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Sturzprophylaxe im Alter: Was die Cochrane-Analyse zeigt
Sabine Schneider ·
Eine neue Cochrane-Übersichtsarbeit zur Sturzprävention zeigt älteren Menschen und Angehörigen: Auf persönliche Risikofaktoren ausgerichtete Kombinationsprogramme haben gegenüber Bewegungstraining oder Beratung höchstens einen sehr geringen zusätzlichen Nutzen. Das bedeutet nicht, dass sämtliche Ansätze gleich wirksam sind.

Die Untersuchung war keine einzelne Interventionsstudie. Sie fasste randomisierte kontrollierte Studien zusammen und ordnete verschiedene Formen der Sturzprophylaxe ein. Regelmäßige Bewegung und Übungen bleiben dabei zentrale Ansätze.
Das Wichtigste in Kürze
- Große Datengrundlage: Die Cochrane-Arbeit wertete 110 Studien mit 48.919 älteren Menschen aus.
- Aktiv bleiben: Übungsprogramme senken bei zu Hause lebenden älteren Menschen sowohl die Sturzrate als auch die Zahl der Menschen, die stürzen.
- Risiken gezielt prüfen: Bei hohem Sturzrisiko wird eine ausführliche Beurteilung der persönlichen Risikofaktoren empfohlen.
- Wohnung prüfen: Gesicherte Kabel und gutes Licht gehören zu den einfachen Maßnahmen für mehr Sicherheit zu Hause.
Warum sind Stürze mit zunehmendem Alter so riskant?
Stürze im Alter können zu Knochenbrüchen, größeren Platzwunden oder Verletzungen am Kopf führen. Bei etwa 5 bis 10 von 100 Stürzen zu Hause führen sie zu solchen ernsteren Folgen.
Ob das persönliche Risiko erhöht ist, lässt sich aus zunehmendem Alter allein jedoch nicht ableiten. Auch im hohen Alter unterscheidet sich die Ausgangslage von Mensch zu Mensch. Mehrere Einflüsse tragen zum persönlichen Sturzrisiko bei. Schwindel kann zum Beispiel das persönliche Risiko erhöhen. Frühere Stürze und die Angst vor einem weiteren Sturz gehören ebenfalls in das Gespräch.
Solche Belastungen können die Gesundheit und die Selbstständigkeit beeinträchtigen. Nach einem Vorfall können Betroffene sich weniger standfest fühlen. Manche schränken ihre Aktivitäten ein, obwohl ihre individuellen Möglichkeiten eine aktivere Lebensführung zulassen könnten.
Was hat die neue Übersichtsarbeit herausgefunden?
Die Cochrane-Arbeit zur Sturzprävention untersuchte, welchen zusätzlichen Nutzen kombinierte Maßnahmen gegenüber einfacheren Angeboten haben. Sie umfasste 110 randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 48.919 Teilnehmenden. Bei dieser Studienform werden die Teilnehmenden nach dem Zufallsprinzip unterschiedlichen Gruppen zugeteilt.
Je nach eingeschlossener Studie lag das Durchschnittsalter zwischen 62 und 85 Jahren. Untersucht wurden überwiegend Frauen, und die meisten Studien liefen etwa 12 Monate.
Kombinierte Maßnahmen nach persönlichen Risikofaktoren hatten gegenüber Bewegungstraining oder Beratung zur Sturzprophylaxe höchstens einen sehr geringen zusätzlichen Nutzen.
Dieses Ergebnis belegt keine Gleichwertigkeit der Maßnahmen. Die Autoren bewerteten das Verzerrungsrisiko der einbezogenen Studien unterschiedlich und fanden bei einigen Vergleichen Hinweise auf einen möglichen Publikationsbias. Das kann bedeuten, dass Untersuchungen mit bestimmten Ergebnissen eher veröffentlicht wurden als andere.
Was leisten Übungen für die Standfestigkeit?
Von Bewegungsprogrammen können zu Hause lebende Senioren nachweislich profitieren. Eine Cochrane-Übersichtsarbeit kam mit hoher Evidenzsicherheit zu dem Ergebnis, dass solche Programme die Sturzrate und die Zahl der Menschen senken, die stürzen. Übungsprogramme zu Hause und Maßnahmen für mehr Sicherheit in der Wohnung können Stürze ebenfalls verringern.
Gezieltes Üben stärkt die Muskulatur und kann Gleichgewicht, Kraft und Koordination verbessern. Welche Übung für die Kraft geeignet ist, hängt von der körperlichen Ausgangslage ab. Manche Senioren können aktiv trainieren, frei stehen und ihre Balance halten.
Andere Senioren benötigen beim Training Unterstützung durch fachlich ausgewählte Hilfsmittel. Dabei hilft zum Beispiel ein stabiler Stuhl, an dem eine Hand Halt findet.
Beim Üben werden Bewegungen regelmäßig und kontrolliert ausgeführt. Dazu können Abläufe für die Muskeln, das langsame Aufstehen oder das Verlagern des Gewichts von einem Bein auf das andere Bein gehören. Solche Aufgaben können den sicheren Stand verbessern.
Mehrkomponentige Programme enthalten neben anderen Bestandteilen üblicherweise ebenfalls körperliche Übungen. Sie ergänzen Bewegung beispielsweise durch eine Prüfung des Wohnumfelds. Die Analyse spricht daher nicht gegen körperliche Aktivität. Sie betrifft den zusätzlichen Nutzen aufwendiger Kombinationen gegenüber einfacheren Angeboten.
Wann sind aufwendigere Programme trotzdem sinnvoll?
Bei hohem Sturzrisiko empfehlen internationale Leitlinien eine ausführliche Beurteilung der persönlichen Risikofaktoren und darauf ausgerichtete Maßnahmen.
Die Beurteilung soll erkennen, welche Faktoren die Sicherheit beeinträchtigen. Dazu gehören Beschwerden wie Schwindel, die körperliche Beweglichkeit, vorhandene Hilfsmittel und eingenommene Medikamente. Ein Rollator oder eine andere Gehhilfe sollte zur jeweiligen Situation passen und sicher verwendet werden können.
Veränderungen in der Wohnung sollten sich am persönlichen Risiko orientieren. Bei Menschen, die vorab nicht nach ihrem Sturzrisiko ausgewählt wurden, senkten gezielte Maßnahmen gegen Stolperfallen zu Hause die Sturzrate nicht nachweisbar. Das schließt einen praktischen Nutzen gezielter Anpassungen bei besonders gefährdeten Personen nicht aus.
Eine Verhaltenstherapie bei belastender Sturzangst hilft möglicherweise, diese Angst zu lindern. Ziel ist, wieder mehr Zutrauen in den eigenen Körper und den Alltag zu erhalten.
Welche Tipps verringern die Sturzgefahr daheim?
Eine kleine Checkliste kann Hindernisse und unsichere Situationen im Alltag schnell sichtbar machen. Diese Tipps betreffen das Wohnumfeld, Hilfsmittel und regelmäßige Bewegung:
- Kabel sichern: Lose Kabel vom Boden entfernen oder mit Kabelhaltern an der Wand befestigen.
- Treppen beleuchten: Im gesamten Treppenhaus auf ausreichend Licht achten.
- Alltag beobachten: Schwierigkeiten mit Gleichgewicht, Schwindel, Koordination oder beim langsamen Aufstehen und Stehen notieren.
- Schuhe und Wege prüfen: Auf ungeeignete Schuhe, Teppiche und andere Hindernisse achten.
Zur Sturzprophylaxe lassen sich Wohnraumsicherheit und Training verbinden. Bei Unsicherheit sollte eine Fachkraft auswählen, welche Übungen und Hilfsmittel zur persönlichen Beweglichkeit passen.
Wann sollte Sturzprävention ärztlich begleitet werden?
Auch nachlassende Mobilität nach einem Sturz und Angst, die den Alltag einschränkt, sollten angesprochen werden. Bei Stürzen im Alter können verschiedene Ursachen zusammenkommen.
Senioren mit hohem Sturzrisiko sollten ausführlich untersucht werden und passende Unterstützung erhalten. Zur ärztlich begleiteten Vorbeugung von Stürzen gehören die Erfassung persönlicher Risiken und die Auswahl geeigneter Maßnahmen.
Medikamente können ebenfalls Thema des Arztgesprächs sein. Falls Sie einen Zusammenhang zwischen Beschwerden und Medikamenten vermuten, setzen Sie diese nicht eigenmächtig ab. Möglicherweise sturzfördernde Medikamente sollten gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt überprüft werden.
Bringen Sie zum Termin eine Liste Ihrer Medikamente mit und schildern Sie, wann Schwindel oder andere Beschwerden auftreten. Fragen Sie beim Termin auch, welche Unterstützung für Sie infrage kommt.
Häufige Fragen zur Sturzprophylaxe
War die neue Untersuchung eine einzelne Studie?
Nein. Es handelte sich um eine Cochrane-Übersichtsarbeit, die 110 randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 48.919 älteren Menschen auswertete. Eine solche Analyse führt die Ergebnisse vieler Untersuchungen nach festgelegten wissenschaftlichen Kriterien zusammen.
Helfen Bewegungsprogramme gegen Stürze?
Bewegungsprogramme stärken bei zu Hause lebenden älteren Menschen die Sturzprävention, indem sie die Sturzrate und die Zahl der Personen senken, die stürzen. Die Auswahl sollte zur Beweglichkeit und Standfestigkeit passen.
Können Veränderungen in der Wohnung Stürzen vorbeugen?
Maßnahmen für mehr Sicherheit zu Hause können zusammen mit Übungen helfen. Bei Menschen, die nicht nach ihrem Risiko ausgewählt wurden, senkten Maßnahmen gegen Stolperfallen allein die Sturzrate jedoch nicht nachweisbar. Entscheidend ist die persönliche Situation.
Soll ich verdächtige Medikamente absetzen?
Nein. Möglicherweise sturzfördernde Medikamente sollten nicht eigenmächtig abgesetzt, sondern mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt besprochen werden. Bringen Sie dazu eine vollständige Medikamentenliste mit.
Was kann ich gegen Angst vor einem weiteren Sturz tun?
Sprechen Sie anhaltende Angst an, besonders wenn Sie deshalb Bewegung vermeiden oder sich aus dem Alltag zurückziehen. Bei ausgeprägter Sturzangst kann eine Verhaltenstherapie helfen, die Beschwerden zu lindern.
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Über den Fachautor
Sabine Schneider
Chefredakteurin
Sabine Schneider ist ausgebildete Medizinische Praxisassistentin und verfügt über langjährige praktische Erfahrung im medizinischen Umfeld.
Mehr über den Fachautor →Quellen
- Multifactorial and multiple component interventions for preventing falls in older people living in the community. Cochrane Database of Systematic Reviews, 2026
- Verhindern multifaktorielle oder mehrkomponentige Maßnahmen Stürze bei älteren Menschen, die zu Hause leben?. Cochrane, 2026
- Exercise for preventing falls in older people living in the community. Cochrane Database of Systematic Reviews, 2019
- World guidelines for falls prevention and management for older adults: a global initiative. Age and Ageing, 2022
- Wie kann ich im Alter Stürze verhindern?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, 2024
- Stürze bei älteren Menschen. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, 2022
- Do multifactorial approaches (those tailored to a person’s individual risk factors) or multiple component approaches (where everyone receives the same treatment) prevent falls in older people living in the community?. Cochrane, 2026
- Step Safely: Strategies for Preventing and Managing Falls Across the Life-course, Kapitel zu älteren Menschen zu Hause. Weltgesundheitsorganisation, 2021
- Environmental interventions for preventing falls in older people living in the community. Cochrane Database of Systematic Reviews, 2023
- Was ältere Menschen tun können, um Stürzen vorzubeugen. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, 2022
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Mohammed Chebbok
Duderstadt, Niedersachsen

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