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Erkrankung · Neurologie

Sprachstörungen und Sprechstörungen: Symptome, mögliche Ursachen und Aphasie bei Erwachsenen und Kindern - Gründe für eine Sprachstörung bzw. Sprechstörung und Hilfe für Betroffene

Hier finden Sie ausgesuchte medizinische Experten und Spezialisten in Kliniken und Praxen für die Diagnose, Behandlung, Operation und Rehabilitation im Bereich Sprachstörungen. Alle gelisteten Ärzte sind Spezialisten auf ihrem Gebiet und wurden nach strengen Richtlinien für Sie handverlesen ausgewählt.

Sabine_Schneider.pngChefredakteurinSabine SchneiderStand: ICD-10: R47, R48.0

Kurzübersicht — das Wichtigste zuerst

Sprachstörungen können erworben sein oder im Zusammenhang mit der Sprachentwicklung auftreten und verschiedene sprachliche Fähigkeiten beeinträchtigen. Bei einer Aphasie liegt eine erworbene Störung der Sprache aufgrund einer Schädigung des Gehirns vor, häufig infolge eines Schlaganfalls. Je nach Ausprägung können Wortfindungsstörungen, Probleme mit Grammatik und Sprachverständnis oder Schwierigkeiten bei der Bildung von Wörtern und Sätzen auftreten. Die Therapie richtet sich nach Ursache und Schweregrad der Störung und umfasst häufig eine gezielte logopädische Therapie.

Sprachstörungen beeinträchtigen die Fähigkeit, Sprache zu verstehen, zu bilden oder situationsgerecht einzusetzen. Eine Sprachstörung kann sowohl die Sprachproduktion als auch das Sprachverständnis betreffen und unterschiedliche Ursachen haben. Bei Sprachstörungen bei Erwachsenen spielt die Aphasie eine wichtige Rolle, die beispielsweise nach einem Schlaganfall oder einer anderen Hirnschädigung auftreten kann. Betroffene haben je nach Form der Aphasie Schwierigkeiten bei der Wortfindung, beim Satzbau sowie beim Schreiben und Lesen. Sprach- und Sprechstörungen müssen voneinander unterschieden werden, da eine Sprechstörung eher die motorische Ausführung des Sprechens betrifft.

Bei Kindern können dagegen Auffälligkeiten in der Sprachentwicklung oder Entwicklungsstörungen hinter sprachlichen Problemen stehen. Eine genaue Diagnostik bildet die Grundlage für eine individuell angepasste Therapie, beispielsweise im Rahmen der Logopädie.

Wie entstehen Sprachstörungen?

Die Ausprägungen der Sprachstörung können ganz unterschiedlich sein. Sie reichen von leichten Sprachentwicklungsstörungen bis hin zu Störungen der Schriftsprache und Taubstummheit.

Den Sprachstörungen liegen je nach Form verschiedene Ursachen zugrunde. Sprachentwicklungsstörungen basieren häufig auf Hörstörungen. So können lang anhaltende Mittelohrentzündungen oder dauerhafte Hörstörungen zwischen dem zweiten und dritten Lebensjahr die Sprachentwicklung behindern. Da die Betroffenen das Gesprochene nicht auditiv wahrnehmen, erlernen sie die Sprache nicht.

Auch genetische, psychische und soziale Faktoren beeinträchtigen die Sprachentwicklung. Zu einem Sprachabbau kommt es häufig bei den verschiedenen Formen der Demenz.

Auch andere Erkrankungen, wie Epilepsie können mit Sprachstörungen einhergehen. Störungen der Schriftsprache wie die Dyslexie oder die Dysgraphie entstehen zum überwiegenden Teil durch mangelndes Lese- und Schreibtraining. Sie können aber auch durch Hirnschädigungen nach einem Schädel-Hirn-Trauma oder Schlaganfall entstehen. Dasselbe gilt für Störungen des Sprachverständnisses und die Aphasie.

Häufigste Ursache der Aphasie sind traumabedingte Schädigungen des Gehirns oder Hirntumore. Auch geistige und körperliche Entwicklungsverzögerungen können zu einer Verzögerung der Sprachentwicklung oder zum Ausbleiben der Sprache führen. Zu den Entwicklungsverzögerungen gehören geistige Behinderungen, Geburtstraumata oder frühkindliche Schädigungen psychischer Art.

Wie äußert sich eine Sprachstörung?

Es gibt verschiedene Arten der Sprachstörung:

  • Aphasie
  • Dysphasie
  • Dyslexie
  • Dysgraphie
  • Worttaubheit, fehlende akustische Wahrnehmung
  • Dysgrammatismus

Die Aphasien betreffen je nach Schweregrad die Sprachgestalt, die Wortbedeutungen, den Wortschatz, die Satzbildung oder die Sprachlaute. Die Störungen treten allein oder in Kombination auf. 

Die leichte Form der Aphasie nennen Experten auch Dysphasie. Aphasiker können ihre Gedanken und Gefühle nicht richtig ausdrücken. Sie erkennen häufig nicht, dass die Worte, die sie wählen, nicht ihren Gedanken entsprechen. Gehörtes oder Geschriebenes erfassen sie in ihrer Bedeutung nicht vollständig.

Unter einer Dyslexie versteht man hingegen die Unfähigkeit zu lesen oder das Gelesene zu verstehen. Weder das Hör- noch das Sehvermögen sind hier betroffen. Menschen mit einer Dyslexie können nicht oder nur sehr langsam lesen. Flüssiges Vorlesen ist ihnen nicht möglich. Sie verrutschen häufig in der Zeile oder vertauschen Buchstaben.

Die Unfähigkeit, Wörter und Texte zu schreiben, ist die Dysgraphie. Die Betroffenen haben Schwierigkeiten zu schreiben, obwohl sie dazu intellektuell und motorisch in der Lage sind. Wer unter einem Dysgrammatismus leidet, ist nicht in der Lage, grammatisch korrekte Sätze altersgemäß zu bilden.

So fehlt Menschen mit Dysgrammatismus das Verständnis dafür, dass Verben in Abhängigkeit vom Subjekt konjugiert werden. Sie sagen dann beispielsweise statt "du stehst" in Sätzen "du stehe". Ebenso bilden sie den Plural von Wörtern falsch oder platzieren das Verb an einer falschen Stelle im Satz. Aus "Ich möchte ein Eis." wird dann "Ich Eis möchte.".

Die Worttaubheit ist keine Taubheit im eigentlichen Sinne. Die Betroffenen nehmen die Sprachlaute zwar wahr und unterscheiden sie auch, können sie aber nicht als solche verstehen. Die "innere Sprache" und damit auch die Fähigkeit zum Schreiben oder Lesen ist kaum beeinträchtigt.

Die Diagnose von Sprachstörungen

Insbesondere im Kindesalter ist es schwer, Sprachstörungen zu diagnostizieren. Die Entwicklung der Sprache ist von Kind zu Kind verschieden. Viele Auffälligkeiten gleichen sich in den ersten Lebensjahren wieder aus. 

Zur Überprüfung des altersgemäßen Standes der Sprachentwicklung stehen den Ärzten verschiedene Tests und Screenings zur Verfügung. Diese beziehen sich auf unterschiedliche Sprachbereiche wie Wortschatz oder Grammatik. Zur genauen Analyse der Sprachfähigkeiten können auch Videoaufzeichnungen zum Einsatz kommen.

Logopädie bei Kindern
Kindersprachtest helfen, unterschiedliche Aspekte der Sprachentwicklung zu erfassen @ ChasingMagic/peopleimages.com /AdobeStock

Ist der Entwicklungsstand auffällig, werden in der Regel Hörtests durchgeführt, um ein mangelndes Hörvermögen auszuschließen. Auch zur Diagnose von Sprachstörungen bei Erwachsenen gibt es verschiedene Tests. 

So kommt bei Verdacht auf Aphasie beispielsweise der Aachener Aphasie-Test (AAT) zum Einsatz. Dieser ermöglicht es, die verschiedenen Formen der Sprachstörung und ihren jeweiligen Schweregrad zu diagnostizieren.

Die Behandlung einer Sprachstörung

Unabhängig davon, welche Ursachen der Sprachstörung zugrunde liegen, besteht die Behandlung in der Regel aus einer Sprachtherapie. Logopäden oder speziell ausgebildete Sprachtherapeuten führen diese durch.

Sprachentwicklungsstörungen im Kindesalter werden auf spielerische Art behandelt. Betroffene Kinder erhalten spezielle Übungen, die sie zum korrekten Sprechen animieren.

Test für Sprachentwicklung bei Kindern
Ein Beginn der Sprachtherapie bietet sich ab 2 Jahren an, da hier erste Anzeichen für Störungen in der Sprachentwicklung auffallen @ Africa Studio /AdobeStock

Die Behandlung sollte aber nicht ausschließlich in der logopädischen Praxis erfolgen. Im Alltag müssen die Kontaktpersonen des Kindes darauf achten, dass das Kind korrekt spricht. Auch sollten sie es aktiv zum Sprechen anregen. Auch das gemeinsame Singen oder Lesen fördert die Sprachentwicklung. Da Sprachentwicklung und Motorik eng miteinander zusammenhängen, kann eine Ergotherapie als ergänzende Behandlung sinnvoll sein.

Bei Erwachsenen mit Sprachstörungen steht die (Re-)Aktivierung der Sprache im Vordergrund. Dabei machen sich Logopäden die ausgeprägte Lernfähigkeit des Gehirns zunutze. 

Der Patient kann so verlorengegangene Fähigkeiten wiedergewinnen. Ist dies nicht möglich, üben Therapeuten andere verbale und nonverbale Strategien zur Kommunikation ein. Damit sich der Patient auch ohne die gesprochene Sprache ausdrücken kann.

Die Prognose bei Sprachstörungen

Die Prognose hängt von der Art und der Ursache der Störung ab. Die Sprachentwicklungsstörung bei Kindern ist durch eine frühzeitige Therapie gut behandelbar.

Die Sprachfähigkeit bei Demenzkranken hingegen nimmt trotz therapeutischer Unterstützung in vielen Fällen stetig ab. Grundsätzlich gilt, dass eine frühe Diagnose mit entsprechend rascher logopädischer Therapie die Prognose deutlich verbessert.

FA

Was sind Sprachstörungen und welche Symptome können auftreten?
Sprachstörungen beeinträchtigen einen oder mehrere Bereiche der Sprache. Ein mögliches Symptom sind Wortfindungsstörungen, daneben können Grammatik, Satzbau, Sprachproduktion und Sprachverständnis verändert sein. Betroffene können beispielsweise Schwierigkeiten haben, ein bestimmtes Wort abzurufen oder Wörter und Sätze korrekt zu bilden. Die genaue Ausprägung hängt von der Form der Sprachstörung und dem Schweregrad der Störung ab.

Was ist der Unterschied zwischen einer Sprachstörung und einer Sprechstörung?
Bei einer Sprachstörung sind sprachliche Fähigkeiten wie Wortfindung, Grammatik oder Sprachverständnis betroffen. Eine Sprechstörung betrifft dagegen stärker die Erzeugung von Lauten beziehungsweise die motorische Ausführung des Sprechens. Zu den Sprechstörungen gehören beispielsweise Dysarthrie und bestimmte Formen der Apraxie; auch Stottern oder Lispeln betreffen Aspekte des Sprechens beziehungsweise Redeflusses und der Lautbildung. Da Sprach- und Sprechstörungen unterschiedliche Mechanismen haben, sind eine differenzierte Diagnostik und Therapie wichtig.

Welche Sprachstörungen können nach einem Schlaganfall entstehen?
Ein Schlaganfall kann Hirnareale beziehungsweise Sprachzentren im Gehirn schädigen und dadurch eine Aphasie verursachen. Je nach Lokalisation und Ausmaß der Hirnschädigung werden verschiedene Formen beschrieben, darunter Broca-Aphasie, Wernicke-Aphasie, amnestische Aphasie und globale Aphasie. Die jeweilige Form der Aphasie kann sich unterschiedlich auf Wortfindung, Sprachproduktion und Sprachverständnis auswirken. Auch Schreiben und Lesen können durch die Schädigung des Gehirns beeinträchtigt sein.

Welche Sprachstörungen kommen bei Kindern vor?
Sprachstörungen bei Kindern können unterschiedliche Bereiche der Sprachentwicklung betreffen. Bei Sprachstörungen im Kindesalter können beispielsweise Wortschatz, Grammatik, Sprachverständnis oder die Bildung von Worten und Sätzen auffällig sein. Eine rezeptive Sprachstörung betrifft insbesondere das Verstehen von Sprache. Auffälligkeiten in der Sprachentwicklung beziehungsweise eine Entwicklungsverzögerung sollten fachlich abgeklärt werden, damit bei Bedarf frühzeitig eine geeignete Sprachtherapie begonnen werden kann.

Wie werden Sprachstörungen behandelt?
Die Therapie einer Sprachstörung richtet sich nach der Ursache, dem Alter und den individuellen Einschränkungen. Nach neurologisch bedingten Sprachstörungen wie einer Aphasie kann eine logopädische Therapie dazu dienen, vorhandene sprachliche Fähigkeiten zu fördern und Kommunikationsmöglichkeiten zu verbessern. Auch bei entwicklungsbedingten Sprach- oder Sprechstörungen können Logopäden beziehungsweise eine Logopädin gezielt an beeinträchtigten Fähigkeiten arbeiten. Die Therapie wird dabei an die individuelle Störung und ihre Auswirkungen auf den Alltag angepasst.

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Über den Fachautor

Sabine Schneider

Sabine Schneider – medizinische Fachautorin: Entdecken Sie fundierte Fachbeiträge und medizinische Expertise im Leading Medicine Guide.

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