Der Sehnerv ist entscheidend dafür, dass wir unsere Umgebung sehen können. Er leitet die im Auge aufgenommenen Informationen an das Gehirn weiter, wo diese Signale zu Bildern verarbeitet werden. Kommt es zu einer Erkrankung des Sehnervs, entstehen häufig Sehstörungen, die von leichten Einschränkungen bis zu deutlichen Sehverlust reichen können. Manche Veränderungen entwickeln sich schleichend, andere treten akut auf. Deshalb ist es wichtig Beschwerden früh einzuordnen und rasch einen Termin beim Augenarzt zu vereinbaren .
Im Folgenden finden Sie weitere Informationen sowie ausgewählte Spezialisten für Sehnerverkrankungen.
Definition: Was ist der Sehnerv?
Der Sehnerv ist der zweite Hirnnerv und wird medizinisch als Nervus Optikus bezeichnet. Er gehört zur Sehbahn und verbindet das Auge mit dem Gehirn. In der Netzhaut werden Lichtreize in elektrische Signale umgewandelt. Diese werden über die Ganglienzellen und die Sehnervfasern gesammelt und an das Gehirn weitergeleitet.
Der Sehnerv: Anatomie und Funktionsweise
Experten nennen den Sehnerv auch Nervus opticus oder Zweiter Hirnnerv. Er nimmt den mittleren Teil der sogenannten Sehbahn ein, über die das Bild vom Auge zum Gehirn gelangt.
Durch das Einstrahlen von Licht erzeugt die Netzhaut (Retina) Erregungen im Auge. Der Sehnerv leitet diese Erregungen (elektrische Potentiale) an das Gehirn weiter. Das Gehirn interpretiert die Signale als Bilder, was dazu führt, dass wir unsere Umgebung sehen können.
Der menschliche Sehnerv ist circa vier bis fünf Zentimeter lang und besteht aus gebündelten Nervenfasern. Die Verlaufsstrecke führt von der Siebplatte (Lamina cribrosa) über die Lederhaut (Sklera) zur Sehnervenkreuzung. Experten nennen sie auch Chiasma opticum.
Drei unterschiedliche Abschnitte teilen den Sehnerv des Auges ein:
- Intrabulärer Teil: Der Teil des Sehnervs innerhalb des Augapfels
- Intraorbitaler Teil: Der Teil des Sehnervs innerhalb der Augenhöhle
- Intrakranieller Teil: Der Sehnerv verläuft im Schädel (Cranium)
Der Sehnerv im Auge besteht des Weiteren aus rund einer Millionen Nervenfasern. Bei diesen Fasern handelt es sich um sogenannte Axone. Die Fortsätze der Netzhautganglienzellen heißen Sehnervenfasern. Die einzelnen Axone vereinigen sich zum Nervus opticus.
Visuelle Eindrücke die wir mit unseren Augen wahrnehmen gelangen über den Sehnerv (Nervus opticus) zum Gehirn @ bilderzwerg /AdobeStock
Der Verlauf des Sehnervs
Die Netzhaut des Auges besteht aus mehreren Schichten:
Die äußere Schicht bildet die Sehrezeptoren, die Stäbchen und die Zapfen im Auge. Dieser äußeren Schicht folgen mehrere dünne Schichten im Auge, die mit sogenannten Umschaltstationen ausgestattet sind. Diese Zellschichten sind für die durch das Licht erzeugten elektrischen Signale der Sinneszellen verantwortlich.
In der inneren Zellschicht der Netzhaut liegen zudem Fasern der sogenannten Ganglienzellen. Diese Fasern bilden den eigentlichen Sehnerv im Auge eines jeden Menschen. Sie verlassen alle gemeinsam an einem bestimmten Punkt, der sogenannten Papille, als Sehnerv das Auge.
Die Papille ist aufgrund des Durchbruchs des Sehnervs durch Lichtrezeptoren nicht lichtempfindlich und gilt als "Blinder Punkt" im Gesichtsfeld.
Nach dem Verlassen des Augapfels zieht sich der Sehnerv innerhalb der Augenhöhle (Orbita) durch ein Fettgewebe. Dieses befindet sich in der Augenhöhle zwischen den Muskeln des jeweiligen Auges.
Durch eine Öffnung (Canalis Opticus) tritt der Sehnerv schließlich in den Schädel des Menschen ein. Hier treffen beide Sehnerven der Augen zusammen und bilden die Sehbahnkreuzung.
Die Sehbahnkreuzung ist ein Bereich, in dem sich die Fasern jeweils überkreuzen. Wegen der Brechung des Lichts an der Linse des Auges gelangen die Informationen der einzelnen Gehirnhälften zusammen. Das Sehbahnkreuz ist daher eine wichtige Kreuzung. Ohne diese Kreuzung im Auge wäre das koordinierte Sehen nicht möglich.
Die Sehbahnkreuzung befindet sich somit in der Nähe der Hirnanhangsdrüse. Daher haben die Sehnerven, die sich hier kreuzen, eine besondere Bedeutung bei der Diagnose eines Hirntumors.
Die Sehbahn stark vereinfacht
Mögliche Ursachen für Erkrankungen des Sehnervs
Durch Gesichtsfeldausfälle auf Erkrankungen schließen
Bei einer Erkrankung des Sehnervs kommt es oft zu Gesichtsfeldausfällen. Grund dafür ist die Nähe der Sehbahnkreuzung zur Hirnanhangsdrüse. Dabei ist es egal, ob die Schädigung des Sehnervs vor oder erst nach der Kreuzung der Sehbahnen vorliegt.Schwierige Diagnosen
Glaukomatöse Optikusatrophie
Das Glaukom (Grüner Star) ist die häufigste Erkrankung der Sehnerven @ Alessandro Grandini /AdobeStockStauungspapille
- Im Frühstadium einer Stauungspapille ist der Rand der Papille meist unscharf, die Papille selbst hingegen stark durchblutet. Die Sehkraft ist in diesem Stadium der Erkrankung selten schon beeinträchtigt.
- Im Akutstadium der Erkrankung des Sehnervs schwillt die Papille stark an. Die Ränder der Papille fangen zusätzlich in Form von Speichen an zu bluten. Die Papille hat nun eine rötliche bis graurötliche Färbung und weist graue Ablagerungen auf. Die als „Blinder Fleck“ bekannte Delle im Auge verschwindet zunehmend.
- Das letzte Stadium nennen Experten auch atrophische Phase. Hier sterben die Fasern des Sehnervs im Auge allmählich ab. Erst jetzt manchen sich erste Gesichtsausfälle bei der betroffenen Person bemerkbar.
Entzündung des Sehnervs (Papillitis)
Eine Entzündung des Sehnervs im Auge tritt recht häufig auf. Auch hier entsteht ein Ödem an der Papille des Auges. Allerdings bleibt dieses Ödem meist unbemerkt, wenn es zu einer Entzündung des Sehnervs außerhalb des Augapfels kommt.
Anteriore Ischämische Optikoneuropathie
Erbkrankheiten
Diagnose von Glaukom, AION, Arteriitis Temporalis und anderen Ursachen für Schäden der Sehnerven
Die Diagnose beginnt mit einer genauen Befragung zu Beschwerden, zeitlichem Verlauf und Begleitsymptomen. Wichtig ist ob der Sehverlust plötzlich aufgetreten ist oder ob nur ein Auge betroffen ist und ob zusätzlich Schmerzen, Kopfschmerzen oder Beschwerden im Bereich der Temporalis vorliegen.
Es folgt die augenärztliche Untersuchung. Der Augenarzt prüft die Sehfunktion, Pupillenreaktion und das Farbsehen. Besonders wichtig ist die Untersuchung des Augenhintergrundes. Der Zustand des Augenhintergrund liefert wichtige Hinweis darauf, ob eine Schwellung, eine Aushöhlung oder eine andere Veränderung des Sehnervenkopfes vorliegt. Außerdem wird häufig der Augeninnendruck gemessen, vor allem bei Verdacht auf Glaukom. Ergänzend folgt die Untersuchung des vorderen und hinteren Augenabschnitts mit Hilfe der Spaltlampe. Auch die Prüfung des Gesichtsfeldes gehört zur Diagnostik. Die meisten der Untersuchungen sind für den Patienten absolut schmerzlos.
Auch die Art und Verteilung von Ausfällen hilft dabei den Ort der Schädigung des Sehnervs besser einzuordnen. Besteht der Verdacht auf eine Gefäßerkrankung, eine AION, eine Arteriitis temporalis oder einen Tumor sind zusätzliche neurologische oder internistische Untersuchungen notwendig. So kann die genaue Ursache der Beschwerden gezielt abgeklärt werden.
Behandlung am Auge durch den Augenarzt
Die Behandlung richtet sich nach der zugrundeliegenden Ursache. Einheitliche Therapien für alle Sehnerv-Erkrankungen gibt es nicht. Entscheidend ist, wie schnell die Diagnose gestellt wird, denn viele Schäden am Sehnerv sind später nicht mehr rückgängig zu machen.
Beim Glaukom steht die Senkung des Drucks im Auge im Vordergrund. Ziel ist es weitere Schäden des Sehnervs zu verhindern und die Sehfunktion möglichst lange zu erhalten. Dazu kommen Augentropfen, Lasertherapien oder operative Verfahren in Frage.
Bei einer Entzündung werden je nach Auslöser entzündungshemmende Medikamente eingesetzt. Besteht eine entzündliche Gefäßerkrankung ist eine rasche Therapie besonders wichtig. Dies ist ein augenärztlicher Notfall, weil unbehandelt eine bleibende Erblindung möglich ist.
Bei AION hängt die Therapie davon ab, ob eine nicht-entzündliche oder entzündliche Gefäßursache vorliegt. Immer geht es darum die Blutversorgung zu sichern weitere Schäden zu vermeiden und das verbleibende Sehvermögen zu schützen.
Liegt ein Tumor zugrunde steht die Behandlung der Grunderkrankung und Vordergrund. Je früher Patienten einen Spezialist aufsuchen desto besser lassen sich bleibende Folgen vermeiden.
Häufige Fragen zu Sehnerv-Erkrankungen
Was sind typische Symptome für Sehnerverkrankungen?
Typisch sind Sehverschlechterung, blinde Flecken, Störungen des Farbsehens, Schmerzen bei Augenbewegungen und Gesichtsfeldausfälle. Auch ein plötzlicher Sehverlust sollte immer rasch abgeklärt werden.
Ist eine Erkrankung des Sehnervs gefährlich?
Ja, denn eine Erkrankung des Sehnervs kann zu bleibenden Schäden führen. Ohne rechtzeitige Behandlung drohen je nach Ursache eine deutliche Einschränkung des Sehens oder sogar die Erblindung
Kann ein Glaukom den Sehnerv dauerhaft schädigen?
Ja, das Glaukom zählt zu den wichtigsten Ursachen für bleibende Schäden. Bleibt die Erhöhung des Augeninnendruckes unbehandelt, kann das Nervengewebe dauerhaft geschädigt sein.
Was ist der Unterschied zwischen AION und einer Entzündung?
Bei AION liegt vor allem eine Durchblutungsstörung vor, bei deiner Entzündung des Sehnervs und Entzündungen von Blutgefässen ein entzündlicher Prozess. Beide Erkrankungen können plötzlich auftreten, erfordern aber unterschiedliche diagnostische und therapeutische Schritte.
Wann sollte man zum Augenarzt gehen?
Bei plötzlichem Sehverlust, Kopfschmerzen, Schmerzen an der Schläfe, Auffälligkeiten des Gesichtsfeldes oder einer raschen Sehverschlechterung sollte sofort eine Abklärung durch einen Spezialisten erfolgen.
Sind Sehnervenerkrankungen heilbar?
Das hängt von der Ursache ab. Manche Veränderungen sind gut behandelbar, andere führen trotz Therapie zu bleibenden Einschränkungen. Entscheidend ist eine frühe Diagnose und eine schnelle Behandlung.
Beitrag teilen
Über den Fachautor
Sabine Schneider
Chefredakteurin
Sabine Schneider – medizinische Fachautorin: Entdecken Sie fundierte Fachbeiträge und medizinische Expertise im Leading Medicine Guide.
Vollständiges Expertenprofil ansehen →