den letzten 10 bis 15 Jahren hat sich viel getan. Durch digitale Technologien und präzise biomechanische Analysen konnten moderne Prothesen deutlich verbessert werden. Heute kommen vor allem dreikomponentige Prothesen zum Einsatz, die sich durch eine knochensparende Implantation und hohe Funktionalität auszeichnen. Ein entscheidender Fortschritt liegt in der patientenspezifischen Operationsplanung. Vor dem Eingriff werden CT-Aufnahmen des betroffenen Sprunggelenks angefertigt. Diese Daten dienen dazu, eine individuelle, digitale 3D-Planung durchzuführen. Dabei werden unter anderem die Korrektur der Beinachse, die exakte Größe der Prothese sowie die minimal notwendige Knochenresektion festgelegt. Auf Grundlage dieser Planung werden anschließend patientenspezifische Schnittschablonen (sogenannte Lehren) mittels 3D-Druck hergestellt. Diese Schablonen werden während der Operation exakt auf das Schienbein und das Sprungbein des Patienten aufgesetzt und ermöglichen millimetergenaue Knochenschnitte – genau so, wie sie in der digitalen Planung vorgesehen waren. Dieses Verfahren macht die Operation nicht nur sicherer und präziser, sondern auch knochenschonender. Es trägt entscheidend zur verbesserten Haltbarkeit und Funktionalität moderner Sprunggelenkprothesen bei und markiert einen bedeutenden Fortschritt gegenüber älteren Verfahren“.

In Bezug auf das Material von OSG-Prothesen kommen heute moderne, hochentwickelte Werkstoffe zum Einsatz. Häufig werden Materialien wie Titan, Kobalt-Chrom-Legierungen oder spezielle Keramik-Materialien verwendet. Diese bieten eine hohe Biokompatibilität, das heißt, sie sind besonders gut verträglich mit dem menschlichen Körper und verursachen selten Abstoßungsreaktionen. Die Auswahl des Materials hängt von den individuellen Bedürfnissen des Patienten sowie der Erfahrung des Chirurgen ab.

Die heutigen Prothesen bestehen aus drei Hauptkomponenten, die biomechanisch sehr gut aufeinander abgestimmt sind und dabei möglichst viel von der natürlichen Gelenkfunktion erhalten. Auf der Schienbeinseite implantieren wir die sogenannte Tibia-Basis, eine Komponente aus einer speziell beschichteten Titanlegierung. Dieses Material ist besonders gut verträglich und ermöglicht eine stabile, zementfreie Verankerung durch Einwachsen in den Knochen. Zwischen dieser oberen Komponente und der unteren, die auf das Sprungbein aufgebracht wird, liegt ein Polyethylen-Inlay. Dabei handelt es sich um einen hochvernetzten Kunststoffkern aus ultrahochmolekularem Polyethylen, der durch seine geringe Abriebneigung überzeugt. Geringer Abrieb ist für uns ein entscheidender Faktor, denn Abriebpartikel können im Laufe der Zeit zur Lockerung der Prothese führen, was unter Umständen eine erneute Operation notwendig macht“, so Dr. Vásàrhelyi und ergänzt:

Die untere Komponente, der sogenannte Talus-Dom, bedeckt das Sprungbein und besteht ebenfalls aus Metall mit einer titanbeschichteten Oberfläche zur zementfreien Fixierung. Damit erreichen wir eine sehr gute Integration der Prothese in den umliegenden Knochen, ohne dass zusätzliche Zemente notwendig sind. Während frühere Prothesen im Bereich der Prothesenverankerung noch lange Metallstifte oder Blöcke erforderten, die viel Knochenmaterial zerstörten, arbeiten wir heute mit sehr kleinen, kurzen Antirotationsstiften. Diese sichern die Prothese zuverlässig, verursachen aber kaum Knochenverlust – ein großer Vorteil, gerade auch im Hinblick auf mögliche spätere Revisionseingriffe. Wir setzen diese moderne, patientenspezifisch geplante Prothesentechnologie seit etwa fünf Jahren routinemäßig ein. Möglich ist das durch eine präzise, computergestützte Operationsplanung auf Basis von CT-Daten. Die Knochenresektionen und Achskorrekturen können dabei millimetergenau geplant und später mit Hilfe individuell gefertigter 3D-gedruckter Schnittschablonen umgesetzt werden. Diese Vorgehensweise macht den Eingriff für uns als Operateure nicht nur sicherer und planbarer, sondern vor allem für die Patienten deutlich schonender“.

Die minimalinvasive Chirurgie spielt eine zunehmend bedeutende Rolle bei der Korrektur von Vor- und Rückfußfehlstellungen, da sie eine schonendere Behandlungsoption bietet, die sowohl den Heilungsprozess als auch das postoperative Ergebnis deutlich verbessert. 

Im Vergleich zu traditionellen offenen chirurgischen Verfahren, bei denen größere Schnitte gesetzt und umfangreichere Gewebeoperationen durchgeführt werden müssen, erlaubt die minimalinvasive Technik den Chirurgen, das betroffene Areal mit deutlich kleineren Schnitten zu erreichen. Diese Methode reduziert die Traumatisierung des umliegenden Gewebes und der Muskeln, was zu einer schnelleren Genesung und einer geringeren Belastung des Körpers führt.

Bei der Implantation einer Sprunggelenksprothese ist es besonders wichtig, den Knochen möglichst zu schonen. Zwar benötigt die Prothese naturgemäß etwas Platz im Gelenk, aber der Knochenverlust wird auf ein Minimum reduziert. Ganz ohne Knochenresektion geht es natürlich nicht, aber die heutigen Prothesen sind so konzipiert, dass sie mit einer sehr zurückhaltenden Knochenentnahme auskommen. Im Vergleich zu anderen Gelenkersatzverfahren, etwa an der Hüfte, ist der operative Zugang am Sprunggelenk etwas komplexer. Wir operieren in der Regel von vorne durch einen Schnitt, der an einer großen Sehne vorbeiführt. Damit wir die patientenspezifischen Schnittlehren überhaupt einsetzen können, braucht es einen gewissen Zugangsweg. Allerdings zeigt die Erfahrung, dass sich die Schnittlängen mit zunehmender Routine verkürzen lassen. Eine rein minimalinvasive Technik, wie man sie vielleicht vom ,Schlüsselloch-Prinzip´ kennt, ist bei einer Sprunggelenksprothese derzeit noch nicht möglich – wohl aber ein relativ kleiner, gut heilender Zugang“, so Dr. Vásàrhelyi und führt weiter aus:

Diese minimalinvasive OP-Methode ist leider noch nicht flächendeckend etabliert. In meiner Region bin ich einer der wenigen, die regelmäßig auf diese minimalinvasive Technik zurückgreifen. Viele Kollegen operieren nach wie vor klassisch offen – weil sie so ausgebildet wurden und sich dieser Ansatz in der Praxis fortsetzt. Der Patient hat oft keinen direkten Vergleich und verlässt sich auf die Empfehlung seines Arztes. Deshalb ist es mir ein großes Anliegen, aufzuklären und zu zeigen, dass es moderne, schonendere Alternativen gibt – insbesondere für komplexe oder mehrfach betroffene Füße, bei denen offene Verfahren mit erheblich höherem Risiko und weniger planbarem Verlauf verbunden wären. Wer sich für eine Operation entscheidet, sollte daher nicht zögern, eine zweite Meinung einzuholen. Die Qualität der Nachbehandlung, die langfristige Funktion und vor allem die Zufriedenheit des Patienten hängen maßgeblich davon ab, welche Methode angewendet wird – und wie viel Erfahrung der Operateur damit hat. Sprunggelenkprothesen werden deutlich seltener eingesetzt als Hüft- oder Knieprothesen – auch in meiner Praxis. Der Grund dafür liegt in der Häufigkeit der Erkrankung: Sprunggelenksarthrosen sind insgesamt deutlich seltener. Das Sprunggelenk ist von Natur aus ein sehr robustes Gelenk und verschleißt in der Regel nur bei vorhergehenden Verletzungen wie Knochenbrüchen oder schweren Bandverletzungen. Im Gegensatz dazu entstehen Arthrosen an Hüfte und Knie oft ohne erkennbare Ursache – begünstigt durch Faktoren wie Übergewicht oder genetische Veranlagung. Entsprechend häufiger treten dort Verschleißerscheinungen auf. Auch in spezialisierten Zentren ist die Zahl der Sprunggelenkprothesen daher vergleichsweise niedrig“.

Neben der Versorgung des Sprunggelenks widmen wir uns auch häufig der Korrektur von Vor- und Rückfußfehlstellungen. Im Bereich des Vorfußes handelt es sich dabei meist um degenerative Veränderungen wie den Hallux valgus, also den Ballenzeh, oder Kleinzehenfehlstellungen wie Hammer- oder Krallenzehen. Diese betreffen insbesondere Frauen, was unter anderem an hormonellen Einflüssen und an der Wahl des Schuhwerks liegt. Zu enge oder hohe Schuhe führen über Jahre zu Fehlbelastungen, das Bindegewebe verliert an Spannung, und es kommt zu sichtbaren und schmerzhaften Veränderungen. Im Bereich des Rückfußes begegnen wir häufiger Fehlstellungen der Ferse wie der Varus- oder Valgusferse, die entwicklungsbedingt häufig kombiniert sind mit typischen Platt- oder Hohlfußfehlstellungen.  Auch hier kann es im Laufe der Jahre zu deutlichen Achsabweichungen und Sehnenveränderungen kommen, die Schmerzen und Gangstörungen verursachen. Sowohl im Vor- als auch im Rückfußbereich lassen sich diese Fehlstellungen heute mithilfe minimalinvasiver Techniken korrigieren“.

Nach einem operativen Eingriff am Sprunggelenk steht die schnelle Rehabilitation im Vordergrund. 

Nach dem Eingriff wird der Fuß für etwa drei bis vier Wochen mithilfe einer Orthese, einem Walker, geschützt. Dabei geht es weniger um die Schonung des Knochens als vielmehr um die Heilung der Weichteile. Von Anfang an ist eine volle Belastung des Fußes erlaubt und sogar erwünscht. Die Patienten beginnen bereits am ersten postoperativen Tag mit gezielter Physiotherapie, um das normale Gangbild schnellstmöglich wiederzuerlangen. In der Regel können alltägliche Aktivitäten nach wenigen Wochen wieder aufgenommen werden. Leistungssportliche Aktivitäten sind allerdings nur eingeschränkt möglich. Für Patienten mit einem normalen Aktivitätsniveau – also Alltag, Beruf, Freizeit und auch moderater Sport – ist eine Sprunggelenksprothese heute eine sehr gute Option. Auch bei jüngeren Patienten, etwa ab Mitte 30 oder 40, ziehen wir eine Prothese in Erwägung, wenn die Indikation gegeben ist. Entscheidend ist dabei nicht allein das Alter, sondern vielmehr die funktionellen Ansprüche und die strukturellen Gegebenheiten im Gelenk. Mit der heutigen Prothesentechnologie lässt sich ein aktives, stabiles und schmerzfreies Leben auch nach schwerer Arthrose im Sprunggelenk sehr gut realisieren“, so Dr. Vásárhelyi.

Individuelle Entscheidungen bei Sprunggelenkbehandlungen: 
Prothese oder Versteifung – Wann ist welche Option sinnvoll?

Neben Leistungssportlern, bei denen wir in der Regel eher zur Versteifung raten, gibt es weitere Gruppen, für die eine Prothese nicht infrage kommt. Dazu zählen Patienten mit erheblichen Weichteilschäden, schwerem oder schlecht eingestelltem Diabetes, langjährigem Nikotinkonsum, Autoimmunerkrankungen mit immunsuppressiver Therapie oder solche mit vorbestehenden Infektionen im Bereich des Sprunggelenks. Bei diesen Patienten besteht ein deutlich erhöhtes Risiko für Wundheilungsstörungen, Infektionen oder Prothesenlockerung, weshalb wir auf die Sprunggelenksversteifung als bewährte Alternative zurückgreifen. Die Problematik bei Diabetes liegt in der oft eingeschränkten Durchblutung des Fußes, was die Heilung erschwert und das Infektionsrisiko erhöht. Ähnlich ist es bei Rauchern: Der Nikotinkonsum wirkt sich negativ auf die Mikrozirkulation aus, was zu verzögerter Heilung oder Infektionen führen kann. Deshalb ist eine konsequente Nikotinkarenz über Wochen vor und nach der Operation zwingend erforderlich, wenn eine Prothese implantiert werden soll“, schildert Dr. Vásárhelyi und erklärt die Vor- und Nachteile einer alternativen Versteifungsoperation: „Die Versteifungsoperation liefert insgesamt gute Ergebnisse und ist in vielen Fällen eine sinnvolle und stabile Lösung. Allerdings bringt sie langfristig die Gefahr mit sich, dass benachbarte Gelenke, die nun vermehrt die Bewegung übernehmen müssen, verschleißen. Während die Prothese die Beweglichkeit erhält und dadurch benachbarte Strukturen schont, kann es bei einer Versteifung nach Jahren zur sogenannten Kettenreaktion kommen, bei der nacheinander mehrere Gelenke degenerieren und weitere operative Maßnahmen erforderlich machen“.

Die medizinische Entwicklung im Bereich der Sprunggelenksprothetik steht nicht still – im Gegenteil: Für die Zukunft wird eine zunehmende Individualisierung der Implantate erwartet. 

Ziel ist es, die natürliche Biomechanik des Gelenks möglichst präzise nachzubilden und dadurch sowohl die Funktion als auch die Haltbarkeit weiter zu verbessern. Dabei spielt nicht nur das Design der Prothesen eine Rolle, sondern auch die Möglichkeit, diese patientenspezifisch anzupassen – etwa durch individuell gestaltete Oberflächen. Ein großes Potenzial liegt zudem im Einsatz künstlicher Intelligenz. Mithilfe KI-gestützter Berechnungsmodelle könnten in Zukunft große Mengen an Bild- und Bewegungsdaten effizient ausgewertet werden, um personalisierte Implantate zu planen oder Optimierungsvorschläge für bestehende Designs zu entwickeln. Auch biomechanische Simulationen und Prognosemodelle wären denkbar, um vorauszuberechnen, wie sich bestimmte Änderungen auf die Gelenkfunktion auswirken. Diese technologischen Fortschritte versprechen eine noch gezieltere, effektivere und langfristig erfolgreiche Behandlung von Gelenkerkrankungen“, visualisiert Dr. Vásárhelyi.

In der Praxis in Biel werden Fußbehandlungen nicht isoliert, sondern als Teil eines umfassenden therapeutischen Gesamtkonzepts durchgeführt. Besonders wichtig ist, dass die Nachbehandlung genauso sorgfältig und kompetent erfolgt wie die Operation selbst – denn „die Operation ist nur die halbe Miete“.

Zu diesem Zweck haben wir ein spezialisiertes Fußteam innerhalb der Physiotherapie aufgebaut, was sich gezielt um die Patienten nach dem operativen Eingriff kümmert und die spezifischen Anforderungen der Nachbehandlung genau kennt. Die enge Zusammenarbeit zwischen Chirurgie und Physiotherapie ist dabei zentral, um optimale Ergebnisse zu erzielen. Ein besonderer Fokus liegt auf minimalinvasiven Korrekturen im Bereich des Vorfußes, bei denen bewusst auf das Einsetzen von Fremdmaterial verzichtet wird. Die durchgeführten Knochenschnitte – etwa am kleinen Zeh – werden nicht durch Schrauben oder Platten fixiert. Stattdessen erfolgt die Stabilisierung durch eine spezielle Verbandtechnik: den sogenannten minimalinvasiven Tape-Verband. Diese Verbandtechnik erfüllt eine doppelte Funktion: Einerseits stabilisiert sie die operierten Strukturen, andererseits erlaubt sie es dem Physiotherapeuten, die Stellung der Zehen noch über Wochen hinweg gezielt zu beeinflussen. So kann beispielsweise beim kleinen Zeh, dessen Knochen geschnitten, aber nicht fixiert wurde, die Heilung durch korrektes Tapen gelenkt werden. Der Verband wirkt damit korrigierend und formgebend – auch nach der Operation. Die Voraussetzung für diese Art der Nachbehandlung ist, dass geschulte Fachpersonen regelmäßig die Verbände kontrollieren, anpassen und korrekt anlegen. Nur so kann gewährleistet werden, dass die Knochen in der gewünschten Position zusammenwachsen und das funktionelle sowie ästhetische Ergebnis überzeugt“, erklärt Dr. Vásárhelyi zum Abschluss unseres Gesprächs.

Herzlichen Dank, Dr. Vásáhelyi, für den Einblick in die Behandlungen für Fuß und Sprunggelenk!