Die intrazytoplasmische morphologisch selektierte Spermieninjektion (IMSI) ist eine ergänzte Form der ICSI. Vor der künstlichen Befruchtung wird ein Spermium unter starker Vergrößerung nach seiner Form ausgewählt.
Ob sie die Chance auf eine Lebendgeburt gegenüber der herkömmlichen Methode erhöht, ist jedoch nicht belegt.
Was unterscheidet IMSI und ICSI?
Der Unterschied liegt in der Auswahl des Spermiums. Bei der IMSI werden Samenzellen stark vergrößert und morphologisch, also anhand ihrer sichtbaren Form, analysiert. Für die Beurteilung zählt neben der Vergrößerung eine ausreichend hohe Bildauflösung. Die Methode ist damit eine Weiterentwicklung des Auswahlschritts bei der intrazytoplasmatischen Spermieninjektion.
Bei beiden Verfahren wird das selektierte Spermium mit einer feinen Nadel direkt in das Innere der Eizelle injiziert. Diese Spermien-Injektion geschieht außerhalb des Körpers und verursacht der Patientin daher keine Schmerzen.
Die starke Vergrößerung macht Einzelheiten am Kopf und Zellkern der Samenzelle sichtbar. Auch bei der herkömmlichen ICSI lassen sich auffällige Formen und große Vakuolen erkennen und meiden.
Vakuolen sind sichtbare Bereiche im Spermienkopf, deren Entstehung und Bedeutung nicht abschließend geklärt sind. In einer Untersuchung korrelierten sie weder mit DNA-Schäden noch mit der späteren Lebendgeburt. Ein unauffälliges Bild unter dem Mikroskop garantiert daher keine genetische Integrität des Spermiums.
Für wen kommt die IMSI-Methode infrage?
Die Anwendung der IMSI kann bei männlich bedingter Kinderlosigkeit besprochen werden. Untersucht wurde sie bei unterschiedlichen männlichen Ursachen und bei stark veränderter Form der Spermien. Eine allgemein anerkannte Indikation für eine bestimmte Gruppe ergibt sich daraus nicht.
- Männliche Fruchtbarkeitsstörung: Ein routinemäßiger Vorteil wurde bei nicht näher ausgewählten Paaren nicht bestätigt.
- Stark veränderte Spermienform: IMSI und herkömmliche ICSI wurden in einer randomisierten Studie miteinander verglichen.
- Erfolglose ICSI: Eine vergleichende Studie beobachtete bessere Ergebnisse, belegt damit aber keinen allgemeinen Zusatznutzen.
- Wiederholte Fehlgeburten: Kontrollierte Untersuchungen zum gezielten Nutzen dieser Spermienauswahl fehlen.
- Sorge wegen Vakuolen: Das Aussehen erlaubt keinen verlässlichen Rückschluss auf DNA-Schäden oder den späteren Behandlungserfolg.
Ob die IMSI die Chance auf eine Lebendgeburt verbessert oder Fehlgeburten verhindert, bleibt unsicher. Eine weitere Auswertung randomisierter Studien fand bei beiden Ergebnissen keinen nachweisbaren Unterschied. Einzelne Werte zur Befruchtungsrate und zu Schwangerschaftsraten zeigen deshalb nicht verlässlich, ob am Ende ein Kind geboren wird.
Bei Kindern nach IMSI zeigte eine Studienauswertung im Vergleich zur ICSI keinen nachweisbaren Unterschied bei Chromosomenauffälligkeiten. Das belegt weder einen besonderen Sicherheitsvorteil noch einen höheren Behandlungserfolg.
Wie bereitet man sich vor und wie läuft die Behandlung ab?
Die Vorbereitung entspricht im Wesentlichen einer Kinderwunschbehandlung mit ICSI. Wer eine Schwangerschaft plant, sollte auf eine gesunde Ernährung und Bewegung achten und das Rauchen beenden. Für den Mann sollte eine Ärztin oder ein Arzt mit der Zusatzbezeichnung Andrologie einbezogen sein.
- Im Rahmen der Kinderwunschtherapie werden Eizellen gewonnen. Die Entnahme kann ambulant unter einer über die Vene gegebenen Sedierung erfolgen.
- Die gewonnenen Eizellen und die Samenprobe werden für die weitere Behandlung vorbereitet.
- Unter einem hochauflösenden Mikroskop beurteilt das Labor Veränderungen an den Spermien. Eine nach ihrer sichtbaren Struktur geeignet erscheinende Samenzelle wird ausgewählt.
- Danach folgt die intrazytoplasmatische Injektion des Spermiums in die Eizelle.
Die Eizellentnahme erfolgt üblicherweise unter Sedierung. Wie viel eine Patientin dabei wahrnimmt, hängt unter anderem von der gewählten Sedierung ab. Die Befruchtung der Eizelle und die zusätzliche Auswahl der Samenzelle geschehen anschließend außerhalb des Körpers.

Wie lange dauert die Behandlung und was folgt danach?
Die zusätzliche Spermienauswahl bei der IMSI ist zeitaufwendig. Eine verlässliche Gesamtdauer des Behandlungstermins lässt sich daraus nicht ableiten. Die Eizellentnahme kann ambulant stattfinden; Auswahl und Spermien-Injektion folgen im Labor.
Nach dem Embryo-Transfer wird bei einer IVF- oder ICSI-Therapie häufig Progesteron gegeben. In einer Studie war der Schwangerschaftstest am 14. Tag nach dem Transfer vorgesehen. Der individuelle Zeitplan richtet sich nach dem Ablauf des jeweiligen Behandlungszyklus.
Bettruhe nach dem Embryotransfer verbessert die Erfolgsaussichten einer IVF- oder ICSI-Behandlung nicht. Nach der Eizellentnahme sollten Sie jedoch neue oder zunehmende Beschwerden beachten. Bauchschmerzen und ein wachsender Bauchumfang können auf eine Blutung in die Bauchhöhle hinweisen und sollten ärztlich abgeklärt werden.
Welche Risiken und Nebenwirkungen sind möglich?
Die mikroskopische Auswahl selbst belastet den Körper nicht. Die wesentlichen Risiken entstehen durch die hormonelle Stimulation und die Eizellentnahme, die zur gesamten ICSI-Behandlung gehören.
- Überstimulationssyndrom: Eine mittelschwere bis schwere ovarielle Überstimulation tritt bei 0,6 % bis 5 % der IVF-Behandlungszyklen auf. Das Risiko entsteht durch die Hormonbehandlung.
- Blutung: Bei der Eizellentnahme sind Blutungen möglich.
- Verletzung: Die Entnahmenadel kann Strukturen im Becken verletzen.
- Infektion: Durch das Einbringen der Entnahmenadel kann eine Infektion entstehen.
Erforderte ein ovarielles Überstimulationssyndrom eine Krankenhausaufnahme, dauerte der Aufenthalt in einer Untersuchung durchschnittlich etwa 3,1 Tage. Bei schweren Verläufen waren es durchschnittlich etwa 5,2 Tage. Diese Angaben betreffen eine Komplikation und nicht den üblichen Ablauf der IMSI.
Welche Alternativen gibt es?
Die wichtigste Alternative ist die herkömmliche ICSI. Bei Paaren ohne schwere männliche Fruchtbarkeitsstörung kann auch eine Befruchtung außerhalb des Körpers (IVF) infrage kommen. Eine aktuelle Studienauswertung empfiehlt die ICSI bei anderen Ursachen als schwerer männlicher Unfruchtbarkeit nicht routinemäßig.
| Verfahren | Für wen kann es erwogen werden? | Vorteile | Nachteile und Grenzen |
|---|---|---|---|
| IMSI | Untersucht bei unterschiedlichen männlichen Ursachen, stark veränderter Spermienform und nach erfolgloser ICSI | Zusätzliche Beurteilung sichtbarer Strukturen | Die zusätzliche Auswahl ist zeitaufwendig und kann privat berechnet werden; kein nachgewiesener Vorteil bei Lebendgeburten |
| Herkömmliche ICSI | Vor allem bei schwerer männlicher Fruchtbarkeitsstörung | Etabliertes Vorgehen; auffällige Formen und große Vakuolen können ebenfalls gemieden werden | Keine Auswahl unter der für IMSI verwendeten starken Vergrößerung |
| IVF | Bei Paaren ohne schwere männliche Fruchtbarkeitsstörung | Keine direkte Injektion eines Spermiums in die Eizelle | Nicht für jede Ursache der Kinderlosigkeit geeignet |
Zahlt die Krankenkasse die IMSI?
Die zusätzliche morphologische Auswahl kann als selbst zu zahlende Zusatzleistung angeboten werden. Der Preis hängt vom Aufwand und den abgerechneten Leistungen ab. Ein üblicher Betrag in Euro lässt sich deshalb nicht allgemein angeben.
Vor einer privat berechneten Zusatzleistung sollten Paare einen schriftlichen Kostenvoranschlag erhalten. Wird die IMSI als individuelle Gesundheitsleistung angeboten, ist vorab eine schriftliche Behandlungsvereinbarung erforderlich. Anschließend muss eine Rechnung ausgestellt werden.
Die Richtlinie zur künstlichen Befruchtung führt die ICSI als Leistung der gesetzlichen Krankenversorgung auf, nennt aber keine zusätzliche IMSI-Auswahl. Sind die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt, übernimmt die Krankenkasse 50 Prozent der genehmigten Kosten für die jeweils versicherte Person. Die Zusatzleistung ist damit nicht automatisch abgedeckt.
Gesetzlich Versicherte können ihre Krankenkasse vorab nach einer freiwilligen Erstattung fragen; zugesichert ist sie nicht. Privatversicherte sollten den Kostenvoranschlag vor der Behandlung einreichen. Ob ihre Versicherung zahlt, hängt vom jeweiligen Vertrag ab.
Welche Ärztinnen und Ärzte führen die IMSI durch?
Die ärztliche Betreuung erfolgt in einem reproduktionsmedizinischen Zentrum. Ein erkennbares Qualifikationsmerkmal ist der Schwerpunkt Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin. Er baut auf der Facharztweiterbildung für Frauenheilkunde und Geburtshilfe auf.
In Einrichtungen, die Keimzellen entnehmen oder untersuchen, ist eine ärztliche Verantwortung mit entsprechender Sachkunde vorgesehen. Für die Diagnostik der männlichen Fruchtbarkeit sollte außerdem eine Ärztin oder ein Arzt mit der Zusatzbezeichnung Andrologie beteiligt sein. Bei Bedarf sollte das Zentrum mit Humangenetik sowie ärztlicher oder psychologischer Psychotherapie zusammenarbeiten können.
Im Erstgespräch können Sie folgende Fragen stellen:
- Warum wird mir die IMSI statt einer herkömmlichen ICSI vorgeschlagen?
- Welcher Zusatznutzen ist in meiner persönlichen Situation realistisch?
- Wer wählt die Keimzellen aus und welche Qualifikation hat das Laborpersonal?
- Welche Gesamtkosten entstehen und welche Leistungen enthält der Kostenvoranschlag?
Spezialistinnen und Spezialisten für IMSI finden Sie im Anschluss an diesen Text.
Häufige Fragen zur IMSI
Erhöht IMSI die Chance, ein Kind zu bekommen?
Ein Vorteil bei der Lebendgeburt ist bisher nicht nachgewiesen. Studienauswertungen bewerten den Nutzen gegenüber der herkömmlichen ICSI als unsicher oder finden keinen nachweisbaren Unterschied.
Kann IMSI nach einer erfolglosen ICSI helfen?
Eine vergleichende Studie beobachtete nach zuvor erfolgloser ICSI bessere Behandlungsergebnisse. Diese einzelne Untersuchung reicht nicht aus, um einen allgemeinen Zusatznutzen zu belegen.
Was bedeuten Vakuolen im Kopf eines Spermiums?
Ihre genaue Beschaffenheit und Bedeutung sind nicht abschließend geklärt. Sie erlauben keinen verlässlichen Rückschluss auf die DNA-Integrität oder den späteren Behandlungserfolg.
Muss ich nach dem Embryotransfer im Bett bleiben?
Nein. Bettruhe steigert die Erfolgsaussichten einer IVF- oder ICSI-Behandlung nicht.
Übernimmt die gesetzliche Krankenkasse die zusätzliche IMSI-Auswahl?
Eine Übernahme ist nicht automatisch vorgesehen, weil die Kassenrichtlinie die ICSI, aber keine zusätzliche IMSI-Auswahl aufführt. Auch bei einer genehmigten Kinderwunschbehandlung ist diese Zusatzleistung daher nicht automatisch abgedeckt.
Über den Fachautor
PD Dr. med. Melanie Henes
Medizinische Fachautorin · Ltd. Schwerpunktoberärztin der Hormon- und Kinderwunschsprechstunde und Dysplasieeinheit der Universitäts-Frauenklinik Tübingen · Tübingen
Mehr über den Fachautor →Quellen
- Focus on intracytoplasmic morphologically selected sperm injection (IMSI): a mini-review. Asian Journal of Andrology, 2013
- Fruchtbarkeitsstörungen. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, 2026
- Regular (ICSI) versus ultra-high magnification (IMSI) sperm selection for assisted reproduction. Cochrane, 2020
- Live birth and miscarriage rate following intracytoplasmic morphologically selected sperm injection vs intracytoplasmic sperm injection: An updated systematic review and meta-analysis. Acta Obstetricia et Gynecologica Scandinavica, 2019
- Clinical outcome of intracytoplasmic injection of spermatozoa morphologically selected under high magnification: a prospective randomized study. Reproductive BioMedicine Online, 2011
- Remimazolam Use in Anesthetic Management for Transvaginal Oocyte Retrieval: A Case Series. A&A Practice, 2026
- Effectiveness of music therapy as an adjuvant to conscious sedation in women undergoing transvaginal oocyte retrieval: A randomized controlled trial. Reproductive BioMedicine Online, 2022
- Richtlinien über künstliche Befruchtung. Gemeinsamer Bundesausschuss, 2022
- Was kosten Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL)?. Verbraucherzentrale, 2025
- Fachlich empfohlener Weiterbildungsplan für den Schwerpunkt Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin. Bundesärztekammer, 2024
- Diagnostik und Therapie vor einer medizinisch assistierten Reproduktionsbehandlung. Leitlinienprogramm der DGGG, OEGGG und SGGG, 2026
- IMSI-Guidelines for Sperm Quality Assessment. Cells, 2022
- Intracytoplasmic morphologically selected sperm injection (IMSI): a critical and evidence-based review. Human Reproduction Update, 2015
- The nature of human sperm head vacuoles: a systematic literature review. Human Reproduction Update, 2015
- Vacuoles in sperm head are not associated with head morphology, DNA damage and reproductive success. Reproductive BioMedicine Online, 2016
- IMSI procedure improves clinical outcomes and embryo morphokinetics in patients with different aetiologies of male infertility. Andrologia, 2019
- IMSI does not improve pregnancy outcomes and live birth rate in severe teratozoospermia patients: a double-blind randomized controlled trial. Scientific Reports, 2026
- Reprod Biol Endocrinol. 2015 Aug 27;13:97. doi: 10.1186/s12958-015-0096-y. Journal of Ovarian Research, 2015
- Can intra cytoplasmatic morphologically selected sperm injection (IMSI) technique improve outcome in patients with repeated IVF-ICSI failure? a comparative study. Gynecological Endocrinology, 2015
- Diagnostik und Therapie von Frauen mit wiederholten Spontanaborten. Leitlinienprogramm der DGGG, OEGGG und SGGG, 2026
- Impact of Intracytoplasmic Morphologically Selected Sperm Injection (IMSI) on Birth Defects: A Systematic Review and Meta-Analysis. Journal of Clinical Medicine, 2021
- WHO issues first global guideline on infertility. Weltgesundheitsorganisation, 2025
- A prospective randomized multicentre study comparing vaginal progesterone gel and vaginal micronized progesterone tablets for luteal support after in vitro fertilization/intracytoplasmic sperm injection. Human Reproduction, 2012
- Bed rest after an embryo transfer: a systematic review and meta-analysis. Archives of Gynecology and Obstetrics, 2019
- Intra-abdominal hemorrhage following ultrasound-guided transvaginal oocyte retrieval: Retrospective analysis of 25 cases. F&S Reports, 2025
- Coasting (withholding gonadotrophins) for preventing ovarian hyperstimulation syndrome. Cochrane Database of Systematic Reviews, 2017
- A review of complications following transvaginal oocyte retrieval for in-vitro fertilization. Human Reproduction, 2004
- The ovarian hyperstimulation that truly matters: Admissions, severity and prevention strategies. Reproductive BioMedicine Online, 2023
- Does intracytoplasmic sperm injection outperform conventional in vitro fertilization in couples without severe male factor infertility? A systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Human Reproduction Update, 2026
- SGB 5 - Sozialgesetzbuch (SGB) Fünftes Buch (V) - Gesetzliche Krankenversicherung. Bundesministerium der Justiz und Bundesamt für Justiz
- Was erstattet die Krankenkasse?. Verbraucherzentrale, 2025
- Richtlinie zur Entnahme und Übertragung von menschlichen Keimzellen oder Keimzellgewebe im Rahmen der assistierten Reproduktion. Bundesärztekammer, 2022
