Prof. Dr. med. Michael Hirschmann ist ein international angesehener Spezialist für Kniechirurgie und Knieendoprothetik, der am Kantonsspital Baselland in der Schweiz tätig ist. Seine Expertise im Bereich des Kniegelenks erstreckt sich über sämtliche Facetten der Kniechirurgie, einschließlich innovativer Verfahren wie der roboter-gestützten Knieprothetik. Seit seiner Ernennung zum Leiter des Teams für Kniechirurgie und Sportorthopädie im Kantonsspital Baselland im Jahr 2013 hat er maßgeblich dazu beigetragen, dass die Klinik international anerkannt wurde und sich einen festen Platz auf der Weltkarte der Orthopädie erobert hat.
Prof. Dr. Hirschmann ist bekannt für seine herausragenden Fähigkeiten in der Endoprothetik und in der Durchführung komplexer Wechseloperationen. Sein Engagement für die Weiterentwicklung der Kniechirurgie spiegelt sich in zahlreichen Preisen und Auszeichnungen wider, die seine innovativen Ansätze und Erfolge würdigen. Neben seiner klinischen Tätigkeit ist er auch in der wissenschaftlichen Gemeinschaft aktiv und leitet eine universitäre Forschungsgruppe an der Universität Basel. Seine Arbeiten und Publikationen haben einen bedeutenden Einfluss auf die moderne Kniechirurgie.
In seiner Rolle als Chefarzt und Leiter des „Zentrums Bewegungsapparat“ am Kantonsspital Baselland hat Prof. Dr. Hirschmann die Abteilung für Orthopädie und Traumatologie mit einem innovativen „Job-Pairing“-Modell neu strukturiert, um eine umfassende Versorgung für Patienten zu gewährleisten. Seine Expertise erstreckt sich von der konservativen Therapie über arthroskopische und offene Operationen bis hin zu fortschrittlichen Methoden der Endoprothetik und der Behandlung von Knorpelschäden. Besonders hervorzuheben ist seine Arbeit bei der Behandlung von Patienten mit Knieprothesen, wo er innovative Methoden wie das Phänotyp-Alignment und die 3D-gestützte Prothesentechnologie entwickelt hat und einsetzt, um optimale Ergebnisse zu erzielen.
Prof. Dr. Hirschmann ist auch ein gefragter Ansprechpartner für die Diagnostik und Behandlung von Schmerzen nach Knieprothesen und anderen postoperativen Komplikationen. Seine langjährige Erfahrung und sein Engagement für die kontinuierliche Verbesserung der Behandlungsstandards machen Prof. Dr. Hirschmann zu einem herausragenden Facharzt, dessen Fachwissen und Empathie sowohl in der Region als auch international geschätzt werden.
Roboter assistierte Operationen setzen sich immer mehr durch und ermöglichen eine noch präzisere Chirurgie. Zu diesem Thema unterhielt sich die Redaktion des Leading Medicine Guide mit Prof. Dr. Hirschmann.

Roboter-assistierte Chirurgie stellt einen bedeutenden Fortschritt in der medizinischen Technik dar und revolutioniert zunehmend die Art und Weise, wie Operationen durchgeführt werden. Bei diesem innovativen Ansatz werden hochentwickelte Roboter-Systeme genutzt, um Chirurgen bei der Durchführung präziser und komplexer Eingriffe zu unterstützen. Die Roboter bieten eine unvergleichliche Präzision, Stabilität und Kontrolle, die deutlich über die Möglichkeiten der konventionellen chirurgischen Techniken hinausgehen. Durch den Einsatz von fortschrittlicher Bildgebung und Echtzeit-Datenverarbeitung ermöglichen diese Systeme eine verbesserte Visualisierung des Operationsgebiets und minimieren gleichzeitig die Belastung für den Patienten. Der Einsatz von robotergestützten Techniken hat sich insbesondere in der minimal-invasiven Chirurgie bewährt, da sie oft zu schnelleren Heilungszeiten, reduzierten postoperativen Schmerzen und kürzeren Krankenhausaufenthalten führen. Diese Technologien repräsentieren einen bedeutenden Schritt in Richtung einer präziseren und schonenderen Patientenversorgung.
Um eine Roboter-gestützte Knieoperation erfolgreich durchzuführen, müssen mehrere Kriterien berücksichtigt werden.
Zuerst muss eine korrekte Indikation zur Durchführung einer Prothesen-Operation vorliegen. Hierfür benötigt es eine gute Erfassung der Patientenbeschwerden, der bisherigen Behandlungen, einer detaillierten Untersuchung des Kniegelenkes sowie eine standardisierte Röntgenuntersuchung. Es ist entscheidend, mit den Patienten die Indikation für eine Operation als auch mögliche Risiken der Operation und deren Vorteile genau zu besprechen. Dies umfasst auch die Beurteilung der Kniegelenkserkrankung, ob eine Teil- oder Totalprothese erforderlich ist und ob der Patient gesundheitlich in der Lage ist, sich einem solchen Eingriff zu unterziehen. Die Chirurgen sollten speziell für den Umgang mit dem Roboter geschult sein, um die Technologie effektiv nutzen zu können. Ebenso muss das chirurgische Team sicherstellen, dass die Operationsumgebung entsprechend vorbereitet ist, einschließlich der notwendigen Instrumente und der Operationsplanung.
„Grundsätzlich kommen für eine Knieprothese nur Patienten in Frage, die eine klare Symptomatik, das passende klinische und radiologische Bild haben und alle konservativen Therapien ausgeschöpft sind. Aktuell gibt es in der Roboter gestützten Chirurgie des Kniegelenkes die Möglichkeit, eine Voll- oder eine Teilprothese einzusetzen. Revisionsoperationen hingegen sind mit einer Roboterassistenz aktuell noch nicht möglich. Das Problem bei einer Revisionsoperation besteht darin, dass man nie exakt weiß, wie viel Knochen verbleibt, nachdem die Erstprothese entfernt wurde, was aber essentiell für die Planung wäre. Generell muss man sich überlegen, ob eine Operation mit Roboterassistenz Sinn macht oder ob es ausreicht, konventionell zu operieren. Zum einen sind die Systeme nicht so verfügbar, dass jeder Patient mit Roboter operiert werden kann, denn ein Roboter muss auch für die Operation vorbereitet werden. Hier würde man bei beispielsweise 5-6 Operationen am Tag zeitlich in Schwierigkeiten geraten. Prinzipiell ist die Roboterchirurgie aber für alle Patienten zugänglich. Die Idee des Roboters ist ja die, dass man während der Operation eine bessere Orientierung im Kniegelenk des Patienten bekommt. Am meisten profitieren Patienten mit ausgeprägten Deformitäten, etwa mit X- oder O-Beinen. Mithilfe eines Roboters kann man hier eine optimalere Balancierung erzielen, da die jeweiligen Bänder besser berücksichtigt werden können. Bei ausgeprägten Deformitäten ist es darüber hinaus auch wichtig, die Schnitte vorher simulieren zu können, was mit einem Roboter eben möglich ist“, so Prof. Dr. Hirschmann zum Für und Wider der Roboterchirurgie.
„Der Roboterarm, der mit präzisen chirurgischen Instrumenten ausgestattet ist, wird von einem erfahrenen Chirurgen gesteuert. Es ist ein Navigationssystem Plus – das Plus besteht neben der Navigation in der geführten Säge, die in der Ebene geführt wird, die der Operateur vorgibt und nicht verlässt. Dadurch wird die Umsetzung des Operationsplans sowie die äußerst präzise Platzierung und Ausrichtung der Knieprothese mittels der Integration der präoperativen Bilddaten und der Echtzeitüberwachung deutlich genauer. Um es zu verdeutlichen: In der konventionellen Prothetik hat man sogenannte Schnittblöcke, und in diesem Schnittblock kann man die darin liegende Säge immer noch um 2-3 mm verkippen, und die Säge kann auch abrutschen, wodurch keine ganz so saubere Schnittfläche entsteht. Bei der Roboterchirurgie gibt es gar keine Schnittblöcke, die Säge ist dicker, dadurch weniger biegsam, und die Genauigkeit der Führung auf ein 1/4 mm genau“, stellt Prof. Dr. Hirschmann klar.
Die Bildgebung und Datenanalyse in der roboter-gestützten Kniechirurgie spielen eine zentrale Rolle bei der Optimierung der Platzierung und Ausrichtung der Knieprothese.
„Zunächst muss man zwischen den zwei verschiedenen Systemen unterscheiden. Es gibt die bildbasierte und die bildfreie Robotik. Bei der bildbasierten Robotik macht man vor der Operation ein Schichtröntgen (CT) und erfasst damit die Anatomie des Kniegelenks. Während der Operation werden dann Punkte abgegriffen, um das Bild vom CT mit der Navigation des Roboters übereinander zu bringen, wodurch man eine 3D-Information vor sich hat. Die bildfreien Roboter erfassen mit einem Pointer die Punkte des Kniegelenks (relevante Landmarken), und ein virtuelles Kniemodell wird erstellt. Das insgesamt große Thema der Robotik ist die personalisierte Knieprothetik. Denn früher hat man jedes Knie gleichbehandelt – jeder hat das gleiche bekommen. Dabei sind die Ansprüche sehr individuell. Im Ergebnis entsprechen nämlich mit konventionellen Verfahren nur ca. 25% dem, was die mechanisch eingebrachte Prothetik zum Ziel hatte. Das heißt, dass man ca. 75% der Patienten eine Geometrie aufzwingt, die sie vorher nicht hatten, und deshalb womöglich schmerzhafte Knieprothesen generiert und den Patienten damit in eine Zwangshaltung bringt. Eine personalisierte Operation ist mit dem Roboter und einer anatomisch entsprechenden Prothese möglich“, verdeutlicht Prof. Dr. Hirschmann und kommentiert noch die wichtige Bandstabilität:
„Die gesamte Bandstabilität von strecken bis beugen ist mit den Instrumenten des Roboters messbar. Der Chirurg erhält während der Operation genaue Informationen und kann intraoperativ ausbalancieren. Denn dies ist entscheidend – das Knie muss über den ganzen Bewegungsradius stabil und darf nicht asymmetrisch sein. Und das ist letztlich der große Vorteil der Roboterchirurgie“. Die roboter-assistierte Technik ermöglicht zudem eine weniger invasive Vorgehensweise. Durch die präzise Steuerung des Roboterarms sind kleinere Schnitte erforderlich, was zu einer schnelleren Heilung und reduzierten postoperativen Beschwerden führt.
Topmodern im Kantonsspital Baselland!
„Hier im Kantonsspital Baselland arbeiten wir mit Roboterassistenz seit Oktober 2023. Was die Lernkurve betrifft, ist es so, dass dies schnell geht, wenn man vorher navigiert hat, da der Roboter einem Navigationsgerät sehr ähnlich ist. Wenn man rein aus der konventionellen Operationstechnik kommt, dann braucht man schon eine gewisse Umstellung. Die Operationszeit selbst dauert wegen der Geräteeinstellung auch ca. 15-20 Minuten länger. Wir haben neben dem grundsätzlichen Vorteil, überhaupt einen Roboter zu haben, ein sogenanntes Phänotypen-Konzept in 3D entwickelt, um jedes Knie noch besser und individuell analysieren zu können, um es dann bestmöglich, ob konventionell oder mit Roboter, zu behandeln. Bis jetzt haben wir seit Oktober 2023 ca. 100 Operationen durchgeführt. Was die Resonanz der Patienten nach Roboter assistierten Operationen betrifft, so sagen die meisten schon, dass sie sehr sicher gehen und sich gut fühlen mit der neuen Prothetik, was sicherlich auch an der vorhin beschriebenen verbesserten Bandführung liegt. Der Einsatz des Roboters allein hilft aber nicht – hier hat die Reise erst begonnen. Vielleicht gibt es in der Zukunft noch kleinere Tools, die vielleicht auch nicht so kostenintensiv sind. Unsere Klinik ist als Referenzzentrum für Primär- und Revisionsprothetik sicherlich führend in der Schweiz, was Roboterchirurgie betrifft, auch weil wir international tätig sind. Es kommen viele Patienten aus dem Ausland zu uns, weil wir als größeres Zentrum mit universitärer Anbindung auch komplexere Fälle betreuen können, und ich selbst bin auch Professor an der Universität Basel mit einer Arbeitsgruppe Robotik und personalisierte Prothetik“, führt Prof. Dr. Hirschmann aus und gibt am Ende unseres Gesprächs noch einen Rat:
„Die Frage `Warum brauche ich eine Knieprothese?´ muss ganz klar zu beantworten sein. Das muss der Operateur erklären können. Bei Revisionen ist das noch viel wichtiger. Hierfür braucht man eine standardisierte Diagnostik. Wenn eine Erstoperation ansteht, so sollte der Patient sich nach den Fallzahlen des Operateurs erkundigen und durchaus auch auf die Mundpropaganda schauen, um sich für eine gute Behandlung entscheiden zu können. Es ist nicht so leicht, als Patient hier gute Informationen zu bekommen. Auch eine Zweitmeinung kann sehr wichtig sein. Und man darf nicht vergessen – die Operation ist das eine, die Nachbetreuung ist das andere. Hier muss beides stimmen. Wenn es um eine Revision geht, sollte man auch einen vielleicht längeren Weg in Kauf nehmen, um auch wirklich die bestmögliche Behandlung zu bekommen“.
Vielen Dank, sehr geehrter Herr Professor Dr. Hirschmann für diesen interessanten Einblick in die Welt der Roboterchirurgie!