Reflux (GERD) & Sodbrennen: Symptome und Behandlung der Refluxkrankheit

13.10.2025
Prof. Dr. med. Jörg G. Albert
Medizinischer Fachautor

Reflux – medizinisch gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD, engl. gastroesophageal reflux disease) – zählt zu den häufigsten Erkrankungen des Verdauungstraktes. Rund 20 % der Bevölkerung leiden darunter; Reflux und Sodbrennen gehören damit zu den häufigsten Beschwerden.

Kommt es zum Rückfluss von saurem Mageninhalt – also wenn Mageninhalt zurück in die Speiseröhre gelangt –, entsteht das typische Brennen hinter dem Brustbein (Sodbrennen). Dieses akute Sodbrennen kann einzeln oder wiederkehrend auftreten. In diesem Überblick zu Symptomen und Behandlung erfahren Sie, wie Reflux entsteht, welche Warnzeichen wichtig sind und welche Therapien helfen.

ICD-Codes für diese Krankheit: K21

Kurzübersicht:

Die Refluxkrankheit (GERD) entsteht, wenn saurer Mageninhalt in die Speiseröhre zurückfließt und Beschwerden wie Sodbrennen, saures Aufstoßen, Schluckbeschwerden oder chronischen Husten verursacht. Ursachen sind meist eine Schwäche des Schließmuskels am Mageneingang, ein Zwerchfellbruch (Hiatushernie) oder Risikofaktoren wie Übergewicht, Alkohol, Nikotin und späte Mahlzeiten. Die Diagnose erfolgt per Endoskopie, pH-Metrie und ggf. Röntgen. Die Therapie folgt einem Stufenkonzept: zunächst Lebensstilmaßnahmen (kleine Mahlzeiten, Kopfteil erhöht, Trigger meiden), dann Medikamente (v. a. Protonenpumpenhemmer). Bei schweren Verläufen oder Komplikationen wie erosiver Refluxkrankheit oder Barrett-Ösophagus kommen operative Verfahren wie Fundoplikatio oder ein Magnetring-System zum Einsatz. Frühzeitige Abklärung beugt Folgeerkrankungen bis hin zu Speiseröhrenkrebs vor.

Artikelübersicht

Unter Refluxkrankheit versteht man Beschwerden, die entstehen, wenn saurer Mageninhalt in die Speiseröhre zurückfließt.. Auslöser ist meist ein gestörter Verschlussmechanismus zwischen Speiseröhre und Magen; GERD kann Sodbrennen bemerkbar machen – vom gelegentlichen Sodbrennen bis zur chronischen Refluxerkrankung.

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Was sind die Ursachen und Risikofaktoren für die Refluxkrankheit?

Bei der Refluxkrankheit versagt die Barriere am Mageneingang – dem Schließmuskel am unteren Teil der Speiseröhre und dem Übergang durch das Zwerchfell. Wird diese Zone zu schwach oder verschoben (z. B. bei Zwerchfellproblemen), kann es zum Rückfluss von Mageninhalt kommen: Mageninhalt in die Speiseröhre gelangt, die Magensäure in die Speiseröhre aufsteigt, der Reflux fließt zurück und kann die Schleimhaut reizen – bis hin zu Husten, Heiserkeit oder Laryngitis. So erklärt sich, warum Reflux Beschwerden wie Aufstoßen und Sodbrennen auslösen kann. (Synonyme: GERD, gastroesophageal reflux disease; häufig auch als „gastroesophageal reflux desease“ gesucht.)

Häufige Risikofaktoren, die die Refluxkrankheit begünstigen, sind u. a.:

  • Übergewicht und erhöhter Druck im Bauchraum (enge Kleidung, schweres Heben, Pressen).
  • Schwangerschaft (hormonell bedingte Erschlaffung des Schließmuskels, mehr Bauchdruck).
  • Nikotin und Alkohol (senken die Schließmuskelspannung und reizen die Schleimhaut).
  • Verschiedene Medikamente (z. B. bestimmte Schmerzmittel, Beruhiger, Blutdrucksenker).
  • Späte, große Mahlzeiten, fettreiche Speisen, viel Kaffee/Schokolade, stark gewürzte Kost.

Zwei Hauptursachen stehen im Vordergrund:

  1. Unzureichende Funktion des Schließmuskels am Mageneingang (Barriere- oder Ventilschwäche);

  2. Verminderte Beweglichkeit der Speiseröhre (gestörte Clearance), wodurch Reflux von Mageninhalt länger anliegt.

Beide Auslöser können primär (ohne erkennbare Grunderkrankung) oder sekundär im Rahmen anderer Störungen auftreten – etwa bei anatomischen Veränderungen am Zwerchfell oder chronischen Magenentleerungsstörungen. In all diesen Situationen kann Reflux auftreten; der Reflux verursacht dann typischerweise Brennen hinter dem Brustbein und weitere Beschwerden.

Refluxkrankheit
Die Speiseröhre und der Magen - links gesund, rechts mit Reflux © bilderzwerg / Fotolia

Welche Beschwerden bringt Reflux mit sich?

Reflux-Symptome: Leitsymptom ist Sodbrennen – ein brennendes Gefühl bzw. brennen hinter dem Brustbein, das teils vom Brustbein bis zum Hals ausstrahlt. Häufig kommen aufstoßen und Sodbrennen zusammen, oft begleitet von saurem Geschmack im Mund.

Weitere Symptome können sein:

  • Übelkeit, gelegentlich Erbrechen
  • häufige Hustenattacken, Räusperzwang
  • Entzündungen im Kehlkopf-/Rachenbereich, Heiserkeit
  • Schluckbeschwerden
  • Schmerzen im Oberbauch

Wenn Magensäure in die Speiseröhre gelangt, kann sie die Schleimhaut der Speiseröhre reizen und die Beschwerden verstärken. Ein sogenannter stiller Reflux kann sich vor allem durch Husten, belegte Stimme oder Halskratzen äußern – mit wenig oder keinem klassischen Sodbrennen.

Typische Auslöser, bei denen Beschwerden verstärkt auftreten, sind:

  • kurz nach dem Essen bzw. großen Mahlzeiten
  • nach Alkohol oder sehr fettreichen/süßen Speisen
  • im Liegen (z. B. nachts) oder beim Bücken/Pressen (mehr Druck im Bauch)

Wie erfolgt die Diagnose bei der Refluxkrankheit?

Erstes Vorgehen: Ärztinnen und Ärzte erheben eine Anamnese (Beschwerden, Lebensgewohnheiten, Begleiterkrankungen) und untersuchen Sie körperlich. Besteht der Verdacht auf eine gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD / gastroesophageal reflux disease), folgen gezielte Tests.

Endoskopie / Magenspiegelung (ÖGD)

Bei der Magenspiegelung wird ein flexibles Endoskop über Mund und Rachen eingeführt, um Schleimhaut der Speiseröhre und Magen direkt zu beurteilen. So lassen sich Reizungen durch Magensäure in die Speiseröhre, Erosionen (erosive Refluxkrankheit) oder ein Barrett-Ösophagus erkennen. Bei Bedarf wird eine Schleimhautprobe entnommen und im Labor ausgewertet. Auch ein Zwerchfellbruch (Hiatushernie) am Mageneingang kann sichtbar werden – eine häufige anatomische Ursache, die eine Refluxkrankheit begünstigen kann.

pH-Metrie / Impedanz-pH-Metrie

Eine dünne Sonde wird über die Nase in den unteren Teil der Speiseröhre platziert (nahe dem Schließmuskel). Über 24 Stunden misst sie, wie oft und wie lange Mageninhalt in die Speiseröhre gelangt – also der Rückfluss von Mageninhalt (sauer und ggf. nicht-sauer). Die Untersuchung zeigt objektiv, wann Reflux auftritt und wie stark er ist (z. B. nachts im Liegen), und dokumentiert, wenn Reflux fließt bis hoch in den Rachen.

Weitere Diagnoseverfahren

  • Röntgen-Breischluck: Beurteilung des Schluckvorgangs und Nachweis eines Zwerchfellbruchs; er zeigt, ob der Übergang Speiseröhre und Magen (am Zwerchfell) korrekt liegt oder in den Bauchraum verlagert ist.
  • HNO-Abklärung: Bei Husten, Heiserkeit oder Laryngitis (Verdacht auf „stillen“ Reflux) untersucht die/der HNO die oberen Atemwege.
  • Manometrie (optional): Misst Druck und Beweglichkeit der Speiseröhre und des Schließmuskels am unteren Ende der Speiseröhre.

Ziel der Diagnostik: Nachweisen, wie oft Mageninhalt zurück in die Speiseröhre gelangt, ob die Schleimhaut dadurch gereizt ist, und ob Faktoren wie Zwerchfell-/Hiatushernie am Mageneingang vorliegen. So lassen sich Diagnose und Behandlung präzise planen.

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Selbsthilfe bei der Refluxkrankheit

Faktor Ernährung

  • Proteinreich & leicht essen: Proteine fördern Gastrin und können die Spannung des Speiseröhren-Schließmuskels verbessern – so schließt er am Mageneingang zuverlässiger.
  • Kleine Mahlzeiten statt großer Portionen: Üppige Teller erhöhen den Druck im Bauchraum und können zu Reflux führen.
  • Fett- und kohlenhydratarme Kost bevorzugen, langsam essen, gründlich kauen.
  • 3–4 Stunden vor der Nachtruhe nichts mehr essen: Im Liegen fließt Reflux leichter; so gelangt nachts weniger Magensäure in die Speiseröhre und die Schleimhaut wird weniger gereizt.
  • Trigger meiden/prüfen: Sehr fettige, stark gewürzte oder zu süße Speisen können aufstoßen und Sodbrennen verstärken und die Refluxkrankheit begünstigen. Ein Ernährungs-Tagebuch hilft, persönliche Auslöser zu erkennen.

Faktor Genussmittel

  • Alkohol möglichst weglassen: Er reitzt die Schleimhaut und schwächt den unteren Schließmuskel – dadurch kann Rückfluss von Mageninhalt leichter auftreten.
  • Nikotin vermeiden: Fördert die Produktion von Magensäure und macht Beschwerden wahrscheinlicher.
  • Kaffee individuell testen: Koffein kann Säureproduktion steigern, bei manchen hilft es durch mehr Gastrin sogar – probieren Sie kleine Mengen zu Mahlzeiten.

Alltag & Körperposition

  • Kopfteil des Betts erhöhen (10–15 cm): So gelangt nachts seltener Mageninhalt in die Speiseröhre.
  • Locker sitzende Kleidung: Gürtel/Hosen, die auf Magen/Zwerchfell drücken, begünstigen, dass Reflux auftritt.
  • Nach dem Essen aufrecht bleiben (mind. 30–60 Min.) und schweres Bücken vermeiden.
  • Gewicht normalisieren: Übergewicht erhöht den Druck am unteren Teil der Speiseröhre und verursacht häufiger Reflux.
  • Zwerchfell-Atmung & moderate Bewegung (Spaziergänge nach der Mahlzeit) unterstützen den Verschluss am Übergang Speiseröhre und Magen.

Halten Beschwerden an, treten sie sehr häufig auf oder bestehen Zeichen eines „stillen“ Refluxes (z. B. chronischer Husten/Heiserkeit, Laryngitis), braucht es eine ärztliche Abklärung – insbesondere bei GERD/gastroesophageal reflux disease.

Die medizinsche Reflux-Therapie

Stufenkonzept: Zuerst Lebensstilmaßnahmen, dazu – falls nötig – eine medikamentöse Therapie. Operative Verfahren kommen bei anhaltenden Beschwerden oder Komplikationen in Betracht.

Medikamentöse Behandlung

  • Protonenpumpenhemmer (PPI): Mittel der ersten Wahl; sie hemmen die Produktion von Magensäure und reduzieren dadurch den Reiz durch Magensaft. In Leitlinien wird eine zeitlich begrenzte Therapie mit anschließender Dosis-Prüfung empfohlen.
  • H2-Blocker/Antazida/Alginate: Als Alternative oder Ergänzung, z. B. bei nächtlichen Beschwerden; medikamentös gut geeignet zur Bedarfstherapie.
  • Prokinetika: In ausgewählten Fällen zur Verbesserung der Magenentleerung.
  • Wichtig: Regelmäßig prüfen, ob die medikamentöse Behandlung reduziert oder beendet werden kann.

Wann operieren?

  • Unzureichender Effekt trotz adäquater PPI-Therapie.
  • Häufige/erosive Formen, Komplikationen (z. B. Barrett-Ösophagus).
  • Größerer Zwerchfellbruch (Hiatushernie), bei dem die Anatomie am Übergang korrigiert werden sollte.
  • Längerer Medikamentenbedarf bei jüngeren Patientinnen/Patienten.

Chirurgische Optionen

  • Laparoskopische Fundoplikatio: Der obere Teil des Magens wird manschettenförmig um den Übergang gelegt, um den Verschlussdruck zu erhöhen; eine vorhandene Hiatushernie wird am Zwerchfell mitversorgt. Ziel: bessere Funktion am Übergang ohne Dauermedikation.
  • Magnetring-System (LINX): Eine Kette aus Magnetperlen stabilisiert das Ventil; Vorteile sind meist kürzere OP-Zeit und Erhalt von Rülpsen/Erbrechen.
  • Beide Verfahren sind in der Regel minimal-invasiv und werden individuell nach Befund gewählt.

Hinweise zum „stillen“ Verlauf

Bei Husten, Heiserkeit oder Laryngitis trotz wenig typischer Symptome kann ein „stiller“ Verlauf vorliegen; hier sind HNO-Abklärung und ein PPI-Therapieversuch häufig sinnvoll.

Fundoplikatio nach Nissen
Bei der Fundoplikatio-OP wird der obere Teil des Magens um den Speiseröhrenausgang gelegt und vernäht © Alila Medical Media | AdobeStock

Magnetring-OP (LINX)

Die Magnetring-Operation ist ein schonendes, minimal-invasives Verfahren der Antirefluxplastik. Dabei wird am Mageneingang eine flexible Kette aus Magnetperlen platziert. Die Perlen ziehen sich an und stabilisieren den Verschlussmechanismus; beim Schlucken weichen sie kurz auseinander, sodass Speisen und Getränke passieren können.

Vorteile:

  • Rülpsen und Erbrechen bleiben in der Regel möglich.
  • Häufig weniger Gasbeschwerden und Völlegefühl.
  • Laparoskopischer Zugang über kleine Schnitte im Bauchraum; die OP dauert meist nur kurz.
  • Das umliegende Gewebe wird kaum zusätzlich gereizt.

Welche Fachärzte sind Reflux-Spezialisten?

Die Symptome einer Refluxerkrankung führen Patienten in der Regel zuerst zum Hausarzt. In schweren Fällen ergänzen Internisten und Gastroenterologen die individuelle Refluxtherapie.

Diese Fachärzte für Innere Medizin und Gastroenterologie sind Spezialisten für die Behandlung einer Refluxerkrankung. Nach dem Studium der Humanmedizin spezialisieren sie sich in einer mehrjährigen Facharztweiterbildung auf die umfassende Diagnostik und Therapie von Erkrankungen der inneren Organe, insbesondere der Organe des Verdauungssystems.

Fazit

Die Refluxkrankheit ist verbreitet, aber gut behandelbar. Lebensstilmaßnahmen und eine medikamentöse Therapie (z. B. PPI) helfen vielen Betroffenen; bei anhaltenden Beschwerden stehen mit Fundoplikatio oder Magnetring wirksame, minimal-invasive Optionen zur Verfügung. Welche Strategie passt, klären Sie am besten in der spezialisierten Sprechstunde — auf Basis Ihrer Befunde und Präferenzen.

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