Schwerhörigkeit ist keine eigenständige Erkrankung, sondern ein Symptom einer Störung des Hörorgans. Betroffene haben ein eingeschränktes Hörvermögen und nehmen Geräusche und Töne nur noch vermindert wahr.
Viele Menschen bemerken zunächst nur leichte Hörprobleme. Da sich Schwerhörigkeit schleichend entwickeln kann, bleibt sie lange unentdeckt.
Für viele Betroffene bedeutet ein zunehmender Hörverlust eine deutliche Einschränkung im Alltag. Kommunikation wird schwieriger und die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben kann beeinträchtigt sein.
Weitere Informationen und Spezialisten für Schwerhörigkeit finden Sie weiter unten im Text.
Kurzübersicht:
Häufig werden zunächst leise Geräusche und Töne schlechter gehört, später auch Geräusche und Töne mit höheren Frequenzen oder Gespräche schwer verständlich. Das soziale Leben leidet häufig unter einer unbehandelten Hörminderung.
Die Ursachen für eine Schwerhörigkeit können sehr unterschiedlich sein. Sie reichen von Veränderungen im Gehörgang oder Mittelohr bis zu Schädigungen der Sinneszellen im Innenohr. Auch eine Infektion, starke Lärmbelästigung oder altersbedingte Veränderungen können dazu führen, dass Menschen schwerhörig werden oder eine Lärmschwerhörigkeit entwickeln. Ebenso kann auch ein Tinnitus eine Hörstörung hervorrufen.
Je nach Ort der Schädigung unterscheiden Ärzte verschiedene Formen der Hörminderung. Dazu gehören u.a. Schallleitungsstörung, die sensorineurale Schwerhörigkeit sowie Störungen der zentralen Hörverarbeitung im Gehirn. Besonders häufig tritt Schwerhörigkeit im höheren Lebensalter auf. Dann handelt es sich um Altersschwerhörigkeit (auch Presbyakusis genannt).
Die Diagnose erfolgt durch einen HNO-Arzt mithilfe einer Anamnese und verschiedenen Hörtests. Ergänzend können bildgebende Verfahren, wie ein MRT eingesetzt werden. Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und reicht von einfachen Maßnahmen bis hin zur Versorgung mit einem Hörgerät oder Cochlea-Implantaten bei starkem Hörverlust oder Taubheit.
Artikelübersicht
- Die Anatomie des Ohrs
- Risikofaktoren & Ursachen für Schwerhörigkeit / Gehörlosigkeit
- Schallleitungsschwerhörigkeit
- Schallempfindungsschwerhörigkeit
- Schallverarbeitungsschwerhörigkeit
- Die Grade einer Schwerhörigkeit
- Mit Schwerhörigkeit zum Arzt - Behandlung und Umgang mit Schwerhörigkeit
- Schwerhörigkeit vorbeugen
- Folgen unbehandelter Schwerhörigkeit
- Häufige Fragen
Die Anatomie des Ohrs
Das Ohr besteht aus drei Teilen:
- dem Außenohr
- dem Mittelohr und
- dem Innenohr

Das menschliche Ohr @ bilderzwerg /AdobeStock
Um zu verstehen, wie Schwerhörigkeit entsteht, lohnt sich ein Blick auf den Aufbau des Ohrs. Das menschliche Ohr besteht aus den o.g. 3 Bereichen.
Das Außenohr umfasst die Ohrmuschel und den Gehörgang. Die Ohrmuschel nimmt jede Schallwelle aus der Umgebung auf und leitet sie über den Gehörgang in Richtung Trommelfell weiter.
Im Mittelohr befinden sich das Trommelfell sowie die drei Gehörknöchelchen Hammer, Steigbügel und Amboss. Trifft eine Schallwelle auf das Trommelfell beginnt dieses zu schwingen. Diese Schwingungen werden über die Gehörknöchelchen verstärkt und an das Innenohr weitergegeben.
Im Innenohr liegt die Cochlea, auch Hörschnecke genannt. Hier befinden sich hochspezialisierte Sinneszellen, die mechanische Schwingungen in elektrische Signale umwandeln. Diese werden über den Hörnerv ans Gehirn weitergeleitet. Erst dort werden die Impulse als Geräusche und Töne erkannt und verarbeitet.
Werden die empfindlichen Sinneszellen im Innenohr beschädigt oder anderweitig geschädigt, kann das Gehirn die Signale nicht mehr korrekt auswerten. In diesem Fall lässt das Hörvermögen nach und eine Schwerhörigkeit kann entstehen.
Risikofaktoren & Ursachen für Schwerhörigkeit / Gehörlosigkeit
Schwerhörigkeit kann unterschiedliche Ursachen haben.
Experten unterscheiden zwischen:
- Schallleitungsschwerhörigkeit
- Schallempfindungsschwerhörigkeit und
- Schallverarbeitungsschwerhörigkeit
Schallleitungsschwerhörigkeit
Bei dieser Form funktioniert die Weiterleitung des Schalls vom Außenohr an das Innenohr nicht. Ursache ist meist ein Störung im Gehörgang oder Mittelohr.
Das kann verschiedene Ursachen haben:
Akute Auslöser
- Verschluss des Gehörgangs (z. B. durch Ohrenschmalz)
- Entzündungen im Gehörgang (Infektion oder Mittelohrentzündung)
- Zerreißen oder Durchstechen des Trommelfells (z. B. durch Ohrreinigung)
- unterbrochene Verbindung zwischen den Gehörknöchelchen (z. B. durch Verletzungen im Mittelohr)
Chronische Auslöser
- angeborene Schallleitungsstörung (z. B. durch Fehlentwicklung von Ohrmuschel, Gehörgang oder Mittelohr)
- vermehrtes Knochenwachstum im Gehörgang
- chronische Mittelohrentzündung
- Otosklerose (Fixierung des Steigbügels durch entzündliche Umbauprozesse)
- Veränderung der Mittelohrschleimhaut (z. B. durch eine chronische Belüftungsstörung der Ohrtrompete)
- Verengung des Gehörgangs (z. B. durch Narben oder Entzündungen)
- Tumore im Gehörgang
Schallempfindungsschwerhörigkeit
Bei der sensorineuralen Schwerhörigkeit liegt die Störung im Innenohr oder Hörnerv. Dabei sind häufig die Sinneszellen der Cochlea dauerhaft geschädigt.
Akute Auslöser
- Hörsturz
- starke Lärmbelastung, wenn Menschen über längere Zeit starkem Lärm von über 140 Dezibel ausgesetzt sind, z.B. bei lauten Konzerten oder im Club oder bei der Arbeit
- Infektionen, die auch das Innenohr betreffen (z. B. bei Hirnhautentzündung, AIDS, Masern oder Blutvergiftung)
- Nebenwirkung von Medikamenten
- Schädigung des Innenohrs (z. B. durch Schädelbruch)
- Riss der Membranen zwischen Mittelohr und Innenohr
- Stresssituationen
Chronische Auslöser
- angeborene Fehlbildungen
- täglich mehrstündig andauernde Lärmbelastung über 85 Dezibel
- verschiedene Krankheiten (z. B. Nieren- und Schilddrüsenfunktionsstörungen oder Diabetes mellitus)
- Morbus Menière (Druckerhöhung im Innenohr und dadurch Schädigung der Sinneszellen)
Schallverarbeitungsschwerhörigkeit
Eine weitere Art der Schwerhörigkeit betifft nicht direkt das Ohr, sondern die Verarbeitung der Signale im Gehirn. In diesem Fall liegt die Störung in den Bereichen des Gehirns, die für das Hören zuständig sind.
Auch hierfür kann es verschiedene Ursachen geben:
- Schlaganfall
- Verletzung der Hörrinde
- Hirnblutungen
- gutartige und bösartige Gehirntumore
- Entzündung des Gehirns
Die Grade einer Schwerhörigkeit
Eine Schwerhörigkeit kann unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Der Grad wird anhand des gemessenen Hörverlust bestimmt.
Eine Hörminderung liegt ab etwa 20 Dezibel vor. Bei leichter Schwerhörigkeit nehmen Betroffenen leise Geräusche und Töne schlechter wahr.
Bei stärkerem Hörverlust fält es zunehmend schwer, Gespräche oder Umgebungsgeräusche zu verstehen.
Bei sehr starkem Hörverlust kann es zu Taubheit oder Gehörlosigkeit kommen.
Frau mit Hörgerät hinter dem Ohr @ studioworkstock /AdobeStock
Mit Schwerhörigkeit zum Arzt - Behandlung und Umgang mit Schwerhörigkeit
Treten Probleme mit dem Hören plötzlich und mit anderen Symptomen wie Schmerzen oder Fieber auf, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.
Hierfür ist der Hals-Nasen-Ohren-Arzt zuständig. Auch bei langsam fortschreitender Schwerhörigkeit ist es wichtig, einen Arzt zu konsultieren. Empfängt das Gehirn die betroffenen Impulse für längere Zeit nicht mehr, verlernt es die Verarbeitung. Dann helfen auch Hörgeräte nicht mehr.
Die Behandlung hängt immer von der Ursache ab. Ist der Gehörgang beispielsweise durch Ohrenschmalz verstopft, kann der Arzt diesen reinigen.Schwerhörigkeit vorbeugen
In vielen Fällen ist es möglich, Schwerhörigkeit vorzubeugen. Besonders wichtig ist der Schutz vor Lärm. Wer regelmäßig Musik über Kopfhörer hört, sollte auf eine moderate Lautstärke achten. Menschen, die häufig sehr lauter Musik oder Maschinenlärm ausgesetzt sind, sollten Gehörschutz verwenden.
Auch Ohrstöpsel können helfen, das Gehör bei lauten Konzerten oder im Club zu schützen. Durch solche Maßnahmen lässt sich oft Schwerhörigkeit im Alter vorbeugen.
Folgen unbehandelter Schwerhörigkeit
Wenn Menschen lange unter Schwerhörigkeit leiden, kann das gesundheitliche und soziale Folgen haben. Kommunikationsprobleme führen häufig dazu, dass Betroffene sich aus Gesprächen zurückziehen.
Bei Kindern können Hörprobleme ebenfalls schwerwiegende Folgen haben. Wenn Kinder dauerhaft schlecht hören, kann dies die Sprachentwicklung beeinträchtigen, da wichtige Geräusche und Töne sowie sprachliche Reize nicht ausreichend wahrgenommen werden. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung ist daher besonders wichtig.
Studien zeigen, dass unbehandelte Hörminderungen ein Risikofaktor für Demenz sein können. Das Gehirn erhält weniger akustische Reize und wird dadurch weniger stimuliert. Daher ist es wichtig, Schwerhörigkeit und Gehörlosigkeit bei Erwachsenen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.
Häufige Fragen
Woran erkennt man Schwerhörigkeit?
Typische Anzeichen sind Hörprobleme, häufiges Nachfragen und Schwierigkeiten bei Gesprächen in einer Gruppe. Auch wenn Geräusche und Töne gedämpft wirken oder leise Töne nicht mehr wahrgenommen werden, kann eine Schwerhörigkeit vorliegen.
Was ist die häufigste Ursache für Schwerhörigkeit?
Eine der häufigsten Ursachen ist die Altersschwerhörigkeit, auch Presbyakusis genannt. Dabei werden die Sinneszellen im Innenohr mit zunehmenden Alter langsam geschädigt.
Wann braucht man ein Hörgerät?
Ein Hörgerät wird eingesetzt, wenn das natürliche Hörvermögen durch einen dauerhaften Hörverlust eingeschränkt ist und Betroffene im Alltag deutlich schwerhörig sind.
Kann man Schwerhörigkeit verhindern?
Teilweise lässt sich Schwerhörigkeit vermeiden, wenn das Gehör geschützt wird. Dazu gehören Gehörschutz, Ohrstöpsel, eine angemessene Lautstärke bei Musik über Kopfhörer sowie Schutz vor starkem Lärm.











