Leading Medicine Guide Logo

Altersbedingte Makuladegeneration - Wichtige Informationen zur Netzhautrotation 

Die Makuladegeneration ist eine häufige Erkrankung der Netzhaut, die vor allem im höheren Alter auftritt und das Sehvermögen deutlich beeinträchtigen kann. Besonders die altersbedingte Makuladegeneration betrifft die Makula, also die Stelle des schärfsten Sehens im Auge. Man unterscheidet zwischen einer trockenen und einer feuchten Form, wobei die feuchte Makuladegeneration oft schneller fortschreitet. Bei der feuchten AMD entstehen neue Blutgefäße, die die Netzhaut schädigen und zu einer Verschlechterung der Sehschärfe führen können.

In fortgeschrittenen Fällen kommen neben Injektion und medikamentöser Therapie auch chirurgische Verfahren wie die Netzhautrotation zum Einsatz. Diese spezielle Operation verlagert die betroffene Makula, um gesunde Sinneszellen zu nutzen. Ziel ist es, das Sehvermögen zu stabilisieren oder zu verbessern. Eine frühzeitige Diagnostik beim Augenarzt ist entscheidend, um die Degeneration zu verlangsamen.

Kurzübersicht:

Die Makuladegeneration ist eine altersbedingt auftretende Erkrankung der Netzhaut und betrifft die zentrale Sehschärfe im Auge. Die feuchte Form der feuchten Makuladegeneration kann durch Injektion und Anti-VEGF-Therapie behandelt werden. In seltenen Fällen wird eine Netzhautrotation als chirurgische Option eingesetzt. Eine rechtzeitige Diagnostik hilft, das Sehvermögen zu erhalten und die Degeneration zu verlangsamen.

Artikelübersicht

Netzhautrotation - Weitere Informationen

Was ist eine Netzhautrotation?

Durch die Netzhautrotation können Patienten in vielen Stadien einer altersbedingte Makuladegeneration (AMD) wieder nahezu optimal sehen. Derzeit gibt es nach wie vor keine Möglichkeit, eine AMD vollständig zu heilen. Alle Therapieverfahren können den Krankheitsverlauf im besten Fall stoppen oder verlangsamen. In diesem Zusammenhang nimmt die Netzhautrotation inzwischen einen hohen Stellenwert ein.

Im Rahmen einer Netzhautrotation wird in die betroffene Netzhaut eingeschnitten, abgelöst und um etwa 30 Grad gedreht (rotiert). Sie hat das Ziel, die Makula, also das Sehzentrum des Auges, auf eine andere Stelle der Pigmentzellschicht zu verschieben. So kann es im Optimalfall wieder an eine intakte Pigmentzelle binden.

Gelingt das, kann der Patient nach einer kurzen Heilungs- und Schonungsphase wieder klarer sehen. Ein optimales Operationsergebnis kann das Sehvermögen für fünf bis zehn Jahre wieder auf durchschnittlich 70 Prozent verbessern. Eine weitere Verbesserung der Sehfähigkeit lässt sich durch eine zusätzliche medikamentöse Behandlung und den Einsatz spezieller Sehhilfen erzielen.

Anatomie des Auges
Eine Netzhautrotation kann bei ADM wieder besseres Sehen ermöglichen © Henrie | AdobeStock

Ein optimales Resultat lässt sich bei einer Netzhautrotation aber nicht sicher garantieren. Der Behandlungserfolg hängt 

  • vom Zustand der Netzhaut und
  • dem Operationsverlauf

ab. Der eigentlichen Netzhautrotation folgt zudem eine Operation an den Augenmuskeln. Ein optimaler Behandlungserfolg ist nur möglich, wenn beide Operationsschritte erfolgreich sind.

Neben einer AMD kann die Netzhautrotation auch bei weiteren Erkrankungen der Augen zum Einsatz kommen, etwa

  • andersartigen Wucherungen auf der Netzhaut oder
  • Zerstörungen des Sehzentrums (Makula) durch äußere Einwirkungen (z.B. durch Unfälle oder Gewalteinwirkung)

Hintergrund und Entwicklung der Netzhautrotation

Die ersten 20 dokumentierten Netzhautrotationen wurden 1997-1998 durchgeführt. Um das ideale Verfahren zu erproben, testeten die Chirurgen verschiedene Techniken, wie etwa unterschiedlich weite Drehungen der Netzhaut zwischen 20 und 45°.

Nach der Heilungsphase hatte sich die Sehfähigkeit bei mehr als der Hälfte der Patienten verbessert. Knapp die Hälfte der behandelnden Patienten konnten nach der Netzhautrotation wieder problemlos lesen. Inzwischen ist das Verfahren ausgereifter und die Erfolgsquoten konnten weiter erhöht werden. Unter Umständen bezuschusst die gesetzliche Krankenkasse jedoch nicht die gesamte Behandlung.

Notwendige Vorbereitung und Voruntersuchungen vor einer Netzhautrotation

Einem operativen Eingriff gehen immer sogfältige augenmedizinische Untersuchungen voraus. Der Augenarzt identifiziert die Schwere der Makuladegeneration und wenn möglich deren Ursache. Die Netzhautrotation eignet sich nicht für alle Patienten gleichermaßen. Der Arzt muss abwägen, ob der erwartete Operationserfolg im Verhältnis zu möglichen Risiken steht.

Auch der Patient muss bereit sein, bei der Therapie mitzuwirken. Er muss die Risikofaktoren, die das Fortschreiten der Makuladegeneration begünstigen, weitgehend ausschalten. Dazu gehören

  • Diabetes: Sollte optimal eingestellt werden.
  • Bluthochdruck: Gesunde Lebensweise senkt den Blutdruck.
  • Nikotin: Das Rauchen sollte komplett eingestellt werden.

Auch die weitere Therapie nach einer erfolgreichen Operation wird schon im Vorfeld soweit möglich geplant. Die Feinabstimmung kann zwar erst nach Auswertung des Operationsresultates erfolgen. Dennoch müssen Sie im Voraus wissen, welche Maßnahmen für Sie persönlich und finanziell im Bereich der Möglichkeiten liegen.

Durchführung des Eingriffs

Die Netzhautrotation ist ein recht aufwändiger Eingriff, der aus zwei Operationsabschnitten besteht:

Netzhautrotation

Zunächst entfernt der Arzt die Augenlinse und den Glaskörper. Erst dann kann er die Netzhaut einschneiden und ablösen. Um neue Gefäße entfernen zu können, muss der Sehnerv umgeklappt werden. Danach dreht der Chirurg die Netzhaut zusammen mit der Makula und legt sie über gesundem Gewebe ab. Im Anschluss wird die Netzhaut mit einem Laser wieder nahtlos mit dem Gewebe des Augapfels verbunden.

Der durch die Glaskörperentfernung leere Hohlraum des Auges wird mit Silikonöl oder Gas gefüllt, sodass er nicht zusammenfallen kann. Dieser Füllstoff wird zwei bis drei Monate nach dem Eingriff wieder aus dem Auge entfernt.

Augenmuskeloperation

Während eines zweiten Eingriffs muss der Augapfel an die neue Position der Makula angepasst werden. Ohne diesen zweiten Behandlungsschritt könnte der Patient nach dem Eingriff nur noch stark verzerrt sehen. Das ist auch dann der Fall, wenn der Operateur die neue Position der Makula nicht korrekt anpasst.

Komplikationen und Risiken

Die Netzhautrotation ist mit einigen Risiken verbunden:

  • Ungenügende Verlagerung: Die Makula könnte sich aus körperlichen oder operationstechnischen Gründen nicht weit genug aus dem deformierten Gewebebereich verlagern lassen.
  • Abwehrreaktionen des Körpers auf das Silikonöl als Glaskörperersatz (relativ selten).
  • Netzhautrisse.
  • Verschlechterung der Sehfähigkeit, auch Tage oder Wochen nach dem erfolgreichen Eingriff.
  • In manchen Fällen Bildverzerrungen durch eine verlorene Fähigkeit, beide Augen optimal aufeinander abzustimmen.
  • Netzhautablösung nach dem Eingriff.

Eine Netzhautablösung stellt einen augenärztlichen Notfall dar. Der Patient sollte, wenn er Verschlechterungen oder Veränderungen der Sehfähigkeit bemerkt, umgehend einen Arzt aufsuchen.

Nachbehandlung der Netzhautrotation

Die Heilungsphase dauert etwa drei Monate, auch wenn die Sehfähigkeit sehr viel schneller wiederhergestellt ist.

Schädlich für den Heilungsprozess ist:

  • Übermäßiger Alkoholgenuss,
  • ungesundes Essen,
  • Nikotin, besonders für die feinen Gefäße der Netzhaut,
  • zuviel Zeit am TV oder PC,
  • zu große körperliche Anstrengung,
  • zu helles Sonnenlicht.

Der Schutz der Augen vor dem grellen Sonnenlicht muss langfristig gewährleistet sein. Auch das – ggf. später wieder angefangene – Rauchen kann dazu führen, dass der Erfolg der Operation kürzer anhält.

Carotinoid Lutein, das sogenannte Augenvitamin, kommt den Gefäßen der Netzhaut bei der Heilung zugute. Es ist in

  • gelbem und rotem Gemüse (etwa Paprika und Mais),
  • Erbsen und
  • Brokkoli

zu finden.

Außerdem sollten Sie gewissenhaft alle Kontrolltermine beim Augenarzt wahrnehmen.

FAQ

Was ist eine Makuladegeneration?
Die Makuladegeneration ist eine Erkrankung der Netzhaut, bei der die Makula geschädigt wird. Diese Region ist für scharfes Sehen verantwortlich und enthält viele Sinneszellen und Fotorezeptoren. Die Erkrankung tritt meist altersbedingt auf und kann zur Einschränkung der Sehschärfe führen.

Was ist der Unterschied zwischen trockener und feuchter Makuladegeneration?
Die trockene Form entwickelt sich langsam und ist durch eine Degeneration der Sinneszellen gekennzeichnet. Die feuchte Form hingegen entsteht durch neue, krankhafte Blutgefäße, die zu Schwellung und Narbenbildung führen können. Die feuchte AMD schreitet schneller voran und kann unbehandelt zur Erblindung führen.

Wann wird eine Netzhautrotation durchgeführt?
Die Netzhautrotation wird in schweren Fällen der feuchten Makuladegeneration eingesetzt, wenn andere Therapien wie Injektion oder Anti-VEGF-Therapie nicht ausreichend wirken. Dabei wird die Netzhaut chirurgisch so verlagert, dass die geschädigte Makula entlastet wird.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Zu den wichtigsten Therapien zählen intravitreale Injektionen mit Medikamenten wie Ranibizumab, Bevacizumab oder Aflibercept. Diese VEGF-Hemmern verhindern das Wachstum neuer Blutgefäße. Ergänzend kommen Lasertherapie oder chirurgische Verfahren zum Einsatz.

Wie wird die Erkrankung diagnostiziert?
Die Diagnostik erfolgt beim Augenarzt durch Sehtests und bildgebende Verfahren wie OCT. Dabei wird die Retina genau untersucht, insbesondere der Bereich der Makula. So können Veränderungen früh erkannt und die passende Therapie eingeleitet werden.