Künstlicher Harnblasenschließmuskel: Informationen & Spezialisten

Ein artifizieller Sphinkter – also ein künstlicher Schließmuskel – wird in der Urologie zur Behandlung einer schweren Harninkontinenz eingesetzt. Die Implantation des hydraulischen Systems (z. B. AMS 800 oder ZSI 375) stellt den Goldstandard dar, wenn konservative Maßnahmen wie Beckenbodentraining oder Medikamente nicht ausreichen. Der Eingriff verbessert die Kontinenz deutlich und kann Patienten nach einer Prostatektomie oder anderen Eingriffen wieder ein hohes Maß an Lebensqualität ermöglichen.

Empfohlene Spezialisten für einen künstlichen Harnblasenschließmuskel

Kurzübersicht:

Der artifizielle Sphinkter ist ein implantierter, hydraulisch gesteuerter Schließmuskel, der bei schwerer Belastungsinkontinenz hilft, den Urinverlust zu verhindern. Durch eine kleine Pumpe kann der Patient selbst die Blasenentleerung kontrollieren. Diese moderne operative Therapie erreicht Erfolgsraten von bis zu 90 % und gilt als effektivste Methode bei Harninkontinenz nach Prostataoperationen.

Artikelübersicht

Künstlicher Harnblasenschließmuskel - Weitere Informationen

Was ist ein artifizieller Sphinkter?

Ein artifizieller Sphinkter ist ein künstlicher Harnblasenschließmuskel, der bei Patienten mit schwerer Belastungsinkontinenz eingesetzt wird. Diese Form der Harninkontinenz entsteht häufig nach einer Prostatektomie oder anderen Eingriffen im Bereich der Harnröhre und führt zu einem unkontrollierten Urinverlust.

Das hydraulische Implantat ersetzt die geschädigte Schließmuskel-Funktion und ermöglicht es den Betroffenen, den Urinfluss wieder gezielt zu kontrollieren. Moderne Systeme wie der AMS 800 oder ZSI 375 bestehen aus einer Manschette, einem Reservoir und einer Pumpe, die über Schläuche miteinander verbunden sind.

Diese operative Therapie der Harninkontinenz gilt in der Urologie als Goldstandard bei schwerer Belastungsinkontinenz – sowohl bei Männern als auch bei Frauen, wenn konservative Maßnahmen wie Beckenbodentraining oder Medikamente keinen Erfolg zeigen.

Ursachen und Diagnose der Harninkontinenz

Eine Harninkontinenz kann viele Ursachen haben. Häufig liegt eine Schädigung des Schließmuskels oder der Harnröhre vor – zum Beispiel nach einer Operation an der Prostata oder durch altersbedingte Veränderungen im Bereich der Beckenbodenmuskulatur.

Bei Männern tritt die Belastungsinkontinenz oft nach einer radikalen Prostatektomie auf, während bei Frauen Geburten, Operationen im kleinen Becken oder hormonelle Veränderungen in den Wechseljahren eine Rolle spielen. Auch Übergewicht und chronischer Husten erhöhen den Druck im Bauchraum und können zu Urinverlust führen.

Die Diagnostik erfolgt in mehreren Schritten:

  • Anamnese (Erhebung der Krankengeschichte, Operationen, Medikamente, Schwangerschaften)
  • Urinuntersuchung und Restharnmessung
  • Urodynamische Untersuchung zur Funktionsprüfung von Blase und Schließmuskel
  • Zystoskopie (Blasen- und Harnröhrenspiegelung)
  • Miktionstagebuch, um Häufigkeit und Menge des Urinierens zu erfassen

Erst nach genauer Diagnose kann entschieden werden, ob eine konservative Therapie – etwa durch Beckenbodentraining – ausreicht oder ob eine operative Therapie wie die Implantation eines artifiziellen Sphinkters notwendig ist.

Verschiedene Formen von Harninkontinenz
Darstellung verschiedener Formen von Harninkontinenz © bilderzwerg | AdobeStock

Therapieoptionen bei Belastungsinkontinenz

Die Therapie der Belastungsinkontinenz richtet sich nach dem Schweregrad der Symptome und den individuellen Ursachen. Bei leichten Formen steht zunächst die konservative Therapie im Vordergrund, während bei schweren Fällen häufig ein operativer Eingriff erforderlich ist.

1. Konservative Therapieformen:

  • Beckenbodentraining: Regelmäßige Übungen stärken die Muskulatur rund um Blase, Harnröhre und Beckenboden.
  • Biofeedback und Elektrostimulation: Unterstützen das Training, um die Kontrolle über den Harnfluss zu verbessern.
  • Medikamentöse Therapie: Wirkstoffe wie Duloxetin können bei manchen Patientinnen und Patienten den Schließmuskeltonus erhöhen.
  • Lebensstiländerungen: Gewichtsreduktion bei Übergewicht und Vermeidung von körperlicher Belastung, die den Druck auf den Bauchraum erhöht.

2. Operative Therapieformen:
Wenn konservative Maßnahmen nicht helfen, kommen verschiedene chirurgische Verfahren infrage:

  • Bandplastiken oder Schlingenoperationen, die die Harnröhre stabilisieren.
  • Künstlicher Schließmuskel (artifizieller Sphinkter): Die effektivste Lösung bei schwerer Belastungsinkontinenz, insbesondere nach Prostata-Operationen.
  • Injektionen von Füllstoffen in den Blasenhals (selten angewandt).

Der artifizielle Sphinkter gilt heute als Goldstandard, wenn andere Behandlungsmöglichkeiten versagen. Er kann bei Männern und Frauen gleichermaßen eingesetzt werden und ermöglicht in den meisten Fällen eine nahezu vollständige Kontinenz.

Funktionsweise des künstlichen Schließmuskels (artifizieller Sphinkter)

Der artifizieller Sphinkter (engl. artificial urinary sphincter, kurz AUS) ist ein hydraulisches Device, das den natürlichen Schließmuskel der Harnröhre ersetzt. Ziel ist es, die Kontrolle über den Urinfluss wiederherzustellen und eine dauerhafte Kontinenz zu ermöglichen.

Das System besteht aus drei Komponenten:

  1. Manschette (Cuff): Sie wird um die Harnröhre gelegt und übt dort sanften Druck auf die Harnröhre aus.

  2. Pumpe: Sie befindet sich meist im Hodensack (beim Mann) oder im Unterbauch (bei Frauen) und wird vom Patienten manuell betätigt.

  3. Reservoir: Dieses ist mit steriler Kochsalzlösung gefüllt und befindet sich im Bauchraum oder Beckenbodens.

Beim Urinieren wird die Pumpe kurz betätigt. Dadurch wird die Flüssigkeit aus der Manschette in das Reservoir gepresst, die Harnröhre öffnet sich – der Patient kann die Blase entleeren. Nach einigen Minuten fließt die Kochsalzlösung automatisch zurück in die Manschette, die die Harnröhre wieder verschließt. Der Patient ist wieder kontinent.

Das bekannteste System ist der AMS 800, entwickelt von Elliott & Meyer, daneben gibt es moderne Varianten wie den ZSI 375 von Zephyr Surgical Implants oder das ARTUS-Device. Studien von Linder, Ziegelmann, Gozzi und Stief zeigen hohe Erfolgsraten zwischen 75 % und 90 %. Diese Systeme werden nach der Implantation zunächst deaktiviert, um die Heilung zu sichern, und nach etwa sechs Wochen durch den Urologen aktiviert.

Bei richtiger Indikation und Nachsorge gilt der artifizielle Sphinkter als Goldstandard der surgical therapy für die Stress Urinary Incontinence – sowohl nach Prostatectomy als auch bei Harninkontinenz bei Frauen.

Implantation des künstlichen Schließmuskels (artifizieller Sphinkter)

Die Implantation des künstlichen Schließmuskels erfolgt im Rahmen eines operativen Eingriffs unter Vollnarkose durch erfahrene Fachärzte der Urologie. Der Eingriff dauert in der Regel ein bis zwei Stunden und wird sowohl bei Männern als auch bei Frauen erfolgreich angewandt.

Implantation beim Mann:

  • Über einen kleinen Schnitt im Damm oder Hodensack wird die Manschette um die Harnröhre gelegt.
  • Das Reservoir wird im Unterbauch oder hinter dem Schambein platziert.
  • Die Pumpe liegt gut tastbar im Hodensack und kann nach der Heilung vom Patienten selbst bedient werden.

Implantation bei der Frau:

  • Hier wird meist ein Unterbauchschnitt gewählt, um Zugang zur Harnröhre zu erhalten.
  • Das System wird ähnlich wie beim Mann zusammengesetzt: Manschette, Pumpe und Reservoir sind über feine Schläuche verbunden.

Nach der Operation bleibt der artifizielle Sphinkter etwa sechs Wochen deaktiviert, damit die Operationswunden vollständig verheilen können. Danach wird das System durch den Urologen aktiviert, und der Patient ist kontinent. In Studien (u. a. Meyer, Elliott, Linder, Rivera, Gozzi, Ziegelmann, Stief) wurde gezeigt, dass 75–90 % der Patienten nach der Implantation eine stabile Kontinenz erreichen.

Postoperative Ergebnisse und Erfolgsraten:

  • Der Patient ist wieder kontinent, oft mit maximal einer Vorlage pro Tag.
  • Functional outcomes zeigen langfristig sehr gute Ergebnisse, selbst nach secondary implantations.
  • Systeme wie der ZSI 375, das ARTUS Device oder das bewährte AMS 800 erzielen ähnlich hohe Erfolgsquoten.

Das hydraulische Implantat ist mit steriler Kochsalzlösung gefüllt und ermöglicht eine kontrollierte Druckregulation auf die Harnröhre. Durch die Kombination aus präziser Technik, chirurgischer Erfahrung und regelmäßiger Nachsorge ist die Therapie eine sichere und effektive Option für Patientinnen und Patienten mit schwerer Belastungsinkontinenz oder Stress Urinary Incontinence nach Prostatectomy.

Komplikationen und Nachsorge nach Implantation eines artifiziellen Sphinkters

Wie bei jeder Operation bestehen auch beim artifiziellen Sphinkter bestimmte Risiken und Komplikationen, die jedoch durch erfahrene Urologen und eine sorgfältige Nachsorge weitgehend minimiert werden können.

Mögliche Komplikationen:

  • Infektion: In 2–10 % der Fälle kann es an der Implantationsstelle zu einer Wundinfektion kommen. In diesem Fall muss das Implantat entfernt oder ausgetauscht werden.
  • Gewebeschädigung: Durch den kontinuierlichen Druck auf die Harnröhre kann sich das umliegende Gewebe mit der Zeit zurückbilden – dies betrifft etwa 8–9 % der Patienten.
  • Mechanischer Verschleiß: Wie jedes Device altert auch der hydraulische Mechanismus. Studien von Linder, Gozzi und Meyer zeigen, dass bei 10–20 % der Betroffenen im Verlauf ein Austausch notwendig wird.
  • Erosion oder Undichtigkeit der Manschette: Selten kann sich die Manschette um die Harnröhre lockern oder Flüssigkeit austreten, wodurch die Funktion beeinträchtigt wird.

Nachsorge:
Nach der Implantation des künstlichen Schließmuskels bleibt das System etwa sechs Wochen deaktiviert, um die Heilung zu fördern. Danach wird es durch den Arzt aktiviert und der Patient ist wieder kontinent. In vielen Fällen wird eine postoperative Kontinenz erzeugt, die über viele Jahre stabil bleibt.

Regelmäßige urologische Kontrollen sichern die Funktion des Implantats und helfen, Komplikationen frühzeitig zu erkennen. Das Behandlungsteam überprüft dabei:

  • den Druck in der Manschette,
  • die Position der Komponenten (Pumpe, Reservoir, Manschette),
  • und die Fähigkeit des Patienten, das System korrekt zu bedienen.

Die durchschnittliche Erfolgsrate nach Implantation eines künstlichen Schließmuskels liegt zwischen 75 % und 90 %. Viele Patienten nach der Implantation berichten über eine deutliche Steigerung der Lebensqualität. Studien von Ziegelmann, Rivera, Elliott und Stief bestätigen zudem, dass auch nach einem secondary Austausch des Systems weiterhin sehr gute Ergebnisse („functional outcomes“) erzielt werden.

FAQ: Häufige Fragen zum artifiziellen Sphinkter (künstlicher Schließmuskel)

Was ist ein artifizieller Sphinkter und wann wird er eingesetzt?
Ein artifizieller Sphinkter (engl. artificial urinary sphincter, z. B. AMS 800 oder ZSI 375) ist ein künstlicher Harnblasenschließmuskel, der zur Therapie der Harninkontinenz eingesetzt wird. Die Implantation des künstlichen Schließmuskels erfolgt bei Patientinnen und Patienten mit schwerer Belastungsinkontinenz, insbesondere beim Mann nach einer Prostatectomy. Der Eingriff gilt als Goldstandard der operativen Behandlung bei dauerhaftem Urinverlust.

Wie funktioniert der künstliche Schließmuskel?
Das System besteht aus drei Komponenten – einer Manschette um die Harnröhre, einem hydraulischen Ballon-Reservoir im Unterbauch und einer Pumpe im Hodensack (bzw. in den Schamlippen bei Frauen).
Die Manschette ist mit steriler Kochsalzlösung gefüllt und erzeugt so einen leichten Druck auf die Harnröhre, um den Urin zu halten. Zum Blase entleeren wird die Pumpe betätigt, wodurch die Flüssigkeit aus der Manschette in das Reservoir fließt. Danach füllt sie sich automatisch wieder, und der Patient ist kontinent.

Welche Modelle von artifiziellen Sphinktern gibt es?
In der modernen Urologie werden mehrere Systeme verwendet:

  • der bewährte AMS 800 (American Medical Systems),
  • der ZSI 375 von Zephyr Surgical Implants,
  • sowie neuere Entwicklungen wie The ARTUS Device.
    Alle Systeme verfolgen dasselbe Prinzip, unterscheiden sich aber in Bedienung, Druckregulierung und Anpassbarkeit.

Welche Erfolgsrate hat die Implantation eines künstlichen Schließmuskels?
Laut internationalen multicentre studies (u. a. Meyer, Linder, Rivera, Ziegelmann, Elliott, Gozzi, Stief) liegt die Erfolgsrate bei 75–90 %. In den meisten Fällen wird eine stabile postoperative Kontinenz erzeugt. Viele Patienten nach der Implantation berichten über ein weitgehend beschwerdefreies Leben, selbst Jahre nach dem Eingriff.

Können auch Frauen einen artifiziellen Sphinkter erhalten?
Ja, auch bei Harninkontinenz bei Frauen – z. B. nach Operationen im kleinen Becken – kann ein künstlicher Blasensphinkter implantiert werden. Die Implantation des künstlichen Systems erfolgt hier über einen Unterbauchschnitt. Auch Frauen profitieren von einer verbesserten Kontinenz und einer deutlich gesteigerten Lebensqualität.