Die Hörsturz-Behandlung soll das Hörvermögen nach einer plötzlichen Hörminderung verbessern. Meist kommen entzündungshemmende Glukokortikoide zum Einsatz, die umgangssprachlich Kortison heißen. Ihr tatsächlicher Nutzen lässt sich bisher nicht zuverlässig beziffern.
Ein leichter Hörsturz kann zunächst ärztlich beobachtet werden. Bei starkem Hörverlust oder begleitendem Schwindel ist eine rasche Untersuchung nötig. Die Behandlung erfolgt häufig ambulant mit Tabletten oder unter bestimmten Voraussetzungen mit einer Spritze durch das Trommelfell.

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Wann kommt die Hörsturz-Behandlung infrage?
Ein Hörsturz ist eine plötzlich auftretende Innenohrschwerhörigkeit, die typischerweise einseitig beginnt. Schallwellen werden im Innenohr nicht mehr richtig verarbeitet. Bleibt bei der Abklärung eine erkennbare Ursache aus, lautet die Diagnose idiopathischer Hörsturz. Nicht jede akute Hörminderung ist daher ein Hörsturz.
Begleitende Ohrgeräusche wie ein Tinnitus sind möglich; kennzeichnend bleibt der plötzliche Hörverlust. Bei Ohrgeräuschen ohne Hörminderung kann eine andere Störung des Ohres vorliegen. Die genaue Ursache des Hörsturzes ist unbekannt. Stress und Infektionen sind weder belegte Auslöser noch gesicherte Risikofaktoren.
- Leichter Hörverlust: Bei geringer Belastung kann nach ärztlicher Beurteilung einige Tage abgewartet werden.
- Starker Hörverlust: Untersuchung und Therapiebeginn werden innerhalb von 1 bis 2 Tagen empfohlen.
- Weitere Ohrerkrankung: Auch dann sollte die Abklärung innerhalb von 1 bis 2 Tagen erfolgen.
- Sehr starker Schwindel: Zusammen mit Hörverlust erfordert er noch am selben Tag ärztliche Hilfe.
Druckgefühl, Ohrenschmerzen oder Taubheit zeigen allein nicht, was im betroffenen Ohr geschieht. Entscheidend sind die HNO-Diagnostik, die Untersuchung des äußeren Gehörgangs und eine Hörprüfung. So lässt sich beurteilen, ob eine erkennbare Ursache für die Beschwerden vorliegt.
Wie sind die Heilungschancen?
Die Heilungschancen lassen sich nur eingeschränkt der Therapie zuschreiben. Bei schätzungsweise 32 bis 65 von 100 Betroffenen verschwindet ein Hörsturz auch ohne medizinische Behandlung. Günstiger ist der Verlauf bei geringem Hörverlust in tiefen oder mittleren Frequenzbereichen und ohne Schwindel.
Wie vielen Menschen Kortison tatsächlich zu besserem Hören verhilft, ist nicht zuverlässig bekannt. In einer randomisierten Studie waren hoch dosierte systemische Glukokortikoide nicht wirksamer als ein niedriger dosiertes Behandlungsschema, verursachten aber mehr Nebenwirkungen.
Hat die erste Behandlung nicht ausreichend geholfen, können Spritzen ins Mittelohr das Hörvermögen möglicherweise noch etwas bessern. Die Evidenz dafür ist unsicher. Auch für die Kombination aus Tabletten und Spritzen ist kein verlässlicher Vorteil gegenüber einer alleinigen systemischen Therapie belegt.
Wie bereite ich mich auf die Untersuchung vor?
Für die Untersuchung des Ohres ist keine besondere Vorbereitung nötig. Hilfreich ist eine genaue Anamnese, also das ärztliche Gespräch über Beginn und Verlauf der Beschwerden. Sie sollten schildern können, seit wann die Hörminderung besteht und ob ein äußerer Auslöser infrage kommt.
- Vorerkrankungen: Nennen Sie bestehende gesundheitliche Probleme.
- Medikamente: Geben Sie alle regelmäßig eingenommenen Präparate an.
- Beschwerdebeginn: Beschreiben Sie möglichst genau, wann der Hörverlust auftrat.
- Begleitbeschwerden: Berichten Sie über Tinnitus, Schwindel und weitere Auffälligkeiten.
Vor Kortisontabletten muss die Ärztin oder der Arzt über andere Medikamente informiert sein, weil Wechselwirkungen möglich sind. Eine HNO-Untersuchung mit Hörprüfung zeigt vor dem Therapieversuch, wie schwer der Hörverlust ist und ob eine andere Ursache vorliegt.
Ein zentraler Teil der Abklärung ist die Tonaudiometrie. Dieser Hörtest zeigt, welche Frequenzbereiche betroffen sind und welchen Schweregrad die Störung des Innenohrs hat. Er hilft, den Hörsturz von anderen Formen der Schwerhörigkeit abzugrenzen.
Wie läuft die Behandlung ab?
Meist wird Kortison als Tablette verabreicht. Eine Infusion in eine Vene kommt nur selten zum Einsatz. Helfen Tabletten nicht ausreichend oder verursachen sie starke Nebenwirkungen, kann die Ärztin oder der Arzt den Wirkstoff direkt ins Mittelohr spritzen.
- Zunächst untersucht die Ärztin oder der Arzt das Ohr und prüft das Hörvermögen.
- Die Tabletten werden einige Tage eingenommen. Bei unzureichender Besserung kann sich die Einnahme verlängern.
- Für eine Spritze ins Ohr wird es örtlich betäubt. Danach führt die Ärztin oder der Arzt eine feine Nadel durch das Trommelfell.
- Die Injektion dauert wenige Sekunden und wird im Abstand von wenigen Tagen etwa 4- bis 6-mal wiederholt.
Die Therapie ist oft ambulant möglich. Ein Krankenhausaufenthalt kommt beispielsweise bei sehr starkem Hörverlust oder ausbleibender Wirkung der ambulanten Versorgung infrage.
Welche Nebenwirkungen sind möglich?
Bei Tabletten können Nebenwirkungen im gesamten Körper auftreten. Dazu gehören erhöhte Blutzuckerwerte, Schlafstörungen und Stimmungsschwankungen. Wie häufig diese Beschwerden speziell während einer Hörsturz-Behandlung vorkommen, ist nicht sicher bekannt.
Während einer Spritze ins Ohr kann vorübergehend Schwindel auftreten. In einer Studie berichteten 33 Behandelte davon, entsprechend rund 11 Prozent der Gruppe mit Spritze ins Mittelohr und zusätzlicher systemischer Behandlung.
Das durch die Nadel entstandene Loch des Trommelfells schließt sich normalerweise wieder. Sehr selten bleibt es bestehen. Dann kann es das Hören beeinträchtigen oder Infektionen begünstigen.
Worauf sollte ich danach achten?
Nach einer Spritze ins Mittelohr bleiben Patientinnen und Patienten etwa 20 Minuten auf der nicht behandelten Seite liegen. So verbleibt das Medikament am behandelten Ohr.
Anschließende Hörtests zeigen, ob und in welchen Frequenzbereichen sich das Hörvermögen gebessert hat. Das subjektive Empfinden allein reicht dafür nicht aus, weil sich Veränderungen je nach Tonhöhe unterschiedlich bemerkbar machen können.
Bleibt eine dauerhafte Schwerhörigkeit zurück, kann ein Hörgerät helfen. Bei einer nahezu vollständigen Ertaubung kommt gegebenenfalls ein Cochlea-Implantat infrage. Dieses Implantat dient nicht der Akuttherapie, sondern der Versorgung bei schwerem bleibendem Hörverlust.
Welche Alternativen gibt es?
Mehrere Behandlungsmöglichkeiten werden als Alternative oder Ergänzung angeboten. Bei einigen ist kein Nutzen nachgewiesen, bei anderen bleibt die Wirksamkeit unzureichend erforscht.
| Verfahren | Für wen oder wann | Möglicher Nutzen | Nachteile und Grenzen |
|---|---|---|---|
| Spritze ins Mittelohr | Bei unzureichender Wirkung oder starken Nebenwirkungen von Tabletten | Eine geringe spätere Verbesserung ist möglich, die Evidenz aber unsicher. | Vorübergehender Schwindel und sehr selten ein verbleibendes Loch im Trommelfell sind möglich. |
| Durchblutungsfördernde Mittel | Bei Hörsturz angebotene Medikamente zur Förderung der Durchblutung, etwa Rheologika oder Vasodilatatoren. | Bei Hörsturz ist für diese Mittel kein Nutzen nachgewiesen. | Fachleute empfehlen diese Mittel wegen möglicher Nebenwirkungen nicht mehr. |
| Hyperbare Sauerstofftherapie | Als Behandlung in einer Überdruckkammer | Die Wirksamkeit bei Hörsturz ist schlecht erforscht. | Ein verlässlicher Vorteil ist nicht belegt. |
| Ginkgo-Extrakt | Als Ergänzung zu Kortison | Studien liefern Hinweise, aber keinen verlässlichen Nutzennachweis. | Die Wirkung bleibt unklar. |
| Hörhilfe oder Implantat | Bei bleibendem Hörverlust | Kann eine dauerhafte Hörstörung ausgleichen. | Behandelt nicht den akuten Hörsturz. |
Welche Kosten können entstehen?
Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt die Abklärung eines plötzlichen Hörverlusts. Die Glukokortikoid-Therapie des idiopathischen Hörsturzes als Tablette, Infusion oder Spritze ins Ohr wird dagegen in der Regel nicht bezahlt.
Eine einzelne Glukokortikoid-Infusion kostet Selbstzahlende üblicherweise etwa 10 bis 40 Euro. Dieser Betrag gilt nur für eine Infusion und lässt sich nicht auf die häufiger verwendeten Tabletten oder die Spritze ins Ohr übertragen.
Gesetzlich Versicherte sollten vor einer selbst zu zahlenden Therapie einen schriftlichen Kostenvoranschlag erhalten. Außerdem müssen sie der Behandlung auf eigene Rechnung schriftlich zustimmen. Darin sollten die geplanten Einzelleistungen und die Gesamtkosten nachvollziehbar aufgeführt sein.
Bei einer privaten Krankenversicherung richtet sich die Erstattung nach dem jeweiligen Vertrag. Privatversicherte sollten den Kostenvoranschlag vor Beginn einreichen und die Kostenübernahme klären.
Welche Ärztinnen und Ärzte führen die Therapie durch?
Die Abklärung und Versorgung eines Hörsturzes gehört in die Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Die Weiterbildung zur HNO-Ärztin oder zum HNO-Arzt umfasst Höruntersuchungen und die intratympanale Therapie, also die Medikamentengabe durch das Trommelfell.
Vor einem Therapievorschlag sollte die Praxis das Ohr untersuchen und das Gehör prüfen. Die Tonaudiometrie muss erkennen lassen, welche Tonhöhen betroffen sind und wie ausgeprägt die Hörstörung ist.
Diese Fragen können beim Erstgespräch helfen:
- Welches Ziel kann die vorgeschlagene Therapie in meinem Fall realistisch erreichen?
- Welche Gründe sprechen für Tabletten oder für eine Spritze ins Ohr?
- Welche Alternativen gibt es und wie sicher ist ihr Nutzen belegt?
- Welche Gesamtkosten muss ich voraussichtlich selbst tragen?
Spezialistinnen und Spezialisten für die Hörsturz-Behandlung finden Sie im Anschluss an diesen Text.
Häufige Fragen zur Hörsturz-Behandlung
Ist ein Hörsturz ein Notfall?
Nicht jeder leichte Hörsturz erfordert eine sofortige Therapie. Starker Hörverlust, eine weitere Ohrerkrankung oder Schwindel sollten innerhalb von 1 bis 2 Tagen abgeklärt werden. Bei sehr starkem Schwindel zusammen mit plötzlichem Hörverlust ist noch am selben Tag ärztliche Hilfe nötig.
Kann ein Hörsturz von selbst verschwinden?
Ja, das Gehör kann sich auch ohne medizinische Behandlung erholen. Bei geringem Hörverlust und ohne Schwindel ist eine Besserung wahrscheinlicher.
Hilft Kortison bei einem Hörsturz immer?
Nein, eine zuverlässige Wirkung bei allen Betroffenen ist nicht belegt. Wie vielen Menschen Glukokortikoide zu einem besseren Gehör verhelfen, lässt sich derzeit nicht sicher sagen.
Muss ich für die Behandlung ins Krankenhaus?
Ein Hörsturz kann oft ambulant behandelt werden. Ein Krankenhausaufenthalt kommt bei sehr starkem Hörverlust oder bei ausbleibender Wirkung der ambulanten Therapie infrage.
Helfen Ginkgo oder Sauerstofftherapie bei Hörsturz?
Ein verlässlicher Nutzen ist für beide Verfahren nicht nachgewiesen. Für Ginkgo gibt es Hinweise aus Studien, deren Gesamtqualität aber keine sichere Aussage erlaubt. Die hyperbare Sauerstofftherapie ist ebenfalls schlecht erforscht.
Über den Fachautor
Sabine Schneider
Chefredakteurin
Sabine Schneider – medizinische Fachautorin: Entdecken Sie fundierte Fachbeiträge und medizinische Expertise im Leading Medicine Guide.
Mehr über den Fachautor →Quellen
- Wie wird ein Hörsturz behandelt?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, 2023
- Hörsturz – Untersuchung und Diagnose. HNO-Ärzte im Netz
- Hörsturz. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, 2023
- Fachlich empfohlener Weiterbildungsplan für den/die Facharzt/Fachärztin für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde. Bundesärztekammer, 2020
- Hörsturz – erste Anzeichen und Symptome. HNO-Ärzte im Netz
- High-Dose Glucocorticoids for the Treatment of Sudden Hearing Loss. NEJM Evidence, 2024
- Intratympanic corticosteroids for sudden sensorineural hearing loss. Cochrane Database of Systematic Reviews, 2022
- Was passiert bei einer Ohrenuntersuchung?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen
- Kortison richtig anwenden und Nebenwirkungen vermeiden. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, 2021
- Efficacy of intratympanic or postauricular subperiosteal corticosteroid injection combined with systemic corticosteroid in the treatment of sudden sensorineural hearing loss: A prospective randomized study. Frontiers in Neurology, 2023
- Efficacy and safety of standardized Ginkgo biloba L. leaves extract as an adjuvant therapy for sudden sensorineural hearing loss: A systematic review and meta-analysis. Journal of Ethnopharmacology, 2022
- IGeL Monitor. IGeL-Monitor, Medizinischer Dienst Bund, 2015
- IGeL: Ihre Rechte als Patient:in. Verbraucherzentrale, 2025
- Was erstattet die Krankenkasse?. Verbraucherzentrale, 2025
