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Erkrankung · Senologie

Mastitis erkennen und gezielt behandeln

marcus_mau_lmg_autor.jpgMedizinischer FachautorDr. rer. nat. Marcus MauMedizinjournalistStand: ICD-10: O91, N60, N61

Kurzübersicht — das Wichtigste zuerst

Beschwerden
Die betroffene Brust kann gerötet, geschwollen, heiß und schmerzhaft sein; auch Fieber ist möglich.
Ursachen
Milchstau und wunde Brustwarzen erhöhen bei stillenden Frauen das Risiko einer Mastitis.
Untersuchung
Häufig genügen die Symptome und der ärztliche Untersuchungsbefund; bei Verdacht auf einen Abszess hilft ein gezielter Ultraschall.
Behandlung
Je nach Verlauf kommen das Entleeren der Brust, ein Schmerzmittel, ein Antibiotikum oder die Entlastung eines Abszesses infrage.
Verlauf
Eine Mastitis kann erneut auftreten oder sich zu einem Brustabszess entwickeln.

Mastitis ist eine Entzündung der Brust, die mit oder ohne Infektion auftreten kann. Typische Symptome sind eine gerötete, geschwollene oder schmerzhafte Brust. Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und dem Verlauf.

Besonders häufig betrifft die Brustentzündung stillende Frauen. Ein Antibiotikum ist jedoch nicht immer sofort nötig.

Was ist eine Mastitis?

Eine Mastitis ist eine Entzündung der Brust beziehungsweise des Brustgewebes. Sie kann durch eine bakterielle Infektion verursacht werden oder ohne nachweisbare Infektion entstehen. Die Mastitis puerperalis tritt während des Stillens auf, während entzündliche Brusterkrankungen außerhalb der Stillzeit seltener sind.

In einer großen norwegischen Untersuchung berichteten rund 19 % der stillenden Mütter über eine Mastitis. Rund 37 % der Betroffenen gaben an, mit Antibiotika behandelt worden zu sein.

Die periduktale Mastitis ist eine seltene Form bei nicht stillenden Frauen. Dabei entzündet sich der Bereich um die Milchgänge. Hinter dem Brustwarzenhof kann sich ein Abszess bilden, also eine umschriebene Ansammlung von Eiter.

Welche Symptome hat eine Mastitis?

Die Symptome betreffen meist die erkrankte Brust und können unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Häufig sind Schmerzen sowie sicht- oder tastbare Veränderungen an der betroffenen Stelle.

  • Rötung: Die Haut über dem Brustgewebe ist sichtbar gerötet.
  • Schwellung: Die betroffene Brust fühlt sich geschwollen und gespannt an.
  • Wärme: Der entzündete Bereich ist deutlich wärmer.
  • Schmerzen: Berührungen oder das Stillen schmerzen an der betroffenen Stelle.
  • Fieber: Zur örtlichen Entzündung kommt eine erhöhte Körpertemperatur hinzu.
  • Weniger Milch: Die Mastitis kann die Milchproduktion während der Stillzeit verringern.

Ein Milchstau ist keine Mastitis, kann die Brust jedoch hart, geschwollen und schmerzhaft machen. Fließt die Muttermilch über längere Zeit nicht ausreichend ab, kann sich aus dem Stillproblem eine Mastitis entwickeln.

Wie entsteht eine Mastitis?

Die Ursachen und Risikofaktoren unterscheiden sich je nach Form der Mastitis. Während des Stillens können ein gestörter Milchfluss, Hautschäden an der Brustwarze oder Bakterien an der Entstehung beteiligt sein.

  • Milchstau: Eine unzureichende Entleerung kann eine schmerzhafte Verhärtung verursachen, aus der eine Mastitis entsteht.
  • Wunde Brustwarzen: Verletzungen der Brustwarze erhöhen das Risiko einer Mastitis in der Stillzeit.
  • Bakterielle Infektion: Das Bakterium Staphylococcus aureus ist ein häufiger Erreger der infektiösen Form.
  • Frühere Entzündung: Eine Mastitis kann wiederkehren; bei manchen Betroffenen bleibt die Ursache unbekannt.

Außerhalb der Stillzeit lässt sich nicht immer ein bestimmter Auslöser feststellen. Das gilt auch für wiederkehrende Beschwerden. Eine länger anhaltende oder erneut auftretende Entzündung sollte deshalb ärztlich untersucht werden.

Wie wird eine Mastitis festgestellt?

Eine Mastitis wird häufig anhand der Symptome und des Untersuchungsbefunds erkannt. Die Ärztin oder der Arzt beurteilt die Rötung und Schwellung der Brust und tastet das Gewebe ab. Bei einer typischen Brustentzündung ist eine Bildgebung nicht immer erforderlich.

Besteht der Verdacht auf einen Abszess, kann ein gezielter Ultraschall die Eiteransammlung sichtbar machen. Eine Mammographie ist für die Diagnose einer typischen Mastitis bei stillenden Frauen nicht generell erforderlich.

Halten die Beschwerden an, kommen eine weitere Bildgebung und eine Gewebeprobe infrage. Besonders außerhalb der Stillzeit muss die Ärztin oder der Arzt prüfen, ob hinter einer vermeintlichen Mastitis ein entzündlicher Brustkrebs steckt.

Mastitis
Bei einer Mastitis entzünden sich die Brustdrüsen © koyuki | AdobeStock

Die granulomatöse Mastitis ist eine besondere entzündliche Form mit typischen Gewebeveränderungen. Sie wird mithilfe einer Gewebeprobe diagnostiziert. Ist während des Stillens eine Punktion oder gezielte Gewebeentnahme nötig, gilt sie grundsätzlich als sicher. Mögliche stillspezifische Risiken sollten vorher besprochen werden.

Wie wird eine Mastitis behandelt?

Die Behandlung hängt davon ab, ob eine bakterielle Infektion vorliegt und wie sich die Beschwerden entwickeln. Entscheidend ist außerdem, ob sich bereits ein Abszess gebildet hat. Die möglichen Verfahren richten sich daher nach dem jeweiligen Befund.

Brustuntersuchung
Zur Diagnostik gehört auch das Abtasten der Brust © romaset | AdobeStock
VerfahrenFür wenDauerVor- und Nachteile
Stillen und Entleeren der BrustStillende Frauen ohne entgegenstehende individuelle GründeRegelmäßig entsprechend dem StillbedarfDas Stillen kann bei Mastitis meist fortgesetzt werden; eine Unterbrechung ist gewöhnlich nicht erforderlich.
AntibiotikumBei anhaltenden Beschwerden und Verdacht auf eine behandlungsbedürftige bakterielle MastitisNach ärztlicher VerordnungDas Medikament wirkt gegen empfindliche Bakterien, ist aber nicht bei jeder Mastitis sofort notwendig.
IbuprofenBei Schmerzen und entzündlichen Beschwerden, sofern es individuell geeignet istAbhängig vom SchmerzverlaufDas entzündungshemmende Schmerzmittel kann die Beschwerden lindern und gilt in der Stillzeit als bevorzugte Möglichkeit.
Ultraschallgeführte NadelpunktionBei einem Brustabszess, der sich auf diesem Weg entlasten lässtJe nach Befund können Verlaufskontrollen nötig seinDer Eiter wird gezielt abgesaugt. In einer kleinen randomisierten Studie hatten Patientinnen danach weniger Schmerzen als nach einer chirurgischen Eröffnung.
Chirurgische Eröffnung und DrainageBei größeren, gekammerten oder wiederkehrenden BrustabszessenAbhängig von Ausdehnung und HeilungsverlaufDas Verfahren ermöglicht die Entlastung komplexer Abszesse, ist jedoch ein chirurgischer Eingriff.

Wie verläuft die Erkrankung?

Der Verlauf einer Mastitis ist unterschiedlich. Als Komplikation kann ein Brustabszess entstehen. Vor allem in diesem Fall kann die Infektion länger andauern und engmaschige Kontrollen erfordern. Auch nach einer erfolgreichen Behandlung kann die Mastitis erneut auftreten.

In einer Studie mit ambulant punktierten Brustabszessen betrug die mittlere Heilungsdauer 14 Tage. Daraus lässt sich keine feste Heilungszeit für jede Patientin ableiten. Der Verlauf hängt unter anderem von der Beschaffenheit des Abszesses und der notwendigen Behandlung ab.

Die granulomatöse Mastitis kann besonders langwierig sein und wiederkehren. Nach einer aktuellen Fachleitlinie kann es bis zu 18 Monate dauern, bis diese Form abklingt.

Wie lässt sich einer Brustentzündung vorbeugen?

Regelmäßiges Stillen wird empfohlen, um wunden Brustwarzen, einem Milchstau und einer Mastitis vorzubeugen. Ziel sind ein ausreichender Milchfluss und eine für Mutter und Säugling passende Entleerung der Brust.

Schmerzen beim Stillen und wunde Brustwarzen können mit einer ungünstigen Stillposition oder falschem Anlegen zusammenhängen. Treten Schmerzen auf, sollte ihre Ursache geklärt werden.

Bei vielen weiteren vorbeugenden Maßnahmen ist unklar, ob sie das Risiko einer Mastitis zuverlässig senken. Die wissenschaftliche Sicherheit der untersuchten Verfahren ist gering. Einen vollständigen Schutz gibt es daher nicht.

Wann sollte eine Mastitis ärztlich abgeklärt werden?

Eine Brustentzündung sollte ärztlich untersucht werden, wenn die Beschwerden nicht zurückgehen oder sich ein Abszess entwickelt haben könnte. Bei einer anhaltenden schmerzhaften Schwellung kann eine Ultraschalluntersuchung erforderlich sein.

Wer nicht stillt und eine gerötete, geschwollene Brust bemerkt, sollte die Veränderung ohne langes Abwarten abklären lassen. Außerhalb der Stillzeit muss sorgfältig zwischen einer Mastitis und anderen entzündlichen Erkrankungen unterschieden werden. Auch entzündlicher Brustkrebs muss ausgeschlossen werden.

Häufige Fragen zur Mastitis

Kann eine Mastitis auch außerhalb der Stillzeit auftreten?

Ja, entzündliche Brusterkrankungen kommen auch außerhalb der Stillzeit vor, sind dann aber seltener. Die periduktale Form betrifft nicht stillende Frauen und kann einen Abszess hinter dem Brustwarzenhof verursachen.

Kann ich mit einer Mastitis weiterstillen?

Ja, bei einer Mastitis kann gewöhnlich weitergestillt werden. Das gilt in der Regel auch nach der Behandlung eines Brustabszesses.

Wie wird ein Abszess in der Brust behandelt?

Ein Brustabszess kann unter Ultraschallkontrolle mit einer Nadel punktiert und entleert werden. Größere, gekammerte oder wiederkehrende Abszesse können eine chirurgische Eröffnung und Drainage erfordern.

Wie lange dauert die Heilung eines Brustabszesses?

Die Heilungsdauer hängt vom Befund und von der Behandlung ab. In einer Studie mit ambulant punktierten Brustabszessen lag sie im Mittel bei 14 Tagen; dieser Wert ist keine feste Heilungszeit für jede Patientin.

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Über den Fachautor

Dr. rer. nat. Marcus Mau

Medizinjournalist

Dr. rer. nat. Marcus Mau ist Humanbiologe und promovierter Physiologe. Er arbeitet als freier Medizinredakteur mit Spezialisierungen in der Urologie, Onkologie sowie zu HIV und Geschlechtskrankheiten. Dr. Mau ist unter anderem Mitglied in der Deutschen Gesellschaft für Urologie e. V.

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Quellen

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