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Warum viele Frauen erste Beschwerden lange unterschätzen

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Melanie Al Tikriti, BSc · 15. September 2026

Ein Druckgefühl im Becken, das Gefühl, als würde „etwas nach unten ziehen“, oder Beschwerden beim Gehen und Heben – viele Frauen kennen diese Symptome, sprechen jedoch nur ungern darüber. Oft werden diese Beschwerden als Folgen einer Schwangerschaft, des Älterwerdens oder der Wechseljahre angesehen. Doch hinter diesen Anzeichen, kann eine Gebärmuttersenkung stecken. Sie ist eine der häufigsten Erkrankungen des Beckenbodens, und kann die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen.

Die gute Nachricht ist, dass eine Gebärmuttersenkung heute in vielen Fällen erfolgreich behandelt werden kann. Sei es durch Beckenbodentraining oder Pessartherapien oder durch minimalinvasive Operationsverfahren. Wichtig ist jedoch, die Beschwerden frühzeitig ernst zu nehmen und ärztlich abklären zu lassen. Denn je früher eine Senkung erkannt wird, desto größer sind die Möglichkeiten, Beschwerden zu lindern und ein Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern. 

Gebärmuttersenkung

Was versteht man unter einer Gebärmuttersenkung?

Die Gebärmutter wird normalerweise durch Muskeln, Bänder und das Bindegewebe des Beckenbodens in ihrer natürlichen Position gehalten. Wenn diese Haltestrukturen jedoch geschwächt werden, kann die Gebärmutter langsam nach unten sinken. Man spricht dann von einer Gebärmuttersenkung oder einem Uterusprolaps. Bei einer schweren Senkung kann die Gebärmutter sogar vollständig aus der Scheidenöffnung hervortreten. Häufig sind nicht nur die Gebärmutter, sondern auch Blase oder Enddarm betroffen. Beschwerden beim Wasserlassen oder Stuhlgang sind daher keine Seltenheit.

Eine Gebärmuttersenkung entwickelt sich meist schleichend über viele Jahre. Die Symptome nehmen häufig unter körperlicher Belastung zu.

Welche Ursachen begünstigen eine Gebärmuttersenkung?

Eine Gebärmuttersenkung entsteht meist durch mehrerer Faktoren. Sehr oft wird der Beckenboden durch Schwangerschaften und vaginale Geburten stark beansprucht. Aber auch hormonelle Veränderungen während der Wechseljahre spielen eine wichtige Rolle, da das Gewebe an Elastizität verliert.

Zu den wichtigsten Risikofaktoren gehören:

  • Schwangerschaften und vaginale Geburten
  • höheres Lebensalter
  • Wechseljahre
  • angeborene Bindegewebsschwäche
  • Übergewicht
  • chronischer Husten
  • häufiges schweres Heben
  • chronische Verstopfung 

Welche Beschwerden sind typisch?

Die Symptome unterscheiden sich je nach Ausmaß der Senkung. Leichte Formen verursachen kaum Beschwerden, während fortgeschrittene Senkungen den Alltag erheblich einschränken.

Häufig berichten Betroffene über:

  • Druck- oder Fremdkörpergefühl in der Scheide
  • Rückenschmerzen im unteren Rücken
  • Beschwerden beim Gehen oder längeren Stehen
  • Probleme beim Wasserlassen
  • wiederkehrende Harnwegsinfekte
  • ungewollten Urinverlust
  • Schwierigkeiten beim Stuhlgang
  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr 

Wie wird die Diagnose gestellt?

Die Diagnose lässt sich meist bereits im Rahmen einer gynäkologischen Untersuchung stellen. Dabei beurteilten die Ärztin oder der Arzt die Lage der Gebärmutter sowie möglicher Senkungen von Blase oder Darm. Oft wird die Patientin zusätzlich gebeten zu husten oder zu pressen, um die Beckenbodenbelastung besser beurteilen zu können.

Ultraschalluntersuchungen oder spezielle Untersuchungen der Blasenfunktion können ebenso zum Einsatz kommen, besonders wenn zusätzlich Beschwerden beim Wasserlassen bestehen. 

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Nicht jede Gebärmuttersenkung muss sofort operiert werden. Bei leichten Beschwerden stehen zunächst konservative Behandlungsmöglichkeiten im Vordergrund. Eine gezielte Beckenbodenphysiotherapie kann die Muskulatur stärken und Beschwerden deutlich lindern. Unterstützend kommen häufig Pessare zum Einsatz. Dabei handelt es sich um kleine Hilfsmittel aus Silikon, die in die Scheide eingelegt werden und die Gebärmutter stützen.

Reichen diese Maßnahmen nicht mehr aus oder liegt eine ausgeprägte Senkung vor, kann eine Operation sinnvoll sein. Ziel des Eingriffs ist es, die normale Anatomie des Beckenbodens wiederherzustellen und die Organe dauerhaft zu stabilisieren. 

Welche modernen Operationsverfahren gibt es?

In vielen Fällen erfolgt der Eingriff über die Scheide, sodass keine sichtbaren Bauchschnitte erforderlich sind. Dabei werden erschlaffte Bänder und das Beckenbodengewebe gestrafft und stabilisiert. Bei Frauen, die ihre Gebärmutter erhalten möchten, kommen gebärmuttererhaltende Operationsverfahren zum Einsatz.

 Alternativ kann die Gebärmutter mithilfe spezieller Bänder oder Netze wieder in ihrer ursprünglichen Position befestigt werden. In vielen Fällen erfolgt dies minimalinvasiv über eine Bauchspiegelung. Diese Methode ist oft mit kleineren Hautschnitten, weniger Schmerzen und einer schnelleren Erholung verbunden. 

Kann einer Gebärmuttersenkung vorgebeugt werden?

Nicht alle Ursachen lassen sich verhindern, doch kann ein gut trainierter Beckenboden das Risiko deutlich reduzieren. Regelmäßiges Beckenbodentraining – insbesondere nach einer Schwangerschaft – gilt als eine der wichtigsten vorbeugenden Maßnahmen.

Auch Normalgewicht, ausreichend Bewegung sowie das Vermeiden von dauerhaft schwerem Heben entlasten den Beckenboden. 

Fazit: Eine frühzeitige Behandlung kann die Beschwerden deutlich lindern

Eine Gebärmuttersenkung ist eine häufige Erkrankung, über die viele Frauen nur ungern sprechen. Dabei stehen heute zahlreiche wirksame Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Je nach Schweregrad können Beckenbodentraining, Pessare oder moderne operative Verfahren die Beschwerden deutlich lindern und die Lebensqualität verbessern. Wer ein anhaltendes Druckgefühl im Becken, Probleme beim Wasserlassen oder das Gefühl einer Senkung bemerkt, sollte die Symptome frühzeitig gynäkologisch abklären lassen. Eine rechtzeitige Diagnose eröffnet die besten Chancen auf eine individuell abgestimmte und erfolgreiche Behandlung. 

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