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Warum plötzlich stärkste Flankenschmerzen ein Warnsignal sein können

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Melanie Al Tikriti, BSc ·

Sie kommen oft völlig unerwartet und gehören zu den stärksten Schmerzen, die ein Mensch erleben kann: Nierensteine. Betroffene berichten häufig von plötzlich einsetzenden, krampfartigen Schmerzen in der Flanke, die bis in den Unterbauch oder die Leiste ausstrahlen. Hinzu kommen nicht selten Übelkeit, Erbrechen oder Blut im Urin. Während kleine Nierensteine häufig unbemerkt ausgeschieden werden, können größere Steine den Harnabfluss behindern und ernsthafte Komplikationen verursachen.

Dank moderner Diagnoseverfahren und innovativer Behandlungsmöglichkeiten müssen Nierensteine heute jedoch nur noch selten offen operiert werden. Je nach Größe, Lage und Zusammensetzung des Steins stehen verschiedene schonende Verfahren zur Verfügung – von der Stoßwellentherapie über endoskopische Eingriffe bis hin zu hochpräzisen Laserverfahren. 

Nierensteine

Wie entstehen Nierensteine?

Nierensteine entstehen, wenn sich bestimmte Mineralien und Salze im Urin zu kleinen Kristallen zusammenschließen. Wachsen diese Kristalle weiter, bilden sich feste Steine, die unterschiedlich groß sein können. Manche bleiben dauerhaft in der Niere, andere wandern in den Harnleiter und verursachen dort starke Beschwerden.

Es gibt verschiedene Arten von Nierensteinen. Am häufigsten sind Calciumoxalatsteine. Daneben kommen unter anderem Harnsäure-, Struvit- und Cystinsteine vor. Welche Art vorliegt, beeinflusst sowohl die Behandlung als auch die Maßnahmen zur Vorbeugung. 

Wer hat ein erhöhtes Risiko?

Verschiedene Faktoren können die Bildung von Nierensteinen begünstigen. Besonders häufig entstehen sie, wenn der Urin stark konzentriert ist oder bestimmte Stoffwechselveränderungen vorliegen.

Zu den wichtigsten Risikofaktoren gehören:

  • zu geringe Flüssigkeitszufuhr
  • starkes Schwitzen
  • salzreiche Ernährung
  • hoher Konsum tierischer Eiweiße
  • Übergewicht
  • Stoffwechselerkrankungen
  • familiäre Veranlagung
  • wiederkehrende Harnwegsinfektionen

Wer bereits einmal einen Nierenstein hatte, trägt ein erhöhtes Risiko für weitere Steinbildungen. 

Welche Symptome verursachen Nierensteine?

Nicht jeder Nierenstein macht Beschwerden. Kleine Steine werden häufig unbemerkt ausgeschieden. Bleibt ein Stein jedoch im Harnleiter stecken, kann es zu einer sogenannten Nierenkolik kommen.

Typische Symptome sind:

  • plötzlich einsetzende starke Flankenschmerzen
  • wellenförmig auftretende Schmerzen
  • Ausstrahlung in Leiste oder Unterbauch
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Blut im Urin
  • häufiger Harndrang
  • Schmerzen beim Wasserlassen

Treten zusätzlich Fieber oder Schüttelfrost auf, kann eine Harnwegsinfektion vorliegen. In Verbindung mit einem Harnstau handelt es sich um einen medizinischen Notfall, der umgehend behandelt werden muss. 

Wie werden Nierensteine diagnostiziert?

Nach dem Gespräch über die Beschwerden erfolgt zunächst eine körperliche Untersuchung. Ergänzend werden Blut- und Urinuntersuchungen durchgeführt, um Entzündungszeichen sowie die Nierenfunktion zu beurteilen.

Zur Bildgebung kommen heute vor allem Ultraschall und die Computertomographie (CT) zum Einsatz. Während der Ultraschall viele größere Steine und einen Harnstau zuverlässig erkennen kann, gilt die niedrig dosierte CT als genaueste Methode, um Größe, Lage und Anzahl der Steine festzustellen. 

Wann reicht Abwarten aus?

Nicht jeder Nierenstein muss sofort entfernt werden. Kleine Steine mit einem Durchmesser von bis zu etwa fünf Millimetern gehen häufig von selbst ab. In dieser Zeit stehen Schmerztherapie, ausreichend Flüssigkeitszufuhr und bei Bedarf Medikamente zur Entspannung des Harnleiters im Vordergrund. 

Welche modernen Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Kann ein Stein nicht von selbst ausgeschieden werden oder verursacht er starke Beschwerden, stehen heute verschiedene schonende Verfahren zur Verfügung.

Extrakorporale Stoßwellenlithotripsie (ESWL):

eignet sich vor allem für kleinere Nieren- oder Harnleitersteine. Dabei werden von außen gezielt Stoßwellen auf den Stein gerichtet, sodass dieser in kleine Fragmente zerfällt und anschließend ausgeschieden werden kann.

Ureterorenoskopie (URS):

Bei größeren oder ungünstig gelegenen Steinen wird häufig eine Ureterorenoskopie (URS) durchgeführt. Hierbei führt die Urologin oder der Urologe ein feines Endoskop über die Harnröhre und den Harnleiter bis zum Stein vor. Mithilfe moderner Holmium- oder Thulium-Faserlaser wird der Stein präzise zertrümmert und die Bruchstücke anschließend entfernt.

Nephrolithotomie (PCNL):

Sehr große Nierensteine werden häufig durch eine perkutane Nephrolithotomie (PCNL) behandelt. Dabei erfolgt über einen kleinen Hautschnitt am Rücken ein direkter Zugang zur Niere, um größere Steine vollständig zu entfernen. Dieses Verfahren kommt insbesondere bei komplexen Steinbildungen zum Einsatz.

Eine offene Operation ist heute nur noch in Ausnahmefällen erforderlich. 

Wie kann neuen Nierensteinen vorgebeugt werden?

Nach einer erfolgreichen Behandlung steht die Vorbeugung weiterer Steine im Mittelpunkt. Die wichtigste Maßnahme ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, sodass täglich mindestens zwei bis zweieinhalb Liter Urin ausgeschieden werden.

Zusätzlich können folgende Maßnahmen helfen:

  • ausreichend trinken
  • Kochsalz reduzieren
  • ausgewogene Ernährung
  • normales Körpergewicht anstreben
  • regelmäßige Bewegung
  • Stoffwechselerkrankungen behandeln
  • individuelle Ernährungsempfehlungen je nach Steinart beachten

Bei wiederkehrenden Nierensteinen kann eine spezielle Stoffwechselanalyse helfen, die Ursache genauer zu bestimmen und gezielt zu behandeln. 

Fazit: Eine frühzeitige Behandlung kann Komplikationen vermeiden

Nierensteine gehören zu den häufigsten Erkrankungen der Harnwege und können plötzlich stärkste Schmerzen verursachen. Dank moderner Diagnostik und schonender Therapieverfahren wie der Stoßwellenbehandlung, der endoskopischen Steinentfernung oder der Lasertherapie lassen sich die meisten Steine heute effektiv behandeln – häufig ohne große Operation. Eine frühzeitige Abklärung bei starken Flankenschmerzen ist entscheidend, um Komplikationen wie einen Harnstau oder Infektionen zu vermeiden. Ebenso wichtig ist eine konsequente Vorbeugung, da viele Betroffene im Laufe ihres Lebens erneut Nierensteine entwickeln.

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Über den Fachautor

Melanie Al Tikriti, BSc

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Melanie Al-Tikriti, BSc – Fachautorin: Entdecken Sie medizinische Expertenbeiträge im Leading Medicine Guide.

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