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Behandlung

Akupunktur - Medizinische Experten

Sabine SchneiderChefredakteurinSabine SchneiderStand:

Kurzübersicht — das Wichtigste zuerst

Möglicher Nutzen
Bei chronischen Rückenschmerzen kann Akupunktur die Schmerzen allenfalls kurzfristig lindern; bei Kniearthrose ist eine Linderung möglich.
Begrenzte Evidenz
Bei vielen anderen Beschwerden ist die Wirkung unklar oder wissenschaftlich nicht belegt.
Ablauf
Sterile Einmalnadeln werden an ausgewählten Körperpunkten eingestochen und gegebenenfalls bewegt oder erwärmt.
Empfindung
Das Einstechen wird häufig als leichtes Kribbeln wahrgenommen und ist nur selten schmerzhaft.
Sicherheit
Häufige Nebenwirkungen sind kleinere Blutungen, Blutergüsse oder vorübergehende Schmerzen an der Einstichstelle.
Kosten
Bei chronischen Schmerzen der Lendenwirbelsäule oder bei Kniearthrose übernimmt die gesetzliche Krankenkasse unter bestimmten Voraussetzungen die Kosten. Wer selbst zahlt, muss je nach Dauer mit etwa 27 bis 47 Euro pro Sitzung rechnen.
Arztwahl
Ärztinnen und Ärzte mit der Zusatzbezeichnung Akupunktur haben eine Kurs-Weiterbildung von 200 Stunden absolviert.

Akupunktur ist ein Verfahren der traditionellen chinesischen Medizin (TCM), bei dem feine Nadeln an ausgewählten Körperstellen in die Haut gestochen werden.

Am besten untersucht ist sie bei chronischen Rückenschmerzen und bei Kniearthrose. Dort kann sie Beschwerden lindern; bei vielen anderen Erkrankungen ist ihre Wirkung unklar oder nicht belegt. Eine Sitzung dauert meist 20 bis 40 Minuten und ist nur selten schmerzhaft.

Akupunkturbehandlung am Rücken mit Meridianmodell im Hintergrund

Bild KI generiert

Was ist Akupunktur?

Akupunktur ist eine Heilmethode der TCM und wird in der Alternativmedizin angeboten: Dabei werden Nadeln an festgelegten Akupunkturpunkten eingestochen. Zugleich ist sie Bestandteil mancher ärztlicher Konzepte der Schmerztherapie.

Die Bezeichnung leitet sich vom lateinischen Wort acus (Nadel) ab. Die Lehre von den Meridianen ordnet die Akupunkturpunkte Leitbahnen zu, in denen die Lebensenergie Qi fließen soll. Nach dieser Vorstellung soll die Reizung einzelner Punkte den Fluss des Qi regulieren und Blockaden lösen. Mitunter ordnet das traditionelle Modell einen Punkt auch einem Organ oder einer bestimmten Körperfunktion zu.

Die angenommenen Energiebahnen sind wissenschaftlich nicht nachgewiesen. Aussagen über Energiefluss, Yin und Yang beschreiben daher das traditionelle Erklärungsmodell und keinen belegten anatomischen Vorgang.

Als mögliche wissenschaftliche Erklärung werden Effekte auf die körpereigene Schmerzverarbeitung in Gehirn und Rückenmark diskutiert.

Von der Akupunktur zu unterscheiden ist die Akupressur, bei der ausgewählte Punkte durch Druck stimuliert werden sollen. Die Moxibustion, also das Erwärmen bestimmter Körperpunkte, ist ein Verfahren aus dem Umfeld der Akupunktur.

Welche Anwendungsgebiete kommen infrage?

Vor einer Akupunktur sollte geklärt sein, welche Diagnose hinter den Beschwerden steht. In der ärztlichen Schmerzmedizin kann sie andere Maßnahmen ergänzen, ersetzt aber keine Behandlung der Ursache.

  • Bei chronischen Rückenschmerzen ist allenfalls eine kurzfristige Linderung möglich. Akupunktur kommt hier als Ergänzung zu aktiven Übungen infrage, nicht als alleinige Therapie.
  • Bei Kniearthrose, auch Gonarthrose genannt, ist eine Linderung der Beschwerden möglich. In Studien wirkte die Behandlung aber nicht stärker als eine Scheinakupunktur, also eine Behandlung, die eine Akupunktur nur nachahmt.
  • Bei chronischen nicht-spezifischen Nackenschmerzen, also Nackenschmerzen ohne klar erkennbare Ursache, ist eine Kombination mit aktivierenden Maßnahmen möglich.
  • Bei akuten nicht-spezifischen Nackenschmerzen empfiehlt die Leitlinie Akupunktur nicht.

Zur Vorbeugung einer episodischen Migräne kann Akupunktur erwogen werden. Ob sie dabei besser wirkt als eine Scheinakupunktur, beantworten Studien jedoch widersprüchlich. Unklar ist, ob Akupunktur Spannungskopfschmerzen vorbeugt.

Beim allergischen Schnupfen (allergische Rhinitis), zu dem auch der Heuschnupfen gehört, deuten Studien auf eine mögliche Besserung der Nasenbeschwerden hin. Um dieses Ergebnis abzusichern, sind weitere Untersuchungen nötig.

  • Zur Geburtsvorbereitung ist der Nutzen unklar.
  • Bei Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft ist die Wirksamkeit nicht belegt.
  • Bei der Raucherentwöhnung ist kein Vorteil für den Rauchstopp nachgewiesen.
  • Zur Gewichtsreduktion ist die Wirksamkeit wissenschaftlich nicht belegt.

Was sollte vor einer Akupunkturbehandlung geklärt werden?

Vor der ersten Sitzung sollte eine Ärztin oder ein Arzt die Ursache der Beschwerden abklären, denn Akupunktur ersetzt keine notwendige Diagnostik. Folgende Fragen sollten beantwortet sein:

  • Welche Erkrankung verursacht die Beschwerden?
  • Werden gerinnungshemmende Medikamente eingenommen?
  • Welcher Nutzen ist beim konkreten Beschwerdebild realistisch?
  • Welche aktiven oder medizinischen Maßnahmen kommen als Alternative infrage?
  • Handelt es sich um eine Kassen- oder eine Selbstzahlerleistung?

Wer gerinnungshemmende Medikamente einnimmt, muss dies vor dem Einstechen ansprechen, denn diese Mittel können kleine Blutungen und Blutergüsse an den Einstichstellen begünstigen. Patientinnen und Patienten sollten zudem nach dem möglichen Nutzen im Vergleich zu anderen Behandlungen fragen.

Wie läuft die Behandlung ab?

Bei der klassischen Körperakupunktur werden sterile Einmalnadeln in ausgewählte Akupunkturpunkte eingeführt. Eine Sitzung dauert meist etwa 20 bis 40 Minuten.

  1. Die Ärztin oder der Arzt legt die zu behandelnden Körperpunkte fest.
  2. Zur Stimulation können die Nadeln bewegt oder vor dem Einsetzen erwärmt werden.
  3. Nach der vorgesehenen Einwirkzeit werden die Nadeln entfernt.

Viele Patientinnen und Patienten spüren beim Einstechen ein leichtes Kribbeln, ausgeprägte Schmerzen sind selten. Das Empfinden hängt von der Einstichstelle und der persönlichen Schmerzempfindlichkeit ab.

Neben der Körperakupunktur werden Ohrakupunktur, Schädelakupunktur und Laserakupunktur angeboten. Für die Kostenübernahme durch die gesetzlichen Krankenkassen ist jedoch die klassische Körperakupunktur maßgeblich.

Welche Risiken und Nebenwirkungen sind möglich?

In einer Auswertung prospektiver Studien, die unerwünschte Ereignisse ab Behandlungsbeginn fortlaufend erfassten, erlebten rund 9 % der Patientinnen und Patienten während einer Behandlungsserie mindestens ein unerwünschtes Ereignis.

  • Leichte Blutungen an der Einstichstelle
  • Kleine Blutergüsse
  • Schmerzen während oder nach dem Einstich
  • Vorübergehende Zunahme der Beschwerden
  • Schwindel oder Kreislaufbeschwerden

In einer älteren deutschen Erhebung wurden leichte Blutungen nach rund 3 %, Blutergüsse nach rund 2 % und Schwindel nach 1 % der dokumentierten Behandlungen erfasst.

Schwere unerwünschte Ereignisse sind selten: Eine Studienauswertung schätzte ihre Häufigkeit auf etwa 1 Ereignis je 10.000 behandelte Patientinnen und Patienten. Sterile Einmalnadeln senken das Risiko, dass beim Einstechen Infektionen übertragen werden.

Brustschmerzen oder Atemnot unmittelbar nach dem Termin sind keine gewöhnliche Reaktion und müssen umgehend medizinisch abgeklärt werden.

Welche Alternativen gibt es?

Bei chronischen Rückenschmerzen ohne klare Ursache sind aktive Maßnahmen wie gezielte Kräftigungs- und Stabilisierungsübungen eine wichtige Alternative zur alleinigen Akupunktur. Akupunktur kann diese Maßnahmen ergänzen, sollte sie aber nicht ersetzen.

VerfahrenFür wen kommt es infrage?Mögliche Vorteile und Grenzen
AkupunkturBei chronischen Rückenschmerzen oder KniearthroseKann Rückenschmerzen kurzfristig reduzieren und Beschwerden bei Kniearthrose möglicherweise lindern; ersetzt bei Rückenschmerzen keine aktive Therapie
Kräftigungs- und StabilisierungsübungenBei chronischen Rückenschmerzen ohne klare UrsacheSind eine wichtige aktive Alternative zur alleinigen Akupunktur
Kräftigungs- und BeweglichkeitsübungenBei KniearthroseKönnen Schmerzen verringern und die Gelenkfunktion verbessern
Konservative orthopädische MaßnahmenJe nach Ursache von Beschwerden am BewegungsapparatDie konservative Therapie in der Orthopädie verbindet je nach Diagnose mehrere nicht operative Verfahren.

Was kostet Akupunktur?

Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt die klassische Körperakupunktur bei Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule oder bei Schmerzen durch Kniearthrose, wenn die Beschwerden seit mindestens 6 Monaten bestehen.

In diesen Fällen umfasst ein regulärer Behandlungszyklus bis zu 10 Akupunktursitzungen innerhalb von höchstens 6 Wochen. In begründeten Ausnahmefällen können die gesetzlichen Krankenkassen bis zu 15 Sitzungen innerhalb von 12 Wochen übernehmen.

Bei anderen Beschwerden zahlen einige Krankenkassen freiwillige Zuschüsse; die Bedingungen sollten Patientinnen und Patienten vor Beginn bei ihrer Kasse erfragen. Damit die Praxis die Behandlung als Kassenleistung abrechnen darf, benötigt sie eine Genehmigung der zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung.

Wer selbst zahlt, erhält eine Rechnung nach der ärztlichen Gebührenordnung. Üblich ist der 2,3-fache Gebührensatz: Eine Sitzung kostet dann nach Angaben des IGeL-Monitors je nach Dauer 26,81 oder 46,92 Euro. Kommen eine Beratung oder weitere Leistungen hinzu, steigt der Betrag. Für eine Sitzung mit Beratung in der Schwangerschaft nennt der IGeL-Monitor zum Beispiel 25 bis 60 Euro. Fragen Sie vor Beginn nach den Gesamtkosten aller geplanten Sitzungen.

Welche Ärztinnen und Ärzte führen Akupunktur durch?

Ärztliche Akupunktur wird unter anderem von entsprechend qualifizierten Fachärztinnen und Fachärzten der Inneren Medizin oder Orthopädie angeboten. Bei Schmerzerkrankungen kann sie in ein umfassenderes Konzept der ärztlichen Schmerztherapie eingebunden sein.

Wer die ärztliche Zusatzbezeichnung Akupunktur erwerben möchte, braucht nach dem Muster-Kursbuch eine Facharztanerkennung in einem Gebiet mit unmittelbarer Patientenversorgung und eine Kurs-Weiterbildung von 200 Stunden. Für die Abrechnung als Kassenleistung ist zusätzlich die Genehmigung der Kassenärztlichen Vereinigung erforderlich.

Im Erstgespräch können Sie folgende Fragen stellen:

  • Welche Diagnose soll behandelt werden und welcher Nutzen ist realistisch?
  • Welche Alternativen kommen für meine Beschwerden infrage?
  • Werden sterile Einmalnadeln verwendet?
  • Besteht eine Genehmigung für die Abrechnung mit der Krankenkasse?

Spezialistinnen und Spezialisten für Akupunktur finden Sie im Anschluss an diesen Text.

Häufige Fragen zur Akupunktur

Ist der Energiefluss auf Meridianen wissenschaftlich nachgewiesen?

Nein. Meridiane und der darin angenommene Fluss des Qi gehören zum traditionellen Erklärungsmodell der TCM. Dass diese Energiebahnen anatomisch existieren, ist wissenschaftlich nicht nachgewiesen.

Wie wirksam ist Akupunktur?

Das hängt vom Anwendungsgebiet ab. Bei chronischen Rückenschmerzen kann Akupunktur Beschwerden allenfalls kurzfristig verringern. Bei Kniearthrose ist eine Linderung möglich, allerdings wirkt sie dort nicht besser als eine Scheinakupunktur.

Ist Akupunktur schmerzhaft?

Das Einstechen wird häufig als leichtes Kribbeln wahrgenommen und ist nur selten schmerzhaft. Dennoch kann die Einstichstelle vorübergehend schmerzen, und die Beschwerden können kurzzeitig zunehmen.

Wie viele Sitzungen sind nötig?

Die Zahl der Sitzungen hängt vom Beschwerdebild und vom Verlauf ab. Übernimmt die gesetzliche Krankenkasse die Behandlung, umfasst ein Zyklus in der Regel bis zu 10 Sitzungen in höchstens 6 Wochen. In begründeten Ausnahmefällen sind bis zu 15 Sitzungen innerhalb von 12 Wochen möglich.

Worauf sollten Patientinnen und Patienten nach einer Akupunktur achten?

Nach einer Sitzung können kleine Blutergüsse, leichte Schmerzen an den Einstichstellen oder vorübergehend stärkere Beschwerden auftreten. Brustschmerzen oder Atemnot unmittelbar nach dem Termin sind dagegen keine gewöhnliche Reaktion und müssen umgehend medizinisch abgeklärt werden.

Wie hoch sind die Kosten einer Akupunktur?

Als Selbstzahlerleistung kostet eine Sitzung beim üblichen 2,3-fachen Gebührensatz je nach Dauer rund 27 oder 47 Euro, mit Beratung und weiteren Leistungen auch mehr. Bei chronischen Schmerzen der Lendenwirbelsäule oder bei Kniearthrose kann die gesetzliche Krankenkasse unter festgelegten Voraussetzungen die Kosten übernehmen.

Sabine Schneider

Über den Fachautor

Sabine Schneider

Chefredakteurin

Sabine Schneider ist ausgebildete Medizinische Praxisassistentin und verfügt über langjährige praktische Erfahrung im medizinischen Umfeld.

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Quellen