Prof. (USC) Dr. med. Jörg Zehetner ist ein renommierter Spezialist für Viszeralchirurgie mit besonderem Fokus auf die Oberbauchchirurgie. Er verfügt über eine herausragende Expertise in der Behandlung von Erkrankungen der Speiseröhre und des Magens, einschließlich Krebserkrankungen, gastroösophagealem Reflux (GERD) und Adipositas. Zudem ist er einer der führenden Experten in der bariatrischen Chirurgie und der operativen Versorgung komplexer Hiatus- und Bauchwandhernien. Als Facharzt für Chirurgie mit Schwerpunkt Viszeralchirurgie und langjähriger Professor an der University of Southern California (USC) kombiniert er exzellente medizinische Fachkompetenz mit internationaler Erfahrung.
Seine medizinische Ausbildung absolvierte Dr. Zehetner in der Schweiz, Österreich und Spanien, bevor er seine chirurgische Facharztausbildung in renommierten Kliniken in der Schweiz und Österreich abschloss. Nach einer mehrjährigen Tätigkeit als Oberarzt in Linz setzte er seine Karriere in den USA fort, wo er sieben Jahre lang an der University of Southern California (USC) in Los Angeles forschte und lehrte. Für seine herausragenden Leistungen in der Lehre wurde er mehrfach ausgezeichnet und ist Ehrenmitglied der Society of Graduate Surgeons der USC.
Seit 2015 ist Dr. Zehetner als Belegarzt an der Hirslanden Klinik Beau-Site sowie in seiner eigenen Praxis in Bern tätig. Im Jahr 2017 übernahm er die Praxis vollständig und gründete die Swiss1Chirurgie AG, die mittlerweile an mehreren Standorten in der Schweiz vertreten ist. Swiss1Chirurgie ist heute die größte Privatpraxis für Übergewichtschirurgie und Refluxchirurgie in der Schweiz. Gemeinsam mit dem Zentrum für Bariatrische Chirurgie (ZfbC) betreut er jährlich rund 3.500 Patienten. Diese umfassende Betreuung wird durch das Spezialisten-Netzwerk der Helvetius Holding AG ergänzt, zu der neben Swiss1Chirurgie auch gastroenterologische und allgemeinmedizinische Praxen gehören. Dadurch profitieren Patienten von einer interdisziplinären Versorgung auf höchstem Niveau.
Dr. Zehetner gilt als einer der europaweit führenden Experten für Reflux- und Adipositaschirurgie und ist besonders gefragt, wenn es um komplexe Re-Operationen geht. Er verfügt über umfassende Erfahrung in der minimalinvasiven Chirurgie, einschließlich der hochpräzisen Roboterchirurgie. Sein besonderer Schwerpunkt liegt in der Behandlung der gastroösophagealen Reflux-Krankheit (GERD), einer Erkrankung, die unbehandelt zu schwerwiegenden Folgen wie chronischer Bronchitis oder Speiseröhrenkrebs führen kann. Dr. Zehetner ist der einzige Chirurg in der Schweiz, der sämtliche etablierten und neuen Operationsmethoden in der Refluxchirurgie beherrscht. Dadurch kann er für jeden Patienten individuell die optimale Behandlungsstrategie auswählen und eine hochpräzise, personalisierte Therapie anbieten.
Über den Zusammenhang von Schlafapnoe und Reflux konnte die Redaktion des Leading Medicine Guide in einem Gespräch mit Dr. Zehetner mehr erfahren.

Reflux und Schlafapnoe sind zwei weit verbreitete Erkrankungen, die auf den ersten Blick unabhängig voneinander erscheinen. Doch immer mehr wissenschaftliche Erkenntnisse deuten darauf hin, dass sie in einem engen Zusammenhang stehen. Während nächtlicher Reflux die Atemwege reizen und die Schlafqualität erheblich beeinträchtigen kann, scheint umgekehrt auch die Schlafapnoe den Rückfluss von Magensäure zu begünstigen. Dieser komplexe Wechselmechanismus kann nicht nur die Lebensqualität der Betroffenen erheblich einschränken, sondern auch langfristig gesundheitliche Folgen haben. Ein genauerer Blick auf diese Verbindung zeigt, warum eine frühzeitige Diagnose und gezielte Behandlung in beiden Bereichen entscheidend ist.
Gastroösophagealer Reflux (GERD) und Schlafapnoe sind zwei weit verbreitete Erkrankungen, die oft miteinander in Verbindung stehen. Verschiedene zugrunde liegende Ursachen und Risikofaktoren können sowohl GERD als auch Schlafapnoe begünstigen und gleichzeitig die Symptome verstärken.
Ein wichtiger Risikofaktor ist Übergewicht und Adipositas. Menschen mit Übergewicht haben ein erhöhtes Risiko, sowohl an GERD als auch an Schlafapnoe zu erkranken. „Persönlich sehe ich als Refluxexperte und auch als Experte für Adipositas oft Patienten, die übergewichtig sind, Schlafapnoe haben und an Reflux leiden. Hier ist gelegentlich eine Überschneidung festzustellen. Reflux und Schlafapnoe sind zwei unterschiedliche medizinische Zustände, die man unabhängig voneinander betrachten kann, aber es gibt einige Zusammenhänge, was Ursachen und Risikofaktoren betrifft. Ein Risiko ist das Übergewicht (oft schon ab einem BMI von 27), denn dieses verursacht einerseits mehr Druck auf den Magen und andererseits auch auf den Halsbereich. Man hat festgestellt, dass bei 70% der übergewichtigen Patienten die Schlafapnoe ausheilt, wenn sie vernünftig abnehmen. Patienten mit Schlafapnoe haben auch einen stärkeren Unterdruck im Brustkorb. Dies liegt daran, dass der Patient, der bei einer Schlafapnoe plötzlich wieder stark einatmet, einen Unterdruck im Thorax auslöst, wodurch Magensäure nach oben gezogen wird. Dies hat dann verschiedene Auswirkungen. Aber man weiß nicht, ob die Schlafapnoe ursächlich ist, weil sie Magensäure nach oben zieht oder weil der Patient eine reflektorische Atempause macht, weil Magensäure nach oben gekommen ist. Auch gibt es Vermutungen, dass es Sensoren in der Speiseröhre gibt, die bei einer Reizung den Kehldeckel schließen, um die Lunge zu schützen“, erklärt Prof. Dr. Zehetner und ergänzt:
„Ein weiterer Risikofaktor ist Alkoholkonsum, da Alkohol zu einer Erschlaffung des gesamten Hals- und Rachenbereichs führt. Natürlich gehören das Rauchen und ungesunde Ernährung auch zu den Risikofaktoren. Bei der Ernährung geht es da im Speziellen um zu viele Fertigprodukte oder Fastfood und eben um zu viel Essen. Kaffee spielt eine kleine Rolle, denn obwohl Kaffee eigentlich gut für die Verdauung ist, kann Koffein zu einer Lockerung des unteren Schließmuskels der Speiseröhre führen, weswegen Magensäure nach oben schießen kann. Und wenn dann die Säure da ist und dadurch beim Patienten reflektorisch eine 30-40-sekündige Atempause ausgelöst wird, atmet dieser plötzlich tief ein und holt dadurch noch mehr Säure nach oben“.
Nächtlicher Reflux kann die Symptome einer Schlafapnoe auf verschiedene Weisen verschlimmern und hat signifikante Auswirkungen auf die Schlafqualität der Betroffenen.
Während des Schlafs, insbesondere in der Rückenlage, kommt es durch die entspannte Muskulatur und den reduzierten Schluckreflex zu einer erhöhten Wahrscheinlichkeit, dass Magensäure in die Speiseröhre aufsteigt. Die wiederholten nächtlichen Aufwachreaktionen, bedingt durch die Refluxsymptome oder Atemaussetzer, führen zu einer Fragmentierung des Schlafs und einer signifikanten Reduktion der Schlafqualität. Das ständige Aufwachen und die wiederholten Störungen verhindern eine erholsame Nachtruhe und können zu einer chronischen Schlafmangel-Situation führen. Diese Schlafstörungen wiederum begünstigen eine Verschlechterung der Schlafapnoe und des Refluxes und führen zu einer weiteren Reduzierung der Lebensqualität, da die Betroffenen sowohl tagsüber unter Müdigkeit und verminderter Leistungsfähigkeit als auch nachts unter den belastenden Symptomen leiden.
„Es sind oftmals die Angehörigen, die ein regelmäßiges und kontinuierliches Schnarchen, begleitet von Atempausen beim Betroffenen, bemerken – sogenannte Atemaussetzer, die von ein paar Sekunden bis zu einer Minute lang andauern können, gefolgt von einem lauten Schnaufen. Der Patient selbst stellt tagsüber Kopfschmerzen fest und leidet an Konzentrationsschwierigkeiten sowie Tagesmüdigkeit, weil durch die Atempausen in der Nacht der CO2-Gehalt im Gehirn ansteigt und er eine schlechtere Versorgung mit Sauerstoff hat. Patienten mit diesen Symptomen gehen oft zum Hausarzt, und häufig wird ihnen für die Nacht eine Maske mitgegeben, mit der man mit Überdruck beatmet wird. Damit behandelt man zwar die Schlafapnoe, aber nicht die Ursache. Die möglichen Ursachen Übergewicht oder Reflux müssen jedoch behandelt werden! Deshalb sollten Patienten und behandelnde Ärzte, die den Verdacht auf Schlafapnoe haben, eine Magenspiegelung mit Säuremessung durchführen bzw. empfehlen. Diese erfolgt über einen Zeitraum von 48 Stunden oder mehr mithilfe einer kleinen Kapsel (Bravo- oder Alpha-Kapsel), mit der man ohne Kabel in der Nase messen kann, wie viel Säure im Liegen nach oben kommt“, empfiehlt Prof. Dr. Zehetner.
Um festzustellen, ob bei einem Patienten mit Schlafapnoe auch ein therapiebedürftiger Reflux vorliegt, kommen verschiedene diagnostische Verfahren zum Einsatz. Die Wahl der geeigneten Methode hängt von der klinischen Symptomatik, der Schwere der Beschwerden und den verfügbaren Ressourcen ab.
„Ein zentraler Bestandteil der Diagnostik ist die genaue Anamnese, da viele Patienten mit Schlafapnoe auch an häufigem Sodbrennen oder anderen Refluxsymptomen leiden. Im Gespräch wird versucht herauszufinden, wie genau der Reflux und die Schlafapnoe des Patienten sind und ob es Zusammenhänge mit seinen Lebensumständen gibt. Funktionelle Abklärungen werden bei uns in der gastroenterologischen Gruppenpraxis durchgeführt. Diese beinhalten neben der Magenspiegelung eine Druckmessung der Speiseröhre und die vorhin erwähnte Säuremessung am Ende der Speiseröhre. In der Magenspiegelung lässt sich zusätzlich beurteilen, ob ein Zwerchfellbruch vorliegt, und auch das Ende der Speiseröhre kann visuell beurteilt werden. Auch Entzündungen und Veränderungen in der Schleimhaut können dadurch erkannt werden. Dies alles lässt sich an einem Tag durchführen. Nur die Kapsel zur Säuremessung nimmt der Patient mit und kommt nach ca. 48 Stunden wieder zu uns zur Auswertung der Ergebnisse zurück“, schildert Prof. Dr. Zehetner das Procedere der Diagnostik.
Die Therapie für Patienten, die sowohl an gastroösophagealem Reflux (GERD) als auch an obstruktiver Schlafapnoe (OSA) leiden, sollte ganzheitlich erfolgen und sowohl medikamentöse als auch nicht-medikamentöse sowie gegebenenfalls chirurgische Ansätze umfassen.
Da sich beide Erkrankungen gegenseitig beeinflussen können, ist eine gezielte Behandlung entscheidend, um Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Eine der wichtigsten Maßnahmen ist die Anpassung des Lebensstils.
„Liegt bei einem Patienten ein leichtes Übergewicht vor (BMI 25–27), bieten wir eine Ernährungsberatung an. Bei Patienten mit einem BMI über 28 bieten wir eine Beratung in unserem Zentrum für bariatrische Chirurgie an, um eine konservative Therapie mit GLP-1 (Abnehmspritze) und engmaschiger Betreuung zu besprechen. Patienten mit einem BMI von 35 und mehr empfehlen wir eine laparoskopische Magen-Bypass-Operation als Goldstandard. Der Schlauchmagen ist bei Patienten mit Reflux nicht so ideal. Bei Patienten, die kein Übergewicht haben, müssen die Symptome besser verifiziert werden, ob sie zum Beispiel einen chronischen Husten oder Stimmveränderungen haben, oder ob sie bereits Lungenprobleme wie Bronchitis oder Pneumonien gehabt haben. Dann würde ich in jedem Fall eine Reflux-Operation empfehlen. Es gibt natürlich einen kleinen Prozentsatz an Patienten, die trotz Reflux-Abklärung und/oder Operation ein Atemgerät für die Nacht brauchen, um einen Überdruck zu erzeugen“, so Prof. Dr. Zehetner und ergänzt:
„Es gibt noch andere Therapieverfahren bei der Schlafapnoe, die bei den Patienten interessant sind, die keinen Reflux haben: Schlafapnoe-Schienen. Diese Schienen liegen im Mund wie eine Zahnspange und schieben den Unterkiefer nach vorne. Dadurch entsteht mehr Platz im Rachen, weswegen man weniger schnarcht und auch weniger Schlafapnoe-Episoden hat. Eine solche Schiene müsste dann jede Nacht getragen werden. Wenn es sich um Patienten handelt, die eine Kieferfehlstellung haben, ist manchmal der Gang zum Kieferchirurgen zu empfehlen, um eine Korrektur vornehmen zu lassen – diese Variante kommt allerdings im Zusammenhang mit Schlafapnoe sehr selten vor“.
Erste Erfolge stellen sich bei den verschiedenen Methoden unterschiedlich ein:
Bei Refluxoperation: nach ca. 2–3 Wochen
Bei bariatrischer Operation: nach ca. 3 Monaten
Es kann insgesamt bis zu sechs Monate dauern, bis die Schlafapnoe verschwindet, da die Magenschleimhaut und die Refluxsensoren in der Lunge so lange brauchen, um sich zu normalisieren und zurückzubilden.
Der Lebensstil spielt eine entscheidende Rolle in der Wechselwirkung zwischen gastroösophagealem Reflux (GERD) und obstruktiver Schlafapnoe (OSA), da beide Erkrankungen durch verschiedene Faktoren des täglichen Lebens beeinflusst werden.
Ungesunde Ernährung, Übergewicht, Alkohol- und Nikotinkonsum sowie bestimmte Schlafgewohnheiten können sowohl den Reflux als auch die Schlafapnoe verschlimmern. Durch gezielte Anpassungen des Lebensstils lassen sich jedoch die Symptome beider Erkrankungen oft erheblich lindern. Bestimmte Nahrungsmittel wie fettreiche Speisen, kohlensäurehaltige Getränke, Schokolade, Kaffee, Zitrusfrüchte und stark gewürzte Gerichte können die Produktion von Magensäure erhöhen und den Reflux verschlimmern. Späte Mahlzeiten sollten ebenfalls vermieden werden, da das Liegen mit vollem Magen den Rückfluss begünstigt. Eine leicht verdauliche, säurearme Ernährung mit ballaststoffreichen Lebensmitteln kann den Magen-Darm-Trakt entlasten und Refluxbeschwerden verringern.
„Eine gute Schlafhygiene ist wichtig. So sollte abends nicht mehr zu viel gegessen werden, kleine Portionen sind besser. Die letzte Mahlzeit sollte am besten zwei Stunden vor dem Zubettgehen erfolgen. Auch sollte auf Nikotin, Koffein und Alkohol verzichtet werden. Ungesund ist es auch, zu viel Zeit vor einem Bildschirm zu verbringen, sei es beim Fernsehen oder mit dem Handy. Die ideale Schlafraumtemperatur liegt bei 16–20 °C. Und dann ist es natürlich wichtig, sich Zeit zu nehmen, um auch gut zu schlafen. Patienten, die an Schlafapnoe leiden, können jedoch noch so lange im Bett liegen – hier fehlt einfach der regelmäßige und durchgehende Schlaf“, so Prof. Dr. Zehetner und führt zum Abschluss unseres Gesprächs noch aus:
„Ich führe persönlich ca. 150 Reflux-Operationen durch, und ca. 350 bariatrische Operationen werden in der Beau-Site Klinik in Bern durchgeführt, wodurch wir die Nummer Eins in der Schweiz sind. Als Tipp gebe ich gerne mit auf den Weg: Wenn jemand schlechten Schlaf feststellt, sollte immer auch an Reflux gedacht werden. Es gibt auch einen stillen Reflux ohne saures Aufstoßen oder Sodbrennen, aber es kann dennoch zu Speiseröhrenentzündungen kommen. Hier haben Patienten oft einen langen Leidensweg, bis ihnen die richtige Diagnose gestellt wird“.
Besten Dank, Herr Professor Dr. Zehetner, für diese wichtigen Informationen zu Reflux und Schlafapnoe!
