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Körperformung nach massiver Gewichtsreduktion: Experteninterview mit Univ.-Prof. Dr. med. Adrian Dragu, MHBA

18.07.2025

Professor Dr. med. Adrian Dragu ist Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie mit der Zusatzbezeichnung Handchirurgie und leitet die Abteilung für Plastische und Handchirurgie am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus in Sachsen. Seine Schwerpunkte sind unter anderem die Behandlung von Brandverletzungen (Verbrennungschirurgie) und die Handchirurgie.

Des Weiteren absolvierte Prof. Dr. Dragu ein zweites Studium, das er mit dem Master of Health Business Administration abschloss. Die Abteilung für Plastische und Handchirurgie behandelt interdisziplinär unterschiedliche Verletzungen und Problemfälle. Ein 24-Stunden-Replantationsdienst steht für Notfälle, wie etwa schwer verletzte oder abgetrennte Körperteile, insbesondere der Hand, zur Verfügung. Nach der Genesung des Patienten erfolgen häufig plastische Eingriffe, um ggf. entstellte Körperpartien, wie etwa Verbrennungsnarben, kosmetisch wieder anzugleichen. Auch Hautstraffung nach Gewichtsreduktion und die Brustrekonstruktion nach einer Brustkrebsbehandlung fällt in die Zuständigkeit von Prof. Dr. Dragus Abteilung.

Zur Anwendung kommen dabei etwa Eigengewebetransplantationen. Der Fachbereich der Plastischen und Ästhetischen Chirurgie sowie der Handchirurgie ist auch in der Forschung und Lehre aktiv. Prof. Dr. Dragu ist Mitglied der Prüfungskommission und beteiligt sich maßgeblich an Forschungsprojekten, etwa im Bereich der Adipositasforschung, der Ischämie und Reperfusionsforschung von menschlichem Gewebe und zur Erforschung bionischer Prothesen.

Mit Prof. Dr. Dragu führte die Redaktion des Leading Medicine Guide ein Gespräch darüber, wie man den Körper nach einem drastischen Gewichtsverlust wieder in eine ästhetische Form bringen kann.

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Drastische Gewichtsreduktionen – sei es durch chirurgische Maßnahmen wie bariatrische Eingriffe oder durch konsequente Lebensstiländerungen – führen häufig zu erheblichen gesundheitlichen und ästhetischen Verbesserungen. Allerdings wird die Freude über den Gewichtsverlust oft durch die Bildung von überschüssiger Haut getrübt, die aufgrund des starken Gewichtsverlusts ihre Elastizität nicht mehr vollständig zurückgewinnen kann. Diese Hautüberschüsse können nicht nur ästhetische und psychologische Belastungen hervorrufen, sondern insbesondere auch zu physischen Beschwerden wie Hautreizungen, Entzündungen oder Bewegungseinschränkungen führen. Dies wiederum führt oft zu massiven funktionellen Einschränkungen. Körperformverändernde chirurgische Eingriffe bieten in solchen Fällen die Möglichkeit, überschüssige Haut zu entfernen und die Körperkonturen wiederherzustellen, wodurch sowohl die Funktionalität als auch das Körperbild nachhaltig verbessert werden können. Die moderne plastisch-rekonstruktive Chirurgie verfolgt hierbei einen ganzheitlichen Ansatz, um funktionelle und medizinische aber auch ästhetische Aspekte gleichermaßen zu berücksichtigen.

Ein Hautüberschuss nach einer starken Gewichtsabnahme ist ein häufiges Phänomen, das von mehreren Faktoren beeinflusst wird. 

Zunächst muss ich festhalten, dass Adipositas weltweit ein enormes Problem in unseren Gesellschaften geworden ist. Jeder Dritte ist übergewichtig, und leider nimmt auch die Kinderadipositas immer weiter zu. Die Menschen werden zunehmend adipöser, was wiederum bedeutet, dass auch die Morbidität steigt. Selbst einfache Operationen sind bei adipösen Patienten deutlich riskanter. Je schwerer jemand ist, desto komplizierter werden die Operationen, die Liegezeiten verlängern sich, die Komplikationsraten steigen, und die oft notwendige Einnahme von Medikamenten nimmt zu. Übergewichtige Patienten leiden häufig an Bluthochdruck und/oder Diabetes“, betont Prof. Dr. Dragu zu Beginn unseres Gesprächs und führt weiter aus:

Wenn sich jemand entschlossen hat, abzunehmen, muss zunächst entschieden werden, ob dies auf konservativem Weg – also mithilfe von Diäten oder Medikamenten wie Semaglutid – erfolgen soll oder ob eine bariatrische Operation, wie ein Magenbypass oder eine Magenverkleinerung, in Betracht kommt. Hat man einen dieser Wege eingeschlagen und tatsächlich massiv Gewicht verloren, kann dies ,nur´ 10-20 Kilo oder aber auch mehr als 150 Kilo sein. Ich selbst hatte bereits einen Patienten, der 193 Kilo abgenommen hat. In solchen Fällen verhält es sich ähnlich wie nach einer Schwangerschaft: Bei einigen Menschen bildet sich die Haut gut zurück, bei anderen jedoch nicht. Besonders bei ehemals stark adipösen Patienten kann der Rückgang der überschüssigen Haut oft nicht mehr biologisch erfolgen. Doch bei einem massiven Hautüberschuss leidet die Hautqualität enorm. Die Haut ist gereizt, es entstehen häufig Pilzerkrankungen, Hautfalten reiben aufeinander, es besteht eine ständige Infektionsgefahr, und durch massive funktionale Einschränkungen kann es sogar zu körperlichen Behinderungen kommen. Dabei geht es keineswegs um kosmetische Aspekte – vielmehr steht die Wiederherstellung der sozialen Teilhabe im Vordergrund. Viele Adipositas-Patienten sind bereits mit Mitte 20 dauerhaft arbeitsunfähig, da sie jährlich bis zu 150 Fehltage haben. Wenn die funktionellen Einschränkungen medizinisch dokumentiert und plastisch-chirurgisch objektiviert werden, kann dies bei der jeweiligen Krankenkasse eingereicht werden. Allerdings ist es leider oft schwierig, eine Kostenübernahme für solche Eingriffe zu erhalten, da Krankenkassen und die Gutachter des MDKs körperformende Operationen fälschlicherweise pauschal als rein ästhetische Maßnahmen einstufen. Dabei handelt es sich um hochkomplexe Eingriffe mit erheblichen Risiken wie großen Narben, Wundheilungsstörungen, Lymphfisteln oder Nachblutungen – sie sind nicht mit einer klassischen ästhetischen Bauchdeckenstraffung zu vergleichen. Letztere betrifft in der Regel nur wenig Gewebe, welches aus rein ästhetischen Gründen entfernt, gestrafft oder abgesaugt wird“.

Mit zunehmendem Alter nimmt die Produktion von Kollagen und Elastin, die für die Festigkeit und Flexibilität des Bindegewebes verantwortlich sind, ab. Daher sind ältere Menschen stärker von überschüssiger Haut betroffen als jüngere. Ebenso beeinflusst die Dauer des Übergewichts das Hautbild, da eine längerfristige Dehnung der Haut deren Fähigkeit, sich zurückzubilden, erheblich einschränkt. Eine besonders starke Gewichtsabnahme, vor allem in kurzer Zeit, wie sie beispielsweise nach bariatrischen Operationen auftritt, führt häufig zu ausgeprägtem Hautüberschuss. Dabei spielen auch genetische Veranlagungen eine Rolle, da die Hautbeschaffenheit individuell unterschiedlich ist. 

Besonders häufig betroffen sind Körperregionen, in denen sich während des Übergewichts vermehrt Fett angesammelt hat. Am Bauch zeigt sich überschüssige Haut am häufigsten in Form einer Fettschürze, die sich nach vorn und unten ausbreitet und oft auch das gesamte Genital bedeckt, und auch an der Oberschenkelinnenseite bildet sich viel Fett. Als nächstes kommen die Brüste, sowohl bei Frauen als auch bei Männern, wobei es zu einem Verlust der Straffheit und einer hängenden Erscheinung kommen kann, manchmal hinunter bis zum Bauchnabel. Diese dauerhaft entstehende Reibung von Haut auf Haut führt häufig zu Schmerzen und feuchten und gereizten Hautstellen. Die Oberarme neigen zu schlaffer, hängender Haut, die als ,Winkearme´ sichtbar werden, sich jedoch mitunter gut zurückbilden können“, erklärt Prof. Dr. Dragu.

Nach einer erheblichen Gewichtsreduktion stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, um überschüssige Haut zu entfernen und die Körperkonturen zu verbessern. 

Die effektivste und nachhaltigste Methode ist die chirurgische Entfernung der überschüssigen Haut, die im Rahmen plastisch-chirurgischer Eingriffe durchgeführt wird. Diese Operationen zielen darauf ab, die ästhetische Erscheinung zu verbessern und vor allem die funktionellen Beschwerden wie Hautirritationen oder Bewegungseinschränkungen zu lindern. „Es wird oft fälschlicherweise suggeriert, dass diese komplexen Rekonstruktionen der Körperform nur einfache ,Fett-Weg-Schneide´-Operationen seien. Leider fällt auch immer wieder auf, dass sich fachfremde chirurgische Disziplinen dem Thema ,annehmen´. So werden diese Eingriffe verantwortungsloserweise auch von Allgemeinchirurgen, Hautärzten oder gar Mund-Kiefer-Gesichtschirurgen durchgeführt. In diesem Zusammenhang muss eindeutig festgestellt werden, dass die Rekonstruktion der Körperform ausschließlich in die Fachkompetenz der Plastischen Chirurgie gehört. Der behandelnde Arzt muss den Facharzt für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie besitzen. Nur dann kann der Patient sicher sein, dass der notwendige fachärztliche Standard gesichert ist und somit bestimmte Schnitttechniken und die operative Beherrschung großer Wundflächen garantiert sind. Der erfahrene Plastische Chirurg muss genau wissen, wo man bei diesen kompromittierten Weichteilverhältnissen schneidet, damit Komplikationen möglichst vermieden oder zumindest reduziert werden können. Gegebenenfalls müssen verschiedene Verfahren kombiniert werden, etwa Fettabsaugung und plastisch-chirurgische Resektion. Auch muss bedacht werden, ob bereits frühere Operationen stattgefunden haben, insbesondere im Bauchbereich – etwa Blinddarm-, Gallenblasen- oder Kaiserschnittoperationen, weil man es dann mit Narbenbildungen zu tun hat, die das operative Geschehen zusätzlich erschweren oder das individuelle Schnittmuster verändern. Ein erfahrener Plastischer Chirurg schneidet dann ganz anders und weiß all diese Dinge zu berücksichtigen. Die klassischen Resektionstechniken erfolgen mit Skalpell und bei Bauch und Oberschenkel häufig auch kombiniert mit der Fettabsaugung“, verdeutlicht Prof. Dr. Dragu und nennt dann zur Veranschaulichung ein Beispiel:

Die größte Bauchfettschürze, die ich jemals entfernt habe, wog 25 Kilogramm. In der Regel ist eine Bauchfettschürze 3-5 Kilo schwer, am Oberschenkel liegt die Menge bei ca. 500-1500 Gramm pro Seite, und 500-1000 Gramm pro Seite sind es im Schnitt an der Brust. Meistens ist es aber gar nicht das Gewicht, das eine Rolle spielt, sondern die Fläche. Das ist auch von Patient zu Patient verschieden“.

Um eine körperformende Operation nach einer Gewichtsreduktion medizinisch durchzuführen, müssen bestimmte Kriterien erfüllt sein, die sowohl die Sicherheit des Eingriffs als auch den langfristigen Erfolg der Behandlung gewährleisten. 

Ganz wichtig ist es, dass eine psychische Stabilität vorhanden ist. Wenn jemand beispielsweise ein gestörtes Körperempfinden hat, eine sogenannte Dysmorphophobie, auch als körperdysmorphe Störung (KDS) bezeichnet, muss der Patient zunächst in der Lage sein, sein realistisches Körpergewicht einzuschätzen. Adipöse Menschen haben häufig begleitende Suchtprobleme in anderen Bereichen. Hier muss darauf geachtet werden, dass Menschen, die suchtbedingt übermäßig gegessen haben, nicht ins Gegenteil verfallen, magersüchtig werden oder exzessiven Sport betreiben. Einige haben dann auch die Idee, sich extrem tätowieren zu lassen oder gehen plötzlich einem Ultra-Extremsport nach. Wir merken an einigen Patienten, dass sie eine Art Sucht-Shifting haben. Insofern muss ein Patient vor einer körperformenden Operation den Körper realistisch einschätzen, wissen, was dann auf ihn zukommt und dass man den Körper niemals in den Ursprungszustand zurückholen kann. Und weil die Operation sehr groß, aufwändig und letztlich kritisch ist, versuchen wir das Risiko so gut es geht zu minimieren. Das heißt, Raucher werden angehalten, das Rauchen einzustellen oder zumindest weniger zu rauchen. Wenn Thrombosen oder Embolien vorliegen oder der Patient eine Lungenembolie hatte, kann man solch eine Operation auch nicht durchführen, bzw. muss das vorher dringend abgeklärt werden, um Gerinnungsstörungen auszuschließen. Diese wichtigen Informationen über den Patienten müssen im Rahmen der detaillierten Anamnese erfasst werden. Am Ende handelt es sich um eine hochelektive Operation – es ist keine Notfalloperation! Daher muss sorgfältig abgewogen werden, ob jemand für den Eingriff geeignet ist. Und für die Krankenkassen müssen, wie gesagt, die funktionellen Einschränkungen beschrieben sein, und das Körpergewicht muss vor der Operation sechs Monate lang konstant sein. Es geht bei der Bewilligung der Behandlung für die Kassen niemals um die psychischen oder ästhetischen Belastungen, denen ein Patient mit massivem Hautüberschuss durchaus ausgesetzt ist. Das aber zählt nicht, und es würde maximal die Empfehlung für eine psychische Behandlung ausgesprochen werden“, erläutert Prof. Dr. Dragu zu den Kriterien. Für eine positive Kostenübernahme durch die Krankenkassen zählen einzig und allein die objektivierbaren funktionellen Einschränkungen.

Vor dem Eingriff wird der Patient umfassend untersucht, einschließlich einer körperlichen Bewertung der Hautüberschüsse, einer Anamnese und gegebenenfalls bildgebender Verfahren. Ziel ist es, die Operationsstrategie individuell anzupassen und das Risiko für Komplikationen wie Wundheilungsstörungen oder Infektionen zu minimieren. Alle Kriterien zusammen gewährleisten, dass der Eingriff nicht nur ästhetisch, sondern auch medizinisch sinnvoll, nachhaltig und sicher durchgeführt werden kann.

Körperformende Eingriffe nach einer Gewichtsreduktion sind komplexe Operationen, die mit spezifischen Risiken und möglichen Komplikationen verbunden sind. 

Neben den ganz klassischen Operationsrisiken wie Embolien, Nachblutungen, Infektionen, kann es zu unschönen, langen, sichtbaren Narben kommen. Auch können Asymmetrien auftreten, speziell rund um den Bauchnabel sichtbar, einfach weil es während der Operation nicht leicht ist, die genaue Mittellinie zu finden. Natürlich versuchen wir immer, alles so gleichmäßig und schonend zu machen, eine perfekte Symmetrie gibt es da aber nicht. Insgesamt sprechen wir hier aber über eine sehr überschaubare Komplikationsrate, wenn man wirklich weiß, was man tut. Was die Operationsdauer betrifft, so liegt diese bei der Brust bei ca. 3 Stunden, bei der Bauchdecke bei ca. 2-3 Stunden und bei einer Oberschenkelstraffung bei ca. 1-2 Stunden. Die Dauer des Krankenhausaufenthalts beträgt in der Regel etwa 7 bis 10 Tage“, so Prof. Dr. Dragu.

Eine enge postoperative Betreuung ist ebenfalls entscheidend. Regelmäßige Kontrolltermine ermöglichen es, Komplikationen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Patienten sollten umfassend über die Nachsorgemaßnahmen aufgeklärt werden, einschließlich der korrekten Anwendung von Kompressionskleidung, der Vermeidung von körperlicher Belastung in den ersten acht Wochen und der Pflege der Narben. Langfristig trägt eine gesunde Lebensweise, einschließlich ausgewogener Ernährung und moderater Bewegung, dazu bei, das Ergebnis der Operation zu erhalten und die Komplikationsrate zu senken.

Die Nachsorge spielt eine zentrale Rolle bei der langfristigen Sicherung des Operationserfolgs nach körperformenden Eingriffen, da sie den Heilungsverlauf unterstützt, Komplikationen vorbeugt und das ästhetische sowie funktionelle Ergebnis optimiert. 

Die Nachsorge erfolgt nach einem ganz feststehenden Schema. Patienten mit einer Bauchdeckenoperation tragen acht Wochen lang eine Bauchbinde. Manchmal braucht man auch ein Kompressionsmieder oder Kompressionshosen. Die Fäden werden nach ca. zwei Wochen gezogen, und der Patient darf über einen Zeitraum von acht Wochen nichts heben, was schwerer als fünf Kilo ist. Gelegentlich ist eine Thromboseprophylaxe erforderlich. Eine Lymphdrainage kann zusätzlich helfen, die Lymphbahnen zu entlasten. Was die zukünftige sinnvollere und gesunde Ernährung betrifft, so werden diese ,Hausaufgaben´ im jeweiligen Adipositaszentrum oder mit Ernährungsberatern vor der Behandlung gemacht, denn die Plastische Chirurgie ist schließlich der letzte Schritt“, macht Prof. Dr. Dragu klar.

Ästhetische Maßnahmen wie die Narbenpflege spielen ebenfalls eine entscheidende Rolle. Der gezielte Einsatz von Narbencremes, Silikonpflastern, Kortisoninjektionen oder Lasertherapien kann das Erscheinungsbild der Narben verbessern und hypertrophen Narbenbildung entgegenwirken. Je nach individuellem Heilungsverlauf und Hauttyp können diese Maßnahmen über mehrere Monate erforderlich sein, um ein bestmögliches Ergebnis zu erzielen. 

Zur Nachkontrolle erklärt Prof. Dr. Dragu: „Den operierten Patienten sehen wir natürlich nach der Operation und dann auch noch einmal nach ca. sechs und nach zwölf Monaten für eine Befundkontrolle. In diesen Nachkontrollen stellen wir dann meistens fest, dass die Lebensqualität des Patienten sich dramatisch verbessert hat, dass ein vorher vorhandener zu hoher Blutdruck sich stabilisiert hat und auch eine Verringerung der Medikamenteneinnahme erreicht ist. Das eigene Selbstbild ist viel besser. Allerdings fallen auch wenige dieser Patienten nach ca. fünf bis sechs Jahren in alte Muster und Strukturen. Der initial positive postoperative Effekt nimmt leider in dieser kleinen Patientenkohorte ab und gerät in Vergessenheit. Es ist daher immens wichtig, dem Patienten zu vermitteln, dass er eine Lebensaufgabe hat, seinen Status zu halten und sich konsequent damit auseinandersetzen muss. Nicht zu vergessen ist, dass Patienten oft eine Leidensgeschichte von 15 bis 20 Jahren hinter sich haben, bevor sie zu mir kommen“, und wünscht sich für die Zukunft:

Es ist ganz wichtig, dass Patienten gut aufgeklärt werden und sich informieren. Es sollte eine gesetzliche Regelung geben, dass diese körperformenden Operationen wirklich ausschließlich von Fachärzten für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische durchgeführt werden dürfen. Ich führe ja auch keine Allergietestungen durch oder entferne Zähne und Blinddärme oder Gallen. Beim Thema Plastische Chirurgie ernennen sich leider viele Ärzte zu vermeintlichen Experten, und da geht es ausschließlich ums Geldverdienen und nicht um die Sicherheit des Patienten und schon gar nicht um Facharztkompetenz. Hier könnte die Gesetzgebung ein bisschen härter und klarer sein. Auch sollten Patienten sehr viel mehr Vergleiche anstellen, wenn es um die Wahl des behandelnden Arztes geht, am besten so wie beim Möbelkauf – da geht man auch in mehrere Geschäfte und vergleicht und stellt auch herausfordernde Fragen! Ich empfehle Fragen wie: 1.) Sind Sie ganz konkret Facharzt für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie? 2.) Sein wann haben Sie den Facharzt? und 3.) Wie viele dieser Operationen haben Sie bisher durchgeführt? Gleichzeitig wäre es wichtig, wenn die Krankenkassen mehr Verständnis hätten für die körperlichen Beschwerden der Patienten, die Gewicht abgenommen, aber einen Hautüberschuss haben. Hier geht es um schwer kranke Patienten, die einen langen Weg hinter sich haben und wieder ins soziale Leben sowie in den Beruf zurückkehren möchten. Die Patienten haben massive objektivierbare funktionelle Einschränkungen Und das hat nichts mit Schönheitschirurgie zu tun“.

Vielen Dank, Herr Professor Dr. Dragu, für dieses informative Gespräch!