Herzklappenrekonstruktion: Informationen & Spezialisten

Die Herzklappenrekonstruktion ist eine Herzklappen-OP und dient der Wiederherstellung einer erkrankten und dadurch in ihrer Funktion geschädigten Herzklappe. Die körpereigene Herzklappe wird dabei nicht ersetzt, sondern nur "repariert". Die Erhaltung der eigenen Herzklappe ist komplikationsärmer als der Einsatz einer fremden Herzklappe. Hier finden Sie weiterführende Informationen sowie ausgewählte Herzklappenrekonstruktionsspezialisten und Zentren.

Empfohlene Spezialisten für Herzklappenrekonstruktionen

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Herzklappenrekonstruktion - Weitere Informationen

Wann ist eine Herzklappenrekonstruktion notwendig?

Das menschliche Herz besitzt vier Herzklappen.

Zwei Herzklappen, die Segelklappen, liegen zwischen den Vorhöfen und trennen diese von den Herzkammern:

  • die Trikuspidalklappe rechts und
  • die Mitralklappe links.

Zwei weitere Herzklappen, die Taschenklappen, verschließen die Öffnungen der Herzkammern zu den großen Arterien:

  • die Aortenklappe (links) zur Aorta und
  • die Pulmonalklappe (rechts) zur Lungenarterie.

Alle vier Herzklappen können erkranken und müssen dann sehr häufig über Herzklappenoperationen behandelt werden.

Im Wesentlichen treten zwei wichtige Erkrankungen der Herzklappen auf:

  • die Herzklappenstenose und
  • die Herzklappeninsuffizienz.
Das Herz und die Herzklappen
Die vier Herzklappen: Die Segelklappen befinden sich außen, die beiden Taschenklappen innen © Martin | AdobeStock

Bei der Herzklappenstenose öffnet sich die Herzklappe nicht ausreichend. Dadurch fließt weniger Blut hindurch. Vor der Klappe (im Herzinneren) kommt es dadurch zu einem Druckanstieg.

Schließt die Herzklappe nicht richtig, spricht man von einer Herzklappeninsuffizienz. Das bedeutet, dass Blut nach dem Durchtritt durch die Herzklappe wieder zurück in die Kammer fließt. Die Folge ist das sogenannte Pendelblut.

Sowohl bei der Stenose als auch bei der Insuffizienz wird das Herz stärker belastet. Um mehr Kraft aufzubringen, vergrößert sich das Herz, d. h. der Herzmuskel verdickt sich und die Herzkammern werden erweitert.

Ab einer bestimmten Wanddicke wird der Herzmuskel nur noch unzureichend versorgt, sodass eine Herzinsuffizienz (Herzschwäche) droht. Um dies zuv ermeiden, können sich die Mediziner für eine Herzklappenrekonstruktion aussprechen.

Herzklappenrekonstruktion am offenen Herzen

Die Herzklappenrekonstruktion erfolgt in der Mehrheit der Fälle durch eine Operation am offenen Herzen. Dabei öffnet der Chirurg den Brustkorb direkt über dem Brustbein und legt das Herz frei. Um die Herzklappe behandeln zu können, muss das Herz angehalten werden. Eine Herz-Lungen-Maschine übernimmt den Kreislauf, solange das Herz nicht schlägt.

Während der Herzklappenrekonstruktionsoperation liegt der Patient in Vollnarkose und verschläft so den Eingriff.

Für eine Herzklappenrekonstruktion stehen dem Arzt verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung:

  • die Klappenöffnung lässt sich durch das Abtragen von Gewebe vergrößern,
  • Ablagerungen im Bereich der Herzklappe können entfernt werden,
  • Bänder, die die Segelklappen steuern, können repariert und beispielsweise wieder mit der Herzklappe verbunden werden.

Darüber hinaus ist es möglich, die Klappenbasis (Anulus)durch Hinzufügen von Gewebe oder Anlegen eines Anulus-Bandes zu stärken.

Hat der Arzt die Herzklappe wiederhergestellt wird der Patient von der Herz-Lungen-Maschine getrennt. Das Herz schlägt wieder selbstständig und die Operationswunden der Herzklappenrekonstruktion werden vernäht.

Anschließend folgen einige Tage auf der Intensivstation, wo der Patient überwacht wird. So können die Mediziner eventuelle Komplikationen nach Abschluss der Herzklappenrekonstruktion schneller erkennen.


Das menschliche Herz © Peter Hermes Furian | AdobeStock 

Minimal-invasive Herzklappenrekonstruktion

In einigen Fällen ist es möglich, eine Herzklappenrekonstruktion am schlagenden Herzen durchzuführen. Über einen sogenannten minimal-invasiven Eingriff verschafft sich der Chirurg Zugang zum Herzen und zur beschädigten Herzklappe.

Die Mitralklappenrekonstruktion eignet sich besonders gut für eine minimal-invasiv durchgeführte Herzklappenrekonstruktion.

Der Chirurg setzt dafür etwa fünf bis sechs Zentimeter lange Einschnitte am rechten Brustkorb entlang des Brustbeins. Eine Durchtrennung des Brustbeins ist bei der minimal-invasiven Herzklappenrekonstruktion nicht notwendig.

Auch beim Aortenklappenersatz kann, wann immer möglich, die minimal-invasive Operation durchgeführt werden. Dabei wird das Brustbein nur noch im oberen Bereich und lediglich teilweise durchtrennt. Die Schnittlänge für den Eingriff wurde somit von 20 bis 30 Zentimetern auf unter acht Zentimeter verringert.

Der minimal-invasive Eingriff verringert in erster Linie

  • die Schmerzen nach der Herzklappenrekonstruktion,
  • die Narbenbildung und
  • die Erholungsdauer.

Vor allem in Bezug auf die Wundheilung bietet diese Methode beachtliche Verbesserungen. Wundheilungsstörungen werden vermieden. Dadurch heilt die Operationsnarbe schneller als bei der herkömmlichen Herzklappenrekonstruktion. Durch die geringere Belastung im Bereich des Brustbeins nimmt der Patient die Schmerzen weniger stark wahr. Das erleichtert ihm das Einatmen.

Heutzutage kommt die minimal-invasive Methode gerade wegen dieser Vorteile immer häufiger zur Anwendung. In Deutschland gibt es diese Form der Herzchirurgie bisher jedoch nur in wenigen ausgewählten Herzzentren.

Die Herzklappenrekonstruktion der Mitralklappe

Zu den häufigsten Ursachen einer Mitralklappeninsuffizienz gehört das Durchschlagen des hinteren Mitralsegels. In diesem Fall sind die Sehnenfäden, die das Segel steuern, abgerissen. Dadurch fehlt die Verbindung zwischen Herzklappe und Papillarmuskeln, die die Klappenfunktion steuern. Die Papillarmuskeln liegen stets unterhalb der Herzklappe und entspringen dem Muskel der jeweiligen Herzkammer.

Bei einem Herzschlag zieht sich die Kammermuskulatur zusammen und ebenso die Papillarmuskeln. Dadurch öffnen sich die Segelklappen und schließen sich wieder, nachdem das Blut ausgeworfen wurde.

Eine undichte Mitralklappe lässt sich durch verschiedene modernste Techniken und in Abhängigkeit

  • von der Schwere des Klappenschadens sowie
  • der Gewebequalität

ausreichend gut rekonstruieren.

Bei allen OP-Methoden muss die Herzklappe mithilfe eines Metallrings stabilisiert werden. Dieser Ring hält die Klappensegel offen und sorgt dafür, dass sie sich gut schließen lassen. Das verhindert den Rückfluss des Blutes (Pendelblut).

Überdehnte oder abgerissene Sehnenfäden werden routinemäßig aus vorproduzierten Gore-Tex-Fäden am Papillarmuskel befestigt. Gleichzeitig wird das durchschlagene Segel der Klappe genäht und somit das wiederholte Durchschlagen verhindert. Diese Gore-Tex-Fäden übernehmen vollständig die Funktion der früheren Sehnenfäden, wodurch die ursprüngliche Klappenfunktion wiederhergestellt wird.

Sehr viel seltener schlagen Teile oder das ganze vordere Mitralsegel durch, was ebenfalls zu einer Mitralklappeninsuffizienz führt. Die neue Methode des Sehnenfädenersatzes hat den großen Vorteil, dass das betroffene Segel großflächig neu aufgehängt werden kann.

Ist eine Herzklappenrekonstruktion auf diese Weise nicht möglich, kommen alternativ die altbewährten Verfahren nach Carpentier zur Anwendung. Hierbei wird das betroffene Segment weggeschnitten und die Reste der Klappenteile vernäht. Dadurch entsteht ein kleineres, aber dennoch funktionstüchtiges hinteres Mitralklappensegel.

Überwiegend in sehr schwierigen Spezialfällen wird eine nach dem italienischen Herzchirurgen Alfieri benannte „Double-orifice“-Technik angewandt. Dabei vernäht der Chirurg vorderes und hinteres Segel und verknüpft sie somit über eine kurze Strecke, sodass sie gemeinsam öffnen und schließen.

Zusätzlich wird routinemäßig ein Kunststoffring (Anuloplastie-Ring) eingesetzt. Dieser fasst die eigentliche Klappe nach der Herzklappenrekonstruktion ein und verkleinert den eingesetzten Klappenring.

Der Kunststoffring ist sehr wichtig, um die Herzklappenrekonstruktion auch langfristig zum Erfolg zu führen. Der Einsatz eines Anuloplastie-Rings erfordert die vorsorgliche Blutverdünnung mit Marcumar bis etwa drei Monate nach der Herzklappenrekonstruktion. Nach Ablauf der drei Monate ist der eingesetzte Ring eingewachsen und stellt kein Embolierisiko mehr dar.

Aufgrund der erfolgreichen Möglichkeiten der Herzklappenrekonstruktion ist ein Klappenersatz nur noch in sehr seltenen Fällen nötig.

Herzklappenrekonstruktion und die Statistik

Besonders ältere Patienten, die sehr häufig bereits an Herzinsuffizienz leiden, haben mit der Herzklappenrekonstruktion Probleme.

Wird die Herzkammer durch den Wegfall des „Herzfehlers“ wieder erweitert, erweitert sich auch der eingenähte Mitralklappenring. Da die Segel der Mitralklappe daran aufgehängt sind, können die Segel in der Mitte nicht mehr richtig schließen und es entsteht die sogenannte funktionelle Mitralklappeninsuffizienz.

Ist die Herzklappe wieder undicht, wird die Herzkammer durch das Pendelblut erneut stärker belastet. Die linke Herzkammer wird größer, damit das Herz die nötige Pumpleistung wieder aufbringen kann. Der Ring leiert schließlich aus und die Mitralklappe wird mehr und mehr undicht.

Da mit größer werdendem Herz die Blutversorgung des Herzmuskels an Grenzen stößt, schlägt das Herz vergleichsweise immer schwächer. Die Pumpleistung nimmt ab. Der Patient fällt durch

auf.

Ein vollständiger Ersatz der Mitralklappe ist nur dann notwendig, wenn die Herzklappe sehr stark verkalkt oder entzündungsbedingt zerstört ist.

Nach einer Statistik der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG) wurden 2012 in allen deutschen Herzzentren ca. 5.500 Patienten an der Mitralklappe operiert.

Bei 3.600 von ihnen handelte es sich um eine Herzklappenrekonstruktion, bei 60 % davon gelang dies über minimal-invasive Verfahren. Die Sterblichkeit bei Mitralklappeninsuffizienz halbierte sich dank der Herzklappenrekonstruktion zwischen den Jahren 2000 und 2012.

Deutschland liegt bei der Menge und Qualität der Herzklappenrekonstruktionen im internationalen Spitzenfeld. Eine frühzeitige Operation und Herzklappenrekonstruktion kann zudem die Lebensqualität und Lebenserwartung für die Betroffenen erhöhen.

Perkutane Clip-Implantation für inoperable Patienten

Das Operationsrisiko einer Herzklappenrekonstruktion steigt

  • bei weit fortgeschrittener Mitralklappeninsuffizienz und
  • bei gleichzeitig bestehenden altersbedingten Krankheitsleiden 

sehr deutlich an. Für solche Patienten favorisieren die Ärzte derzeit die minimal-invasive perkutane Implantation eines Mitralklappen-Clips.

Dabei handelt es sich um eine katheterbasierte Herzklappenrekonstruktion, bei der ein Clip in den linken Vorhof eingebracht wird. Mit diesem Clip lassen sich die beiden Klappensegen zusammenheften und so die Funktion wiederherstellen.

Die randomisierte EVEREST II-Studie verglich die Mitralklappen-Clip-Implantation mit der standardmäßigen Operation. Sie schaffte Klarheit darüber, welche Methode wann die besseren Ergebnisse erzielen würde. Die EVEREST II-Studie untersuchte 279 Patienten mit einem niederschwelligen Schweregrad der Herzklappeninsuffizienz.

Eine Gruppe erhielt eine offene Operation, die andere eine perkutane Herzklappenrekonstruktion der Mitralklappe mittels Clip. Bei 20 % der Probanden, die einen Mitral-Clip erhalten hatten, verschlechterte sich die Klappenschwäche im Verlauf von 6 Monaten. 80 % hingegen zeigten ein gutes Ergebnis, das auch langfristig stabil blieb.

Insgesamt zeigte sich, dass das perkutane Verfahren zur Herzklappenrekonstruktion ein niedrigeres Risiko hat. Die offene Operation ist aber doch deutlich effizienter und dadurch für solche Patienten das überlegenere Verfahren.

Durch diese Studienergebnisse veränderte sich die Operationslandschaft für Mitralklappeninsuffizienzen in Deutschland sehr nachhaltig. Heute werden überwiegend Patienten in schlechter gesundheitlicher Verfassung mit der perkutanen Methode behandelt, wenn sie ein hohes Risiko für Komplikationen haben.

Fazit zur Herzklappenrekonstruktion

Die Mitralklappeninsuffizienz ist der zweithäufigste Herzklappenschaden bei erwachsenen Deutschen.

Das Behandlungsverfahren der Wahl ist die Herzklappenrekonstruktion. Bedeutende Fortschritte wurden in den letzten Jahren im Bereich der minimal-invasiven Herzklappenrekonstruktion erzielt. Diese Operationsmethode bietet deutliche Vorteile bei

  • der Komplikationsrate,
  • beim Heilungsprozess sowie
  • in der Schmerzvermeidung nach erfolgter Operation.

Gleichzeitig werden parallel neuartige katheterbasierte Behandlungsverfahren entwickelt und erprobt. Dazu gehört zum Beispiel die perkutane Mitralklappenrekonstruktion durch Einsetzen eines Mitral-Clips. Dieses Verfahren wurde in Studien medizinisch bewertet und auf seine breite Anwendbarkeit getestet.

Die Herzklappenrekonstruktion wird stärker favorisiert als der Herzklappenersatz. Mittlerweile werden in Deutschland mehr als 50 % aller Mitralklappenschäden durch die Klappen erhaltende Herzklappenrekonstruktion behandelt.

Quellen

http://www.aerzteblatt.de/archiv/115014/Perkutane-und-chirurgische-Therapie-der-Mitralklappeninsuffizienz

http://www.dhm.mhn.de/ww/de/pub/dhm/kliniken_und_institute/herz_und_gefaesschirurgie/chir_erworbene_herzfehler/minimalinvasive_chirurgie.htm

http://www.kardionet.de/herzklappenoperation

http://www.medscapemedizin.de/artikel/4901082

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