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Azoospermie – Diagnose, Behandlung und Kinderwunsch bei fehlenden Spermien

27.02.2026
Dr. med.  Christof  Börgermann
Medizinischer Fachautor

Azoospermie beschreibt eine Form der männlichen Unfruchtbarkeit, bei der sich kein einziges Spermium im Ejakulat nachweisen lässt. Diese Störung betrifft Männer mit Kinderwunsch oft unerwartet und stellt eine große emotionale Belastung dar. Die Azoospermie kann genetisch bedingt sein oder durch eine Störung der Spermienproduktion in den Hoden entstehen.

Auch Blockaden der Samenleiter oder frühere Eingriffe wie eine Vasektomie können eine Rolle spielen. Für die Diagnose sind spezielle Untersuchungen notwendig, da das Ejakulat äußerlich meist unauffällig erscheint. Moderne medizinische Verfahren bieten heute jedoch verschiedene Behandlungsansätze. In vielen Fällen ist eine Befruchtung trotz Azoospermie möglich.

ICD-Codes für diese Krankheit: N46

Kurzübersicht:

Azoospermie bedeutet das vollständige Fehlen von Spermien im Ejakulat. Man unterscheidet zwischen obstruktiver und nicht-obstruktiver Azoospermie. Die Diagnose erfolgt durch wiederholte Spermaanalysen und weiterführende Untersuchungen der Hoden. Je nach Ursache bestehen unterschiedliche Behandlungsmöglichkeiten bei bestehendem Kinderwunsch.

Artikelübersicht

Hintergrund zur Azoospermie

Der Begriff Infertilität (Zeugungsunfähigkeit) bezeichnet eine Störung der Zeugungsfähigkeit, mit der Unfähigkeit, eine Schwangerschaft zu erreichen. In den Industrienationen beträgt die Quote der Infertilität bis zu 15 Prozent.

In Deutschland ist heute fast jede sechste Ehe ungewollt kinderlos. Die Ursachen für die ungewollte Kinderlosigkeit sind vielfältig. Sie liegen zu je etwa 30 Prozent bei der Frau alleine, beim Mann alleine oder bei beiden Partnern.

Offensichtlich handelt es sich bei der Infertilität um ein Tabu-Thema: Nur 4 bis 17 Prozent der betroffenen Paare suchen ärztlichen Rat, obwohl der Leidensdruck für die Betroffenen immens ist.

Azoospermie und männliche Fertilitätsstörung

Die Weltgesundheitsorganisation WHO definiert die männliche Fertilitätsstörung als Ausbleiben einer Schwangerschaft trotz regelmäßigem ungeschützten Geschlechtsverkehrs über einen Zeitraum von einem Jahr bei organisch offensichtlich gesunder Partnerin.

Eine mögliche Ursache für die Kinderlosigkeit, die beim Mann liegt, ist die Azoospermie. Darunter versteht man das vollständige Fehlen von Samenzellen in der Samenflüssigkeit. Das bedeutet, dass trotz eines Samenergusses keine Samenzelle zur Eizelle der Frau gelangen kann und so eine Schwangerschaft ausbleibt.

Welche Ursachen sind für eine Azoospermie denkbar?

Grundsätzlich unterscheidet man zwei Ursachen der Azoospermie:

  • Störungen in der Entstehung der Samenzellen und
  • der Verschluss (Obstruktion) der Samenwege.

Die Samenzellen werden vom sogenannten Keimepithel des Hodens gebildet. Liegt an dieser Stelle eine Störung vor, werden keine oder unzureichende Samenzellen gebildet. Die Samenflüssigkeit, die aus Sekreten der Prostata und Samenbläschen besteht, beinhaltet also keine Samen.

Nachdem die Samenzellen im Keimepithel des Hodens gebildet wurden, gelangen sie in den Nebenhoden. Der Nebenhoden ist ein langer gewundener Schlauch, der die Samenzellen weiter in die Samenleiter transportiert. Die Samenleiter münden im Bereich der Prostata in der Harnröhre – diese Stelle heißt auch Samenhügel.

Bei einem Orgasmus werden hier die Samenflüssigkeit und die Samenzellen in die Harnröhre gepresst und dann aus dem Penis ausgestoßen.

Kommt es auf dieser Strecke zu einem Verschluss, können keine Samenzellen die Harnröhre erreichen. Das ist auch das Prinzip der Sterilisation beim Mann: Indem beide Samenleiter unterbunden werden, können keine Samenzellen mehr die Harnröhre erreichen.

Azoospermie: Verschluss der Samenwege
Bei der obstruktiven Azoospermie sind die Samenwege versperrt © sakurra | AdobeStock

Lässt sich die Azoospermie behandeln?

Die Behandlung der Azoospermie richtet sich nach der Ursache. Liegt ein Verschluss der Samenwege vor, versucht der Arzt, die Durchgängigkeit wiederherzustellen. Bei Verschluss im Bereich des Samenhügels kann der Arzt die Samenwege durch Einschneiden des Samenhügels wieder eröffnen. Dieser Eingriff wird mit einem speziellen Instrument durch die Harnröhre ohne Hautschnitt durchgeführt.

Liegt der Verschluss im Bereich der Samenleiter kann der Arzt die beiden Enden des Samenleiters wieder vereinigen. Auch eine Sterilitäts-OP kann sich unter Umständen also rückgängig machen. Dazu bedient sich der Arzt eines Operationsmikroskops, unter dem er die feinen Kanäle mit sehr dünnem Nahtmaterial verbindet.

In erfahrener Hand lassen sich so Durchgängigkeitsraten von 90 Prozent erzielen. Sind die Samenwege erfolgreich wiederhergestellt, kann das Paar versuchen, auf natürlichem Wege ein Kind zu zeugen.

Reproduktionsmedizinische Behandlung bei unerfülltem Kinderwunsch

Nicht bei allen Männern lässt sich eine Azoospermie behandeln. Haben sie dennoch den Wunsch, ein eigenes Kind zu zeugen, ist eine reproduktionsmedizinische Behandlung im Rahmen der künstliche Befruchtung möglich.

Mittels ICSI (Intrazytoplasmatische Spermien-Injektion) wird eine einzelne Samenzelle direkt in eine weibliche Eizelle injiziert. Dazu muss mindestens eine Ei- und eine Samenzelle des Paares gewonnen werden.

Bei der Frau kann nach hormoneller Stimulation eine Eizellentnahme durch Punktion der Eierstöcke erfolgen. Beim Mann kann der Versuch erfolgen, direkt aus dem Hodengewebe Proben zu entnehmen und aus diesen Samenzellen zu isolieren (Testikuläre Spermatozoenextraktion, TESE). Dazu ist eine kleine Operation notwendig.

Das ist unter Umständen auch bei Männern möglich, die an einer Störung der Samenzellproduktion leiden. In ca. 50 bis 60 Prozent der Fälle werden Samenzellen im Hodengewebe gefunden, die sich für eine künstliche Befruchtung nutzen lassen. Wird eine Eizelle erfolgreich befruchtet, setzt der Arzt diese anschließend in die Gebärmutter der Frau ein.

Fazit zur Azoospermie

Azoospermie bezeichnet eine schwere Störung der Fruchtbarkeit und meint das Fehlen von Spermien im Ejakulat, sodass im Fall von Ejakulat keine Spermien vorhanden sind. Man unterscheidet die Nicht-obstruktive Azoospermie von der Obstruktiven Azoospermie sowie die Sekretorische Azoospermie, wobei jede Art von Azoospermie eine eigene Art der Azoospermie darstellt.

Die Ursachen für Azoospermie sind vielfältig, denn Azoospermie kann verschiedene Ursachen haben, denen häufig genetische Faktoren oder andere Ursachen zugrunde liegen und die häufig zu einer Azoospermie führen. Medizinisch erklärt man den Zustand so, dass Azoospermie verursacht wird, wenn die Spermienproduktion in den Hoden gestört ist, keine Spermien gebildet werden oder ein vollständiges Fehlen von Spermien vorliegt. Die Diagnose von Azoospermie erfolgt in mehreren Schritten, um Azoospermie zu ermitteln, wobei erfolgt die Diagnose meist über Spermiogramme, bis die Diagnose gestellt ist und eine Diagnose Azoospermie bestätigt wird.Bei vielen Betroffenen zeigen sich kaum Symptome der Azoospermie, dennoch gilt, dass Männer mit Azoospermie sind unfruchtbar und unter Azoospermie leiden, auch wenn Azoospermie nicht immer sofort erkannt wird.

In manchen Fällen können dennoch Spermien gefunden werden, etwa durch eine Hodenbiopsie zur Gewinnung von Spermien oder durch Spermien aus dem Hoden beziehungsweise Spermien direkt aus dem Hoden. Je nach Befund kommen eine Behandlung von Azoospermie, chirurgische Eingriffe oder eine Behandlung bei Kinderwunsch infrage, häufig in Kombination mit Assistierter Reproduktion oder Künstlicher Befruchtung. Ob eine Azoospermie verhindert oder eine Azoospermie heilbar ist, hängt vom Typ der Azoospermie, vom Risiko einer Azoospermie und davon ab, ob ein Vorhandensein von Spermien im Sperma nachweisbar ist.

Ziel jeder Therapie ist es, den Kinderwunsch zu erfüllen, da Männer mit Azoospermie Väter werden können, auch wenn sich Azoospermie lässt, nicht in jedem Fall vollständig beheben.

FAQ

Was ist Azoospermie?

Azoospermie bezeichnet das vollständige Fehlen von Spermien im Ejakulat und ist eine Ursache männlicher Unfruchtbarkeit.

Welche Arten von Azoospermie gibt es?

Man unterscheidet die obstruktive Azoospermie, bei der ein Transporthindernis vorliegt, und die nicht-obstruktive Azoospermie, bei der die Spermienproduktion in den Hoden gestört ist.

Wie wird Azoospermie diagnostiziert?

Die Diagnose erfolgt durch mindestens zwei Spermiogramme sowie ergänzende Untersuchungen wie Hormonanalysen, genetische Tests und gegebenenfalls eine Hodenbiopsie.

Ist eine Behandlung bei Azoospermie möglich?

Die Behandlung hängt von der Ursache ab und kann operative Eingriffe, hormonelle Therapien oder die Gewinnung von Spermien aus dem Hoden umfassen.

Ist ein Kinderwunsch trotz Azoospermie erfüllbar?

Ja, in vielen Fällen kann mithilfe von Verfahren wie ICSI und IVF eine Befruchtung erreicht werden, selbst wenn keine Spermien im Ejakulat vorhanden sind.

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