Dr. med. Alfred Tylla ist ein angesehener und hochqualifizierter Spezialist für Kniechirurgie, der mit herausragender Expertise für Gelenkerhalt, Sportorthopädie und komplexe rekonstruktive Eingriffe bekannt ist. Als Leiter des vom Krankenhaus Rummelsberg zertifizierten Kniezentrums arbeitet er seit vielen Jahren daran, Patienten im Großraum Nürnberg bestmöglich zu behandeln. Dabei legt er besonderen Wert auf die Erhaltung des natürlichen Knorpels und die sanfte Behandlung von Meniskus-, Band- und Knorpelschäden, um das Kniegelenk lange gesund zu erhalten.
Seine Kompetenz zeigt sich nicht nur in der modernen und wissenschaftlich fundierten Versorgung, sondern auch in seiner besonderen Erfahrung bei minimalinvasiven Verfahren wie der Arthroskopie. Mit schonenden Schlüssellochoperationen erkennt und behandelt er Knorpel-, Meniskus- und Kreuzbandverletzungen auf internationalem Niveau. Dank seiner umfassenden Qualifikationen in Unfallchirurgie, Viszeralchirurgie und innovativen Operationsmethoden ist er ein gefragter Experte in der Behandlung akuter Verletzungen ebenso wie bei chronischen Erkrankungen.
Das Kniezentrum im Krankenhaus Rummelsberg, das seit 2019 von der Deutschen Kniegesellschaft zertifiziert ist, genießt in der Region einen hervorragenden Ruf. Hier profitieren Patientinnen und Patienten von einer Behandlung, die jährlich über 900 hochkomplexe Eingriffe durchführt und höchsten Qualitätsstandards folgt. Dr. Tylla ist nicht nur im klinischen Alltag aktiv, sondern engagiert sich auch in der internationalen Forschung und Wissenschaft.
Als Mitglied renommierter Fachgesellschaften veröffentlicht er regelmäßig innovative Forschungsergebnisse und bleibt stets am Puls der neuesten Entwicklungen in der Kniechirurgie. Neben seiner Arbeit im Operationssaal ist Dr. Tylla auch als Notfallspezialist und in der Traumatologie tätig. Seine schnelle Diagnosestellung und präzisen Behandlungsentscheidungen im Notfall sorgen dafür, dass Verletzungen schnell und professionell versorgt werden. Für viele Patienten mit Knieproblemen ist die moderne Knorpelersatztherapie eine gute Option. Hierzu konnte die Redaktion des Leading Medicine Guide mit Dr. Tylla in einem Gespräch mehr erfahren.

Die Knorpelersatztherapie bietet moderne und innovative Ansätze, um den natürlichen Knorpel im Gelenk wiederherzustellen oder zu ersetzen. Durch fortschrittliche Verfahren gelingt es heute, beschädigte oder verschlissene Knorpel nachhaltig zu regenerieren, Schmerzen zu lindern und die Beweglichkeit langfristig zu erhalten. Diese Therapiemöglichkeiten sind besonders für Patienten geeignet, die bereits erste Anzeichen von Arthrose zeigen und ihre Gelenkfunktion bewahren möchten.
Knorpelschwund tritt bei manchen Menschen aus verschiedenen Gründen auf, wobei mehrere Faktoren eine Rolle spielen können.
„Knorpelverschleiß entsteht im Wesentlichen durch verschiedene Ursachen. In vielen Fällen sind traumatologische Folgen dafür verantwortlich, also Unfälle oder Verletzungen, die zu einer akuten Veränderung der Knorpeloberfläche führen. Solche Schäden entstehen oft durch Druck oder einen Schlag, der den Knorpel direkt schädigt. Ebenso spielen degenerative Prozesse eine wichtige Rolle, also Verschleiß im Alter, der zum Beispiel durch Achsfehlstellungen oder durch frühere Operationen, etwa bei einem Meniskusschaden, begünstigt wird.
Ein weiterer wichtiger Faktor sind sogenannte funktionelle Instabilitäten, die ebenfalls den Knorpel schädigen können. Das sind Patienten, die oft Muskelschwund erlitten haben, sei es durch mangelndes Training, im Alter oder durch Verschleißprozesse, die das Gelenk weniger stabil machen. Diese verminderte Stabilität führt dazu, dass das Gelenk kleine Mikrobewegungen zulässt, ähnlich wie Schleifpapier, was wiederum den Knorpel abnutzen kann. Auch zu viel Bewegung kann dem Knorpel schaden. Allerdings hängt das stark von der Stabilität des Gelenks ab.
Ist das Gelenk gut geführt durch eine kräftige Muskulatur und stabile Bandstrukturen, verursacht Bewegung in der Regel keinen Schaden, vor allem wenn der Knorpel gut trainiert und gesund ist. Schwieriger wird es, wenn man plötzlich, beispielsweise nach einer Verletzung oder bei einer instabilen Gelenksituation, sehr viel Bewegung zulässt. Wenn die Stabilität fehlt, kann auch viel Bewegung zu einer Schädigung des Knorpels führen, weil die Fehlfunktion zu Mikrorissen oder Abnutzung führen kann“, schildert Dr. Tylla zu den Ursachen von Knorpelschäden.
Bei der Knorpelersatztherapie stehen heute verschiedene Verfahren zur Verfügung, die individuell auf die Art, Größe und Lage des Knorpelschadens sowie auf die jeweiligen Patientenmerkmale abgestimmt werden. Diese Verfahren unterscheiden sich in ihrer Wirkungsweise, den eingesetzten Materialien und den jeweiligen Anwendungsgebieten, wobei das Ziel immer darin besteht, den natürlichen Knorpel im Gelenk möglichst dauerhaft wiederherzustellen und die Beweglichkeit sowie die Lebensqualität der Patienten zu verbessern.
„Es gibt mittlerweile viele verschiedene Verfahren zur Knorpelersatztherapie, die je nach Defektgröße und -lage unterschiedlich angewandt werden. Eines der bekanntesten ist das sogenannte OATS-Verfahren (OATS = osteochondrale autologe Transplantation), bei dem Knorpel- und Knochenzellen aus belastungsfreien Bereichen des eigenen Gelenks entnommen und in die Defektzone transplantiert werden. Dieses Verfahren ist besonders gut für kleine Defekte geeignet, da man durch eine Operation den eigenen Knorpel-Knochenbereich verwenden kann, ohne Fremdmaterial zu benötigen.
Bei jüngeren Patienten kommen auch regenerative Ansätze zum Einsatz. Hierbei werden kleine Bohrungen in den Defekt gemacht, um Stammzellen aus der Tiefe zu mobilisieren, die sich dort in Knorpelzellen oder knobelähnliche Zellstrukturen umwandeln können. Um die Stammzellen an Ort und Stelle zu halten, wird manchmal eine Membran aufgesetzt, was beim AMIC-Verfahren – der autologen-matrixinduzierter Chondrogenese – Anwendung findet. Damit werden Blut und Stammzellen, die an der Stelle diffundieren, so in der Region gehalten, dass sie dort Knorpel bilden können. Ebenso kann man biologisches Kollagen, eine gelartige Substanz, direkt in den gereinigten Defekt injizieren, wobei diese Methode nur bei kleineren Defekten sinnvoll ist“, verdeutlicht Dr. Tylla und führt weiter aus:
„Bei größeren Defekten kommen Verfahren wie die autologisch-matrixinduzierte Knorpelzelltransplantation, kurz MACT, zum Einsatz. Dabei entnimmt man Knorpelstücke aus dem Patienten, züchtet die Zellen im Labor an und kann sie nach etwa drei Wochen wieder in den Defekt implantieren. Dieses Verfahren ist meist zweizeitig, das heißt, es wird in zwei Operationen durchgeführt. Bei kleineren Defekten kann man auch Zellfragmente direkt zerkleinert und in einer Sitzung wieder einsetzen, was als Minced Cartilage bezeichnet wird.
Der Ablauf ist meist so, dass die erste Operation eine Arthroskopie ist, bei der der Defekt begutachtet wird. Nach einer ausführlichen Beratung mit dem Operateur legt er zusammen mit dem Patienten fest, welches Verfahren geeignet ist. Die Entscheidung hängt vor allem von der Lokalisation und Größe des Defekts ab. Bei der Zweitoperation nach drei Wochen wird dann die eigentliche Transplantation durchgeführt. Diese Operation dauert meist nur 30 bis 45 Minuten. Nach dem Eingriff kann sich der Patient in der Regel sofort frei bewegen, wobei bei Defekten an bestimmten Stellen meist noch eine Teilbelastung mit etwa 25 Kilogramm für die ersten vier bis sechs Wochen notwendig ist. In dieser Zeit unterstützen Gehstützen die Mobilität und die Regeneration“.
Copyright: Dr. med. Alfred Tylla
In der Praxis ist die Wahl des optimalen Verfahrens stets abhängig von der individuellen Situation des Patienten. Faktoren wie Alter, Aktivitätsgrad, Defektgröße und -lage, Gelenkgesundheit sowie Vorbehandlungen spielen dabei eine entscheidende Rolle. Ziel ist es, einen langlebigen, belastbaren Knorpel zu schaffen, der die natürliche Funktion des Gelenks weitgehend wiederherstellt und Arthrose bedingte Beschwerden deutlich vermindert. Fortschritte in der Materialforschung, Zelltechnik und minimalinvasiven Verfahren versprechen eine ständige Verbesserung der Behandlungsergebnisse und eröffnet Patienten langfristig neue Perspektiven für ein schmerzfreies und aktives Leben.
Obwohl es derzeit keinen perfekten künstlichen Knorpel auf dem Markt gibt, forschen Wissenschaftler intensiv an innovativen Lösungen.
„Einen echten, marktreifen künstlichen Knorpel, der identisch mit dem Original ist, gibt es derzeit eigentlich nicht. Es stehen zwar verschiedene Ansätze zur Verfügung, wie Kollagenmembranen oder kollagenhaltige Flüssigkeiten, zum Beispiel das AMIC-Verfahren, bei dem Kollagen aus Schweinematerial eingesetzt wird. Diese Materialien stellen allerdings keinen echten 1:1-Knorpelersatz dar, sondern sind eher unterstützende Substanzen. Es gibt auch Ansätze, bei denen aus körpereigenem Knorpel – beispielsweise aus Nasenkollagen oder anderen Gewebequellen – Knorpel gezüchtet wird, um ihn anschließend wieder zu implantieren.
Aktuell befinden sich zahlreiche Studien in der Entwicklung, bei denen solche Züchtungen schon bei Patienten eingesetzt werden, doch es liegen noch keine langen Erfahrungswerte vor. Es ist unklar, ob diese Methoden auf Dauer, also nach 15, 20 Jahren, wirklich einen nachhaltigen Nutzen bringen. Das Problem ist, dass man den Patienten keine Verfahren zumuten möchte, bei denen unklar ist, was in den folgenden Jahren passieren wird. Die Studien hoffen jedoch, künftig aussagekräftige Ergebnisse darüber zu liefern, wie sich diese Ansätze langfristig bewähren“, konstatiert Dr. Tylla.
Es kommt vor, dass Patienten die Erkrankung verschleppen und erst in einem fortgeschrittenen Stadium zur Behandlung kommen, sodass eine Knorpelersatztherapie dann nicht mehr sinnvoll ist.
„In unserer Sprechstunde führen wir im Vorfeld eine spezielle Deformitätenanalyse durch, bei der wir die Risiken genau besprechen. Besonders wichtig ist die ausführliche Anamnese, um festzustellen, ob der Patient für dieses Verfahren überhaupt in Frage kommt. Denn eine erfolgreiche Behandlung hängt stark von der Mitarbeit des Patienten ab – also davon, dass er die Rehabilitationsmaßnahmen, Belastungsanweisungen und Nachsorgeschritte konsequent befolgt. Wenn jemand die erforderliche Mitarbeit nicht sicherstellen kann, ist die Therapie weniger erfolgversprechend, daher erfolgt eine strenge Selektion.
Vor der Operation weisen wir die Patienten auch immer darauf hin, dass sich im intraoperativen Verlauf herausstellen kann, ob sie wirklich Kandidaten für die Behandlung sind. Sollten wir während des Eingriffs feststellen, dass die Arthrose bereits zu weit fortgeschritten ist oder der Knorpeldefekt größer ist als vorher angenommen – was manchmal die MRT-Befunde nicht genau widerspiegeln –, werden wir das Verfahren gegebenenfalls noch während der Operation anpassen oder auf alternative Behandlungsmethoden umsteigen. So stellen wir sicher, dass nur diejenigen Patienten behandelt werden, bei denen die Erfolgschancen auch wirklich hoch sind“.
Die Knorpelersatztherapie ist besonders für Patienten geeignet, die an lokal begrenzten, stabilen Knorpelschäden leiden, die die normale Gelenkfunktion beeinträchtigen und bislang durch konservative Behandlungsmaßnahmen nur unzureichend behoben werden konnten. Hierzu zählen vor allem jüngere und mittelalte Patienten, die noch keine weit fortgeschrittene Arthrose im betroffenen Gelenk aufweisen, da ihre Gelenke eine gute Restfunktion besitzen und noch ausreichend regenerationsfähig sind. Insbesondere Personen, bei denen die knorpelbedingten Beschwerden auf einen klar abgegrenzten Defekt des Gelenkknorpels zurückzuführen sind, profitieren von einer gezielten Rekonstruktion.
Hierzu kommentiert Dr. Tylla: „Grenzfälle bei Knorpelersatztherapien sind vor allem dann zu sehen, wenn mehrere Defekte im Gelenk vorhanden sind, die sich berühren, was man als sogenannte ,kissing lesions´ bezeichnet. Dabei treffen die beschädigten Flächen am Oberschenkel (Femur) und am Unterschenkel aufeinander, vor allem wenn beide Bereiche hochgradige Defekte aufweisen. In solchen Fällen sind die Patienten eher nicht für eine Knorpelersatztherapie wie z. B. eine MACT (Matrix-Aktivierte Chondrozytentransplantation) geeignet.
Ebenso scheidet diese Behandlung bei fortgeschrittener Arthrose aus, wenn das gesamte Gelenk stark betroffen ist. Für eine erfolgreiche Therapie sollte die Größe der Defekte zudem in der Regel 10 bis maximal 11 Quadratzentimeter nicht überschreiten. Bei Patienten, die ihre ersten Gehversuche hinter sich haben, beginnen die ersten deutlichen Verbesserungen meist nach einigen Wochen. Der Schmerz, der durch die Operation initial entstanden ist, sollte durch die Behandlung langfristig zurückgehen.
Das Problem ist jedoch, dass die postoperative Belastungsschmerzen oft noch präsent sind, weil der Zugang zum Gelenk noch schmerzhaft ist. Besonders bei passiver Mobilisation, die den Patienten häufig mit einer Motorschiene nach Hause entlassen, merkt man erste Besserungszeichen. Das endgültige Ziel ist, dass der Patient den Wundschmerz komplett hinter sich lässt, wieder schmerzfrei voll belasten und das Gelenk frei bewegen kann“, und Dr. Tylla schildert noch Besonderheiten zu besonders aktiven Menschen:
„Bei jungen, sportlich aktiven Patienten, die etwa Tennis spielen, liegt der sogenannte ,Return to Sports´ meist zwischen drei und sechs Monaten nach der Operation. In diesem Zeitraum sollte man vorsichtig sein, da punktuelle Druckbelastungen, schnelle Richtungswechsel und Sportarten mit wiederholtem Stop-and-Go, eben wie Tennis oder Squash, die neu geschaffene Knorpelzone belasten können. Besonders wenn die ursprüngliche Schädigung durch Fehlstellungen des Beins hervorgerufen wurde, zum Beispiel bei O-Bein oder X-Bein, oder bei Instabilitäten, müssen diese Begleiterkrankungen vorher behandelt werden. Nur wenn die biomechanischen Voraussetzungen stimmen, kann die Knorpeloperation langfristig erfolgreich sein. Die eigentliche Knorpeltherapie ist also eher das ,Sahnehäubchen´, das zusätzlich zur Optimierung der Grundbiomechanik eingesetzt werden sollte, um nachhaltige Ergebnisse zu erzielen“.
Copyright: Dr. med. Alfred Tylla.
Die langfristigen Ergebnisse der Knorpelersatztherapie sind insgesamt vielversprechend, wobei viele Patienten über einen Zeitraum von mindestens fünf bis zehn Jahren stabile Verbesserungen in der Gelenkfunktion und eine signifikante Schmerzreduktion erleben. Bei optimal ausgewählten Patienten und fachgerecht durchgeführten Eingriffen können die reparativen Knorpelzellen oder Ersatzmaterialien dauerhaft erhalten bleiben, sodass das Gelenk seine Funktion weitgehend bewahrt und die Beschwerden deutlich gemindert werden. Es gibt Beispiele, bei denen die positiven Effekte noch nach mehr als zehn Jahren nach der Behandlung nachvollzogen werden konnten, was auf die hohe Langlebigkeit moderner Verfahren hinweist.
Dennoch ist die Nachhaltigkeit der Ergebnisse individuell unterschiedlich und hängt von einer Vielzahl von Faktoren ab. Einer der wichtigsten ist die Patientenselektion: Besonders bei jüngeren, aktiven Patienten bis etwa Mitte 50, die noch keine ausgeprägte Arthrose oder großflächige Gelenkzerstörung aufweisen, sind die Prognosen für eine dauerhafte Stabilisierung und Funktionserhaltung besonders gut.
„Ein wichtiger Rat ist, sich stets an Ärzte zu wenden, die ein ganzheitliches Konzept verfolgen und Erfahrung in der Behandlung haben. Es gibt sicherlich spezialisierte Fachärzte, bei denen man besser genau hinschauen sollte, weil die Herausforderungen bei solchen Therapien sehr hoch sind. Ein entscheidendes Kriterium ist, dass der Arzt das gesamte Kniegelenk sowie den Gesamtzustand des Patienten berücksichtigt, anstatt nur die Knorpelersatztherapie isoliert zu sehen. Es ist essenziell, dass bei der Behandlung im Blick bleibt, dass immer auch der Mensch hinter dem Knie steht.
Das bedeutet, dass man nicht nur die Bilder wie Röntgen oder MRT betrachtet, sondern den Patienten als Ganzes behandelt. Der Arzt sollte in der Lage sein, den Patienten umfassend zu beraten und aufzuklären, dass eine erfolgreiche Behandlung vor allem von der Mitarbeit des Patienten abhängt. Das bedeutet, dass Muskelaufbau und Kräftigung eine zentrale Rolle spielen – egal, ob man eine Knorpeltransplantation, eine Bandrekonstruktion oder eine Prothese anstrebt. Mein Rat an Patienten und Kollegen lautet: Wenn sie etwas für ihr Knie tun wollen, sollte die Priorität immer auf der Muskulatur liegen. Eine stabile, kräftige Muskulatur schafft die besten Voraussetzungen für langfristigen Erfolg und sorgt dafür, dass das Gelenk auch nach der Behandlung glücklich bleibt“, erläutert Dr. Tylla und ergänzt:
„Was die Nachfrage betrifft, merke ich, dass zunehmend mehr Patienten zu uns kommen, da wir in der Knorpelersatztherapie eine hohe Expertise aufgebaut haben. Besonders in den letzten Jahren ist die Zahl der Betroffenen gestiegen. Gleichzeitig beobachte ich, dass die Muskulatur bei vielen Patienten immer schlechter wird. Viele hoffen auf die Operation als Allheilmittel und glauben, dass dann alle Probleme gelöst sind. Das ist jedoch ein Trugschluss. Der Erfolg hängt maßgeblich von der Zusammenarbeit und der Bereitschaft des Patienten ab, aktiv an der Reha und dem Muskelaufbau mitzuwirken.
Ohne gezieltes Training, Physiotherapie und die konsequente Pflege des Gelenks wird auch die beste Operation keinen dauerhaften Erfolg bringen. Letztlich ist es der Einsatz des Patienten, der den Erfolg entscheidet – nicht nur die Technik des Arztes. Wenn ein älterer Patient zum Beispiel noch eine stabile Muskulatur und keine weiteren gesundheitlichen Einschränkungen hat, kann er durchaus für die Behandlung infrage kommen. Mein ,ältester“ Patient mit einer Knorpelersatztherapie war 64 Jahre alt“.
Copyright: Dr. med. Alfred Tylla
Momentan wird die Knorpelersatztherapie in vielen Fällen von der Krankenkasse übernommen, seit 2007 sind solche Verfahren meistens eine Kassenleistung. Besonders bei aufwändigeren Techniken wie der MACT ist die Finanzierung durch die Kassen bislang üblich, doch wie lange das noch so bleibt, hängt stark von der aktuellen gesundheitspolitischen Lage ab.
Bei der Knorpelersatztherapie handelt es sich um eine relativ sichere Behandlungsoption, dennoch sind wie bei allen chirurgischen und regenerativen Verfahren bestimmte Risiken und mögliche Komplikationen zu berücksichtigen.
„Bei einer Knorpelersatztherapie treten grundsätzlich die üblichen Operationsrisiken auf, wie Infektionen, Schmerzen, Nachblutungen oder Hämatome. Zudem können entzündliche Veränderungen im Gelenk auftreten. Speziell für den Knorpel gibt es jedoch eine besondere Gefahr, die man erwähnen sollte: Im schlimmsten Fall gelingt die Implantation des Transplantats nicht, weil der Körper das transplantierte Knorpelgewebe abstößt. Das kann passieren, wenn die biologische Integration nicht erfolgreich verläuft, insbesondere an der Übergangszone zwischen Knorpel und Knochen. Wenn die biologischen Voraussetzungen nicht optimal sind oder Begleitstrukturen im Gelenk nicht gut adressiert wurden, besteht ein höheres Risiko für Misserfolg. Glücklicherweise sind die Erfolgschancen bei sorgfältiger Indikationsstellung und Berücksichtigung aller Faktoren sehr hoch“, so Dr. Tylla.
Copyright: Dr. med. Alfred Tylla
Das Kniezentrum im Krankenhaus Rummelsberg wurde erfolgreich rezertifiziert und verfügt über eine anerkannte Qualitätsauszeichnung. Die Zertifizierung bestätigt die hohe Fachkompetenz und die exzellenten Behandlungsmöglichkeiten im Bereich der rekonstruktiven und endoprothetischen Kniechirurgie. Regelmäßige Rezertifizierungen gewährleisten, dass die Standards aktuell bleiben und kontinuierlich verbessert werden.
„Unser Team ist mittlerweile sehr gut aufgestellt, da wir als deutsches Kniezentrum rezertifiziert wurden und vier zertifizierte Kniechirurgen im Einsatz haben. Das ist durchaus außergewöhnlich, da die meisten Kliniken nur einen solchen Spezialisten haben. Mit steigender Expertise haben wir auch die Zahl der operativen Eingriffe erhöht: Heute führen wir jährlich fast 900 rekonstruktive Knieeingriffe durch. Die fachliche Qualität und Erfahrung im Team sind somit sehr hoch.
Was die Entwicklung und die Technologie betrifft, so empfinde ich den Fortschritt heute als weniger dringend. Früher, in den Anfangsjahren, hat man sich mehr erhofft von innovativen Medikamenten oder Spritzen, die vielleicht Prozesse im Knie verbessern könnten. Heute liegt mein Hauptanliegen eher darin, dass die Kollegen den Patienten insgesamt wieder mehr in den Mittelpunkt stellen sollten. Es passiert häufig, dass bei Patienten, die in der Praxis kommen, sofort eine Knieprothese empfohlen wird, ohne auf andere Möglichkeiten einzugehen. Das liegt auch daran, wie das System im Rahmen der Diagnose abgebildet ist: Die finanzielle Vergütung für rekonstruktive Eingriffe ist im Vergleich zu den hochpreisigen Endoprothesen gering, was dazu führt, dass die Prothese oft die erste Wahl bleibt. Dabei könnten viele Patienten mit einer guten rekonstruktiven Kniechirurgie noch Jahre lang ihr eigenes Knie behalten, ohne dass eine Prothese notwendig ist.
Dieses Thema wird inzwischen viel zu selten angesprochen, weil der Eindruck entsteht, dass die deutlich finanziell lukrativeren Prothesen die Behandlung dominieren. Der aktuelle politische Rahmen und die Finanzierung im Gesundheitswesen machen die Planung schwierig. Viele Kliniken wissen derzeit kaum, wie es weitergeht, weil endgültige Entscheidungen noch offen sind. Das Schieben und Vertagen der wichtigen Fragen sorgt für Unsicherheit bei den Kalkulationen, was die Planung für die nächsten Jahre erschwert. Dennoch sehe ich eine große Problematik darin, dass letztlich der Patient den Kürzeren zieht“, macht Dr. Tylla klar und verdeutlicht zum Abschluss unseres Gesprächs:
„Trotz aller Belastungen und Unsicherheiten im System darf man nicht vergessen: Es ist der Patient, der leidet, wenn wirtschaftliche oder politische Entscheidungen auf dessen Rücken ausgetragen werden. Sicherlich berichten viele Kollegen und Patienten, dass Termine schwer zu bekommen sind. Es ist eine Herausforderung, überhaupt noch zeitnah Fachärzte und Behandlungen zu erhalten, was die Versorgung erheblich erschwert. Meine Wünsche richten sich aber vielmehr daran, den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen. Therapien sollten vorrangig den individuellen Zielen des Patienten dienen, anstatt ausschließlich wirtschaftlichen Interessen zu folgen“.
Dr. Tylla – vielen Dank für Ihre Aufklärung!