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Warum viele Männer Beschwerden beim Wasserlassen zu lange ignorieren

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Melanie Al Tikriti, BSc ·

Häufiger Harndrang, ein schwacher Harnstrahl oder mehrmaliges nächtliches Aufstehen zur Toilette – viele Männer betrachten diese Beschwerden als normale Begleiterscheinung des Älterwerdens. Oft steckt jedoch eine gutartige Prostatavergrößerung dahinter. Sie zählt zu den häufigsten urologischen Erkrankungen im höheren Lebensalter und kann die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen.

Die Symptome beginnen oft schleichend, können aber mit der Zeit deutlich zunehmen. Betroffene haben Schwierigkeiten die Blase vollständig zu entleeren, andere leiden unter ständigem Harndrang oder wiederkehrenden Harnwegsinfektionen. Die gute Nachricht jedoch: Nicht jede Prostatavergrößerung muss operiert werden, da moderne Medikamente die Beschwerden häufig wirksam lindern können. Wenn aber konservative Maßnahmen nicht mehr ausreichen oder Komplikationen auftreten, stehen schonende Operationsverfahren zur Verfügung. 

Prostatavergrößerung 386

Bild KI generiert

Was ist eine gutartige Prostatavergrößerung?

Die Prostata ist eine etwa kastaniengroße Drüse, die unterhalb der Harnblase liegt und die Harnröhre umschließt. Sie produziert einen Teil der Samenflüssigkeit und spielt eine wichtige Rolle für die Fruchtbarkeit. Mit zunehmendem Alter wächst das Prostatagewebe bei vielen Männern langsam weiter. Mediziner sprechen dann von einer benignen Prostatahyperplasie (BPH). Dabei handelt es sich nicht um Krebs, sondern um eine gutartige Vergrößerung der Prostata.

Das zunehmende Gewebe drückt die Harnröhre immer stärker zusammen, wodurch der Urin die Blase nicht mehr ungehindert verlassen kann. 

Welche Symptome sind typisch?

Beschwerden entwickeln sich oft langsam über mehrere Jahre. Während sie anfangs kaum auffallen, können sie mit der Zeit den Alltag aber deutlich beeinträchtigen.

Typische Symptome sind:

  • häufiger Harndrang
  • nächtliches Wasserlassen
  • schwacher Harnstrahl
  • verzögerter Beginn des Wasserlassens
  • Pressen beim Wasserlassen
  • Nachträufeln
  • Gefühl einer unvollständig entleerten Blase
  • plötzlicher starker Harndrang

In fortgeschrittenen Stadien kann es zu einem vollständigen Harnverhalt kommen – die Blase lässt sich trotz starken Harndrangs nicht mehr entleeren. Dieser Zustand stellt einen urologischen Notfall dar und muss sofort behandelt werden.

Wie wird eine Prostatavergrößerung diagnostiziert?

Die Abklärung beginnt mit einem ausführlichen Gespräch über die Beschwerden. Anschließend erfolgt eine körperliche Untersuchung, bei der die Prostata über den Enddarm abgetastet wird. Diese Untersuchungen helfen nicht nur dabei, das Ausmaß der Prostatavergrößerung einzuschätzen, sondern auch andere Ursachen der Beschwerden – etwa Blasensteine oder Prostatakrebs – auszuschließen.

Ergänzend kommen häufig folgende Untersuchungen zum Einsatz:

  • Ultraschall der Prostata und Harnblase
  • Messung des Harnflusses (Uroflowmetrie)
  • Bestimmung des Restharns
  • Urinuntersuchung
  • Blutuntersuchung einschließlich PSA-Wert bei entsprechender Fragestellung 

Wann reichen Medikamente aus?

Bei leichten bis mittelstarke Beschwerden ist oft keine Operation notwendig. Verschiedene Medikamente können aber die Symptome deutlich verbessern. Alpha-Blocker entspannen die Muskulatur im Bereich der Prostata und des Blasenhalses, wodurch der Urin leichter abfließen kann und die Beschwerden rasch nachlassen.

5-Alpha-Reduktase-Hemmer greifen dagegen in den Hormonstoffwechsel ein und können die Prostata innerhalb mehrerer Monate verkleinern. Bei manchen Patienten werden beide Wirkstoffgruppen kombiniert. Wichtig ist es außerdem, ausreichend Flüssigkeit zu sich zu nehmen, weniger Alkohol und Koffein am Abend zu konsumieren, sowie regelmäßige Toilettengänge. 

Wann ist eine Operation sinnvoll?

Nicht immer gelingt es, die Beschwerden mit Medikamenten ausreichend zu kontrollieren. Wenn Komplikationen auftreten oder die Lebensqualität eingeschränkt ist, wird meist eine Operation empfohlen.

Eine operative Behandlung kommt unter anderem infrage bei:

  • wiederkehrendem Harnverhalt
  • häufigen Harnwegsinfektionen
  • Blasensteinen
  • Nierenschädigung durch Harnstau
  • wiederholten Blutungen aus der Prostata
  • anhaltend starken Beschwerden trotz Medikamenten 

Welche modernen Operationsverfahren gibt es?

Die klassische Standardoperation ist die transurethrale Resektion der Prostata (TUR-P). Dabei wird überschüssiges Prostatagewebe über die Harnröhre entfernt ohne dass ein äußerer Schnitt notwendig ist. Dieses Verfahren gilt seit vielen Jahren als bewährte Behandlung.

Daneben haben sich zahlreiche moderne, schonendere Verfahren etabliert. Dazu gehören unter anderem Laserbehandlungen wie die Holmium-Laser-Enukleation der Prostata (HoLEP) oder die GreenLight-Lasertherapie. Beide ermöglichen eine präzise Entfernung von Prostatagewebe bei gleichzeitig geringerem Blutungsrisiko.

Auch stehen außerdem minimalinvasive Verfahren wie die Wasserdampftherapie (Rezūm) oder die Prostataarterienembolisation zur Verfügung. Diese Methoden eignen sich jedoch nicht für jede Form der Prostatavergrößerung und müssen individuell beurteilt werden. 

Kann einer Prostatavergrößerung vorgebeugt werden?

Eine sichere Vorbeugung gibt es leider nicht, da hormonelle Veränderungen und das Alter die wichtigsten Ursachen darstellen. Ein gesunder Lebensstil mit regelmäßiger Bewegung, Normalgewicht und einer ausgewogenen Ernährung fördert jedoch wissentlich die allgemeine Gesundheit. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen helfen dabei, Veränderungen der Prostata frühzeitig zu erkennen. 

Fazit: Gut informiert lassen sich Beschwerden gezielt angehen

Die gutartige Prostatavergrößerung gehört zu den häufigsten Erkrankungen älterer Männer und entwickelt sich meist schleichend. Beschwerden wie häufiger Harndrang oder ein schwacher Harnstrahl sollten deshalb nicht als unvermeidliche Alterserscheinung hingenommen werden. Moderne Medikamente können die Symptome häufig wirksam lindern. Reichen konservative Maßnahmen nicht mehr aus oder treten Komplikationen auf, stehen heute verschiedene schonende Operationsverfahren zur Verfügung. Eine frühzeitige urologische Abklärung ermöglicht eine individuell abgestimmte Behandlung und trägt dazu bei, die Lebensqualität langfristig zu erhalten.

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Über den Fachautor

Melanie Al Tikriti, BSc

Redakteurin

Autorin für Gesundheitstexte und Patientenedukation

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