Manuelle Lymphdrainage (MLD) ist eine sanfte Massagetechnik, die nach ihrem Wirkprinzip den Abtransport angestauter Gewebsflüssigkeit über die Lymphgefäße unterstützt. Sie kommt vor allem bei einem Lymphödem infrage.
Die Behandlung kann eine Schwellung und damit verbundene Beschwerden lindern. Wie groß ihr zusätzlicher Nutzen ist, hängt von der Erkrankung und den begleitenden Maßnahmen ab. Durchgeführt wird sie von speziell dafür ausgebildeten Physiotherapeuten und Physiotherapeutinnen oder Masseuren.
Für wen kommt die manuelle Lymphdrainage infrage?
Die manuelle Lymphdrainage soll einen gestauten Flüssigkeitstransport im Lymphsystem unterstützen. Sanfte Massagegriffe regen den Lymphfluss gezielt an. Bestimmte Griffe sollen außerdem verhärtetes Gewebe lockern.
Lymphknoten sind Filterstationen entlang der Lymphgefäße. Viele liegen am Rumpf und in den Achselhöhlen, weitere in der Leiste. Diese Körperregionen können deshalb in die Behandlung einbezogen werden.
Ein wichtiges Anwendungsgebiet ist das chronische Lymphödem an Armen oder Beinen. Dabei sammelt sich Lymphe im Gewebe. Bei einem Armlymphödem nach Brustkrebs kann die Kombination aus manueller Lymphdrainage, Kompression, Bewegung und Hautpflege die Schwellung und Beschwerden lindern.
- Nach einer Brustkrebsbehandlung: Der mögliche Zusatznutzen bei einem Armlymphödem ist nicht abschließend geklärt.
- Bei einem Lipödem: Die zusätzliche Therapie kann erwogen werden, wenn Schmerzen durch Kompression nicht ausreichend gelindert werden.
- Nach einer Knieprothese: Die Studien stützen keine routinemäßige vorrangige Anwendung zur Unterstützung der Genesung.
- Bei chronischen Ödemen: Ob die Behandlung das Wohlbefinden und die Lebensqualität verbessert, bleibt unklar.
Beim Lipödem soll die zusätzliche manuelle Lymphdrainage Schmerzen beeinflussen. Sie soll nicht das Volumen des Fettgewebes verringern und ist als alleinige Behandlung nicht ausreichend untersucht.

Wie ist die Wirkung der Lymphdrainage?
Der zusätzliche Nutzen der manuellen Lymphdrainage ist nicht für alle Anwendungen gesichert. In einer Cochrane-Auswertung ging die Schwellung unter intensiver Kompression mit zusätzlicher manueller Lymphdrainage um rund 7 Prozent weiter zurück. Ob sich dieser Vorteil allgemein bestätigt, blieb offen.
Eine andere Auswertung randomisierter Studien fand keinen gesicherten Nutzen zur Vorbeugung oder Behandlung eines Armlymphödems nach Brustkrebs. Die untersuchten Studien unterschieden sich allerdings erheblich.
Auch bei chronischen Lymphödemen an Armen und Beinen lässt sich die Wirkung der Behandlung schwer von den begleitenden Maßnahmen abgrenzen. Die Volumenabnahme unterschied sich in einer Studie nicht signifikant zwischen Gruppen mit und ohne Lymphdrainage. Die Förderung des Lymphflusses garantiert daher keine messbar stärkere Entstauung.
Wie bereiten Sie sich auf die Therapie vor?
Vor der Entstauung prüft die Fachkraft die Haut auf Verletzungen. Eine intakte Haut ist Voraussetzung für die Behandlung eines Lymphödems. Informieren Sie die Therapeutin oder den Therapeuten über akut entzündete Hautstellen und Infektionen.
Bei einer Hautentzündung oder Hautinfektion kommt die Kombination aus Lymphdrainage und Kompression nicht oder nur nach sorgfältiger Abwägung infrage. Das gilt auch bei einer Venenthrombose oder einer entzündeten Vene. Diese Erkrankungen müssen vor dem ersten Termin bekannt sein.
Wie läuft die MLD in der Physiotherapie ab?
Die manuelle Lymphdrainage wird mit sanften, rhythmischen Griffen ausgeführt. Bei einem Armlymphödem nach Brustkrebs gehören dazu kreisende Bewegungen mit den Handflächen. Anders als bei manchen Massageformen arbeitet die Fachkraft nicht mit kräftigem Druck.
Als physikalische Behandlungsmethode unterscheidet sich die Lymphdrainage durch ihr Ziel von der manuellen Therapie. Diese mobilisiert vor allem Muskeln und Gelenke, während die manuelle Lymphdrainage angestaute Flüssigkeit ableiten soll.
- Die Fachkraft prüft vor der Behandlung den Zustand der Haut.
- Sie wendet an der behandelten Körperstelle festgelegte Grifftechniken an.
- Sanfte und kreisende Bewegungen sollen den Lymphabfluss unterstützen.
- Zur kombinierten Therapie gehören außerdem Kompression, Bewegung und Hautpflege.
Für Bundesbeihilfeberechtigte sind Behandlungszeiten von 30, 45 oder 60 Minuten aufgeführt. Die Entstauung eines krebsbedingten Lymphödems ist für die meisten Patientinnen und Patienten ambulant möglich.
Welche Risiken und Nebenwirkungen sind möglich?
Die manuelle Lymphdrainage wurde in einer Cochrane-Auswertung zum krebsbedingten Armlymphödem als gut verträglich beschrieben. Daraus lassen sich jedoch keine verlässlichen allgemeinen Häufigkeiten für Nebenwirkungen der alleinigen Behandlung ableiten.
Bei der kombinierten Behandlung eines Armlymphödems nach Brustkrebs traten bei weniger als 1 von 100 Frauen Hautirritationen sowie Arm- oder Kopfschmerzen auf. Diese Angabe gilt für das gesamte Behandlungskonzept und nicht für die Lymphdrainage allein.
In einer Studie zu unterschiedlichen Entstauungsbehandlungen waren Unbehagen und Entzündungen der Lymphbahnen die häufigsten unerwünschten Ereignisse. Zwischen den Gruppen mit und ohne manuelle Lymphdrainage bestand kein Unterschied. Die Beschwerden lassen sich dem Verfahren daher nicht allein zuordnen.
In Studien zur Anwendung nach einer Knieprothese wurden keine behandlungsbedingten unerwünschten Ereignisse berichtet. Eine verlässliche allgemeine Häufigkeit möglicher Nebenwirkungen ergibt sich daraus nicht.
Was folgt nach der Entstauung?
Bei einem Armlymphödem nach Brustkrebs spricht die Studienlage dafür, maßgefertigte Kompressionsstrümpfe nach erfolgreicher Abschwellung weiterzutragen.
Die manuelle Behandlung aktiviert den Flüssigkeitstransport während der jeweiligen Sitzung. Eine ergänzende Kompressionstherapie übt dagegen anhaltenden Druck auf das Gewebe aus.
| Verfahren | Für wen | Dauer oder Anwendung | Vor- und Nachteile |
|---|---|---|---|
| Manuelle Lymphdrainage | Vor allem bei Lymphödemen; beim Lipödem ergänzend gegen Schmerzen | Sitzungen können 30, 45 oder 60 Minuten umfassen | Sanfte Behandlung; der zusätzliche Nutzen ist je nach Erkrankung unklar |
| Kompression mit Bewegung | Bestandteil der Behandlung von Lymphödemen und Lipödemschmerzen | Teil des Behandlungskonzepts | Beim Armlymphödem spricht die Studienlage nach erfolgreicher Abschwellung für einen maßgefertigten Kompressionsstrumpf |
| Intermittierende pneumatische Kompression mit Bandagen | Untersuchte Variante bei Arm- oder Beinlymphödemen | Zusammen mit Bandagen untersucht | Kommt ohne Massagegriffe aus; die Volumenabnahme unterschied sich in einer Studie nicht signifikant |
Was übernimmt die Krankenkasse?
Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt manuelle Lymphdrainage bei einem Lymphödem, wenn dafür eine ärztliche Verordnung als Heilmittel vorliegt. Für gesetzlich Versicherte kann eine Zuzahlung anfallen. Bei privat Versicherten hängt die Erstattung vom jeweiligen Versicherungsvertrag ab.
Ein üblicher Selbstzahlerpreis lässt sich aus den Beihilfebeträgen nicht ableiten. Für Bundesbeihilfeberechtigte gelten Höchstbeträge von 35,10 Euro für 30 Minuten, 52,70 Euro für 45 Minuten und 70,20 Euro für 60 Minuten. Dabei handelt es sich nicht um allgemein übliche Selbstzahlerpreise.
Welche Ärztinnen und Ärzte führen manuelle Lymphdrainage durch?
Eine Ärztin oder ein Arzt kann manuelle Lymphdrainage als Heilmittel verordnen. Die praktische Behandlung übernehmen üblicherweise speziell ausgebildete Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten oder Masseure mit entsprechender Zusatzqualifikation. Die Berufsbezeichnung allein weist diese Qualifikation nicht nach.
Für das Erstgespräch eignen sich folgende Fragen:
- Qualifikation: Welche Ausbildung in Ödem- und Entstauungstherapie liegt vor?
- Behandlungsplan: Wie werden manuelle Lymphdrainage, Bewegung und Kompression miteinander verbunden?
- Sicherheit: Wie wird bei Hautinfektionen, Venenthrombosen oder entzündeten Venen vorgegangen?
- Nachsorge: Welche Kompression ist nach erfolgreicher Abschwellung vorgesehen?
Spezialistinnen und Spezialisten für manuelle Lymphdrainage finden Sie im Anschluss an diesen Text.
Häufige Fragen zur manuellen Lymphdrainage
Ist manuelle Lymphdrainage eine gewöhnliche Massage?
Nein. Sie ist eine therapeutische Massagetechnik mit sanften, rhythmischen Griffen, die den Abtransport angestauter Gewebsflüssigkeit unterstützen soll. Kräftiger Druck ist für diese Therapieform nicht kennzeichnend.
Hilft manuelle Lymphdrainage bei einem Lipödem?
Als alleinige Behandlung eines Lipödems ist die manuelle Lymphdrainage nicht ausreichend untersucht. Ergänzend kann sie erwogen werden, wenn Kompression die Schmerzen nicht genügend lindert. Das Volumen des Fettgewebes soll sie nicht verringern.
Hilft die Behandlung nach einer Knieprothese?
Die Studien stützen keinen routinemäßigen Einsatz als vorrangige Behandlung nach diesem orthopädischen Eingriff. Einzelne Untersuchungen berichteten lediglich über geringe, kurzzeitige Vorteile in den ersten Tagen nach der Operation.
Wann sollte keine Lymphdrainage erfolgen?
Bei einer Hautentzündung, Hautinfektion, Venenthrombose oder entzündeten Vene muss sorgfältig abgewogen werden, ob eine Entstauungstherapie infrage kommt. Vor der Behandlung wird die Haut auf Verletzungen geprüft.
Muss ich für die Behandlung ins Krankenhaus?
In der Regel ist das nicht nötig. Die Behandlung eines krebsbedingten Lymphödems ist für die meisten Patientinnen und Patienten ambulant möglich.
Werden Lymphdrainagen von der Krankenkasse bezahlt?
Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt eine ärztlich verordnete manuelle Lymphdrainage bei einem Lymphödem; eine Zuzahlung kann anfallen. Bei privat Versicherten richtet sich die Erstattung nach dem jeweiligen Vertrag.
Über den Fachautor
Sabine Schneider
Chefredakteurin
Sabine Schneider ist ausgebildete Medizinische Praxisassistentin und verfügt über langjährige praktische Erfahrung im medizinischen Umfeld.
Mehr über den Fachautor →Quellen
- Lymphdrainage. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
- Effectiveness of Manual Lymphatic Drainage After Total Knee Arthroplasty: A Systematic Review. Papi und Mitautoren, 2026
- Manuelle Lymphdrainage zur Behandlung eines Lymphödems nach Brustkrebstherapie. Cochrane, 2015
- Effects of manual lymphatic drainage on breast cancer-related lymphedema: a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Autoren der Übersichtsarbeit, 2013
- Manual lymphatic drainage and quality of life in patients with lymphoedema and mixed oedema: a systematic review of randomised controlled trials. Autoren der Übersichtsarbeit, 2018
- Physical therapies in the decongestive treatment of lymphedema: A randomized, non-inferiority controlled study. Forner-Cordero und Mitautoren, 2021
