Dr. Matthias Pothmann ist ein hochqualifizierter Facharzt für Spezielle Orthopädische Chirurgie und Sportmedizin. Als leitender Arzt des Westfälischen Gelenk- und Endoprothesenzentrums im Christlichen Klinikum Unna hat er sich auf die endoprothetische Versorgung des Hüft-, und Kniegelenks spezialisiert. In der Behandlung von Gelenkarthrosen, insbesondere bei komplexen Fehlstellungen (vor allem bei Hüftdysplasie), kombiniert er modernste minimalinvasive Techniken mit einer außergewöhnlichen Expertise, die ihm in der Branche einen exzellenten Ruf eingebracht hat.
Seine Klinik ist nicht nur für die Versorgung mit Endoprothesen, insbesondere von Hüfte und Knie, bekannt, sondern auch für das hohe Niveau der gelenkerhaltenden Eingriffe, wie etwa Korrekturoperationen des Beckens (Tripleosteotomien) und der Hüfte, die der leitende Oberarzt der Klinik, Dr. Axel Küpper durchführt. Durch den gezielten Einsatz minimalinvasiver Verfahren gewährleistet Dr. Pothmann und sein Team, dass die Muskeln und das umliegende Gewebe möglichst wenig belastet werden, was zu einer schnelleren Genesung und einem geringeren Risiko für postoperative Komplikationen führt.
Die Klinik gehört in Deutschland zu den Kliniken mit der geringsten Komplikations- und Infektionsrate nach Gelenkersatz und nach dem Wechsel von Prothesen. Diese Methoden und Ergebnisse haben das Westfälische Gelenk- und Endoprothesenzentrum zu einem der führenden Zentren für Hüftendoprothetik gemacht und es sogar als deutsches Referenzzentrum für minimal-invasive Hüftendoprothetik mehrerer Prothesenhersteller etabliert. Neben der erfolgreichen Arbeit im Bereich der Endoprothetik ist Dr. Pothmann auch bei komplexen Prothesenwechseloperationen versiert. Wenn künstliche Gelenke ihre Funktion verlieren, können spezialisierte Eingriffe erforderlich sein, um die Funktionalität wiederherzustellen. Dies erfordert nicht nur technische Expertise, sondern auch ein großes Maß an Erfahrung mit Knochentransplantationen und Knochenaufbauplastiken.
Besonders hervorzuheben ist die persönliche Haltung von Dr. Pothmann, die auf einer patientenorientierten Philosophie basiert. Für ihn steht der individuelle Behandlungsansatz im Vordergrund – er strebt stets danach, jedem Patienten eine möglichst schonende, individuelle und zielführende Therapie zu bieten. Mit seinem hohen Fachwissen und seinem persönlichen Engagement trägt Dr. Pothmann maßgeblich dazu bei, dass Patienten im Westfälischen Gelenk- und Endoprothesenzentrum auf höchste Standards der medizinischen Versorgung vertrauen können.
Die Redaktion des Leading Medicine Guide sprach mit Dr. Pothmann über den Einsatz von Roboterassistenz bei der Endoprothetik, im Besonderen über das Robotersystem MAKO, das vorwiegend bei Knieoperationen zum Einsatz kommt. Foto Dr. Matthias Pothmann
Die roboterunterstützte Endoprothetik revolutioniert die Implantation künstlicher Gelenke durch höchste Präzision und individuelle Anpassung. Moderne Roboterassistenzsysteme unterstützen Chirurgen bei der Planung und Durchführung von Eingriffen, insbesondere bei Hüft- und Knieendoprothesen. Mithilfe hochauflösender Bildgebung und computergestützter Navigation kann das Implantat optimal positioniert werden, wodurch eine verbesserte Passform und Langlebigkeit erreicht wird. Diese Technologie, kombiniert mit minimalinvasiven Verfahren mit geringerer Gewebeschädigung, führt zu einer schnelleren Rehabilitation und besseren funktionellen Ergebnissen. In spezialisierten Kliniken setzt sich die roboterassistierte Chirurgie zunehmend als zukunftsweisender Standard durch.
„Vor der Operation wird eine detaillierte Analyse erstellt, bei der neben den konventionellen Verfahren zunächst ein räumliches Bild des Kniegelenks durch eine Computertomographie aufgenommen wird. Diese Daten werden in einem speziellen MAKO-Computerprogramm so aufbereitet, dass die Prothesenkomponenten dreidimensional bereits virtuell passend eingesetzt werden können. Das bedeutet, die Operation kann praktisch im Voraus geplant werden, inklusive der Größe und Position der Prothese, passend zum Knochen. Dies führt zu einer optimierten Materialplanung, bei der individuell die passenden Implantate in ausreichender Stückzahl bereitliegen und die Operation sicherer und effizienter wird. Während der Operation erfolgt eine Abgleichung der realen Situation mit den vorberechneten Daten. Dabei wird in der Regel der konventionelle, wenn möglich minimalinvasive Zugang gewählt. Mit Hilfe einer Infrarotschnittstelle und spezieller Detektoren werden etwa 60 vorkonfigurierte Punkte am Knie vermessen. Diese Daten werden in Echtzeit an den Rechner übertragen, der von speziell geschulten MAKO-Produktspezialisten betreut wird. Diese Experten, die eine komplexe Ausbildung durch den Hersteller Stryker absolviert haben, richten den Roboter ein und sorgen für die dauerhafte Schnittstellenverbindung zum Computer. Der Operateur erfasst die Punkte am Knie, die dann mit den im CT erfassten Daten abgeglichen werden, sodass der Roboter genau weiß, wo einzelne Strukturen – etwa die ideale Beinachse oder bestimmte Bereiche im Inneren des Knies – in der dreidimensionalen Welt im Millimeterbereich positioniert sind. Das Ergebnis ist eine ultrapräzise Planung, bei der die Abweichung oft unter 0,1 Millimeter liegt“, erklärt Dr. Pothmann und geht noch detaillierter auf die Vorteile der Robotik ein:
„Alle bildgebenden Daten können vor der OP gesammelt und im Computer zusammengeführt werden. Damit kann man die Operation pixelgenau simulieren, und die Planung mit dem MAKO-System erfolgt in der Regel in enger Abstimmung mit dem MAKO-Techniker, um sie ideal umzusetzen. Das Ergebnis ist eine sehr hohe Sicherheit, dass die tatsächliche Operation exakt dem virtuellen Plan folgt. Das ermöglicht präzise Knochenschnitte, die auf das individuelle Gelenk optimal abgestimmt sind, sowie eine bessere Kontrolle der Bandspannung während des gesamten Bewegungsablaufs – eine Innovation, die bisher in der Kniechirurgie so nicht möglich war. Denn die Bänder, die das Knie stabilisieren, sind individuell unterschiedlich, und das System ermöglicht es, diese Bandspannung auch vor dem Schnitt zu simulieren. Die Simulation erfolgt während der OP, um sicherzustellen, dass das Knie auch nach der Prothesenimplantation stabil bleibt und in den Bewegungen nicht nachgibt. Der wichtigste Vorteil ist, dass die Bandspannung auch in der Bewegung des Knies stets optimal bleibt, was in der traditionellen Chirurgie nur schwer erreichbar ist. Bisher war die Kniechirurgie insbesondere stark vom Erfahrungswissen des Operateurs abhängig, da die Kontrolle der Gelenkstabilität vor allem aus der Erfahrung ideal abgeleitet werden konnte. Mit dem MAKO-System ist die Lernkurve deutlich steiler, sodass auch weniger erfahrene Operateure ein gutes Ergebnis erzielen können, wenn sie regelmäßig mit diesem System arbeiten. Die Kombination aus jahrzehntelang erfahrenem Operateur und MAKO ist heute das non-plus-ultra in der Knieendoprothetik. Das System sorgt für eine äußerst präzise, stabile und individuelle Behandlung – ein echter Fortschritt in der Kniechirurgie“. 
Foto MAKO-Sytem – ©Stryker.
Es ist wichtig, dass die Operationskompetenz und die Expertise vorhanden sind, um ein qualitativ hochwertiges Knieimplantationsergebnis zu gewährleisten.
„Der Zugang, die Operationsweise und vieles mehr gehören ebenfalls dazu, doch im Umkehrschluss lässt sich sagen, dass wenn in jeder deutschen orthopädischen Klinik ein MAKO-System stehen würde, die durchschnittlichen Ergebnisse deutlich besser wären und die Komplikationsraten, etwa bei Fehlpositionierungen oder Instabilitäten, sinken würden. Insgesamt würde das Ergebnis für die Patienten dann sehr wahrscheinlich deutlich besser ausfallen – und ich bin fest davon überzeugt, dass das in Zukunft so kommen wird. Aktuell ist es aufgrund des finanziellen Drucks im deutschen Gesundheitssystem jedoch kaum umsetzbar. Denn ein solches Gerät kostet etwa eine Dreiviertelmillion Euro, dazu kommen jährliche Wartungskosten von etwa 55.000,00 bis 60.000,00 Euro für den Techniker, der täglich bei den OPs vor Ort ist. Die zusätzlichen Einmal-Materialien für den Eingriff kosten etwa 480,00 Euro. All das muss kalkulatorisch berücksichtigt werden, ohne dass der Patient bei uns eine Zuzahlung leisten muss. Ich hoffe, dass das noch lange möglich bleibt. Bei uns steht das System seit 2022 im Einsatz. Nach einem Jahr Leasing-Testphase, um seine Leistungsfähigkeit zu prüfen, haben wir es gekauft. Ich habe vorher in einer Klinik hospitiert, die vier dieser Systeme im Einsatz hat – das ist europaweit die größte Anzahl. Ich konnte bei den Operationen dabei sein und habe die Technik erlernt. Für die Fachärzte, die bei uns mit dem System arbeiten, war eine spezielle Zertifizierung und intensives Training erforderlich. Sie operieren erst nach einer umfassenden Schulung, die auch die Arbeit an Leichenknochen und Kunststoffknochen umfasst, um sicherzustellen, dass sie mit der Technologie optimal vertraut sind“, schildert Dr. Pothmann und ergänzt:
„Seitdem wir das System einsetzen, hat die Nachfrage nach MAKO-Knieoperationen deutlich zugenommen. Für die meisten Kliniken ergibt sich der Anreiz, das System zu kaufen, weil es nicht nur die Qualität der Operationen verbessert, sondern auch mehr Patienten anzieht – das erhöht die Operationszahlen insgesamt. Bei uns war das nicht der primäre Grund, da die Terminbücher bereits voll waren, aber in den Verbundkliniken, wo wir das System eingeführt haben, haben wir deutlich steigende OP-Zahlen beobachten können, weil die Daten aus der weltweiten Forschung glaubhaft sind und die Vorteile sichtbar machen. Bereits vorher gab es Versuche mit Robotik und Navigation in der orthopädischen Chirurgie, doch erst mit dem MAKO-System gilt es als revolutionärer Quantensprung in der Ergebnisverbesserung. Natürlich wird die Technologie auch für PR genutzt, um mehr Patienten für die Operationen zu gewinnen. Bei uns im Haus waren die OP-Kapazitäten lange Zeit knapp bemessen, weil die Nachfrage enorm ist. Das System ist für das Krankenhaus auch ein Prestige-Instrument, das die Innovationskraft widerspiegelt und das gesamte Haus gegenüber anderen Kliniken in Deutschland positioniert. Es zeigt, dass wir bei den modernen Verfahren vorne mit dabei sind und auch international einen guten Ruf haben. Ich bin fest davon überzeugt, dass diese Entwicklung künftig Standard werden wird, wenn auch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen es zulassen. Aktuell ist es allerdings schwierig, immer alle Vorteile wirtschaftlich abzubilden, da die Investitionen und Betriebskosten eine große Rolle spielen und die Krankenhäuser zunehmend unter Druck stehen, ihre Ressourcen effizient einzusetzen“.
Die roboterunterstützte Endoprothetik bietet insbesondere jenen Patienten große Vorteile, bei denen eine präzise und individuell angepasste Implantation erforderlich ist. Insbesondere Menschen, die unter starken Gelenkdeformationen oder schwerer Arthrose leiden, können von der hohen Genauigkeit der Technologie profitieren.
In der modernen Gelenkchirurgie wird zunehmend auf innovative Assistenzsysteme wie das MAKO-System gesetzt, um die Präzision bei Operationen zu verbessern. Bei Wechseloperationen, bei denen bereits Metalle im Gelenk vorhanden sind, kann man noch nicht so gut mit dem MAKO arbeiten. Das ist eine Herausforderung, an der aktiv gearbeitet wird, um auch bei Prothesenwechseln den MAKO in die Verfahren zu integrieren. Bis dahin wird er vor allem bei primären, also erstmaligen Operationen eingesetzt.
Dr. Pothmann verdeutlicht dies: „Grundsätzlich können wir das System bei fast jedem Patienten verwenden. Der Ablauf ist dabei so, dass zusätzlich zur normalen Operation am Schienbein und Oberschenkelanteil des Kniegelenkes zwei kleine Metallantennen, sogenannte Gewindestifte, vorrübergehend eingebracht werden. Diese kommen an die Infrarot-Schnittstellen, die während der Operation nach den Antennen positioniert werden. An diese werden die Infrarotschnittstellen positioniert. Die Antennen werden über kleine Zugänge oberhalb und unterhalb des Gelenks eingesetzt. Das ist das, was die Technik von einer klassischen Operation unterscheidet, denn sie dient ausschließlich der Navigation. Sie sorgt dafür, dass die Daten exakt übertragen werden können, was ohne diese Schnittstellen nicht möglich wäre. Bei manchen Patienten bleibt so gut wie keine Narbe zurück, denn die Antennen haben ungefähr die Dicke eines halben Kugelschreibers, sodass kaum etwas sichtbar bleibt. Bei Hüftoperationen ist das allerdings etwas aufwendiger, da man hier den Beckenkamm öffnen muss, um die Fixationsstellen für die Antennen zu schaffen. Das bedeutet eine größere Wunde und auch mehr Schmerzen für den Patienten an dieser Stelle. Die Vorteile des MAKO bei der Hüftchirurgie sind grundsätzlich nicht so deutlich ausgeprägt wie beim Knie, weil hier keine komplexen Bandstrukturen wie die Kniegelenkbänder berücksichtigt werden müssen. Die Positionierung der Prothesenkomponenten erfolgt auch hier wie geplant, allerdings ist der klare Vorteil, den das System zum Beispiel bei der Knieschlittenprothese bietet, in der Hüftchirurgie weniger ausgeprägt. Der Vorteil des MAKO liegt eindeutig bei der Kniechirurgie, vor allem bei weniger erfahrenen Operateuren, da die Technik die Fehlerquote deutlich vermindert. Da wir an unserer Klinik jedoch seit Jahren auf große, komplexe Hüftoperationen spezialisiert sind, und das Wissen sowie die Erfahrung dort sehr hoch sind, ist für uns der Mehrwert durch das MAKO bei der Hüfte vergleichsweise geringer. Zudem dauert die Operation länger, da die zusätzlichen Wunden für die Navigationsantennen eröffnet und wieder geschlossen werden müssen, und bei minimalinvasivem Zugang ist die Anwendung weniger einfach. Insgesamt gesehen sind die Vorteile, wenn man ein erfahrener Operateur ist, bei der Hüftchirurgie eher begrenzt im Vergleich zum Knie“.
Ob die zunehmende Verbreitung und Nutzung des MAKO-Systems dazu führen, dass die Ausbildung zukünftiger Chirurgen immer mehr auf diese Technik ausgerichtet wird und das klassische, rein manuelle Operieren langsam in den Hintergrund gerät, fragt sich. Es besteht die Überlegung, ob dadurch das Erlernen der traditionellen, chirurgischen Techniken ohne Roboter noch ausreichend vermittelt wird.
„Aus meiner Sicht ist es unumgänglich, den klassischen Operationszugang weiterhin zu beherrschen. Der Roboter unterstützt lediglich bei der Überprüfung und Simulation der Spannung der Bänder und bei der präzisen Schnittführung. Die eigentliche Arbeit, beispielsweise das Sägen des Knochens, erfolgt durch den Chirurgen wie gewohnt – er hält die Säge, drückt den Knopf und führt den Schnitt selbst durch. Der Roboter übernimmt dabei nur die Steuerung der Schnittebene, sorgt für die optimale Haltung des Sägesystems und hält die Säge in der idealen Position. Bislang werden bei diesen Eingriffen oftmals konventionelle Schablonen verwendet, die entweder standardisiert sind oder individuell, anhand eines CT- oder MRT-Plans, gefertigt werden. Diese Schablonen werden im 3D-Druckverfahren hergestellt und bieten über diesen Weg eine genauere Orientierung für den Schnitt. Sie sind eine einfachere, kostengünstigere Alternative im Vergleich zum Einsatz des Roboters, allerdings lässt sich mit ihnen die Bandspannungssituation nicht so exakt simulieren wie mit dem System. Der Roboter hält zwar die Sägen in der präzisen Ebene, die Kontrolle und das Drücken zum Sägen erfolgen aber weiterhin durch den Chirurgen. Ein weiterer großer Vorteil des Roboters ist, dass er automatisch stoppt, wenn man außerhalb des definierten Sägebereichs kommt. Das bedeutet, er schaltet sich ab, sobald die Sägestelle in Nähe von Gefäßen oder Nerven erreicht ist. Diese Abschaltautomatik erhöht die Sicherheit, speziell für weniger erfahrene Operateure, und sorgt dafür, dass innerhalb des festgelegten Bereichs keine Gefahr besteht, in wichtige Strukturen einzuschneiden. Das macht den Einsatz des Roboters auch aus Sicherheitsgründen sehr attraktiv – es ist ein Feature, das die Sicherheit insgesamt erhöht“, betont Dr. Pothmann.
In der modernen Orthopädie gewinnt die roboterunterstützte Implantation zunehmend an Bedeutung. Dabei stellt sich die Frage, ob diese Technologie auch langfristig positive Auswirkungen auf die Haltbarkeit der Prothese hat.
„Die Passgenauigkeit bei der OP ist durch den Einsatz des Roboters höher. Zum Beispiel im Oberschenkelknochen, wo die Prothese an fünf Schnittflächen exakt angepasst werden muss, sorgt der Roboter für eine äußerst präzise Ausrichtung, sodass die fünf Flächen der Prothese genau auf die entsprechenden Schnittflächen am Knochen passen. Das ist wichtig, denn je genauer die Teile zueinander passen, desto besser verklemmt die Prothese, heilt besser ein, wenn zementfrei implantiert wird und desto länger ist dann ihre Lebensdauer. Dabei hängt die Lebensdauer einer Prothese neben der Qualität des Schnitts immer auch stark von der Beschaffenheit des Knochens ab, also wie weich oder hart er ist, und davon, ob noch genug Knochenmaterial vorhanden ist oder nicht. Viel entscheidender ist allerdings, was der Patient tut und wie er die Prothese belastet. Überlastungen, Lockerungen oder Instabilitäten, die zu Schmerzen führen, entstehen oft durch unzureichende Bänderüberlastung. Das ist einer der häufigsten Gründe, warum eine Prothese gewechselt werden muss. Die Technik, also die Verwendung des Roboters, verändert neben der verbesserten Passform vor allem durch die bessere Kontrolle der Bandspannung entscheidend die Zufriedenheit der Patienten. Dadurch werden Abweichungen minimiert, was zu einer signifikant geringeren Komplikationsrate durch Instabilitäten im Knie führt, was wiederum die Gefahr von Revisionen reduziert, also erneuten Operationen oder Prothesenwechseln. Die präzisere Umsetzung trägt dazu bei, die Dauer der Stabilität der Prothese zu verlängern“, konstatiert Dr. Pothmann.
Die roboterunterstützte Endoprothetik befindet sich in einer Phase intensiver Forschung und Entwicklung, die weiteren Fortschritt verspricht. Der aktuelle Stand zeigt eine kontinuierliche Verbesserung der Technologien, die es Chirurgen ermöglichen, eine noch präzisere und individuellere Implantation von Knie- und Hüftprothesen durchzuführen.
„Die Technologie wird sicherlich weiter voranschreiten, vielleicht sogar noch mehr Hightech-Elemente integrieren. KI ist ja schon längst im Spiel. Das System basiert auf künstlicher Intelligenz. Die Entwickler arbeiten unablässig daran und verbessern das System kontinuierlich. Es gibt ständig kleine Weiterentwicklungen, zum Beispiel farbliche Komponenten auf dem OP-Computerbildschirm, um besser erkennen zu können, wo bereits gesägt wurde, wo noch etwas entfernt werden muss, und um zu verhindern, in Bereiche zu geraten, in denen man nicht mehr sägen sollte. Auch die Wechsel-Endoprothetik wird irgendwann integriert werden. Dabei betrifft die Verbesserung sowohl die Hardware, also die Weiterentwicklung des Roboters, als auch vor allem die Software. Ein Nachteil dabei ist allerdings, dass das System nicht mit jeder Prothese kompatibel ist. Man ist quasi an eine bestimmte Firma gebunden. Das System wird mit einer bestimmten Prothese eingesetzt, die wir aus Überzeugung schon vor der MAKO-Ära hauptsächlich verwendet haben – eine der erfolgreichsten und weltweit meist implantierten Prothesen. Dennoch bleibt man in gewisser Weise an eine Firma gebunden, wenn man das MAKO-System weiterverwenden will“, so Dr. Pothmann und fügt an:
„Wenn man in Deutschland zum Beispiel ein System wie das autonome Fahren bereits sicher auf den Markt bringen würde, dann könnten die Hersteller eine Art Monopol entwickeln. Die Leute würden dann, wenn sie einmal überzeugt sind, immer mehr dieses System wollen, weil es das Beste ist. Bei jeder neuen Technologie sind die Vorreiter natürlich diejenigen, die den Markt dominieren. Sie sind meist fünf bis sechs Jahre den Mitbewerbern voraus und entwickeln die Technik immer weiter. Es gibt andere Navigations- und Robotiksysteme auf dem Markt, aber keine ist bislang in der Lage, das System von MAKO in Bezug auf Säge-Präzision, Analyse der Bänderspannung und Datenmanagement zu erreichen, auch wenn immer Mitbewerber das behaupten. Doch momentan ist MAKO technologisch noch führend, und das wird wohl noch einige Jahre so bleiben, solange kein anderes System vergleichbar ist“, erläutert Dr. Pothmann.
In den letzten 10 Jahren hat sich das MAKO-System enorm weiterentwickelt. Derzeit läuft der Roboter in über 35 Ländern weltweit. In Deutschland schätzt Dr. Pothmann, dass etwa 30 Systeme im Einsatz sind. Es ist beeindruckend, dass bereits über 1,5 Millionen Operationen mit MAKO erfolgreich durchgeführt wurden. Der Forschungsstand ist dank über 400 wissenschaftlicher Veröffentlichungen sehr hoch, und die Patentanmeldungen, die in das System eingegangen sind, belaufen sich auf über 1.500.
„Nachdem wir etwa ein Jahr lang den MAKO im Einsatz hatten und davon überzeugt waren, ihn dauerhaft zu verwenden, haben wir uns entschieden, das System zu kaufen. Vor allem bei Teilprothesen, also sogenannten Schlittenprothesen, ist das System extrem bedeutsam. Diese Art der Prothese gilt, wenn die Indikation dazu stimmt, als eine der erfolgreichsten, weil durch die sparsame und exakte Entfernung des defekten Gelenkanteils die gesunden Reststrukturen optimal erhalten bleiben und die Prothese ideal angepasst werden kann. Das ist in der Praxis der größte Vorteil, weil die Teilprothese dadurch wesentlich erfolgreicher ist. Die Schlittenprothesenergebnisse haben sich mit dem MAKO nochmal merkbar verbessert. Das Deutsche Endoprothesenregister bescheinigte uns 2021 die Klinik mit der geringsten Komplikationsrate nach Knieteilersatz zu sein, wobei unsere Fallzahl noch deutlich geringer war als heute. Heute, mit MAKO, machen wir deutlich mehr dieser OPs, und die Freude an dieser Methode ist groß“, verdeutlicht Dr. Pothmann.  Ruth Löffler, Katharina Komor, Ellen Kiebist und Nadine Komor..jpg)
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„Weltrekord“ im Westfälisches Gelenk- und Endoprothesenzentrum, Klinikum Unna
„Am 25. September 2023 haben wir sogar einen „Weltrekord“ aufgestellt, indem wir an einem Tag elf Prothesen mit einem MAKO operiert haben. Das gab es bisher noch nicht. Die hohen Patientenanfragen, die den Wunsch nach MAKO-Operationen äußerten, führten dazu, dass wir viele Patienten auf der Warteliste hatten, die mit großem Schmerz belastet waren. Deshalb haben wir einen Tag speziell dafür reserviert, an dem wir in zwei OP-Sälen mit zwei Teams zeitversetzt mit einem MAKO, der zwischen den OP-Sälen wechselte, operiert haben. Das war nur möglich, da nur der Kern der Operation mit dem MAKO gemacht wird, der Zugang und Wundverschluss wird ohne MAKO gemacht. Die Operationsdauer einer Knieprothese mit MAKO im Durchschnitt bei etwa 75 Minuten. Das ist etwas länger als eine herkömmliche OP, weil die Einrichtung und die präzise Vorbereitung mit MAKO mehr Zeit in Anspruch nehmen. Es ist allerdings nur ein kleiner Unterschied, etwa 15 Minuten“, erzählt Dr. Pothmann.

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Nach der 4000 Knie-TEP seit Bestehen der Orthopädie in Unna und nach der 500. MAKO-Knieprothese.
Dr. Pothmann stellt eine Sache klar: „Wichtig ist, dass man für den Fall, dass MAKO einmal ausfallen sollte, auch die konventionelle OP-Technik beherrscht. Das System ist bisher bei uns noch nie ausgefallen, doch theoretisch ist das möglich. Deshalb ist es wichtig, dass der Operateur in jedem Fall auch ohne Roboter sicher operieren kann. Wir operieren den Patienten nur dann, wenn wir diese OP auch bei einem eigenen Familienmitglied operieren würden und die Indikation zur OP eindeutig ist. Letztendlich entscheidet trotz medizinisch eindeutiger Indikation immer der Patient selbst, ober er operiert werden möchte. In Deutschland haben wir die Möglichkeit, dass wirklich jeder Patient die notwendige z. B. Knieprothesen-Operation von seiner Krankenkasse bezahlt bekommt. Die Versorgung ist flächendeckend fast überall in Deutschland verfügbar, wenn die Indikation besteht, weshalb auch so viele Prothesen operiert werden. Wobei nur Kliniken mit hoher Fallzahl zukünftig noch zu Gelenkersatzoperationen zugelassen sein werden. Die Schweiz ist ähnlich, aber sonst gibt es kein Land auf der Welt, in dem im Sinne des Patienten das so gehandhabt wird, weil die Kosten in anderen Ländern für solche Eingriffe nicht oder nur zum Teil von der GKV übernommen werden. In England beispielsweise wird eine solche OP oft nicht vom Gesundheitssystem übernommen, weshalb sich viele Menschen einfach eine solche OP nicht leisten können. Deshalb ist das deutsche System in vielerlei Hinsicht sehr gut aufgestellt. Kritik ist zwar auch hier berechtigt, doch das Geschimpfe auf das deutsche Gesundheitssystem ist im Vergleich zu anderen Ländern nicht gerechtfertigt“.
Vielen Dank, Herr Dr. Pothmann, für den eindrucksvollen Blick in die robotergestützte Endoprothetik!
